{"id":12403,"date":"2007-11-20T00:00:15","date_gmt":"2007-11-20T00:00:15","guid":{"rendered":".\/?p=12403"},"modified":"2007-11-20T00:00:15","modified_gmt":"2007-11-20T00:00:15","slug":"12403","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/11\/12403\/","title":{"rendered":"Pakistan: Brutale Staatsmacht entlud sich gegen friedlich Protestierende"},"content":{"rendered":"<p>  Augenzeugenberichte von Mitgliedern des <a href=\"http:\/\/www.socialistworld.net\">CWI<\/a>   in Pakistan<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Tausende verhaftet, auf den Stra&#223;en gequ&#228;lt, geschlagen und   gedem&#252;tigt <\/b><\/p>\n<p>  <i>Mittwoch, 14. November 2007<\/i><\/p>\n<p>  Das Musharraf-Regime in Pakistan hat bei ihrem schlimmsten Angriff gegen   Anw&#228;lte, GewerkschaftsaktivistInnen und im Sozialbereich Aktive, den   Pakistan je gesehen hat, bisher Tausende Menschen verhaftet. Dieses   scharfe Vorgehen h&#228;lt immer noch an, was Tausende politisch Aktive   zwingt, in den Untergrund zu gehen. Hier einige Augenzeugenberichte von   Protestaktionen und staatlicher Repression.<\/p>\n<p>  Zur Zeit hat sich Pakistan in einen Polizeistaat verwandelt. Es gibt   kein Gesetz und f&#252;r die Polizei und andere Beh&#246;rden des Rechtsvollzugs   existieren keine Moralvorstellungen. Die Polizei tut alles, um ihre   Herren zufriedenzustellen. Die Gerichte nehmen keine Notiz von der   nackten Gewalt, die gegen friedliche DemonstrantInnen eingesetzt wird.   Sogar weibliche politsch Aktive und Anw&#228;lte sind auf den Stra&#223;en schlimm   geschlagen und gedem&#252;tigt worden. JedeR, der \/ die gegen diese Tyrannei   und Repression oponiert, wird als KriminelleR und TerroristIn behandelt.<\/p>\n<h4>  Lahore<\/h4>\n<p>  Minuten nach der Verh&#228;ngung des Ausnahmezustands in Pakistan am 3.   November durch den Generalstabschef der Armee, Pervez Musharraf,   starteten die Beh&#246;rden des Rechtsvollzugs im ganzen Land einschlie&#223;lich   Lahore einen gro&#223; angelegten Angriff. Am 4. November &#252;berfiel die   Polizei in Lahore die Wohnungen vieler AktivistInnen, Anw&#228;lte,   PolitikerInnen und VertreterInnen zivilgesellschaftlicher Organisationen   und verhafteten &#252;ber 800 Menschen. Die Polizei hatte klare Anweisungen,   keinerlei Handlungen gegen den Ausnahmezustand zu tolerieren und jedeN   zu verhaften, der \/ die m&#246;glicherweise die Stimme gegen diese   Vorgangsweise erheben k&#246;nnte.<\/p>\n<p>  Montag, der 5. November war ein absolut schlimmer Tag in Lahore, die   Polizeibrutalit&#228;t richtete sich gegen die Anw&#228;lte, die gegen die   Verh&#228;ngung des Ausnahmezustands protestierten. Etwa 3.000 Anw&#228;lte   versammelten sich im H&#246;chstgericht von Lahore und versuchten, an der   Mall einen Protestzug durchzuf&#252;hren. Sie wurden aber von einem starken   Polizeiaufgebot gestoppt. Die Polizei verwendete Tr&#228;nengas und ging mit   Gummikn&#252;ppel auf sie los. Viele Anw&#228;lte wurden ernsthaft verletzt. Mehr   als 1.000 Anw&#228;lte wurden verhaftet. Polizei st&#252;rmte die Anwaltskammern   und das B&#252;ro der Vereinigung der Anw&#228;lte am H&#246;chstgericht, um die   Anw&#228;lte festzunehmen. Die Polizei verwendete auch im Geb&#228;ude des   H&#246;chstgerichts von Lahore starkes Tr&#228;nengas und Gummikn&#252;ppel. Die   Polizei schlug auch auf die Anw&#228;lte &#252;bel ein, bevor sie sie festnahmen.<\/p>\n<p>  Diese Brutalit&#228;t konnte die Proteste und Demonstrationen in Lahore nicht   stoppen. Jeden Tag schlug und dem&#252;tigte die Polizei Protestierende   brutal, aber immer noch str&#246;men Menschen auf die Stra&#223;e, um der Ordnung   des Ausnahmezustands zu trotzen. Diese Demonstrationen sind klein, aber   die Zahl der Proteste und Demonstrationen in den verschiedenen Teilen   der Stadt nimmt zu. Den Menschen Pakistans widerfuhr diese Art von   Brutalit&#228;t und Dem&#252;tigung zuletzt vor zwei Jahrzehnten bei der letzten   harten Konfrontation. In den letzten zwei Tagen haben sich auch   Studierende und politisch Aktive an den Protesten beteiligt. Auch   JournalistInnen haben t&#228;gliche Demonstrationen begonnen. Die Polizei hat   sich eine Strategie des Zum-Schweigen-bringen und Niederw&#228;lzens jeder   Stimme, die sich gegen das gegenw&#228;rtige Regime erhebt, zu eigen gemacht.   Das Regime hat einen eindeutigen Klassenstandpunkt eingenommen: sie   schickte die normalen politisch Aktiven in die ber&#252;chtigten Gef&#228;ngnisse,   w&#228;hrend die wichtigsten politischen F&#252;hrerInnen, die zur herrschenden   Klasse geh&#246;ren, unter Hausarrest gestellt wurden, damit sie es bequemer   haben. Derzeit ist die &#252;berwiegende Mehrheit der protestierenden   Studierenden, MenschenrechtsaktivistInnen und politisch Aktiven aus der   Mittelklasse. Die ArbeiterInnenklasse hat noch nicht wirklich an diesen   Demonstrationen und Protesten teilgenommen. Der Grund ist, dass die   ArbeiterInnenklasse und die Armen trotz allem nicht bereit sind, den   vorhandenen politischen F&#252;hrungen und Parteien zu vertrauen.<\/p>\n<h4>  Islamabad<\/h4>\n<p>  Trotz Festnahmen und scharfen Angriffen gegen Anw&#228;lte und politische   AktivistInnen weiten sich die Proteste in Islamabad aus. Auch die   Studierenden haben zwei Protestm&#228;rsche organisiert, an denen Hunderte   Nicht-Studierende neben den Studierenden teilnahmen. Die bisher gr&#246;&#223;te   Demonstration wurde von der Pakistanischen Volkspartei (Pakistan   Peoples&#8217; Party &#8211; PPP) am 9. November organisiert. Die PPP versuchte, in   Rawalpindi eine &#246;ffentliche Versammlung zu organisieren, um gegen die   Verh&#228;ngung des Ausnahmezustands zu protestieren. Aber die Beh&#246;rden zogen   die Erlaubnis zu dieser &#246;ffentlichen Versammlung wieder zur&#252;ck und   starteten einen scharfen Angriff gegen die PPP-AktivistInnen. Mehr als   2.500 Parteimitglieder wurden unter Schutzhaft gestellt. Es kam immer   wieder zu Zusammenst&#246;&#223;en zwischen PPP-Mitgliedern und der Polizei und   das Katz- und Maus-Spielen zwischen Polizei und PPP-Mitgliedern dauerte   den ganzen Tag an. Die Polizei blockierte auch alle Zufahrtsstra&#223;en, die   von der Nord-West-Grenzprovinz (NWFP &#8211; North-West Frontier Province) und   von Punjab nach Islamabad f&#252;hren. Tausende Sicherheitskr&#228;fte wurden in   Islamabad und Rawalpindi eingesetzt, um die Proteste und Demonstrationen   aufzul&#246;sen, aber es kommen immer wieder Leute zu Protestaktionen.<\/p>\n<h4>  Karachi<\/h4>\n<p>  In Karachi haben die Beh&#246;rden eine Politik der Unterbindung jedes   Protests, bevor er beginnt, gew&#228;hlt. Hunderte von Anw&#228;lten,   GewerkschaftsaktivistInnen und politisch Aktiven sind verhaftet worden.   Die Polizei und paramilit&#228;rische Rangers lassen keinen Anwalt ohne   Erlaubnis des Gerichtsbeamten auf das Gel&#228;nde des H&#246;chstgerichts von   Sindh. Die Polizei attackierte Anw&#228;lte brutal in verschiedenen   Distrikts-Gerichtsgeb&#228;uden, um ihren Protest zu beenden. Die Polizei   lie&#223; auch keine Demonstration und keine Protestaktion vor dem Presseclub   von Karachi und am Regal Square, dem Haupttreffpunkt f&#252;r   Demonstrationen, zu. Es folgen weitere Verhaftungen, da die Proteste   zunehmen. 18 Anw&#228;lte wurden des Landesverrats bezichtigt. Die Gerichte   akzeptieren keine Kautionszahlungen f&#252;r verhaftete Anw&#228;lte, politisch   Aktive und GewerkschaftsaktivistInnen. Das Ausma&#223; an Demonstrationen und   Protestaktionen ist klein aufgrund der staatlichen Brutalit&#228;t und der   Angst davor.<\/p>\n<h4>  Peshawar<\/h4>\n<p>  Anw&#228;lte und politisch Aktive setzen ihre Protestaktionen gegen das   gegenw&#228;rtige Regime fort. Hunderte sind verhaftet und brutal gefoltert   worden. Fast alle wichtigen F&#252;hrerInnen der Anwaltsvereinigungen und   politischen Parteien sind verhaftet worden und in ber&#252;chtigte   Gef&#228;ngnisse in der Provinz verlegt worden, wo sie weiteren Foterungen   und Dem&#252;tigungen ausgesetzt sind.<\/p>\n<p>  Doch all diese Brutalit&#228;t und scharfe Attacken haben es nicht geschafft,   die Proteste aufzuhalten und die Gerichte k&#246;nnen nicht mehr st&#246;rungsfrei   arbeiten. Die Proteste in Peshawar und anderen St&#228;dten der NWFP gewinnen   an Boden.<\/p>\n<h4>  Multan<\/h4>\n<p>  Mehr als 300 Anw&#228;lte und politisch Aktive wurden in S&#252;d-Punjab hops   genommen. Die Sicherheitskr&#228;fte qu&#228;lten und schlugen Anw&#228;lte und   politische AktivistInnen mit Kn&#252;ppeln und Faustschl&#228;gen. Die Polizei zog   Protestierende auf den Stra&#223;en herum und schlug sie.<\/p>\n<p>  Die Anw&#228;lte zwangen die Richter, die ihren Eid unter der Provisorischen   Verfassunggebenden Ordnung (Provisional Constitutional Order &#8211; PCO)   ablegten, ihre Gerichtsgeb&#228;ude zu verlassen. Alle Oppositionsparteien   organisieren t&#228;gliche Protestaktionen in Solidarit&#228;t mit den Anw&#228;lten.   Anw&#228;lte, politisch Aktive, NGO-AktivistInnen, JournalistInnen und   Studierende haben ein Aktionskomitee gebildet, um die Massen zu   mobilisieren. Dieses Aktionskomitee ruft auch die TransportarbeiterInnen   und kleinen H&#228;ndlerInnen auf, sich am Kampf gegen die Milit&#228;rdiktatur zu   beteiligen. Es gibt die M&#246;glichkeit gro&#223;er Proteste in den kommenden   Tagen in Multan.<\/p>\n<h4>  Inneres Sindh<\/h4>\n<p>  In den ersten Tagen gab es in Sindh sehr wenig Proteste, aber jetzt hat   das Ganze begonnen sich zu entwickeln. Am Samstag, 10. November ist der   ganze Innere Sindh aus Protest gegen die Verh&#228;ngung des Ausnahmezustands   stillgestanden. Mehr als 2.000 politisch Aktive, Anw&#228;lte und   GewerkschaftsaktivistInnen sind in den letzten Tagen festgenommen   worden. Seitdem die PPP auf die Stra&#223;e ging, sind die Proteste   intensiver geworden. Die Protestbewegung in Sindh kann sich zu einer   Massenbewegung entwickeln.<\/p>\n<h4>  Die Rolle der Sozialistischen Bewegung Pakistan<\/h4>\n<p>  Die SMP ist in die Protestaktionen und Demonstrationen im ganzen Land   aktiv eingebunden. SMP-Mitglieder nehmen nicht nur an den   Protestaktionen teil, sondern versuchen auch, Gewerkschaften und   ArbeiterInnenorganisationen f&#252;r die Proteste zu mobilisieren. SMP   verbreitet auch ihre Forderungen durch ihr Material (Zeitung und   Flugbl&#228;tter). SMP bereitet sich auf gr&#246;&#223;ere Protestaktionen und   Demonstrationen in den kommenden Tagen vor. Viele SMP-Mitglieder sind   bei diesen Protestaktionen aufgrund der Polizeibrutalit&#228;ten verletzt   worden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Augenzeugenberichte von Mitgliedern des <a href=\"http:\/\/www.socialistworld.net\">CWI<\/a><br \/>\n      in Pakistan\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12403"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12403"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12403\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12403"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12403"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12403"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}