{"id":12381,"date":"2007-11-02T00:15:59","date_gmt":"2007-11-02T00:15:59","guid":{"rendered":".\/?p=12381"},"modified":"2007-11-02T00:15:59","modified_gmt":"2007-11-02T00:15:59","slug":"12381","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/11\/12381\/","title":{"rendered":"Agenda 2010: Von einer &#8222;winzigen Korrektur&#8220; zum &#8222;Dammbru<i>c<\/i>h&#8220;?"},"content":{"rendered":"<p>  Die Beschlussfassung des SPD-Parteitags zum Arbeitslosengeld I und die   dieser voraus gehende Debatte in der Parteif&#252;hrung sind Ausdruck einer   massiven Stimmung in der Mehrheit der Bev&#246;lkerung f&#252;r ein Ende der   neoliberalen Politik.<\/p>\n<p align=\"center\">  <small>[<a href=\"\/media\/2007\/USL zur Agenda-Aktion.pdf\">Unterschriftensammlung   der SAV<\/a>] | <a href=\"\/media\/2007\/MusterresolutionGw.rtf\">Vorschlag   f&#252;r eine Resolution f&#252;r Gewerkschaftsversammlungen<\/a> | <a href=\"\/media\/2007\/MusterresolutionLINKE.rtf\">Vorschlag   Resolution f&#252;r Versammlungen der Partei DIE LINKE<\/a>]<\/small><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Gleichzeitig ist der Beschluss eine Mogelpackung, die den massiven   Sozialabbau der letzten Jahre unangetastet l&#228;sst. Rudolf Dre&#223;ler (SPD)   nannte Becks Vorsto&#223; im Deutschland-Radio eine &#8222;winzige Korrektur&#8220;. <\/b><\/p>\n<p>  <b>Doch Regierung und SPD wackeln. Das ist eine Chance f&#252;r die   Gewerkschaften, einen Erfolg versprechenden Kampf f&#252;r die komplette   R&#252;cknahme der Agenda 2010 aufzunehmen und eine Chance f&#252;r die Partei DIE   LINKE, eine starke sozialistische Partei mit Massenanhang zu werden.<\/b><\/p>\n<p>  <i>von Sascha Stanicic, Berlin<\/i><\/p>\n<h4>  Deutschland r&#252;ckt nach links<\/h4>\n<p>  &#8222;Beck versucht in diesen Tagen, die SPD einem Zeitgeist anzupassen, der   so links ist, wie schon lange nicht.&#8220; Das ist die Erkl&#228;rung des SPIEGEL   f&#252;r die Debatte um die Verl&#228;ngerung der Auszahlung des   Arbeitslosengeldes I in der SPD-F&#252;hrung.<\/p>\n<p>  Und sie trifft den Nagel auf den Kopf: Die Stimmungen und Meinungen der   breiten Mehrheit der Bev&#246;lkerung sind in relevanten gesellschaftlichen   Fragen nach links ger&#252;ckt.<\/p>\n<h4>  Stimmung in der Bev&#246;lkerung<\/h4>\n<p>  Privatisierungen werden genauso abgelehnt wie die Rente ab 67, die   Ausweitung des Niedriglohnsektors und der Bundeswehreinsatz in   Afghanistan. Der Streik der Lokf&#252;hrerinnen und Lokf&#252;hrer hat, trotz der   Auswirkungen f&#252;r BerufspendlerInnen und Bahn-NutzerInnen, auch im   Oktober viel Sympathie und Verst&#228;ndnis genossen.<\/p>\n<p>  Kurt Beck und die SPD reagieren nur auf diese Ver&#228;nderungen im   Massenbewusstsein &#8211; in der Hoffnung, den tiefen Fall der   Sozialdemokratie zu stoppen. So erkl&#228;rte der SPD-Finanzminister Peer   Steinbr&#252;ck: &#8222;Sie k&#246;nnen der SPD nicht abverlangen, einen Kurs   weiterzuverfolgen, der sie in den Umfragen fast auf eine Marge   zur&#252;ckwirft, wo wir M&#252;he haben, in der Politik &#252;berhaupt noch   vorzukommen.&#8220;<\/p>\n<p>  Doch w&#228;hrend zwar laut Stern-Umfrage 84 Prozent mit Becks Vorschl&#228;gen   zur Korrektur an der Agenda 2010 &#252;bereinstimmen, denken nur zehn   Prozent, die SPD k&#246;nne die Probleme des Landes l&#246;sen und liegt sie in   Meinungsumfragen weiterhin weit unter drei&#223;ig Prozent (Vergleichswerte:   40,9 Prozent im Jahr 1998 und 38,5 Prozent 2002).<\/p>\n<h4>  Druck der LINKEN<\/h4>\n<p>  Eigentlich geben die Herrschenden und ihre Parteien nicht viel auf   Stimmungen in der arbeitenden und erwerbslosen Bev&#246;lkerung. Sie   interessieren sich nur daf&#252;r, wenn sie die Sorge haben m&#252;ssen, dass   diese Stimmungen in Widerstand umschlagen k&#246;nnten oder auf einem anderen   Weg ihre Herrschaft oder zumindest ihre herrschende Politik gef&#228;hrden   k&#246;nnten.<\/p>\n<p>  Nun ist an der aktuellen Debatte bezeichnend, dass diese stattfindet,   ohne dass es zu gr&#246;&#223;eren Protesten der Gewerkschaften und sozialen   Bewegungen gekommen ist oder sich solche gerade ank&#252;ndigen w&#252;rden. 2003   und 2004 hat die SPD sogar gro&#223;e Protestbewegungen ausgesessen, ohne   ernsthafte Korrekturen an der Agenda 2010 vorzunehmen.<\/p>\n<p>  Was ist heute anders? Mit der Partei DIE LINKE existiert eine politische   Kraft, die der linken Massenstimmung einen parteipolitischen Ausdruck   geben kann. DIE LINKE legt in Meinungsumfragen zu, vor allem auf Kosten   der SPD, und dadurch sind die klassischen Regierungskoalitionen Rot-Gr&#252;n   und Schwarz-Gelb schwerer umzusetzen. Die Teile der SPD-F&#252;hrung, die   mehr die Partei als die Regierung vertreten, wollen Oskar Lafontaine   nicht das Feld &#252;berlassen, w&#228;hrend die Regierungsminister als direktere   Vertreter des Kapitals an der neoliberalen Linie lieber kompromissloser   festhalten wollen.<\/p>\n<p>  Die Regierung ist zweifellos angeschlagen. W&#228;hrend Merkel sich noch im   Sommer au&#223;enpolitisch zu profilieren versuchte, muss sie sich jetzt auch   in der Debatte um das ALG I kompromissbereit geben. Zudem sieht sie mit   der Bahn-Privatisierung eines der zentralen Projekte der Regierung ins   Wanken geraten.<\/p>\n<h4>  Kapitalistische Krise<\/h4>\n<p>  Einige b&#252;rgerliche Politiker scheinen die Illusion zu haben, die Krise   an den Weltfinanzm&#228;rkten sei ohne gro&#223;e Auswirkungen an der deutschen   Wirtschaft vorbei gegangen. Wahrscheinlich sind auch Beck und andere   SPD-F&#252;hrer vom viel beschworenen wirtschaftlichen Aufschwung beeindruckt   und denken, dass man kleinere Ref&#246;rmchen ja auch finanzieren kann. Diese   Haltung kann sich jedoch schnell &#228;ndern, wenn es ausgehend von der   derzeitigen Finanzkrise zu einer internationalen Rezession kommen sollte.<\/p>\n<p>  Dann wird sich auch die Massenstimmung weiter entwickeln: von Ablehnung   von Ma&#223;nahmen wie Privatisierungen, Sozialk&#252;rzungen und Lohndumping und   der dahinter stehenden neoliberalen Logik hin zu einer wachsenden   Ablehnung der hinter dem Neoliberalismus stehenden Macht der Banken und   Konzerne und dem kapitalistischen System insgesamt.<\/p>\n<h3>  Agenda 2010<\/h3>\n<p>  Der Berg hat gekrei&#223;t und gebar eine Maus. So l&#228;sst sich das Verhalten   der SPD von Becks Vorschl&#228;gen &#252;ber die Diskussionen in der Parteispitze   bis zum Bundesparteitag in Hamburg zusammenfassen.<\/p>\n<p>  Der SPD-Beschluss zum Arbeitslosengeld I steht in keinem Verh&#228;ltnis zu   ihrer Umverteilungspolitik als Regierungspartei in den letzten Jahren.<\/p>\n<p>  Schon vor Schr&#246;ders Regierungserkl&#228;rung 2003 wurde seit seinem   Amtsantritt 1998 unter anderem die Rentenreform (darunter Anhebung des   Renteneintrittsalters, Erh&#246;hung der Beitr&#228;ge und Rentenk&#252;rzungen)   beschlossen, ein erstes Hartz-Paket geschn&#252;rt und das Gesetz zum   Ladenschluss ge&#228;ndert.<\/p>\n<p>  Kernst&#252;ck der Agenda 2010 sind nat&#252;rlich die Hartz-Gesetze. Dazu geh&#246;ren   (ohne Anspruch auf Vollst&#228;ndigkeit) aber auch:<\/p>\n<p>  &#8211; die Aufweichung des K&#252;ndigungsschutzes<\/p>\n<p>  &#8211; die Unternehmenssteuerreform (der Spitzensteuersatz, der zwischen 1998   und 2003 schon von 53 auf 48,5 Prozent reduziert worden war, wurde bis   2005 auf 42 Prozent abgesenkt)<\/p>\n<p>  &#8211; die Gesundheitsreform (zum Beispiel Einf&#252;hrung der Praxisgeb&#252;hr und   die Streichung von Leistungen der Krankenversicherungen)<\/p>\n<h4>  Die SAV schl&#228;gt vor:<\/h4>\n<h5>  Eine bundesweite gewerkschaftliche Kampagne &#8222;Die Agenda muss weg &#8211;   komplett&#8220; mit Massenflugbl&#228;ttern, Plakaten, Vertrauens- und   Betriebsr&#228;tekonferenzen auf allen Ebenen, &#246;ffentlichen Veranstaltungen   und Aktionen mit dem Ziel eines eint&#228;gigen Generalstreiks gegen die   Agenda 2010<\/h5>\n<h5>  Nicht auf die Gewerkschaftsspitzen warten: F&#252;r die Durchf&#252;hrung einer   Aktionskonferenz &#8222;von unten&#8220; &#8211; von gewerkschaftlichen Vertrauensleuten,   Aktiven aus sozialen Bewegungen und der LINKEN &#8211; zur Vorbereitung einer   bundesweiten Gro&#223;demonstration f&#252;r die Forderungen:<\/h5>\n<p>  <i><b>&#8211; Weg mit den Hartz-Gesetzen und der ganzen Agenda 2010 <\/b><\/i><\/p>\n<p>  <i><b>&#8211; R&#252;cknahme der Rente ab 67 <\/b><\/i><\/p>\n<p>  <i><b>&#8211; Nein zur Bahnprivatisierung<\/b><\/i><\/p>\n<p>  <i>Musterresolutionen f&#252;r Gewerkschaften und DIE LINKE und eine   Unterschriftenliste sind unter <a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/agenda-muss-weg\">www.archiv.sozialismus.info\/agenda-muss-weg<\/a>   abzurufen<\/i><\/p>\n<h3>  So kann die ganze Agenda gekippt werden<\/h3>\n<p>  Die SPD-F&#252;hrung versucht verzweifelt, ihrer Partei ein linkes und   soziales Image zu geben. Doch die Vorschl&#228;ge zur l&#228;ngeren Auszahlung des   ALG I markieren keinen Politikwechsel.<\/p>\n<p>  Das sagt auch Kurt Beck, wenn er betont, dass es keine weiteren   &#196;nderungen an der Agenda 2010 geben soll: &#8222;Von einem Dammbruch kann   nicht die Rede sein. Ich will und werde nicht r&#252;ckw&#228;rts gehen.&#8220; Hier   schwingt gleichzeitig die Angst mit, dass der Druck der Arbeitenden und   Erwerbslosen noch w&#228;chst und die Rregierung weiter bedrohen k&#246;nnte.<\/p>\n<h4>  SPD und Regierung wackeln<\/h4>\n<p>  Gewerkschaften, soziale Bewegungen und DIE LINKE d&#252;rfen jetzt nicht   darauf hoffen, dass sich in der SPD Schritt f&#252;r Schritt eine linke   Politik durchsetzt. Die SPD ist unwiderruflich f&#252;r eine Politik im   Interesse von Lohnabh&#228;ngigen, Erwerbslosen und RentnerInnen verloren.   Sie ist im Unternehmerlager fest integriert und hat jahrelang bewiesen,   auf welcher Seite sie steht. Seit 1998 hat sie &#252;ber 200.000 Mitglieder,   darunter viele ArbeiterInnen, verloren.<\/p>\n<p>  Jetzt muss es darum gehen, der wackelnden SPD-F&#252;hrung und der mit ihr   wackelnden Regierung den entscheidenden Sto&#223; zu versetzen, um nicht nur   ein paar Monate l&#228;ngere Auszahlung des ALG I zu erreichen, sondern die   ganze Agenda 2010 zu kippen. Die Gro&#223;e Koalition ist schon heute   geschw&#228;cht. Immer mehr Ministern &#8211; wie Tiefensee (wegen der   Bahn-Priviatisierung) oder Sch&#228;uble (wegen seinen Vorhaben zur   staatlichen Aufr&#252;stung) &#8211; schl&#228;gt offener Hass entgegen.<\/p>\n<h4>  Franz&#246;sische Verh&#228;ltnisse n&#246;tig<\/h4>\n<p>  Die SPD beschlie&#223;t Korrekturen an der Agenda 2010, ohne dass es in den   letzten Wochen Massendemonstrationen oder Streiks f&#252;r diese Forderung   gegeben h&#228;tte. Das spricht nicht gegen Proteste, sondern l&#228;sst erahnen,   wie sehr die Regierenden unter Druck gesetzt werden k&#246;nnten &#8211; und dass   auch Erfolge m&#246;glich w&#228;ren &#8211;, wenn die Gewerkschaften ernsthaft zu   Massendemos und Streiks f&#252;r die R&#252;cknahme der Agenda 2010, von Hartz IV,   der Rente ab 67 und gegen die Bahn-Privatisierung mobilisieren w&#252;rden.<\/p>\n<p>  Statt Unterst&#252;tzung f&#252;r Becks Pl&#228;ne oder Abwarten auf eine weitere   Linksverschiebung in der SPD muss jetzt die Forderung nach der   kompletten R&#252;cknahme der arbeiter- und erwerbslosenfeindlichen   &#8222;Reformen&#8220; der letzten Jahre erhoben und auf die Stra&#223;en, Pl&#228;tze und in   die Betriebe getragen werden. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um mit   einer entsprechenden Kampagne in die Offensive zu gehen.<\/p>\n<p>  Einmal mehr hat die Arbeiterklasse in Frankreich gezeigt, welche   Schritte im Kampf gegen neoliberale Politik eingeschlagen werden m&#252;ssen.   Am 18. Oktober legten auf Aufruf aller Gewerkschaften des franz&#246;sischen   Nah- und Fernverkehrs die dort Besch&#228;ftigten die Arbeit nieder und   brachten das Land so zu einem Stillstand. Viele Besch&#228;ftigte des   &#214;ffentlichen Dienstes aus anderen Bereichen schlossen sich diesem Kampf   an, um gegen Verschlechterungen im Rentensystem zu protestieren (siehe   Seite 9).<\/p>\n<p>  Damit sind Sarkozys Pl&#228;ne noch nicht vom Tisch. Auch in Frankreich muss   die Gewerkschaftsspitze zum Jagen getragen werden. Als dort letztes Jahr   eine Demontage des K&#252;ndigungsschutzes f&#252;r Jugendliche verhindert werden   konnte, waren Gro&#223;demonstrationen, umfassende Streiks im &#214;ffentlichen   Dienst und die Drohung eines Generalstreiks n&#246;tig. Das zeigt, welches   Ausma&#223; von Widerstand heute erforderlich ist, um Verschlechterungen zu   verhindern beziehungsweise Verbesserungen zu erk&#228;mpfen.<\/p>\n<h4>  Lokf&#252;hrer-Streik<\/h4>\n<p>  In Deutschland h&#228;tte schon seit Monaten der erste Schritt der   Gewerkschaftsf&#252;hrungen eine aktive Solidarit&#228;tskampagne mit den   streikenden Lokf&#252;hrerInnen sein m&#252;ssen. Anstatt der GDL Spaltung   vorzuwerfen, h&#228;tten die DGB-Gewerkschaften den Kampf der Lokf&#252;hrerInnen   als ein Beispiel aufgreifen m&#252;ssen, um f&#252;r alle Bahn-Besch&#228;ftigten und   auch in anderen Branchen lohnpolitisch in die Offensive zu kommen. Von   dem Tag an, als die GDL mit Gerichtsentscheiden zur Einschr&#228;nkung des   Streikrechts konfrontiert war, h&#228;tte die DGB-Spitze eine bundesweite   Gro&#223;kampagne zur Verteidigung des Streikrechts lostreten m&#252;ssen.<\/p>\n<p>  Gleichzeitig h&#228;tte der GDL-Streik auch gegen die Bahn-Privatisierung   gerichtet werden sollen und mit einer Kampagne aller DGB-Gewerkschaften   und der verschiedenen Initiativen gegen die Privatisierung verbunden   werden sollen. Dann h&#228;tte der Regierung schon eine erste empfindliche   Niederlage beigebracht werden k&#246;nnen. Dazu ist es aber noch nicht zu   sp&#228;t und die Forderung nach Solidarit&#228;t mit den Lokf&#252;hrerInnen muss in   den Gewerkschaften lautstark erhoben werden.<\/p>\n<h4>  F&#252;r Generalstreik<\/h4>\n<p>  Die ersten gro&#223;en Proteste gegen die Agenda 2010 fanden am 1. November   2003 auf Initiative der SAV, anderer linker Gruppen,   basisgewerkschaftlicher Strukturen und sozialer Bewegungen statt. Wenn   jetzt gewerkschaftliche Gliederungen, DIE LINKE und soziale Bewegungen   zu einer Aktionskonferenz aufrufen w&#252;rden, auf der gewerkschaftliche   Vertrauensleute, Betriebs- und Personalr&#228;te, Aktive aus sozialen   Bewegungen, der Partei DIE LINKE und linken Organisationen zusammen   kommen k&#246;nnten, um eine bundesweite Kampagne und Gro&#223;demonstration   vorzubereiten, k&#246;nnte das enormen Druck auf die Gewerkschaftsspitzen   aus&#252;ben, ebenfalls Mobilisierungen durchzuf&#252;hren.<\/p>\n<p>  So war es auch 2003. Nach der Demonstration von 100.000 am 1. November   waren die Gewerkschaftsspitzen so sehr in Sorge, die Kontrolle &#252;ber ihre   eigene Basis zu verlieren, dass sie massenhafte Arbeitsniederlegungen im   Dezember zur Verteidigung der Tarifautonomie und die drei regionalen   Gro&#223;demonstrationen mit einer halben Million TeilnehmerInnen am 3. April   2004 durchf&#252;hrten.<\/p>\n<p>  Doch die Erfahrungen seit 2003 zeigen zweierlei: erstens darf man sich   auf die Gewerkschaftsspitzen nicht verlassen. Diese mobilisieren nur, um   Dampf abzulassen und nicht mit dem Ziel, die Regierung tats&#228;chlich in   die Knie zu zwingen. Zweitens reichen Demonstrationen und vereinzelte   Arbeitsniederlegungen nicht aus. Eine massenhafte Streikbewegung ist   n&#246;tig, um Regierung und Kapital da zu treffen, wo es ihnen weh tut &#8211; bei   den Profiten. Und um die ganze Kraft der Arbeiterklasse in die   Waagschale zu werfen, statt vereinzelt zu k&#228;mpfen.<\/p>\n<p>  In den Gewerkschaften und der LINKEN wird so viel &#252;ber politischen   Streik und Generalstreik geredet, wie seit Jahren nicht mehr. Lafontaine   wirft korrekterweise die Forderung nach dem Recht auf Generalstreik auf.   Aber dieses Recht kann sich nur dadurch erk&#228;mpft werden, dass die   Gewerkschaften es sich nehmen. Deshalb ist eine innergewerkschaftliche   Debatte und Kampagne zur Durchsetzung des politischen Streiks mit dem   Ziel eines eint&#228;gigen Generalstreiks gegen die Agenda-Politik n&#246;tig.<\/p>\n<h3>  Ein Test f&#252;r DIE LINKE<\/h3>\n<p>  <b>In einem Kommentar der Financial Times Deutschland wurde Oskar   Lafontaine k&#252;rzlich als einflussreichster Politiker Deutschlands   bezeichnet, weil SPD und CDU &#8211; auf seine Vorgaben reagierend &#8211;   versuchen, sich sozial zu pr&#228;sentieren. Und tats&#228;chlich hat DIE LINKE in   den wenigen Monaten ihrer Existenz einen enormen Druck auf die Gro&#223;e   Koalition ausge&#252;bt und bringt sie die Stimmung von Millionen gegen   Niedrigl&#246;hne und Sozialabbau zum Ausdruck.<\/b><\/p>\n<p>  Die Agenda-Debatte und der Streik der Lokf&#252;hrerInnen sind wichtige Tests   f&#252;r die neue Partei. Nur in zugespitzten politischen   Auseinandersetzungen und vor allem im Klassenkampf kann sich zeigen, ob   DIE LINKE ihrem Anspruch gerecht wird und politische   Interessenvertretung von ArbeitnehmerInnen und Erwerbslosen mit   praktischem Nutzwert ist.<\/p>\n<h4>  Durchgefallen: DIE LINKE und der Bahn-Streik<\/h4>\n<p>  Am 25. Oktober zitierte der Berliner Tagesspiegel den LINKE-Abgeordneten   Werner Dreibus. Dieser sagte, es sei &#8222;nicht hilfreich&#8220;, dass sich bei   der Bahn eine &#8222;gespaltene Formation tarifpolitische Aktivit&#228;ten   entfaltet&#8220;. Deshalb unterst&#252;tze DIE LINKE die Aktivit&#228;ten der GDL &#8222;nur   mit angezogener Handbremse&#8220;. Auch Lafontaine lie&#223; verlauten, er bedauere   es, dass die GDL versuche, eigenst&#228;ndig Tarifforderungen durchzusetzen.<\/p>\n<p>  Angesichts der breiten Sympathie mit den Lokf&#252;hrerInnen in der   Bev&#246;lkerung vergessen die F&#252;hrer der LINKEN zwar nie, auf ihr   Verst&#228;ndnis f&#252;r den Streik hinzuweisen und verteidigen auch das   Streikrecht der GDL, sie leisten aber keinen Beitrag dazu, den Kampf der   Lokf&#252;hrerInnen zu einem Erfolg zu machen &#8211; im Gegensatz zu einer ganzen   Zahl von Untergliederungen und Einzelmitgliedern der Partei, die sich   vor Ort f&#252;r die Streikenden einsetzen.<\/p>\n<p>  Der Hinweis darauf, dass alle Bahn-Besch&#228;ftigten gemeinsam an einem   Strang ziehen sollten, ist zwar richtig. Er beinhaltet aber keine   Handlungsperspektive in einer Situation, in der die DGB-Gewerkschaft   Transnet faktisch eine Streikbrecherrolle spielt und nur die GDL bereit   ist zu k&#228;mpfen. Deshalb h&#228;tte DIE LINKE eine bundesweite   Solidarit&#228;tskampagne mit dem Streik der Lokf&#252;hrerInnen starten sollen   und h&#228;tte sie die Streikposten aktiv unterst&#252;tzen und auf den Stra&#223;en   und Pl&#228;tzen f&#252;r Solidarit&#228;t mit dem Streik werben sollen. Eine solche   Kampagne h&#228;tten die GewerkschafterInnen der LINKEN auch in den   DGB-Gewerkschaften entfalten und dadurch die Gewerkschaftsspitzen unter   Druck setzen k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Aber genau das will die F&#252;hrung der LINKEN nicht. Sie will die SPD als   parlamentarische Vertretung der Gewerkschaften beerben und scheut den   offenen Konflikt mit den F&#252;hrungen dieser Organisationen.<\/p>\n<h4>  DIE LINKE und die SPD<\/h4>\n<p>  In einer Stellungnahme vom 8. Oktober attestiert der LINKE-Vorsitzende   Lothar Bisky dem SPD-Chef Beck, dieser versuche, die SPD auf neuen Kurs   zu bringen. Um dann auszuf&#252;hren: &#8222;Den Glaubw&#252;rdigkeitstest m&#252;ssen Kurt   Beck und die SPD noch bestehen. Die Frage ist, ob die SPD die Kraft zur   Kurs&#228;nderung hat. Ich hoffe, dass sie in die Richtung geht, die H&#228;rten   der Agenda 2010 zu &#252;berwinden. Ganz offensichtlich f&#252;hrt die Existenz   der Linken dazu, dass man versucht, einzelne H&#228;rten zu mildern. Das ist   ein durchaus gewolltes Resultat der Parteigr&#252;ndung. Und da ist es uns   egal, ob uns das m&#246;glicherweise Stimmen bei der n&#228;chsten Wahl kostet.   Wenn es den Betroffenen was bringt, dann rechne ich nicht dagegen, dass   es die Partei etwas kostet.&#8220;<\/p>\n<p>  Diese Reaktion kann man nur als butterweich bezeichnen. Aus ihr spricht   die Hoffnung Biskys auf eine Re-Sozialdemokratisierung der SPD, damit   diese zum Koalitionspartner der LINKEN wird. Stattdessen w&#228;re es n&#246;tig,   dass DIE LINKE die Agenda-Debatte nutzt, um politisch und praktisch in   die Offensive zu gehen. Statt Beck viel Erfolg zu w&#252;nschen, sollten   seine Vorschl&#228;ge als das gegei&#223;elt werden, was sie sind: ein Tropfen auf   den hei&#223;en Stein. Kompromisslos sollte die komplette R&#252;cknahme der   Agenda 2010 und von Hartz IV gefordert werden, auch um den Betroffenen   die Sorge zu nehmen, die sich in Erwerbslosen-Gruppen verbreitet: dass   DIE LINKE sich mit einzelnen Korrekturen an der Agenda zufrieden gibt,   statt konsequent f&#252;r die komplette R&#252;cknahme zu k&#228;mpfen.<\/p>\n<p>  Eine offensive Kampagne, wie die SAV sie vorschl&#228;gt, w&#252;rde auch nicht   dazu f&#252;hren, dass DIE LINKE in den Meinungsumfragen sinkt, sondern sie   k&#246;nnte die Gewinnerin der Agenda-Debatte sein.<\/p>\n<p>  Doch der Blick nach Berlin gen&#252;gt, um die Glaubw&#252;rdigkeit der LINKEN in   Frage zu stellen. Hier verweigert der SPD\/LINKE-Senat den   Landesbesch&#228;ftigten im aktuellen Tarifstreit selbst minimale   Lohnerh&#246;hungen. In anderen Ost-L&#228;ndern bereitet sich DIE LINKE auf   Koalitionen mit der SPD vor, die zweifelsfrei in die Fu&#223;stapfen des   Berliner Senats treten w&#252;rden.<\/p>\n<p>  Die Partei muss mit dieser Politik der Beteiligung an Sozialabbau und   Lohnk&#252;rzungen konsequent brechen, wenn sie tats&#228;chlich die Interessen   von Besch&#228;ftigten und Erwerbslosen vertreten will. Ein Austritt aus dem   Berliner Senat w&#228;re das Signal, das bei vielen Tausend AktivistInnen aus   Gewerkschaften und sozialen Bewegungen den Eintritt in die Partei und   aktive Mitarbeit ausl&#246;sen k&#246;nnte.<\/p>\n<h4>  Wie weiter f&#252;r DIE LINKE?<\/h4>\n<p>  Im Westen wird DIE LINKE weniger mit ihrer Regierungspolitik im Land   Berlin als mit den radikalen Reden Lafontaines identifiziert. Sie ist zu   einem Bezugspunkt f&#252;r alle diejenigen geworden, die ein Ende des   Neoliberalismus herbei sehnen und den Kapitalismus in Frage stellen.<\/p>\n<p>  Deshalb ist davon auszugehen, dass sich die wichtigen Debatten und   Differenzierungsprozesse auf der Linken in den n&#228;chsten Jahren in der   und um die Partei DIE LINKE herum entwickeln werden. Au&#223;erhalb der   Partei gibt es auf absehbaren Zeitraum keinen Platz f&#252;r politische   Neuformierungsprozesse der Arbeiterklasse, die eine gewisse   Massenverankerung erreichen k&#246;nnten. Dieser Platz wird sich   wahrscheinlich erst durch einen Eintritt in eine pro-kapitalistische   Bundesregierung entwickeln, was allerdings sicher zu heftigen   innerparteilichen Auseinandersetzungen f&#252;hren wird.<\/p>\n<p>  Es kommt heute darauf an, den Kampf f&#252;r eine klare sozialistische   Politik aufzunehmen. N&#246;tig ist es, Bastionen f&#252;r Gegenwehr aufzubauen,   die im Kleinen Beispiele geben, wie eine Massenpartei der arbeitenden   Bev&#246;lkerung im Gro&#223;en handeln m&#252;sste. In den ostdeutschen   Landesverb&#228;nden gibt es aufgrund ihrer Zusammensetzung und   b&#252;rokratischen Struktur dazu keine Ansatzpunkte. Hier gilt es, zum einen   Kr&#228;fte wie die Berliner Alternative f&#252;r Solidarit&#228;t und Gegenwehr (BASG)   zu st&#228;rken, und zum anderen an die Partei DIE LINKE in konkreten Fragen   heranzutreten und sie aufzufordern, sich am Protest &#8211; ob gegen   Rotstiftpolitik, gegen Arbeitsplatzabbau oder gegen die Bedrohung durch   Nazis &#8211; zu beteiligen. Im Westen sieht das anders aus. Hier will die   Mehrheit der Basis keine Beteiligung an Sozialabbau und   Privatisierungen. Hier kann eine sozialistische Opposition in der Partei   entwickelt werden, die verhindert, dass die Perspektive Gerhard   Schr&#246;ders wahr wird. DER SPIEGEL berichtete von einem Treffen zwischen   Stoiber und Schr&#246;der: &#8222;Sie a&#223;en Leberk&#228;s und Tafelspitz, und w&#228;hrend sie   a&#223;en, kamen sie auch auf das linke Lager zu sprechen. Ob er glaube, dass   die SPD mit der LINKEN auch im Bund die Regierung bilden werde, wollte   Stoiber wissen. Ja, antwortete Schr&#246;der, ohne zu z&#246;gern. Nach 2009 werde   es so weit sein.&#8220;<\/p>\n<p>  <i>Sascha Stanicic ist Bundessprecher der SAV. Er war Mitglied des   bundesweiten L&#228;nderrats der WASG und ist heute aktiv in der Berliner   Alternative f&#252;r Solidarit&#228;t und Gegenwehr (BASG)<\/i><\/p>\n<h5>  38: 1 &#8211; 38 Milliarden Euro Umverteilungsma&#223;nahmen der Gro&#223;en Koalition   gegen&#252;ber 1 Milliarde Euro Volumen des Beck-Vorschlages zum ALG I<\/h5>\n<p>  <i>Die von der SPD mitbeschlossene Unternehmenssteuerreform entlastet   die Konzerne um 8 Milliarden Euro j&#228;hrlich. Mehrwertsteuerh&#246;hung,   K&#252;rzung der Pendlerpauschale, Abschaffung der Eigenheimzulage und die   Erh&#246;hung der Krankenkassenbeitr&#228;ge belasten die Besch&#228;ftigten mit 30   Milliarden pro Jahr. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Beck gab an, dass seine Vorschl&#228;ge &#8211; l&#228;ngere Zahlung von ALG I und   F&#246;rderma&#223;nahmen &#8211; j&#228;hrlich 1 Milliarde Euro kosten w&#252;rden.<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Die Beschlussfassung des SPD-Parteitags zum Arbeitslosengeld I und die<br \/>\n      dieser voraus gehende Debatte in der Parteif&#252;hrung sind Ausdruck einer<br \/>\n      massiven Stimmung in der Mehrheit der Bev&#246;lkerung f&#252;r ein Ende der<br \/>\n      neoliberalen Politik.\n    <\/p>\n<p align=\"center\">\n      <small>[<a href=\"\/media\/2007\/USL zur Agenda-Aktion.pdf\">Unterschriftensammlung<br \/>\n      der SAV<\/a>] | <a href=\"\/media\/2007\/MusterresolutionGw.rtf\">Vorschlag<br \/>\n      f&#252;r eine Resolution f&#252;r Gewerkschaftsversammlungen<\/a> | <a href=\"\/media\/2007\/MusterresolutionLINKE.rtf\">Vorschlag<br \/>\n      Resolution f&#252;r Versammlungen der Partei DIE LINKE<\/a>]<\/small>\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[198],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12381"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12381"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12381\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12381"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12381"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12381"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}