{"id":12400,"date":"2007-11-15T13:55:13","date_gmt":"2007-11-15T13:55:13","guid":{"rendered":".\/?p=12400"},"modified":"2007-11-15T13:55:13","modified_gmt":"2007-11-15T13:55:13","slug":"12400","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/11\/12400\/","title":{"rendered":"Spontanprotest der streikenden GDLer im Zentrum Berlins"},"content":{"rendered":"<p>  Am Donnerstag, dem ersten Streiktag im Personenverkehr, entschlossen   sich gut 80 streikende S-Bahn-Berlin-Besch&#228;ftigte, Kundgebungen am   Hauptbahnhof und am Bahn-Tower Potsdamer Platz zu machen.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Johannes Ullrich, Berlin<\/i><\/p>\n<p>  Die Meldestelle der GDL-Ortsgruppe S-Bahn Berlin am Ostkreuz war schon   um 7:30h morgens brechend voll. Die Stimmung war sehr k&#228;mpferisch, so   dass der Vorschlag, eine &#246;ffentliche Aktion zu machen, mit Begeisterung   aufgenommen wurde. Einige O-T&#246;ne, die sozialismus.info w&#228;hrend der   Versammlung sammelte:<\/p>\n<p>  &#8222;Man sollte ab Montag unbefristet Streiken &#8211; im Zweifel bis zum bitteren   Ende.&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Man hat in den 90igern in England gesehen, das das mit der   Privatisierung nichts bringt.&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Man muss hart bleiben. Das tun wir nicht nur f&#252;r uns, sondern f&#252;r alle.   Man muss das Streikrecht erhalten. Die Gesetze d&#252;rfen auch nicht   ge&#228;ndert werden. Das sind Arbeiterrechte, die jahrzehntelang erk&#228;mpft   wurden.&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Ich bin ein Vollblut-Eisenbahner. Aber das momentan ist, auf gut   Deutsch, zum Kotzen. Ich habe zuhause ein Schild mit &quot;Papa&quot; an das Bild   meiner Familie geheftet, damit meine Kinder nicht vergessen, wie ich   aussehe.&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Die Arbeitsbedingungen sind beim Abschluss wichtiger als die Prozente.   Familie und Beruf muss vereinbar sein. In den Arbeitszeiten m&#252;ssen   Kinder betreut werden k&#246;nnen. Momentan ist das sehr schwer.&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Nach der Wende wurde der Betriebskindergarten abgeschafft. Ich kann   nicht mein Kind morgens um 3 Uhr im Kindergarten abgeben um um 4 Uhr auf   der Arbeit zu sein &#8211; und wenn mein Chef sagt, dass ich das Kind im   Kinderhotel abgeben soll, ist das auch nicht sch&#246;n.&#8220;<\/p>\n<p>  Um kurz nach 8 gingen die Kolleginnen und Kollegen dann in Richtung   Hauptbahnhof los, wo sie aufgrund der nur sehr selten fahrenden Z&#252;ge   erst um kurz vor 9 ankamen (normalerweise dauert die Fahrt ca. 15   Minuten).<\/p>\n<p>  Am Hauptbahnhof angekommen, ergriff zuerst Enrico Forchheim,   Vorsitzender der GDL-Ortsgruppe S-Bahn Berlin*, das Wort. Er   verurteilte, dass die GDLer, die ihre demokratischen Rechte wahrnehmen,   von den Bahn-Managern als Terroristen abgekanzelt werden. Auch die   Behauptung von den &#8222;Belegschaftsspaltern&#8220; widerlegte er, denn von den   230.000 Bahnbesch&#228;ftigten gelte der Tarifvertrag nur f&#252;r wenig mehr als   100.000. Insofern seien Transnet und GDBA die Spalter, wenn sie   jahrelang Reallohnsenkungen vereinbarten und dadurch die GDL als einzig   k&#228;mpferische Gewerkschaft zwangsl&#228;ufig h&#246;here Lohnforderungen stellen   w&#252;rde. Au&#223;erdem seien die Lokf&#252;hrerInnen und ZugbegleiterInnen   mitnichten darauf aus, nur f&#252;r sich selbst mehr herauszuholen &#8211; die   zwischen Transnet-Hansen und DB-Mehdorn vereinbarte &#214;ffnungsklausel   zeige, dass alle Bahner von einem Erfolg der GDL profitieren w&#252;rden.<\/p>\n<p>  Der n&#228;chste Redner wurde von den KundgebungsteilnehmerInnen begeistert   begr&#252;&#223;t: Es war Carsten Becker, ver.di-Betriebsgruppenvorsitzender der   Berliner Uniklinik Charit&#233; und SAV-Mitglied, der seine Solidarit&#228;t als   ver.di-Mitglied ausdr&#252;ckte und berichtete, dass 2006 die   Charit&#233;-Besch&#228;ftigten auch erfolgreich gegen Lohnraub und   Stellenk&#252;rzungen gestreikt haben. Solange Manager wie Mehdorn mehrere   Millionen im Jahr &#8222;verdienten&#8220;, k&#246;nne es keine Gewerkschaftsforderung   geben, die &#8222;&#252;berzogen&#8220; sei. Auch die Privatisierung der Bahn wurde von   ihm angeprangert &#8211; Streckenstilllegungen, Ausd&#252;nnung der Verbindungen im   Regionalverkehr und Preiserh&#246;hungen seien die logische Konsequenz des   einzig auf Profit ausgerichteten B&#246;rsengangs.<\/p>\n<p>  Auch Lucy Redler von der BASG &#8211; Berliner Alternative Solidarit&#228;t und   Gegenwehr kam bei den Protestierenden gut an. Sie zog die Parallele zu   Frankreich, wo derzeit ein Streik gegen die neoliberalen   &#8222;Reform&#8220;vorhaben der Regierung Sarkozy Eisenbahner,   Elektrizit&#228;tsbesch&#228;ftigte und viele andere Gewerkschafter im Kampf   vereint.<\/p>\n<p>  Als vorerst letzter Redner kam Michael Koschitzki von der SAV zu Wort,   der die letzte Woche verbreiteten Ger&#252;chte um eine Servicegesellschaft   nur f&#252;r das Fahrpersonal aufgriff und vor den Folgen warnte: Wie nicht   zuletzt das Beispiel der Telekom-Zerschlagung gezeigt h&#228;tte, w&#252;rde solch   eine Aufsplittung nur Nachteile mit sich bringen und &#252;ber kurz oder lang   zu deutlichen Verschlechterungen f&#252;hren. Um im Gegenteil den Streik zu   einem vollen Erfolg zu machen, sei als n&#228;chster Schritt ein   unbefristeter Streik n&#246;tig &#8211; in allen Bereichen -, um zu zeigen, dass   ohne die Besch&#228;ftigten nichts geht. Michael w&#252;nschte den Streikenden zum   Abschlu&#223; den besten Erfolg f&#252;r ihren Kampf und betonte, dass die SAV   auch weiterhin tatkr&#228;ftig bei der Organisierung von Protesten helfen   w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Im Anschlu&#223; an diese erste Kundgebung zogen die GDLer weiter zum   &#8222;Bahn-Tower&#8220;, dem Hauptgeb&#228;ude der Deutschen Bahn am Potsdamer Platz.   Dort veranstalteten sie erstmal ein minutenlanges Pfeifkonzert, um die   Ver&#228;rgerung und Wut &#252;ber den Kurs des Bahn-Managements &#8222;rauszulassen&#8220;.   Aus der Menge kamen Rufe wie &#8222;Hartmut raus&#8220; und &#8222;Mehdorn weg&#8220;, und   Enrico Forchheim griff dies in seiner Rede auf, indem er angesichts der   gleichzeitig stattfindenden Aufsichtsratssitzung fragte, ob Mehdorns Uhr   schon ticken w&#252;rde.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend der Kundgebung meldeten sich mehrere Passanten zu Wort, die ihre   Solidarit&#228;t mit den Bahnern ausdr&#252;ckten und praktisch zum Generalstreik   aufriefen (&#8222;es m&#252;ssen alle gemeinsam streiken, damit die da oben endlich   kapieren&#8220;). Michael Begoll vom Netzwerk f&#252;r eine k&#228;mpferische und   demokratische ver.di rief Begeisterungsst&#252;rme unter den Zuh&#246;rerInnen   hervor, als er von ver.di-KollegInnen in Halle berichtete, die eine   Solidarit&#228;tsaktion planen w&#252;rden.<\/p>\n<p>  Insgesamt war es ein sehr ermutigender Vormittag, der die k&#228;mpferischen   GDLer in ihrem Streik best&#228;tigte und ihnen zeigte, dass sie bei weitem   nicht alleine in ihrem Kampf sind.<\/p>\n<p>  <i>*dient nur zur Kenntlichmachung der Person<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Am Donnerstag, dem ersten Streiktag im Personenverkehr, entschlossen<br \/>\n      sich gut 80 streikende S-Bahn-Berlin-Besch&#228;ftigte, Kundgebungen am<br \/>\n      Hauptbahnhof und am Bahn-Tower Potsdamer Platz zu machen.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17,20],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12400"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12400"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12400\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12400"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12400"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12400"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}