{"id":12379,"date":"2007-11-03T00:13:49","date_gmt":"2007-11-03T00:13:49","guid":{"rendered":".\/?p=12379"},"modified":"2007-11-03T00:13:49","modified_gmt":"2007-11-03T00:13:49","slug":"12379","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/11\/12379\/","title":{"rendered":"Die Bahn, die SPD und der Basta-Beck"},"content":{"rendered":"<p>  Es besteht eine Chance, das Projekt Bahn-Privatisierung zu Fall zu   bringen<\/p>\n<p>  <i>von Winfried Wolf<\/i><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Sp&#228;testens als am 30. August im Stern der von Arno Luik verfasste   Artikel &#8222;Der gro&#223;e Eisenbahnraub&#8220; erschien, wurde deutlich, dass auch in   der ver&#246;ffentlichten Meinung das Projekt Bahn-Privatisierung zunehmend   kritisch bewertet wird. Seither hatten Dutzende Artikel in Printmedien   und mehrere Beitr&#228;ge in Fernsehsendungen wie Tagesthemen und Monitor   eine &#228;hnlich kritische Tendenz. Damit schlossen die f&#252;hrenden Medien zur   in der Bev&#246;lkerung vorherrschenden Meinung auf.<\/b><\/p>\n<p>  In zwei repr&#228;sentativen Umfragen von November 2006 (Emnid) und Juli 2007   (Forsa) sprachen sich jeweils zwei Drittel der Befragten f&#252;r eine Bahn   in &#246;ffentlichem Eigentum aus.<\/p>\n<h4>  Sand im Getriebe<\/h4>\n<p>  Damit besteht eine echte Chance, das nach der Treuhand-Abwicklung der   DDR zweitgr&#246;&#223;te Privatisierungsprojekt in der deutschen Geschichte zu   Fall zu bringen.<\/p>\n<p>  Wie so oft hat der Erfolg viele V&#228;ter. Tats&#228;chlich sind es eine Reihe   von Komponenten, darunter auch innere Widerspr&#252;che im b&#252;rgerlichen   Lager, die die Bahn-Privatisierung auszubremsen scheinen. Doch es ist   auch nicht zuletzt die intensive Kampagne des B&#252;ndnisses Bahn f&#252;r Alle,   die zum Erfolg beitr&#228;gt. Das wurde auch auf dem SPD-Parteitag deutlich,   der Ende Oktober in Hamburg stattfand. Eines der zentralen Themen dort   war die Bahn. Vor dem Hamburger Kongresszentrum agierte ein Theatertrupp   mit einem Mehdorn-Stelzenmann, dessen Ohren aus Euro-Zeichen geformt   waren. In der Halle verteilten ein Dutzend Bahn-f&#252;r-Alle-Leute   Flugbl&#228;tter. Und unter den Delegierten gab es mit Peter Conradi, aktiv   im B&#252;ndnis Bahn f&#252;r Alle, einen Mann, der die Stimmung im Saal zum   Kippen brachte.<\/p>\n<h4>  SPD-Bundesparteitag<\/h4>\n<p>  Bekannt sind die Rahmenbedingungen, die f&#252;r den SPD-Parteitag galten: Um   aus dem 25-Prozent-plus-x-Loch der Meinungsumfragen herauszukommen,   sollte das unsoziale Profil der Partei aufgeh&#252;bscht werden. Um den   personellen Vorsprung der CDU-Kanzlerin abzubauen, sollte in Hamburg das   B&#252;hnenst&#252;ck &#8222;Kurt der Starke&#8220; aufgef&#252;hrt werden. Brav best&#228;tigten die   Delegierten Kurt Beck mit 95,5 Prozent als Parteivorsitzenden. Worauf   sich dieser fortan durch den Saal wie ein aufgekl&#228;rt absolutistischer   Pf&#228;lzer Weink&#246;nig bewegte. Der Parteitag fasste auch den Beschluss zum   ALG I. Jeder im Kongresszentrum wusste, dass Angie als CDU-Kanzlerin und   M&#252;nte als ihr SPD-Arbeitsminister die unter Schr&#246;der beschlossene   Politik der sozialen K&#228;lte fortsetzen werden.<\/p>\n<p>  Beim zentralen Thema Bahn erlebten Parteif&#252;hrung und die selbsternannte   Parteilinke dann eine deutliche Niederlage. Dabei verfolgten die   Privatisierer eine durchdachte Dramaturgie: Hubertus Heil   (Generalsekret&#228;r) und Wolfgang Tiefensee (Bundesverkehrsminister)   erkl&#228;rten den Delegierten die Welt, sprich, dass die Bahn nur als   privatisiertes Unternehmen die notwendige Rolle als Global Player   spielen k&#246;nne. Hermann Scheer (MdB) und Bj&#246;rn B&#246;hning   (Juso-Bundesvorsitzender) pl&#228;dierten als linker Flankenschutz f&#252;r die   Bahn-Privatisierung in Form von stimmrechtslosen Volksaktien &#8211; eine   Position, der in der Debatte Tiefensee und sogar der Transnet-Chef   Norbert Hansen, der ansonsten im engen Verbund mit Arbeitgeber Mehdorn   gen B&#246;rse marschiert, zustimmten.<\/p>\n<p>  Doch als der ehemalige, langj&#228;hrige Bundestagsabgeordnete Peter Conradi   im ersten Satz seiner Rede mitteilte, er stimme gegen jede Art von   Bahn-Privatisierung, spendete der Saal befreit den ersten, anhaltenden   Applaus. Als der Delegierte ohne jegliche Hausmacht erkl&#228;rte, das Modell   einer Volksaktienbahn &#246;ffne die T&#252;r f&#252;r jede Art Privatisierung, wuchs   die Zustimmung. Als er zum Schluss Becks Bekenntnis, &#8222;nah an der   Bev&#246;lkerung&#8220; sein zu wollen, in Verbindung mit den Mehrheiten in der   Bev&#246;lkerung f&#252;r eine Bahn in &#246;ffentlichem Eigentum brachte, erhielt er   langanhaltenden Beifall.<\/p>\n<h4>  Entscheidung des Parteitags<\/h4>\n<p>  Nun pr&#228;sentierte sich der Parteichef statt huldvoll als Basta-Beck: Wer   ihn am Tag zuvor gew&#228;hlt habe, m&#252;sse ihm nun auch vertrauen. Gro&#223;es   Pf&#228;lzer Ehrenwort: Stimme der Koalitionspartner dem Volksaktienmodell   nicht zu, werde die neue Situation im Parteivorstand und auf einem neuen   Parteitag diskutiert. Die Debatte wurde br&#252;sk abgew&#252;rgt und ein   entsprechender Beschluss herbeigef&#252;hrt.<\/p>\n<p>  Nimmt man den Wortlaut der Entscheidung &#8211; ein Ja zu einer   Teilprivatisierung von 25,1 Prozent in Form von Volksaktien &#8211; so ist   diese ausgesprochen zwiesp&#228;ltig. Betrachtet man die Entscheidung im   Kontext der &#252;brigen Widerspr&#252;che in der Koalition, im Bundesrat und mit   dem GDL-Streik, dann erlitten die Bahnprivatisierer eine weitere   Niederlage.<\/p>\n<p>  Diese wird nur dann wirksam bleiben, wenn die Kampagne gegen die   Bahn-Privatisierung fortgesetzt wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Es besteht eine Chance, das Projekt Bahn-Privatisierung zu Fall zu<br \/>\n      bringen\n    <\/p>\n<p>\n      <i>von Winfried Wolf<\/i>\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78,20],"tags":[198],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12379"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12379"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12379\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12379"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12379"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12379"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}