{"id":12361,"date":"2007-10-26T13:22:24","date_gmt":"2007-10-26T13:22:24","guid":{"rendered":".\/?p=12361"},"modified":"2007-10-26T13:22:24","modified_gmt":"2007-10-26T13:22:24","slug":"12361","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/10\/12361\/","title":{"rendered":"Gegenwind- Repression in Hamburg"},"content":{"rendered":"<p>  Gesperrte Erwerbslose beim Arbeitsamt, Streikende bei der Bahn,   Studienboykott an der HfBK (Hochschule f&#252;r Bildende K&#252;nste) in Hamburg:   drei unterschiedliche K&#228;mpf die nichts gemeinsam haben?<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  von Andreas Schmidtke, Hamburg<\/p>\n<h4>  Hamburg Hauptbahnhof<\/h4>\n<p>  Freitag morgen. Eine Gruppe streikender Lokf&#252;hrer der GdL steht vor dem   Bahnhof. Sie streiken f&#252;r bessere Arbeitsbedingungen. Der   Sicherheitsdienst des Bahnhofs hat die Lokf&#252;hrer aus dem Bahnhof   geworfen. Eines ist klar: Die Deutsche Bahn hat die Verhandlungen gut   genutzt, um sich auf den Streik vorzubereiten: Auf wichtigen Strecken   werden Beamte ohne Streikrecht eingesetzt. Ein Notfallplan wurde   erarbeitet. Kollegen von Transnet werden als Streikbrecher eingesetzt.   In den Bahnh&#246;fen sind zahlreiche Sicherheitskr&#228;fte und   Servicemitarbeiter platziert, um f&#252;r Ordnung zu sorgen. Der juristische   Apparat konnte mithilfe des Arbeitsgerichtes in Chemnitz die Streiks   gegen den G&#252;ter- &amp; Fernverkehr verbieten. Die Bereiche also, welche den   gr&#246;&#223;ten wirtschaftlichen Schaden und am wenigsten die einfache   Bev&#246;lkerung betreffen, d&#252;rfen nicht bestreikt werden. Wo kommen wir hin,   wenn die Unternehmer und wohlhabenden Reisenden vom Streik betroffen   werden. &#8222;Unverh&#228;ltnism&#228;&#223;ig&#8220; erkl&#228;ren die b&#252;rgerlichen Gerichte. Die   Fernsehsender &#252;berbieten sich darin wer den emp&#246;rtesten Fahrgast wegen   des Streiks vor die Kamera zu ziehen. Es herrscht wieder Ordnung im   Bahnhof. W&#228;hrenddessen stehen die Streikenden vor dem Bahnhof. Der Wind   bl&#228;st ihnen heute scharf ins Gesicht.<\/p>\n<h4>  Hochschule f&#252;r bildende K&#252;nste in Hamburg<\/h4>\n<p>  Freitagabend. Eine Gruppe Studierender steht vor den verschlossenen   Toren ihrer Universit&#228;t. Sie k&#228;mpfen f&#252;r kostenlose und freie Bildung.   Sie wurden vom Sicherheitsdienst rausgeworfen. Der Unipr&#228;sident muss ja   die Uni vor Vandalismus sch&#252;tzen. Vandalismus! Bis vor kurzem galten die   Kreationen der Studierenden noch als Kunst. Aber seitdem sie einen   Boykott gegen die Studiengeb&#252;hren organisieren, ist ihre Kunst zum   Vandalismus geworden. So schnell kann das gehen. Wer nicht zahlt kann ja   Stra&#223;enk&#252;nstler werden. Beim Gericht wurde auch schon Anzeige gegen   Unbekannt erstattet. Es wurden Ermittlungen aufgenommen. In den   b&#252;rgerlichen Medien ereifert man sich &#252;ber die Schmierereinen in dem   Unigeb&#228;ude. Ein Professor konnte auch gefunden werden, der das bezeugt.   Es herrscht wieder Ordnung in der Uni. W&#228;hrenddessen stehen die   Studierenden vor der Uni. Der Wind bl&#228;st ihnen heute scharf ins Gesicht.<\/p>\n<h4>  Arbeitsamt Hamburg-Mitte<\/h4>\n<p>  Freitag Mittag. Eine Gruppe Erwerbsloser steht vor dem Arbeitsamt in   Mitte. Sie warten. Auf was eigentlich? Arbeit? Endlich mit W&#252;rde   behandelt zu werden? Auch im Arbeitsamt gibt es mittlerweile einen   Sicherheitsdienst. Falls mal einer aufmuckt. Zu unrecht nat&#252;rlich. Was   ist so schlimm wenn Mitarbeiter des Amtes mal vor der Haust&#252;r stehen,   die Wohnung durchsuchen, erkl&#228;rt ein wohlgen&#228;hrter Mann im Anzug vor der   Kamera. Vielleicht hat ja einer nichtgemeldete Wertgegenst&#228;nde. Man   wisse ja nie bei diesen Leuten. Von Sozialschmarotzern ist in einer   anderen Zeitung zu lesen. Wollen gar nicht arbeiten. Manche wagen es   sogar den Arbeitsdienst abzulehnen, f&#252;r 100 Cent die Stunde Kaugummis   von der Stra&#223;e kratzen. Da muss das Amt einschreiten: die Hilfe wird   gesperrt. Denn Hilfe gibt es nur f&#252;r die, welche bereit sind ihre W&#252;rde   vor der T&#252;rschwelle des Arbeitsamtes abzulegen. Es herrscht wieder   Ordnung im Arbeitsamt. W&#228;hrenddessen stehen die Erwerbslosen, welche   ihre W&#252;rde behalten wollen, vor dem Arbeitsamt. Der Wind bl&#228;st ihnen   heute scharf ins Gesicht.<\/p>\n<h4>  Heute drei K&#228;mpfe- morgen eine Bewegung?<\/h4>\n<p>  Auf den ersten Blick m&#246;gen die Gemeinsamkeiten nicht so gro&#223; erscheinen.   Unterschiedliche Ziele, Kampfformen und Widersacher. Dennoch, es   verbindet uns mehr als uns trennt. Die Studierenden von heute sind   vielleicht die Erwerbslosen von morgen. Die Erwerbslosen von heute   vielleicht morgen Streikende. Die Rollen wechseln schnell. Oft haben wir   uns sie nicht ausgesucht, sondern bekommen sie zugeteilt, werden auf   eine bestimmte T&#228;tigkeit festgenagelt. Eines ist diesen Rollen jedoch   gemeinsam: Wir sollen unsere Bed&#252;rfnisse jeden Tag sogenannten   Sachzw&#228;ngen unterordnen. Wegen einer neuen Verordnung zu den   Hartz-gesetzen werden wir aus der Wohnung geworfen, weil sie ein paar   Quadratmeter zu gro&#223; war. Bei der Kunst muss man irgendwelchen reichen   G&#246;nner finden, um seine Pinsel bezahlen zu k&#246;nnen. Bei der Bahn ist es   mittlerweile ein Grund zum Feiern, wenn einer zwei Tage am St&#252;ck frei   hat. Ja, wir haben etwas gemeinsam: Wir k&#228;mpfen jeder auf unsere Weise   f&#252;r ein w&#252;rdiges Leben gegen die t&#228;glichen Zw&#228;nge.<\/p>\n<p>  Und wer zu sehr aufmuckt, dem werden Gerichte, Sicherheitsdienst und   Medienpropaganda auf den Hals gehetzt. Je weniger es gelingt uns durch   g&#252;nstige Kredite, Konsum oder Sportspektakel zu integrieren, desto   hysterischer werden die Herrschenden: Sie haben Angst vor den   Bahnstreikenden, welche den gesamten G&#252;terverkehr lahm legen k&#246;nnen, vor   aufgebrachten Erwerbslosen, die Arbeits&#228;mter st&#252;rmen, oder vor   StudentInnen, welche ihre Kreativit&#228;t nicht auf Ausstellungen in   sterilen Galerien beschr&#228;nken wollen. Hysterisch werden neue   &#220;berwachungsgesetze aus den Schubladen gezogen, das Schreckgespenst von   &#8222;Hasspredigern&#8220; oder &#8222;Wer hat Angst vorm schwarzen Block&#8220; an die Wand   gemalt, Polizei und Geheimdienste zentralisiert und aufger&#252;stet, oder   AktivistInnen wegen verd&#228;chtiger W&#246;rter verhaftet. So sieht es doch aus   in unserer sogenannten Demokratie.<\/p>\n<p>  Wo bleibt die Demokratie im Arbeitsamt, Betrieb oder Uni? Ist Demokratie   alle vier Jahre ein Kreuzchen machen zu d&#252;rfen? Eine Gesellschaft,   welche aus undemokratischen, starren Institutionen besteht, kann keine   wirkliche Demokratie sein. Und die Repression beginnt nicht erst mit dem   Polizeikn&#252;ppel, sondern beginnt schon mit dem Wecker morgens fr&#252;h. Oft   ist man schon so abgestumpft, dass man die t&#228;gliche Bevormundung gar   nicht mehr bemerkt. So wie jemand mit einer Kette am Bein denkt, dass er   ohne diese Kette nicht laufen kann, weil ihm das jeden Tag eingeredet   wird. In der heutigen Klassengesellschaft wird Herrschaft oft   unterschwelliger ausge&#252;bt als durch den Sklavenhalter mit der Peitsche.   Aber es bleibt dasselbe Prinzip. Solange wir uns das gefallen lassen,   solange wir nicht gemeinsam k&#228;mpfen. ArbeiterInnen, Erwerbslose und   Jugendliche m&#252;ssen sich zusammenschlie&#223;en zu einer Bewegung, denn es   gilt weiter folgende Zeile:<\/p>\n<p>  <i>&#8222;Kein Hoffnungsschimmer <\/i><\/p>\n<p>  <i>Nur Gegenwind <\/i><\/p>\n<p>  <i>So l&#228;uft&#180;s doch immer: <\/i><\/p>\n<p>  <i>Sie teilen nur, wenn man sie zwingt!&#8220; (VKJ)<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Gesperrte Erwerbslose beim Arbeitsamt, Streikende bei der Bahn,<br \/>\n      Studienboykott an der HfBK (Hochschule f&#252;r Bildende K&#252;nste) in Hamburg:<br \/>\n      drei unterschiedliche K&#228;mpf die nichts gemeinsam haben?\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12361"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12361"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12361\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12361"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12361"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12361"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}