{"id":12402,"date":"2007-11-19T11:30:51","date_gmt":"2007-11-19T11:30:51","guid":{"rendered":".\/?p=12402"},"modified":"2007-11-19T11:30:51","modified_gmt":"2007-11-19T11:30:51","slug":"12402","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/11\/12402\/","title":{"rendered":"Forderungen voll durchsetzen &#8211; Nein zu jeglicher Privatisierung der Bahn"},"content":{"rendered":"<p>  Die Lokf&#252;hrerInnen haben bisher einen beispielhaften Kampf gef&#252;hrt. Mit   enormer Entschlossenheit haben sie ihre St&#228;rke demonstriert. Mit der   Drohung eines unbefristeten Vollstreiks &#8211; wie ihn die KollegInnen   einfordern, wenn kein Angebot kommt &#8211; bringen sie schon jetzt die   Wirtschaftsbosse ins Schwitzen. Der Streik der Lokf&#252;hrerInnen beginnt   Wirkung zu zeigen.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Angelika Teweleit, Berlin, 18.11.2007<\/i><\/p>\n<p>  Hinter den Kulissen wird eine m&#246;gliche L&#246;sung des Konflikts in der   Gr&#252;ndung einer Servicegesellschaft benannt. Das w&#252;rde einen eigenen   Tarifvertrag bedeuten. Trotzdem muss hier genau geschaut werden, denn   bei diesem Bahnmanagement kann man erwarten, dass sie eine   Servicegesellschaft nur vorschlagen, wenn es ihnen auch was n&#252;tzt. Zudem   sollte die Frage der immer noch drohenden Privatisierung der Bahn mit in   die Diskussion und den Kampf aufgenommen werden. Denn die Folgen von   Privatisierung w&#252;rden alle Besch&#228;ftigten zu sp&#252;ren bekommen.<\/p>\n<p>  <b>Neue Servicegesellschaft f&#252;r Lokf&#252;hrer &#8211; L&#246;sung oder Mogelpackung?<\/b><\/p>\n<p>  Die Frage der Servicegesellschaft wird hinter verschlossenen T&#252;ren beim   Bahnvorstand diskutiert, mal wieder dementiert, dann wieder in die   Diskussion gebracht. Unter KollegInnen wird diese Option kontrovers   diskutiert. Bis 1994 bildete das Fahrpersonal eine eigene Sparte im DB   Konzern, &#8222;Traktion&#8220; genannt. Die 1995\/96 erfolgte Umstrukturierung und   Aufteilung in drei Verkehrsbereiche diente unter anderem dazu, die   Position der GdL zu schw&#228;chen und transnet insgesamt die   Tariff&#252;hrerschaft zu geben.<\/p>\n<p>  Vertreter des Bahnmanagements haben bereits gesagt, &quot;es k&#246;nnte in dieser   Gesellschaft h&#246;here L&#246;hne geben. Aber was Sozialleistungen angeht, wird   es dort sicher nicht mehr so kuschelig wie im Konzern.&quot; Dieser Vorschlag   kann ein letzter Rettungsring f&#252;r das Bahnmanagement sein, um aus diesem   Tarifkonflikt herauszukommen. Zun&#228;chst w&#252;rde ein eigenst&#228;ndiger   Tarifvertrag, vielleicht auch mit unmittelbaren Verbesserungen   zugestanden. Doch was w&#252;rde es f&#252;r die Zukunft bedeuten?<\/p>\n<p>  Ein GdL Kollege warf die Frage auf: &#8222;Kennt irgendjemand eine   Servicegesellschaft bei der es dem Personal anschlie&#223;end besser ging?&#8220;   Ein anderer Kollege sagte: &#8222; eine Gefahr sehe ich bei dem Ganzen: Wir   sind dann praktisch eine Personaldienstleister in Konkurrenz zu anderen   Personaldienstleistern.&#8220; (Beide im web Portal &#8222;Bahnerforum&#8220;).<\/p>\n<p>  <b>Ausgliederung bei der Telekom &#8211; Desaster f&#252;r Besch&#228;ftigte<\/b><\/p>\n<p>  Das j&#252;ngste Beispiel ist die Telekom, wo die Besch&#228;ftigten der   Callcenter und des T-Com Kundendienstes in neue Servicegesellschaften   &#252;bergeleitet wurden &#8211; mit massiven Lohnverlusten und   Arbeitszeitverl&#228;ngerung. Hier wurde mit der Ausgr&#252;ndung Tarifflucht   begangen. Es war das Vers&#228;umnis der ver.di F&#252;hrung, den Kampf nicht   gegen die Ausgr&#252;ndung insgesamt zu f&#252;hren, sondern nur gegen die   &#8222;schlimmsten Auswirkungen&#8220;. In Wirklichkeit ist trotz gro&#223;er   Kampfbereitschaft der KollegInnen aufgrund der Verrichtslogik der ver.di   F&#252;hrung nicht einmal das gelungen.<\/p>\n<p>  Jetzt geht es weiter. Die Telekom vergibt Auftr&#228;ge an die   Servicegesellschaften bei T-Service. Aber die stehen in Konkurrenz mit   anderen. Wenn sie nicht billig genug anbieten, kriegen sie nicht die   Auftr&#228;ge. Damit kann zweierlei erreicht werden: 1. es dient als weiteres   Erpressungsmittel f&#252;r Dumpingl&#246;hne, Arbeitszeitverl&#228;ngerung etc. in den   neuen Servicegesellschaften. 2. die Servicegesellschaften werden   ausgebootet und der Service wird bei anderen Anbietern eingekauft &#8211; das   hie&#223;e also massiver Personalabbau. Somit w&#252;rde sich die Spirale des   Lohndumpings und der Verschlechterungen der letzten Jahre weiterdrehen.   Eine ausgegliederte Servicegesellschaft kann auch leicht verkauft oder   sogar in die Insolvenz getrieben werden.<\/p>\n<p>  Bei der Bahn gibt es bereits die Tochterfirma &#8222;DB Zeitarbeit&#8220;. Es ist   denkbar, dass die neue Servicegesellschaft f&#252;r Lokf&#252;hrerInnen in   direkter Konkurrenz zur &#8222;DB Zeitarbeit&#8220; st&#252;nde (die &#8222;individuelle   Komplettl&#246;sungen&#8220; mit &#8222;flexiblen MitarbeiterInnen&#8220; anbietet). Die   Tarifvertr&#228;ge der Zeitarbeits-Tochterfirma wurden mit transnet und GdBA   ausgehandelt.<\/p>\n<p>  Das Modell &#8222;Servicegesellschaft&#8220; ist eine Mogelpackung, die nur dazu   dient, dem Bahnmanagement einen letzten Ausweg zu er&#246;ffnen. Denn   momentan stehen sie angesichts der Kampfkraft der Lokf&#252;hrerInnen und der   Unterst&#252;tzung in der Bev&#246;lkerung mit dem R&#252;cken an der Wand. Kurzfristig   mag es so aussehen, als ob das Ziel eines eigenst&#228;ndigen Tarifvertrags   erreicht sei. Langfristig kann es aber folgendes bedeuten: Die   kampfst&#228;rkste Belegschaft wird in ein eigenes Tochterunternehmen   ausgegliedert, das dann nach dem B&#246;rsengang nach und nach ausged&#252;nnt   wird.<\/p>\n<p>  <b>Holding &#8211; nicht die &#8222;bessere&#8220; Privatisierung!<\/b><\/p>\n<p>  Die andere wichtige Frage dreht sich um das Privatisierungsmodell, das   zwar nicht neu ist, aber jetzt wieder auf die Tagesordnung gekommen ist:   die Holding. Im Gegensatz zum Modell von Mehdorn und Hansen ginge es   hier nicht um die Teilprivatisierung des gesamten Konzerns, sondern die   Infrastruktur (Schienennetz, Bahnh&#246;fe etc.) blieben zun&#228;chst ganz beim   Bund. Mit der Holding w&#252;rde &#8222;nur&#8220; der Verkehrsbereich teilprivatisiert.   Aber auch ein &#8222;bisschen&#8220; Privatisierung ist Ausverkauf von &#246;ffentlichem   Eigentum. Es bedeutet f&#252;r die betroffenen Besch&#228;ftigten weiteren   Lohnabbau, Schmalspurausbildung, Superausbeutung durch unmenschliche   Schichtzeiten und Arbeitszeitverl&#228;ngerung &#8211; also alles das, wogegen   jetzt gestreikt wird. Denn den Privaten geht es um ihren Profit &#8211; der   kann gerade bei Verkehrsunternehmen nur durch eine Senkung der   Personalkosten gesteigert werden. Mit dem Holding Modell bedarf es nicht   mal einer Gesetzes&#228;nderung, sondern nur der Zustimmung im Aufsichtsrat.   Im Zusammenhang mit der drohenden Privatisierung &#252;ber das Holdingmodell   w&#228;ren die Gefahren noch gr&#246;&#223;er, dass auch eine neue Servicegesellschaft   komplett an einen Privatanbieter verkauft w&#252;rde.<\/p>\n<p>  F&#252;r die Gesellschaft wird eine privatisierte Bahn, egal mit welchem   Modell, bedeuten: schlechterer Service, weniger Sicherheit, Abbau von   wenig profit-tr&#228;chtigen Strecken, steigende Preise- also, die   Fortsetzung von alldem, was mit der Vorbereitung zum B&#246;rsengang schon   begonnen wurde. Mit dem Holding Modell w&#252;rde der Konzern genauso   zerschlagen wie mit einer Privatisierung des gesamten Konzerns. Eine   Trennung von verschiedenen Teilen der Bahn, die dann noch von   unterschiedlichen Firmen betrieben werden, macht volkswirtschaftlich und   verkehrspolitisch &#252;berhaupt keinen Sinn. Was wir brauchen, ist ein   Verkehrssystem, das nicht den Profitinteressen einiger weniger   untergeordnet ist. Eine Bahn, in der alle Teile und Sparten sinnvoll   aufeinander abgestimmt sind. Und in Wirklichkeit brauchen wir ein massiv   ausgebautes &#246;ffentliches Verkehrsnetz, als Alternative zum   Stra&#223;enverkehr, das hei&#223;t auch massive &#246;ffentliche Investitionen in den   Schienenverkehr. Mit der geplanten Privatisierung wird auch die   Zerst&#246;rung der Umwelt weiter vorangetrieben, denn schlechterer Service   wird auch eine Zunahme des Individualverkehrs bedeuten. Das geht alle an.<\/p>\n<p>  <b>Nein zur B&#246;rsenbahn &#8211; stattdessen Bahn f&#252;r alle!<\/b><\/p>\n<p>  Momentan sind die Privatisierungspl&#228;ne m&#228;chtig ins Wanken geraten, und   auch die Regierung ist dar&#252;ber zerstritten. Das ist eine Chance, die die   Besch&#228;ftigten der Bahn und die Gewerkschaften beim Schopf packen   k&#246;nnten. Leider hat sich die GdL-F&#252;hrung nicht ablehnend gegen&#252;ber dem   Holding-Modell ge&#228;u&#223;ert. Dabei sind die Mehrzahl der KollegInnen gegen   jegliche Privatisierung. Es ist ein Argument der Gegenseite, wenn sie   behaupten, gegen die Privatisierung k&#246;nnen die Kollegen nicht streiken.   Schlie&#223;lich werden Arbeitsbedingungen und L&#246;hne durch die Privatisierung   angegriffen. Die Behauptung, man d&#252;rfe nicht dagegen streiken, ist als   ob die Schlange zum Kaninchen sagt &#8222;R&#252;hr dich nicht, damit ich dich   fressen kann&#8220;. <\/p>\n<p>  W&#252;rde die GdL jetzt parallel zum Streik eine Kampagne gegen die   Bahnprivatisierung starten, k&#228;men auch die DGB Gewerkschaften und   Transnet m&#228;chtig unter Druck. Eine k&#228;mpferische Belegschaft und   deutliche Lohnerh&#246;hungen &#8211; damit kann diese Tarifrunde der GDL zu einem   entscheidenden Sargnagel gegen den von der Bundesregierung geplanten   Ausverkauf werden. Der jetzige Kampf muss und kann der Auftakt sein, die   Privatisierung komplett zu verhindern &#8211; notfalls mit erneuten Streiks.<\/p>\n<p>  Mehdorn hat f&#252;r den Fall, dass der B&#246;rsengang scheitert, seinen   R&#252;cktritt angedroht. Die Bahnbesch&#228;ftigten und die Reisenden h&#228;tten   dadurch ein Problem weniger. Und Suckale, Rausch, der gesamte Vorstand   und Aufsichtsrat sollten Mehdorn hinterher gehen. Wir brauchen keine   Manager, die sich auf Kosten der Besch&#228;ftigten und Bahnnutzer die   Taschen vollstopfen, die Bahn in eine B&#246;rsenbahn umwandeln wollen und   sonst von nichts eine Ahnung haben. Wir brauchen keine Bahn, von der   sich einige Private die Rosinen rauspicken k&#246;nnen, mit denen sie ihr   Profite machen. Wir brauchen eine Bahn f&#252;r alle, unter der   demokratischen Kontrolle von Bahnbesch&#228;ftigten und Nutzern.<\/p>\n<p>  * Durchsetzung des eigenst&#228;ndigen Fahrpersonal-Tarifvertrags und volle   Durchsetzung der geforderten Verbesserungen als Auftakt f&#252;r   Lohnerh&#246;hungen f&#252;r alle Bahnbesch&#228;ftigten (denn per Sonderklausel k&#246;nnen   auch Transnet und GDBA einen h&#246;heren Abschluss der GDL nutzen, um ihren   bescheidenen Abschluss aufzubessern) &#8211; daf&#252;r ist ein gemeinsamer Kampf   aller Eisenbahner m&#246;glich und n&#246;tig!<\/p>\n<p>  * Nein zur Holding &#8211; nein zur Privatisierung &#8211; die Chance jetzt nutzen,   den B&#246;rsengang der Bahn komplett zu stoppen!<\/p>\n<p>  * Keine weitere Aufsplittung der Belegschaft in verschiedene   Gesellschaften und Tochterfirmen<\/p>\n<p>  * Schluss mit Missmanagement und Profitlogik &#8211; f&#252;r eine Bahn in 100%   &#246;ffentlichem Eigentum unter demokratischer Kontrolle von Besch&#228;ftigten   und NutzerInnen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Die Lokf&#252;hrerInnen haben bisher einen beispielhaften Kampf gef&#252;hrt. Mit<br \/>\n      enormer Entschlossenheit haben sie ihre St&#228;rke demonstriert. Mit der<br \/>\n      Drohung eines unbefristeten Vollstreiks &#8211; wie ihn die KollegInnen<br \/>\n      einfordern, wenn kein Angebot kommt &#8211; bringen sie schon jetzt die<br \/>\n      Wirtschaftsbosse ins Schwitzen. Der Streik der Lokf&#252;hrerInnen beginnt<br \/>\n      Wirkung zu zeigen.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78,17,20],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12402"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12402"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12402\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12402"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12402"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12402"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}