{"id":12423,"date":"2007-12-03T00:31:00","date_gmt":"2007-12-03T00:31:00","guid":{"rendered":".\/?p=12423"},"modified":"2007-12-03T00:31:00","modified_gmt":"2007-12-03T00:31:00","slug":"12423","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/12\/12423\/","title":{"rendered":"Anfang vom Ende der Gro&#223;en Koalition"},"content":{"rendered":"<p>  <i>Regierung wackelt, Vizekanzler M&#252;ntefering geht<\/i><\/p>\n<p>  Mit Franz M&#252;ntefering trat &#8222;Mister Gro&#223;e Koalition&#8220;, wie er im Bundestag   genannt wird, zur&#252;ck. Hintergrund ist die enorme Unzufriedenheit   gegen&#252;ber der neoliberalen Politik. Dennoch zeigen die Ergebnisse des   Koalitionsausschusses, dass Merkel und Co. den Umverteilungskurs   beibehalten werden &#8211; wenn ihnen nicht das Handwerk gelegt wird.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Ronald Luther, Berlin<\/i><\/p>\n<p>  Auf ihrem Parteitag Ende Oktober hatte die SPD versucht, der Stimmung in   der Bev&#246;lkerung Rechnung zu tragen und mit winzigen Reformversprechen   ihre Talfahrt zu stoppen. Zwar legten die Sozialdemokraten zun&#228;chst von   26 auf 29 Prozent zu, fielen aber kurz darauf laut RTL wieder auf 26   Prozent zur&#252;ck.<\/p>\n<p>  M&#252;nteferings Abgang<\/p>\n<p>  Am Tag nach der Koalitionsausschuss-Sitzung erkl&#228;rte M&#252;ntefering seinen   R&#252;cktritt. In den vergangenen Monaten hatte er in der SPD immer mehr an   R&#252;ckhalt verloren. Selbst Ex-Kanzler Gerhard Schr&#246;der ging auf Distanz   zu M&#252;ntefering. Die Agenda-2010-Positionen seien &#8222;nicht die zehn Gebote,   und niemand, der daran mitgearbeitet hat, sollte sich als Moses   begreifen&#8220;. Neben den Hartz-Gesetzen ist M&#252;ntefering aufs Engste mit der   Einf&#252;hrung der Rente ab 67 verbunden.<\/p>\n<p>  Die S&#252;ddeutsche Zeitung schrieb, der R&#252;ckzug des Vizekanzlers markiere   den Anfang vom Ende der Gro&#223;en Koalition. Offen sei nur, wie lange sich   das Ende hinziehe. Auch die Unternehmer sind unzufrieden mit der   Regierung. Allerdings beeilten sich die Arbeitgeberverb&#228;nde nach   M&#252;nteferings Abgang, sich &#246;ffentlich hinter die Koalition zu stellen. Da   die instabile politische Lage und die Existenz der Partei DIE LINKE den   B&#252;rgerlichen bei Neuwahlen eine noch ung&#252;nstigere Zusammensetzung des   Bundestags bescheren k&#246;nnte, setzen sie derzeit nicht auf vorgezogene   Wahlen.<\/p>\n<p>  Angesichts der explosiven Situation (m&#246;gliche Weltwirtschaftskrise,   erbitterte Klassenk&#228;mpfe und gesellschaftliche Radikalisierung) ist aber   nicht auszuschlie&#223;en, dass die Merkel-Regierung vor Herbst 2009   zerbricht.<\/p>\n<p>  Koalitionsausschuss<\/p>\n<p>  &#8222;Die CDU hatte den Pfannkuchen aus Mainz leicht angetippt, da war die   F&#252;llung weg. Wochenlang hatte der SPD-Vorsitzende die B&#252;rgermedien mit   roter Marmelade erschreckt, aber es war mal wieder wie stets im   bundesdeutschen Verkaufseinerlei &#8211; ausschlie&#223;lich billiger Zucker und   auf dem Etikett die Mitteilung, dass Obst drin ist&#8220; (junge Welt vom 14.   November). Von den ohnehin mageren Ank&#252;ndigungen des SPD-Parteitags   blieb so gut wie nichts &#252;brig. So wurde zwar eine l&#228;ngere Zahlung des   ALG I f&#252;r &#252;ber 50-J&#228;hrige beschlossen. Die daf&#252;r veranschlagten 1,1   Milliarden Euro sollen aber &#8222;kostenneutral&#8220; &#252;ber die Bundesagentur f&#252;r   Arbeit (BA) finanziert, also zum Beispiel bei Eingliederungsma&#223;nahmen   wieder eingespart werden. Gleichzeitig wurde die Senkung des Beitrags   zur Arbeitslosenversicherung ab Januar 2008 von derzeit 4,2 auf 3,3   Prozent vom Bruttolohn beschlossen. W&#228;hrend das den Arbeitgebern &#252;ber   drei Milliarden Euro bringt, werden die ArbeitnehmerInnen &#8211; denen das   bei einem Gehalt von 2.000 Euro eine Ersparnis von neun Euro im Monat   verschafft &#8211; ab 1. Juli 2008 mit einer Erh&#246;hung der Beitr&#228;ge zur   Pflegeversicherung von 0,25 Prozent um 2,50 Euro einseitig belastet. Die   wenigen Euro, die unterm Strich bleiben, werden allein durch die   Preissteigerungen aufgebraucht sein.<\/p>\n<p>  Keine Einigung gab es bei der &#8222;Zwangsverrentung&#8220;. 58 j&#228;hrigen   Erwerbslosen drohen so Renten mit Abschl&#228;gen von 18 Prozent ab Januar.   Auch einen gesetzlichen Mindestlohn f&#252;r Brieftr&#228;ger soll es nicht geben.   Gegen diesen hatten sich Gro&#223;verlage wie Springer stark gemacht.<\/p>\n<p>  Die Umverteilung geht weiter. Die Unternehmenssteuerreform, die im   Januar in Kraft tritt, hat nach Angaben der Dax-Konzerne   unterschiedliche Auswirkungen. Doch &#8222;f&#252;r die meisten &#252;berwiegt das   Positive&#8220;, wie die FAZ am 20. November schrieb. Zehn Unternehmen   berichteten &#8222;von einem Gewinnplus infolge der Reform in der   Gr&#246;&#223;enordnung von zusammen 2,7 Milliarden Euro&#8220;.<\/p>\n<p>  Gelegenheit vertan<\/p>\n<p>  Nachdem Beck seine Mini-Korrektur beim ALG I bekanntgab, war die SAV   daf&#252;r eingetreten, nachzulegen. Konkret hatten wir vorgeschlagen, dass   Gewerkschaften und DIE LINKE mit Massenflugbl&#228;ttern, Plakaten und   Veranstaltungen gegen Merkel und M&#252;ntefering aktiv werden sollten. Auf   einer Aktionskonferenz h&#228;tten Gro&#223;proteste und Streiks vorbereitet   werden k&#246;nnen &#8211; gegen Hartz-Gesetze, Rente ab 67 und   Bahn-Privatisierung. Leider verhielten sich die Spitzen von DGB und   LINKE weitgehend passiv. Eine gro&#223;e M&#246;glichkeit, die Agenda 2010 zu   kippen, verstrich ungenutzt.<\/p>\n<p>  Aber der Hass auf die Kapitalisten und ihre Politiker w&#228;chst weiter. Die   Kampfbereitschaft nimmt zu. Darum muss thematisiert werden, was n&#246;tig   und m&#246;glich gewesen w&#228;re. Damit die neoliberalen Angriffe endlich   wirksam zur&#252;ck geschlagen werden k&#246;nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      <i>Regierung wackelt, Vizekanzler M&#252;ntefering geht<\/i>\n    <\/p>\n<p>\n      Mit Franz M&#252;ntefering trat &#8222;Mister Gro&#223;e Koalition&#8220;, wie er im Bundestag<br \/>\n      genannt wird, zur&#252;ck. Hintergrund ist die enorme Unzufriedenheit<br \/>\n      gegen&#252;ber der neoliberalen Politik. 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