{"id":12398,"date":"2007-11-13T12:42:46","date_gmt":"2007-11-13T12:42:46","guid":{"rendered":".\/?p=12398"},"modified":"2007-11-13T12:42:46","modified_gmt":"2007-11-13T12:42:46","slug":"12398","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/11\/12398\/","title":{"rendered":"Die Proteste gegen Sarkozy gehen in die 2. Runde"},"content":{"rendered":"<p>  <img align=\"left\" src=\"http:\/\/www.sozialistische-alternative.de\/2007\/streik_frankreich.jpg\">  <\/p>\n<p>  Am 13. 11. 2007 treten die Besch&#228;ftigten der franz&#246;sischen Bahn (SNCF)   und der Pariser Verkehrsbetriebe in einen unbefristetet Streik, viele   Unis in Frankreich sind seit Tagen blockiert und Besch&#228;ftigte des   &#246;ffentlichen Dienstes, Gas- und Stromwerken, der Post und der Telekom   sowie der Bank CLC haben ebenfalls Streiks in den n&#228;chsten Wochen   angek&#252;ndigt. Gleichzeitig macht die franz&#246;sische Regierung deutlich,   dass sie es auf eine Kraftprobe ankommen lassen will.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Tinette Schnatterer<\/i><\/p>\n<p>  Bereits am 18. Oktober standen in Frankreich die Z&#252;ge still, in 30   St&#228;dten fanden Demonstrationen statt und Besch&#228;ftigte vieler andere   Berufsgruppen hatten sich dem Protest angeschlossen. <\/p>\n<p>  Der Streik der Bahnbesch&#228;ftigten richtet sich gegen die geplante   Schlie&#223;ung vieler G&#252;terbahnh&#246;fe, aber vor allem auch gegen die Angriffe   auf ihre Renten. Mit der Abschaffung der sogenannten &quot;Regime Speciaux&quot;   sollen bestimmte Berufsgruppen, darunter Bahnbesch&#228;ftigte, Angestellte   der Gas- und Elektrizit&#228;tswerke erst nach 40 bzw. 41 Jahren   Beitragszahlung die volle Rente erhalten (bisher durchschnittlich 37,5   Jahre).<\/p>\n<p>  Nach der Rekordbeteiligung am Streiktag im Oktober wird auch f&#252;r den   heute (13.11.) beginnenden Streik vorhergesagt, dass das Land   stillsteht. Bei der Bahn rufen sieben Gewerkschaften auf, die zusammen   97% der Besch&#228;ftigten vertreten. Die Leitung der SNCF hat angek&#252;ndgt   dass nur 90 von t&#228;glich 700 TGV&#8217;s fahren werden und auch dass k&#246;nnte   sich noch alsoptimistisch erweisen. Die RATP, Pariser Verkehrsbetriebe,   geht gar davon aus, dass im Durchschnitt nur eine Metro von zehn fahren   werden. Zudem wurde angek&#252;ndigt, dass durch den Streik der Besch&#228;ftigten   der Elektrizit&#228;tswerke mit vor&#252;bergehenden Unterbrechungen der   Stromversorgung gerechnet werden muss.<\/p>\n<p>  <b>Studierende blockieren Unis<\/b><\/p>\n<p>  In den letzten Tage haben sich mehr und mehr Universit&#228;ten in Frankreich   dem Protest gegen das Gesetz P&#233;cresse angeschlossen. Dieses sogenannte   Autonomiegesetz ist nichts anderes als ein Schritt in die Richtung der   Privatisierung der Universit&#228;ten.  Mittlerweile haben in &#252;ber der H&#228;lfte   der 84 Universit&#228;ten Vollversammlungen stattgefunden und bei einem   nationalen Vernetzungstreffen Anfang November waren 33 Unis vertreten.<\/p>\n<p>  Dabei fordern die Studierenden nicht nur die komplette R&#252;cknahme des   Gesetzes, sondern auch die Erh&#246;hung des Budgets f&#252;r weiterf&#252;hrende   Bildung, die  Abschaffung der Einschreibe- bzw. Studiengeb&#252;hren, die   Wiedereinstellung von 22 000 entlassenen Besch&#228;ftigten im   Bildungsbereich sowie die Regularisierung der Sans Papiers.<\/p>\n<p>  <b>Spaltungsversuche der Regierung<\/b><\/p>\n<p>  In den letzten Tagen versuchte die Regierung protestierende   Bev&#246;lkerungsgruppen zu spalten und einzusch&#252;chtern. In der Presse wurde   erkl&#228;rt, die Studierenden seien von linken Gruppen unterwandert. Der   Rektor der Uni von Nanterre will gar ausgemacht haben, dass ein Drittel   der Teilnehmer der Vollversammlung nicht von seiner Uni waren.  Der   Sprecher der Rektorenkonferenz Lussaut meinte: <i>&#8222;viele von uns sind   &#252;berzeugt, dass die Studierenden das Gesetz nur zum Anla&#223; nehmen zu   protestieren&#8220;<\/i>. Die Ministerin P&#233;cresse selbst erkennt an der   Anwesenheit von Bahnbesch&#228;ftigten bei der Vollversammlung an der Uni   Nanterre ganz klar den verurteilunsgw&#252;rdigen  &#8222;politischen Charackter&#8220;   der Bewegung. Diese Versuche die beginnende Bewegung der Studierenden zu   diskreditieren k&#246;nnten in Zusammenhang damit stehen, dass sie bisher die   Proteste sind die die meiste Unterst&#252;tzung in der franz&#246;ssichen   &#214;ffentlichkeit genie&#223;en.<\/p>\n<p>  Die Besch&#228;ftigten der SNCF ihrerseits hielten wenige Tage vor   Streikbeginn einen Brief der SNCF-Vorsitzenden pers&#246;nlich in den H&#228;nden,   in dem sie schrieb: <\/p>\n<p>  <i>&#8222;Die angek&#252;ndigte Streikbewegung ist teuer f&#252;r diejenigen die sich   daran beteilgen und wird nichts Gutes f&#252;r das Unternehmer und seine   Besch&#228;ftigten bringen.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>  <b>Gewollte Kraftprobe<\/b><\/p>\n<p>  Sarkozy und Fillon haben auf t&#228;glicher Grundlage wiederholt, dass sie zu   keinen nennenswerten Zugest&#228;ndnissen bereit sind. Sarkozy wiederholte   bei jeder Gelegenheit: <i>&#8222;Ich habe einen Job zu tun und werde diesen   bis zum Ende durchf&#252;hren&#8220;<\/i>.  Selbst die   Gewerkschaftsf&#252;hrungen die nach dem Streik am 18. Oktober gerne an den   Verhandlungstisch zur&#252;ckgekehrt w&#228;ren mu&#223;ten so feststellen: <i> &#8222;Wenn die Regierung denn Streik gewollt hat, hat sie sich genau richtig   verhalten. Wir haben ihr Zeit gegeben zu verhandeln und wenn wir uns   heute der Bewegung anschlie&#223;en so ist das nur ihr Fehler&#8220;<\/i>   (Arnaud Morvan, Generalsekret&#228;r der CFDT bei der Bahn). Die von der   Gewerkschaft CGT vorgeschlagenen Dreiergespr&#228;che (Unternehmer,   regierung, Besch&#228;ftigung) lehnte die Regierung ab und forderte die   Gewerkschaften auf in den Betrieben &#252;ber die Umsetzung des Gesetzes zu   verhandeln, was diese ablehnen.<\/p>\n<p>  Ganz bewu&#223;t versucht die Sarkozy-Regierung der aktuellen Bewegung, mit   den Bahnbesch&#228;ftigten an der Spitze, eine Niederlage beizuf&#252;gen. Ihr   Plan ist es, den Widerstand eines kampfstarken Teils der Arbeiterklasse   zu brechen um dann umso schneller und h&#228;rter mit den Angriffen   fortzufahren. <\/p>\n<p>  Gleichzeitig wei&#223; aber auch die Regierung, dass es nicht das erste Mal   w&#228;re dass eine entschlossene Bewegung der es gelingt die verschiedenen   betroffenen Gruppen zusammenzubringen diesem Plan einen Strich durch die   Rechnung machen kann. So meinte <\/p>\n<p>  Patrick Devedjian, UMP Generalsekret&#228;r:  <i>&#8222;Am Vorabend einer   Schlacht sollte man nicht den Schlauen spielen.&#8220;<\/i> Und J&#233;rome   Cartier, UMP-Abgeordneter und Vertrauter des Premierministers, dr&#252;ckte   sich folgenderma&#223;en aus: <i>&#8222; Es gibt zwei Unbekannte: die Breite   der Mobilisierung und die Popularit&#228;t der Bewegung bei den Franzosen.   Die Regierung wartet darauf die zwei Unbekannten in dieser Gleichung zu   kennen.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>  Die Angst davor dass zuviele Proteste zusammenkommen k&#246;nnten dr&#252;ckt sich   auch darin aus dass Sarkozy sich letzte Woche beeilte den Streik der   Fischer gegen die hohen Spritpreise durch Zugest&#228;ndnisse zu beenden. <\/p>\n<p>  <b>Z&#246;gerliche Gewerkschaftsf&#252;hrungen<\/b><\/p>\n<p>  Die z&#246;gerliche Haltung der Gewerkschaftsf&#252;hrungen dr&#252;ckt sich nicht nur   darin aus dass sie so lange wie m&#246;glich am Verhandlungstisch geblieben   sind und auch am liebsten auch so schnell wie m&#246;glich dorthin   zur&#252;ckkehren w&#252;rden sondern auch darin,dass sie bisher alles tut um   einen gemeinsamen Protest zu verhindern. <\/p>\n<p>  Anstelle eines gemeinsamen Streiktages beginnen SNCF, Gas&#8211; und   Strombetriebe am 13.11., Lehrer und Krankenhausbesch&#228;ftigte, sowie Post   und Telekom streiken am 20.11., die Besch&#228;ftigten der Bank LCL am   21.11., Justizbesch&#228;ftigte am 29.11. &#8230;.<\/p>\n<p>  Geschw&#228;cht wurde die Bewegung auch dadurch, dass sich die Gewerkschaft   Fgaac, die nur 2,9% der Bahnbesch&#228;ftigten aber 23,9% der Lokf&#252;hrer   organisiert, auf getrennte Verhandlungen mit der SNCF eingelassen hat.   Die SNCF-F&#252;hrung hatte der Fgaac versprochen die besondere   Arbeitsbelastung der Zugf&#252;hrer zu ber&#252;cksichtigen was dazu f&#252;hrt dass   sie dieses Mal nicht zum Streik aufruft.  Es bleibt zwar abzuwarten ob   bei einer wachsenden Bewegung nicht auch Fgaac-Mitglieder die Arbeit    niederlegen, solche Spaltungen der Bewegung m&#252;ssen aber unbedingt   unterbleiben wenn der Regierung nicht in die H&#228;nde gespielt werden soll.   Welche Auswirkungen der Druck der Mitglieder auf eine z&#246;gerliche F&#252;hrung   haben kann haben die Studierenden vorgemacht. Die gr&#246;&#223;te   Studentengewerkschaft, UNEF, die sich in ihrer Rolle als   Verhandlungspartner der Ministerin gefiel und das Gesetz noch vor   wenigen Tagen nicht grunds&#228;tzlich ablehnte mu&#223;te auf den fahrenden Zug   aufspringen.<\/p>\n<p>  <b>Explosive Stimmung<\/b><\/p>\n<p>  Sarkozy, der mit einer gro&#223;en Beliebtheit in die Legislaturperiode   gestartet ist muss seidem stetig sinkende Umfragewerte in Kauf nehmen.   Mittlerweile bewertet eine Mehrheit die Ma&#223;nahmen der ersten sechs   Monate der Regierung eher negativ, in Zusammenhang mit der versprochenen   Kaufkraftsteigerung sogar 79% (Umfrage f&#252;r LH2 13.11.) . Gleichzeitig   brodelt es an allen Ecken und Enden.<\/p>\n<p>  Der Polizei zum Beispiel, drohen Angriffe auf die Arbeitszeit und   &#220;berstundenzuschl&#228;ge nachem sie bereits massiven Personalabbau in Kauf   genommen haben. Von ihrer Gewerkschaft wurden die Kollegen nun   aufgefordet symbolisch ihre Waffen und Telefone in den B&#252;ros ihrer   Vorgsetzten niederzulegen. Aber, so ein Polizist:<i> &#8222;Es ist gut m&#246;glich   dass mein Chef sich kaputtlacht&#8230; ich w&#252;rde es vorziehen mich den   Aktionen der Bahnbesch&#228;ftigten und Besch&#228;ftigten des &#214;ffentlichen   Dienstes anzuschlie&#223;en&#8220;<\/i>. Auch andere Ideen kursieren   unter den Polizisten die nicht streiken d&#252;rfen, zum Beispiel ihre   Familen auf die Stra&#223;e gehen zu lassen.<\/p>\n<p>  <b>Alle gemeinsam <\/b>    <\/p>\n<p>  Die Studieren haben den richtigen Schritt unternommen in dem sie dazu   aufrufen, dass alle gemeinsam gegen die Angriffe der Regierung auf die   Stra&#223;e gehen. Ab dem 13.11. wollen sie deshalb zus&#228;tzlich zu den Unis   auch die Bahn&#246;fe blockieren um ihren Forderungen Druck zu verleihen und   eine Br&#252;cke zu den Bahnbesch&#228;ftigten zu schlagen. Eine bundesweite   Presseverantwortliche der Studierenden sagte: <i>&#8222; Die Bahnbesch&#228;ftigten   alleine haben nicht die Kraft, wir auch nicht. Wir m&#252;ssen unsere Kr&#228;fte   vereinen um die Regierung in die Knie zu zwingen.&#8220;<\/i> Sollten die   Bahnbesch&#228;ftigten ihren Streik bis zum 20.11. aushalten, dem Tag an dem   Post, Telekom und &#214;ffentlicher Dienst streiken w&#228;re eine Bewegung   erreicht, die der von 1995 nahe k&#228;me. Damals mu&#223;te Villepin den   identischen Angriff auf die Renten zur&#252;cknehmen nachdem er mit einer   Massenbewegung konfrontiert war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      <img align=\"left\" src=\"http:\/\/www.sozialistische-alternative.de\/2007\/streik_frankreich.jpg\"><\/p>\n<p>\n      Am 13. 11. 2007 treten die Besch&#228;ftigten der franz&#246;sischen Bahn (SNCF)<br \/>\n      und der Pariser Verkehrsbetriebe in einen unbefristetet Streik, viele<br \/>\n      Unis in Frankreich sind seit Tagen blockiert und Besch&#228;ftigte des<br \/>\n      &#246;ffentlichen Dienstes, Gas- und Stromwerken, der Post und der Telekom<br \/>\n      sowie der Bank CLC haben ebenfalls Streiks in den n&#228;chsten Wochen<br \/>\n      angek&#252;ndigt. 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