{"id":12362,"date":"2007-10-30T09:18:24","date_gmt":"2007-10-30T09:18:24","guid":{"rendered":".\/?p=12362"},"modified":"2007-10-30T09:18:24","modified_gmt":"2007-10-30T09:18:24","slug":"12362","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/10\/12362\/","title":{"rendered":"Daimler: Druck nimmt zu"},"content":{"rendered":"<p>  Treffen kritischer Gewerkschafter bei Daimler: Kritik an   Leistungsverdichtung und fortgesetztem Personalabbau. Betriebsratsspitze   gibt sich k&#228;mpferisch<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Daniel Behruzi, zuerst ver&#246;ffentlicht in der <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2007\/10-30\/056.php\">jungen   Welt, 30.10.07<\/a><\/i><\/p>\n<p>  Der Leistungsdruck bei Daimler ist enorm &#8211; und der Unmut auch.&#171; Dies war   der Tenor aller Berichte auf einem Treffen kritischer Gewerkschafter,   der &#187;Daimler-Koordination&#171;, das in der vergangenen Woche im Sauerland   stattfand. Der fortgesetzte Personalabbau, das &#187;Auspressen&#171; der weniger   werdenden Arbeitskr&#228;fte, habe f&#252;r die Besch&#228;ftigten des Autobauers   mittlerweile dramatische Auswirkungen. Ein Beleg hierf&#252;r: der   insbesondere in Bereichen mit gro&#223;er Arbeitsbelastung hohe Krankenstand.   Dennoch werde weiter an der Leistungsschraube gedreht &#8211; ohne da&#223; dies   auf ernsthaften Widerstand der Betriebsratsspitzen treffe, so der   Vorwurf der linken Aktivisten.<\/p>\n<h4>  Rationalisierung<\/h4>\n<p>  &#187;Kontinuierlicher Verbesserungsproze&#223; (KVP)&#171;, &#187;New Management Model   (NMM)&#171;, &#187;Optimierung indirekter Leistungen (OIL)&#171;,   &#187;Logistisch-optimierte Fabrik (LOF)&#171; &#8211; bei den Namen der verschiedenen   Rationalisierungsprogramme kennt die Kreativit&#228;t des Daimler-Managements   offenbar keine Grenzen. &#187;Die erfinden jeden Monat einen neuen Begriff,   was dabei aber am Ende rauskommt, ist immer dasselbe: Arbeitsverdichtung   und Personalabbau&#171;, meinte Martin Bott, Betriebsrat der   Oppositionsgruppe &#187;Alternative&#171; im Daimler-Werk Untert&#252;rkheim. &#187;Wir sind   bis zur Oberkante Unterlippe zu mit Arbeit, dabei werden wir als   &#220;berhangwerk gez&#228;hlt, in dem angeblich zu viele Leute besch&#228;ftigt sind&#171;,   erg&#228;nzte sein Kollege Andr&#233; Halfenberg. Mehr als 30000 Arbeitspl&#228;tze hat   Daimler in den vergangenen drei Jahren in Deutschland abgebaut &#8211; trotz   des aktuellen Booms, von dem auch der Stuttgarter Autobauer profitiert.   In den meisten Werken wurden zus&#228;tzliche Schichten verordnet, damit die   Maschinen fast rund um die Uhr laufen k&#246;nnen. Dennoch erweitert der   Konzern die Belegschaft auch jetzt kaum.<\/p>\n<p>  Statt dessen werden Leiharbeiter und befristet Besch&#228;ftigte eingesetzt.   Eigentlich d&#252;rfen &#8211; so steht es im 2004 geschlossenen   &#187;Zukunftssicherungsvertrag&#171; &#8211; nur vier Prozent der Belegschaften   befristet eingestellt sein. Die gleiche Quote gilt f&#252;r Leiharbeiter.   Beide Gruppen zusammen d&#252;rfen konzernweit maximal 2500 Personen   ausmachen. Die Daimler-Spitze will diese Zahl jetzt auf 3500 erh&#246;hen. An   vielen Standorten sind die Quoten ohnehin bereits &#252;berschritten. &#187;Die   Werksleitung kann sich &#8211; auch wegen der Politik des Betriebsrats &#8211;   erlauben, die Absprachen einfach zu ignorieren&#171;, berichtete Angela   Hidding, ehemalige Betriebsr&#228;tin bei Daimler in Mannheim. Dabei habe der   Gesamtbetriebsrat (GBR) die Begrenzung von Leiharbeit und Befristungen   zum zentralen Thema erkl&#228;rt. Dennoch passiere wenig.<\/p>\n<h4>  Klemm gibt sich radikaler<\/h4>\n<p>  Auch insgesamt schlagen der sonst stets auf &#187;sozialpartnerschaftliche   Kooperation&#171; bedachte GBR-Vorsitzende Erich Klemm und seine Gefolgsleute   mittlerweile offenbar radikalere T&#246;ne an. Neben der vom   IG-Metall-Apparat derzeit intensiv propagierten Begrenzung der   Leiharbeit wird in der Betriebsratsspitze auch &#252;ber eine h&#228;rtere Gangart   bei der Genehmigung von &#220;berstunden nachgedacht. Die linken   Gewerkschafter sind dennoch skeptisch, ob den Worten auch entsprechende   Taten folgen werden. Ulf Wittkowski, Betriebsrat bei Daimler in Hamburg,   erkl&#228;rte, die Politik der Mehrheit des GBR sei &#187;ganz eindeutig   gescheitert&#171;. Der Kasseler Betriebsrat Erich Bauer, der vor einigen   Jahren wegen der Kandidatur auf einer &#187;gegnerischen Liste&#171; aus der   Gewerkschaft ausgeschlossen wurde, meinte: &#187;Das Problem f&#252;r die   IG-Metall-Fraktion ist, da&#223; die Kritiker recht hatten &#8211; damit kann sie   nicht umgehen.&#171; Die GBR-Spitze wolle durch ihr k&#228;mpferisches Auftreten   &#187;wieder als Komanager ernst genommen werden&#171;, glaubt Bott. Das sieht   auch der Untert&#252;rkheimer Betriebsrat Halfenberg so. &#187;Wenn sie wieder   mitspielen d&#252;rfen, ist alles schnell vergessen. Deshalb ist es wichtig,   da&#223; wir an unseren Positionen festhalten und deutlich machen, da&#223; wir   nur durch eine Mobilisierung der Belegschaften aus der Defensive   herauskommen k&#246;nnen.&#171;<\/p>\n<p>  Dennoch wollen die linken Kritiker alle Initiativen der Betriebsrats-   und Gewerkschaftsspitzen nutzen, um die Aktivit&#228;t der Belegschaften zu   f&#246;rdern. So zum Beispiel das von IG Metall und DGB betriebene Projekt   &#187;Gute Arbeit&#171;, das sich mit den Bedingungen in den Betrieben besch&#228;ftigt   und diese zum Beispiel mit Hilfe von Frageb&#246;gen untersucht. &#187;Wir sollten   dies aufgreifen, zuspitzen und die IG Metall so unter Zugzwang setzen&#171;,   meinte Hidding. Der Ansatz des Projekts sei zwar richtig, in seiner   jetzigen Form f&#252;hre es jedoch nicht zu einer Aktivierung der   Belegschaften, kritisierte Bott, der f&#252;r den Einsatz von   &#187;Gesundheitsmapping&#171; pl&#228;dierte. Bei dieser Methode werden die   Besch&#228;ftigten dazu angehalten, sich selbst mit den krankmachenden   Bedingungen an ihrem Arbeitsplatz und m&#246;glichen Verbesserungen   auseinanderzusetzen. &#187;Auf jeden Fall m&#252;ssen wir klarmachen, da&#223; der hohe   Krankenstand vor allem auf die miserablen Arbeitsbedingungen   zur&#252;ckzuf&#252;hren ist, und nicht auf &#8250;individuelles Fehlverhalten&#8249;, wie es   die Gegenseite immer so gerne darstellt&#171;, betonte Bott. Jeden Tag werde   den Besch&#228;ftigten gepredigt, die &#187;Effizienz&#171; m&#252;sse gesteigert werden, um   die &#187;Wettbewerbsf&#228;higkeit des Standorts&#171; zu erhalten. &#187;Dem m&#252;ssen wir   entgegenhalten: Der jetzige Umgang mit den Menschen ist nicht effizient,   sondern zerst&#246;rerisch.&#171;<\/p>\n<p>  <i>Weitere Infos: <a href=\"http:\/\/www.labournet.de\/branchen\/auto\/dc\">labournet.de\/branchen\/auto\/dc<\/a><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Treffen kritischer Gewerkschafter bei Daimler: Kritik an<br \/>\n      Leistungsverdichtung und fortgesetztem Personalabbau. 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