{"id":12366,"date":"2007-11-05T00:46:08","date_gmt":"2007-11-05T00:46:08","guid":{"rendered":".\/?p=12366"},"modified":"2007-11-05T00:46:08","modified_gmt":"2007-11-05T00:46:08","slug":"12366","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/11\/12366\/","title":{"rendered":"Mit Biodiesel aus der Klimakatastrophe?"},"content":{"rendered":"<p>  Lukrative Gesch&#228;fte winken, neue Ern&#228;hrungs- und Umweltprobleme entstehen<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Umweltfreundlich, billig und unbegrenzt produzierbar &#8211; Biotreibstoffe   scheinen die Alternative zu &#214;l und Benzin zu sein. In Deutschland k&#246;nnte   Biodiesel aus Raps&#246;l bis Ende des Jahres fast ein F&#252;nftel des gesamten   Dieselbedarfs decken. Der Markt boomt &#8211; hat das Kapital endlich   umgedacht?<\/b><\/p>\n<p>  <i>von Conny Dahmen, K&#246;ln<\/i><\/p>\n<p>  Biotreibstoff entsteht aus einer Mischung von Benzin und pflanzlichem   Ethanol beziehungsweise Biodiesel und besitzt ungef&#228;hr zwei Drittel der   Ergiebigkeit herk&#246;mmlichen Benzins. Der weltweit gr&#246;&#223;te   Bioethanol-Produzent USA verarbeitete 2006 ein F&#252;nftel seiner Maisernte   zu Bioethanol.<\/p>\n<p>  Bei seiner letzten Rede zur Lage der Nation setzte US-Pr&#228;sident George   W. Bush ein Produktionsziel von 35 Milliarden Gallonen Biosprit bis   2017. Damit ist er keineswegs vom Klimaschwein zum Saubermann mutiert:   Angesichts des steigenden &#214;lpreises wird es immer profitabler, aus   Agrarprodukten Treibstoff statt Nahrungsmittel herzustellen. Bushs   erkl&#228;rtes Ziel ist die &#220;berwindung der gef&#228;hrlichen &#8222;Suchtabh&#228;ngigkeit&#8220;   vom Erd&#246;l (Frankfurter Rundschau vom 2. April) &#8211; und damit vom Nahen   Osten und dem l&#228;stigen Hugo Ch&#225;vez in Venezuela.<\/p>\n<h4>  Hungerkrise<\/h4>\n<p>  Aufgrund der US-amerikanischen Bioethanol-Produktion landeten im letzten   Jahr 40 Millionen Tonnen Mais weniger auf dem Weltmarkt (das Doppelte   der gesamten mexikanischen Maisproduktion), wo-raufhin der   Weltmarktpreis um 50 bis 60 Prozent anstieg. In Mexiko kosten die   Tortillas heute 738 Prozent mehr als 1994. Millionen von Bauern mussten   infolge des Beitritts zum Nordamerikanischen Freihandelsabkommen (NAFTA)   unter dem Druck staatlich subventionierter US-Billigimporte den   Maisanbau aufgeben. Heute importiert Mexiko einen Viertel des Mais aus   den USA, der dort zu 52 Prozent gentechnisch ver&#228;ndert ist und die   einheimischen Sorten durch Kontamination gef&#228;hrdet.<\/p>\n<h4>  Abholzen der Regenw&#228;lder<\/h4>\n<p>  W&#228;hrend Maisbiodiesel nur unwesentlich sauberer ist als herk&#246;mmlicher   Diesel, ist der Schadstoffaussto&#223; des Zuckerrohrtreibstoffes achtmal   niedriger (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 5. Mai). Brasilien, der   gr&#246;&#223;te Zuckerproduzent der Welt, verarbeitet bereits heute die H&#228;lfte   der Ernte zu Ethanol, der Zuckerpreis ist heute doppelt so hoch wie   2004. Die Erweiterung des Zuckerrohranbaus und die mangelnden Kontrollen   der vorhandenen landwirtschaftlichen Fl&#228;chen dr&#228;ngen unter anderem den   Sojaanbau und Viehzucht wieder in die billigen Amazonasregionen. Die   Abholzung der Regenw&#228;lder dort treibt den Klimawandel weiter voran &#8211; und   der Biosprit ist gar nicht mehr so bio.<\/p>\n<p>  Auch in L&#228;ndern wie Indonesien und Malaysia sind die Palm&#246;lplantagen f&#252;r   den Gro&#223;teil des Regenwaldverlustes verantwortlich. Nachdem in   Indonesien bereits f&#252;nf Millionen Hektar Wald vernichtet wurden, planen   die Regierung und Wirtschaftsverb&#228;nde laut World Wide Fund for Nature   (WWF) die weitere Vernichtung von 13.000 Quadratkilometer Wald bis 2011   durch erweiterte Anbaufl&#228;chen. Palm&#246;l ist der billigste   Biodieselbestandteil, selbst inklusive Transportkosten kommt er   hierzulande billiger als der Raps aus heimischer Produktion.<\/p>\n<h4>  Klimawandel<\/h4>\n<p>  Biosprit schafft neue Umweltprobleme. Die Treibhausgasemissionen werden   &#8211; nach verschiedenen Prognosen &#8211; gleichzeitig kaum reduziert. Und selbst   wenn die USA ihre ganze Mais- und Sojaproduktion zur Bioethanol-   beziehungsweise Diesel-Produktion verwendeten, w&#252;rde dies blo&#223; zw&#246;lf   Prozent der Benzin- und sechs Prozent der heutigen Dieselnachfrage   decken.<\/p>\n<p>  Das Klima zu stabilisieren kostet dem 4. Klimabericht der   Zwischenstaatlichen Sachverst&#228;ndigengruppe f&#252;r Klima&#228;nderungen (IPCC)   zufolge im Jahr 2030 weniger als drei Prozent des Welt-Sozialproduktes   (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 5. Mai). Doch die Herrscher dieser   Welt investieren kaum in regenerative Energien wie Wind&#8211; und   Solarenergie oder energiesparende Ma&#223;nahmen, sondern lieber in   Profitquellen wie Biotreibstoffe, die von den wirklichen L&#246;sungen f&#252;r   das Klimaproblem nur ablenken.<\/p>\n<h5>  <i>Agrosprit und Ern&#228;hrung <\/i><\/h5>\n<p>  <i>&#8222;Das Getreide, das n&#246;tig ist, um den 120 Liter fassenden Tank eines   Gel&#228;ndewagens mit Ethanol zu f&#252;llen, reicht aus, um einen Menschen ein   Jahr lang zu ern&#228;hren.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>  US-Umweltaktivist Brian Tokar in SPIEGEL special vom 27. M&#228;rz<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Lukrative Gesch&#228;fte winken, neue Ern&#228;hrungs- und Umweltprobleme entstehen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[119],"tags":[198],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12366"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12366"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12366\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12366"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12366"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12366"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}