{"id":12353,"date":"2007-10-25T00:35:13","date_gmt":"2007-10-25T00:35:13","guid":{"rendered":".\/?p=12353"},"modified":"2007-10-25T00:35:13","modified_gmt":"2007-10-25T00:35:13","slug":"12353","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/10\/12353\/","title":{"rendered":"K&#228;mpferische Gewerkschaften &#8211; dringend gesucht"},"content":{"rendered":"<p>  Im Mai diesen Jahres schrieb DER SPIEGEL: &#8222;Deutsche streiken so viel,   wie lange nicht mehr&#8220;. &#8222;Deutschland r&#252;ckt nach links&#8220; titelte DIE ZEIT   im August. Das ist die eine Seite. Die andere Seite: Abschl&#252;sse wie bei   der Telekom, die massiven Lohnverlust bedeuten; Fl&#228;chentarifvertr&#228;ge   werden untergraben; Leiharbeit nimmt zu; der DGB verzeichnet weiterhin   Mitgliederverluste. Die Gewerkschaften stecken in der Krise, obwohl es   mehr als genug f&#252;r sie zu tun gibt.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>F&#252;r gewerkschaftliche und linke AktivistInnen stellen sich viele   Fragen: wie ist das Kr&#228;fteverh&#228;ltnis zwischen Kapital und Arbeit? Wie   k&#246;nnen Angriffe zur&#252;ckgeschlagen werden? Wie k&#246;nen die Gewerkschaften   ver&#228;ndert werden, damit K&#228;mpfe erfolgreich gef&#252;hrt werden k&#246;nnen?<\/b><\/p>\n<p>  <i>von Angelika Teweleit, Berlin<\/i><\/p>\n<p>  Die Einf&#252;hrung der Agenda 2010 durch die SPD\/Gr&#252;ne-Regierung im Jahr   2003 markierte eine gesellschaftliche Z&#228;sur. Auch in den Jahren zuvor   hatte es Sozialabbau gegeben, aber mit der Agenda-Politik waren   Regierung und Kapial zu einer weitgehenden Demontage des sogenannten   Sozialstaats &#252;bergegangen. Eine &quot;Jahrhundertreform&#8220; jagt seitdem die   n&#228;chste &#8211; von Hartz IV bis zur Rente mit 67. Einher ging diese   Regierungspolitik mit fortgesetzten massiven Angriffe auf die L&#246;hne und   Arbeitsbedingungen der abh&#228;ngig Besch&#228;ftigten in den Betrieben und   Verwaltungseinrichtungen.<\/p>\n<p>  Diese R&#252;ckkehr des ordin&#228;ren Kapitalismus (Titel einer Artikelserie von   Winfried Wolf) f&#252;hrte aber auch zu einer R&#252;ckkehr des ordin&#228;ren   Klassenkampfes. Seit 2003 hat es eine Reihe von Massenmobilisierungen   und von bitteren betrieblichen und gewerkschaftlichen K&#228;mpfen gegeben.   Angefangen mit den 100.000 Menschen, die am 1. November 2003 einem   Aufruf linker Gruppen, Erwerbsloseninitiativen und gewerkschaftlichen   Basisorganisationen folgten und die Protestwelle gegen Hartz IV   er&#246;ffneten. Darauf folgten noch im Dezember 2003 massive   Arbeitsniederlegungen in der Autoindustrie zur Verteidigung der   Mitbestimmung, die drei DGB-Demonstrationen mit einer halben Million   TeilnehmerInnen am 3. April 2004 und die Bewegung der   Montagsdemonstrationen im Sommer und Herbst 2004.<\/p>\n<p>  Im Herbst 2004 ereignete sich auch der siebent&#228;gige selbst&#228;ndige Streik   der Belegschaft von Opel Bochum. Seitdem gibt es eine deutliche Zunahme   der Streiktage und mehrere Beispiele f&#252;r selbst&#228;ndige betriebliche   K&#228;mpfe und Aktionen.<\/p>\n<p>  Doch die Gewerkschaftsf&#252;hrungen waren selten die treibende Kraft solcher   Proteste, sondern h&#228;ufig reagierten sie nur z&#246;gerlich auf Druck von   unten und versuchten, Aktionen nur zum &#8222;Dampf ablassen&#8220; zu nutzen &#8211; oder   sie taten gar nichts, wie am 1. November 2003 und in der Bewegung der   Montagsdemonstrationen.<\/p>\n<p>  So konnte die Kapitalseite die Massenarbeitslosigkeit nutzen, um   weitreichende Angriffe durchzusetzen, die sich auf die Situation der   gesamten Arbeiterklasse auswirken. Die Ein-Euro-Jobs trugen zum   Beispiel, zusammen mit dem niedrigen Niveau des Arbeitslosengeldes II,   dazu bei, die Lohnspirale nach unten zu beschleunigen.<\/p>\n<p>  Gleichzeitig gelang es den Arbeitgebern, oftmals mit tatkr&#228;ftiger   Unterst&#252;tzung der Gewerkschaftsf&#252;hrungen, die Fl&#228;chentarife zu   untergraben und Leiharbeit und Prekarisierung von Arbeitsverh&#228;ltnissen   auszuweiten. Die Verbetrieblichung von Tarifabschl&#252;ssen, die die IG   Metall-F&#252;hrung mit dem Pforzheimer Abkommen mittr&#228;gt ist hier genauso zu   nennen, wie die Einf&#252;hrung von Spartentarifvertr&#228;gen in privatisierten   Bereichen des fr&#252;heren &#246;ffentlichen Dienstes. Ergebnis ist ein   Flickenteppich von Tarifen, der die M&#246;glichkeit der einheitlichen Aktion   der Arbeiterklasse enorm erschwert hat.<\/p>\n<p>  In den Gewerkschaften und unter linken AktivistInnen wird die Frage, wo   die Verantwortung und Ursachen f&#252;r diese Situation liegt, kontrovers   diskutiert. Kritik an der F&#252;hrung wird oft mit dem Argument der   mangelnden Aktivit&#228;t der KollegInnen begegnet. So mancher   Gewerkschafter, dem die Politik der F&#252;hrung auch nicht gef&#228;llt, denkt,   dass die Basis die F&#252;hrung habe, die sie vedient. Zweifellos ist die   aktive Mitarbeit in den gewerkschaftlichen Strukturen gering. Dies h&#228;ngt   aber vor allem damit zusammen, dass viele KollegInnen die Zuversicht   verloren, haben, dass mit diesen Gewerkschaften Verbesserungen erreicht   werden k&#246;nnen. Die Anpassung und politische Kapitulation der   Gewerkschaftsf&#252;hrungen ist ja kein neues Ph&#228;nomen, sondern hat sich in   den 80er versch&#228;rft und Anfang der 90er mit der Akzeptanz der   kapitalistischen Restauration in der ehemaligen DDR eine neue Qualit&#228;t   erlangt. Ursachen daf&#252;r werden in diesem Artikel behandelt. Es ist aber   fest zu halten, dass in den letzten Jahren alle ernsthaften Angebote zu   Mobilisierungen und Arbeitsniederlegungen massenhaft befolgt wurden, was   auf eine grundlegende bestehende Kampfbereitschaft in der Arbeiterklasse   hin weist.<\/p>\n<h4>  Gewinne und Verluste<\/h4>\n<p>  Bei den DAX-30-Konzernen stiegen die Netto-Gewinne, laut Berechnungen   f&#252;r das isw (sozial-&#246;kologische wirtschaftsforschung m&#252;nchen e.V.) von   Fred Schmid, im Gesch&#228;ftsjahr 2006 um 19,7 Prozent im Vergleich zum   Vorjahr &#8211; auf eine Gesamtsumme von 62,2 Milliarden Euro. Mehr als die   H&#228;lfte der DAX Konzerne erreichte die h&#246;chsten Gewinnergebnisse in ihrer   Firmengeschichte. Die Vorstandsgeh&#228;lter stiegen ebenfalls um 15 bis 20   Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Spitzenreiter Ackermann &#8222;verdient&#8220; an   jedem Tag 37.200 Euro &#8211; das ist pro Tag mehr als das durchschnittliche   Jahresgehalt eines Bankangestellten. Im Vergleich zu einem   Durchschnittsverdienst eines Arbeitnehmers in Deutschland hat er   ungef&#228;hr 500 mal so viel im Jahr &#8211; das sind die krassen Ausw&#252;chse der   sozialen Polarisierung im Kapitalismus.<\/p>\n<p>  In den Jahren 1996 bis 2006 sind laut isw die durchschnittlichen   Nettol&#246;hne nominal lediglich um 11,4 Prozent angestiegen (1996:   umgerechnet 1351 Euro, 2006: 1453 Euro). Mit Einberechnung der im   gleichen Zeitraum um etwa 15 Prozent gestiegenen Lebenshaltungskosten   ergibt sich ein Reallohnverlust von fast vier Prozent. Aus einer Studie   von 2003 ging hervor, dass ein Drittel aller Besch&#228;ftigten im   Niedriglohnsektor arbeiten, sie verdienen nur zwischen 50 und 75 Prozent   vom Durchschnittslohn. Die Einkommensarmut stieg laut DIW von 12 Prozent   1999 auf 17 Prozent 2005.<\/p>\n<h4>  &#8222;Lohnverzicht schafft Arbeitspl&#228;tze&#8220;<\/h4>\n<p>  &#220;ber viele Jahre wurde die Massenarbeitslosigkeit und die Angst vor   Arbeitsplatzverlust genutzt, um Lohnverzicht zur Rettung von   Arbeitspl&#228;tzen zu propagieren. Gewerkschaftsspitzen und Betriebsr&#228;te   lie&#223;en sich auf Verzichtsdeals mit den Arbeitgebern ein, und erkl&#228;rten   den Besch&#228;ftigten, dass sie andernfalls auf der Stra&#223;e landen w&#252;rden.<\/p>\n<p>  Die Wirklichkeit sah anders aus. Nicht wenige Belegschaften machten die   Erfahrung, dass kurze Zeit nach den Lohnk&#252;rzungen trotzdem Entlassungen   verk&#252;ndet wurden. Inzwischen sind die Beispiele so vielf&#228;ltig, dass   diese Unternehmerl&#252;ge von der Mehrzahl der Besch&#228;ftigten durchschaut   wurde und auch die Gewerkschaftsf&#252;hrung M&#252;he hat, sie noch zu vertreten.   &#8222;Nach Jahren, in denen Konzerne trotz Rekordgewinnen Massenentlassungen   vorgenommen haben, k&#246;nnen sich die Menschen nicht mehr sicher sein, dass   sie mit der eigenen Leistung Lebenssicherheit herstellen k&#246;nnen&quot;, sagt   Bsirske in einem Interview mit der FR (27.08.07). Viele KollegInnen   w&#252;rden diese Tatsache weniger h&#246;flich beschreiben.<\/p>\n<p>  Allerdings ist es eine Sache, den Glauben an das M&#228;rchen von der   Schaffung von Arbeispl&#228;tzen durch Lohnverzicht zu verlieren und eine   andere Sache ist es, in der konkreten Situation einen Deal &#8222;Lohnverzicht   gegen Besch&#228;ftigungsgarantie&#8220; abzulehnen, wenn die Bosse mit   Entlassungen oder Schlie&#223;ung drohen. Dieses Ph&#228;nomen wird in   betrieblichen Auseinandersetzungen um Massenentlassungen und   Betriebsschlie&#223;ungen eher auftreten, als in Lohntarifrunden, in denen   das Argument vom Lohnverzicht nicht mehr zieht.<\/p>\n<h4>  ERA und TV&#214;D: &#8222;Modernisierung&#8220; = Lohnverlust<\/h4>\n<p>  Neue Eingruppierungs- und Rahmentarifvertr&#228;ge wurden mit dem Argument   der angeblich notwendigen &#8222;Modernisierung&#8220; von den   Gewerkschaftsf&#252;hrungen propagiert. Doch sowohl das Entgeltrahmenabkommen   (ERA) in den Metallbetrieben, als auch der Tarifvertrag &#214;ffentlicher   Dienst und Tarifvertrag L&#228;nder (TV&#214;D bzw. TV-L) bedeutet in der Summe   weniger Geld f&#252;r die Besch&#228;ftigten &#8211; f&#252;r Neueingestellte sofort, f&#252;r die   aktuell Besch&#228;ftigten werden die Verluste &#252;ber die Jahre hinaus   sichtbar. Er verschlechtert durch die Einf&#252;hrung von Leistungsl&#246;hnen,   die Abkopplung ganzer Bereiche wie dem Nahverkehr, der Streichung der   Kinderzulagen und anderer Ma&#223;nahmen die Bedingungen f&#252;r die   Besch&#228;ftigten. Das &#8222;Netzwerk f&#252;r eine k&#228;mpferische und demokratische   ver.di&#8220; errechnete beispielsweise, dass mit dem TV&#214;D ErzieherInnen bei   der vorgesehenen Neueingruppierung in die neuen Lohngruppen 238.000 Euro   verlieren (auf die Lebensarbeitszeit gerechnet, verheiratet und zwei   Kinder). Der ERA wird massiv zum Abbau &#252;bertariflicher Leistungen von   den Arbeitgebern genutzt.<\/p>\n<p>  ver.di-Chef Frank Bsirske meinte nach Unterzeichnung des Vertrags 2005   &#8222;Dieses Beispiel darf Schule machen.&#8220;<\/p>\n<p>  Die IG Metall-F&#252;hrung feierte ERA 2003 als &#8222;Jahrhundertreform&#8220; und es   sei &#8222;nicht nur ein tarifpolitisches, sondern ein   gesellschaftspolitisches Reformwerk&#8220; (Berthold Huber); In Wirklichkeit   sind die neuen Tarifwerke massive Umverteilungsprogramme zulasten aller   Besch&#228;ftigten. Es ist im Interesse der Arbeitgeber, wenn diese Beispiele   Schule machen &#8211; wenn jetzt auch bei der Bahn ein neues Entgeltsystem   verhandelt werden soll, verhei&#223;t das nichts gutes.<\/p>\n<h4>  Niederlage bei Telekom<\/h4>\n<p>  Der von der ver.di F&#252;hrung get&#228;tigte Abschluss bei der Telekom, nach   elfw&#246;chigem Arbeitskampf, stellt eine Niederlage dar und f&#252;hrte zu   weiteren massiven Lohnverlusten, bei gleichzeitiger Fortsetzung des   Arbeitsplatzabbaus. Die Arbeitgeberseite feierte den Abschluss   unverhohlen. Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger erkl&#228;rte vor   der Presse das Ergebnis der Verhandlungen: &#8222;Wir haben den Zielkorridor   unseres Sparprogramms ordentlich getroffen.&#8220; Dieser Zielkorridor lag   zwischen 500 und 900 Millionen Euro Einsparungen beim Personal. Die   britische Financial Times feierte den Abschluss gar als internationalen   Erfolg f&#252;r das Kapital: &#8222;Es ist umso bezeichnender, dass f&#252;r 50.000   Besch&#228;ftigte bzw. etwa ein Viertel der Besch&#228;ftigten im Konzern eine   deutliche Lohnsenkung von 6,5 Prozent akzeptiert wurde, w&#228;hrend   Deutschland einen Aufschwung feiert.&#8220; In Wirklichkeit mussten die   Besch&#228;ftigten einen Einkommensverlust von zusammen gerechnet 25 bis 30   Prozent hinnehmen.<\/p>\n<p>  Trotzdem verkaufte die ver.di F&#252;hrung diesen qualitativen Sieg f&#252;r das   Kapital als Erfolg. Frank Bsirske wird in einem ver.di-Flugblatt mit dem   verhei&#223;ungsvollen Titel &#8222;Das war erst der Anfang&#8220; zitiert: &quot;Trotz der   nicht zu leugnenden Wermutstropfen wird der Kampf der Telekomer als ein   Beispiel f&#252;r erfolgreiche Gegenwehr in die Tarifgeschichte eingehen.&quot;   Man kann sich kaum eine Gewerkschaftsf&#252;hrung vorstellen, die weiter weg   von der Realit&#228;t ist.<\/p>\n<h4>  Streikbereitschaft<\/h4>\n<p>  Gleichzeitig gibt es eine grundlegende Kampfbereitschaft und eine   Zunahme von Streiks. 2006 gab es 12,4 Streiktage pro 1.000 Besch&#228;ftigte.   In den Jahren davor waren das knapp &#252;ber 2 &#8211; ein kr&#228;ftiger Anstieg, auch   wenn es im Vergleich zu fr&#252;heren Jahren (zum Beispiel 1971, 1978 und   1984 jeweils um die 200 Tage) und im internationalen Ma&#223;stab noch sehr   gering ist. Bemerkenswert ist auch die hohe Zustimmung zu Streiks: Die   Ergebnisse bei fast allen Urabstimmungen lagen in diesem Jahr bei weit   &#252;ber 90 Prozent.<\/p>\n<p>  Gesamtmetall-Pr&#228;sident Kannegiesser &#228;u&#223;ert in einem   Handelsblatt-Interview vom 17.08.07: &#8222;Trotzdem sehen wir eine   bedenkliche Tendenz, dass die Hemmschwelle sinkt, das Mittel des Streiks   anzuwenden. Teilweise k&#252;ndigen Gewerkschaften ja schon Arbeitsk&#228;mpfe an,   bevor &#252;berhaupt Forderungen gestellt sind&#8220;. Letzteres ist eindeutig   &#252;bertrieben, es dr&#252;ckt aber die Sorge um die Stimmung in den Betrieben   aus.<\/p>\n<h4>  Betriebliche K&#228;mpfe<\/h4>\n<p>  Diese Sorge ist auch davon bestimmt, dass sich in den letzten Jahren   eine Reihe betrieblicher K&#228;mpfe ereigneten, von denen einige spontan von   unten und an der Gewerkschaftsb&#252;rokratie vorbei organisiert wurden.   Viele dieser Auseinandersetzungen richteten sich gegen   Betriebsschlie&#223;ungen und Entlassungen: am bedeutendsten war der   siebent&#228;gige selbstorganisierte Streik bei Opel Bochum im Oktober 2004.   Dieser Streik fand nicht nur ohne, sondern gegen die IG Metall-F&#252;hrung   statt. Er wurde zum Bezugspunkt f&#252;r AktivistInnen und entfachte eine   Welle der Solidarit&#228;t.<\/p>\n<p>  Ebenfalls im Oktober 2004 legten 2000 Besch&#228;ftigte des   Walzlagerherstellers FAG Kugelfischer in Schweinfurt die Arbeit nieder.<\/p>\n<p>  Im Juli gingen 60.000 ArbeiterInnen beim DaimlerChrysler-Aktionstag   w&#228;hrend der Arbeitszeit auf die Stra&#223;e. Die Belegschaft von Daimler in   Mettingen blockierte eine Stunde lang die Bundesstra&#223;e 10.<\/p>\n<p>  2005 fand ein bitterer Arbeitskampf bei Infineon in M&#252;nchen statt. 2006   kam es zum Arbeitskampf bei AEG in N&#252;rnberg, im gleichen Jahr streikte   die Belegschaft des Baumaschinenherstellers CNH in Berlin f&#252;r &#252;ber 100   Tage. Kurz nach Ende dieses Streiks traten die ArbeiterInnen der   Bosch-Siemens-Hausger&#228;tewerks (BSH) in den Ausstand. Ein bitterer   Arbeitskampf entwickelte sich, in dem die IG Metall-F&#252;hrung kurzzeitig   die Kontrolle &#252;ber den Streik verlor (s.u.).<\/p>\n<p>  In Metallbetrieben hat es bei der Umsetzung von ERA spontane Aktionen   und Arbeitsniederlegungen gegeben &#8211; ohne oder gar gegen die IG   Metall-F&#252;hrung. Bei DaimlerChrysler in Berlin Marienfelde hat es trotz   Ausschlussdrohungen gegen k&#228;mpferische IG Metall-Funktion&#228;re Aktionen   mit Unterst&#252;tzung von bis zu 300 KollgeInnen gegen den betrieblichen ERA   Vertrag gegeben.<\/p>\n<p>  Auch im &#214;ffentlichen Dienst gab es eine Reihe von Streiks auf   betrieblicher oder lokaler Ebene: 2004 und 2005 fanden Warnstreiks und   ein Erzwingungsstreik an w&#252;rttembergischen Uni-Kliniken gegen   Arbeitszeitverl&#228;ngerung und Lohnraub statt. Hier konnten die KollegInnen   nicht nur unter Beweis stellen, dass es m&#246;glich ist in Krankenh&#228;usern zu   streiken, sie waren auch erfolgreich und erzielten tarifliche   Regelungen, die deutlich besser als der TV&#214;D sind. 2006 fand der   zweiw&#246;chige Streik am Berliner Universit&#228;tsklinikum Charit&#233; statt, der   erfolgreich den seit 2004 andauernden tariflosen Zustand beendete. Beide   Streiks f&#252;hrten &#252;brigens zu vielen Neueintritten in ver.di. Das zeigt,   dass neue Mitglieder nur durch K&#228;mfe zu gewinnen sind.<\/p>\n<p>  Nicht zu vergessen sind die wochenlangen Streiks in Kommunen und L&#228;ndern   gegen Arbeitszeitverl&#228;ngerung in der Tarifrunde 2006.<\/p>\n<h4>  Arbeitskampf statt Latschdemos<\/h4>\n<p>  Angebote der Gewerkschaftsf&#252;hrungen zum Kampf wurden in den meisten   F&#228;llen massiv befolgt. Allerdings betraf das nur Mobilisierungen, die   aus Sicht der KollegInnen ernsthaft waren. Dies gilt oftmals nicht f&#252;r   Samstagsdemonstrationen. Die Mobilisierung nach Berlin im Herbst 2006   war mit 15.000 sehr gering, w&#228;hrend im Januar\/Februar 2007   Demonstrationen w&#228;hrend der Arbeitszeit gegen die Einf&#252;hrung der Rente   mit 67 in den Metallbetrieben massiv befolgt wurden. Doch auch hier   verzichtete die Gewerkschaftsf&#252;hrung auf eine Steigerung der   Kampfma&#223;nahmen und f&#252;hrte stattdessen am Tag der Bundestagsberatung eine   halbherzige Kundgebung in Berlin durch. Das Potenzial f&#252;r einen   ernsthaften Kampf gegen die Rente mit 67, der auch politische Streiks   und die Mobilisierung aller DGB-Gewerkschaften h&#228;tte beinhalten m&#252;ssen,   wurde so nicht genutzt.<\/p>\n<h4>  Stimmung f&#252;r Lohnerh&#246;hungen<\/h4>\n<p>  Der viel propagierte Aufschwung des Jahres 2007 verst&#228;rkte die Stimmung,   nach Jahren von Reallohnverlusten und gleichzeitigen Rekordgewinnen, nun   kr&#228;ftige Lohnerh&#246;hungen durchzusetzen. Das hat auch zu vergleichsweise   hohen Forderungen und Abschl&#252;ssen in den Tarifrunden dieses Jahres   gef&#252;hrt &#8211; auch, wenn die Abschl&#252;sse von der Gewerkschaftsf&#252;hrung   regelm&#228;&#223;ig sch&#246;n gerechnet werden: so sind die 4,1 Prozent in der   Metallindustrie auf eine Laufzeit von 19 Monaten verteilt. Auf ein Jahr   gerechnet macht die monatliche Erh&#246;hung 3,7% aus. Trotzdem war es mehr   als in den vergangenen Jahren, weshalb die FAZ schrieb: &#8222;Es scheint fast   so, als sehne sich das Land danach, den von Sparrunden,   Massenarbeitslosigkeit und Firmenpleiten gepr&#228;gten wirtschaftlichen   (Fehl-) Start in das neue Jahrhundert hinter sich zu lassen. Das neue   Selbstbewusstsein, mit dem sowohl Individuen als auch ihre   Interessenverb&#228;nde den Arbeitgebern heute gegen&#252;bertreten, zeigt: Es   darf wieder ein bisschen mehr sein.&#8220; &#8211; eine Entwicklung, die mit Sorge   betrachtet wird.<\/p>\n<p>  Besonders, weil auch bei hohen Lohnforderungen &#8211; wie im Fall der GDL &#8211;   Symphatie bei gro&#223;en Teilen der Arbeiterklasse besteht. Es besteht das   Bewusstsein, dass man in Deutschland f&#252;r wichtige und gute Arbeit viel   zu schlecht bezahlt wird, w&#228;hrend die kleine Schicht von Reichen und   Superreichen den Hals nicht voll kriegt.<\/p>\n<h4>  Stimmung gegen Privatisierung<\/h4>\n<p>  Beim Telekom- Streik zeigte sich nicht nur eine gro&#223;e Kampfbereitschaft   der KollegInnen &#8211; so konnte die urspr&#252;nglich von der ver.di-F&#252;hrung   geplante Nadelstich-Taktik aufgrund des Drucks der KollegInnen nicht   aufrechterhalten werden &#8211; , sondern auch, dass sich das Bewusstsein an   der Frage von Privatisierung weiterentwickelt hat. Die Stimmung an der   Basis war gegen Privatisierung und sogar die Forderung nach   Re-Verstaatlichung der Telekom kam gut bei KollegInnen an. Dies w&#228;re vor   ein paar Jahren noch nicht der Fall gewesen. Die Erfahrungen mit   privatisierten Betrieben haben sowohl bei den von Verschlechterungen   betroffenen Besch&#228;ftigten als auch in der gesamten arbeitenden   Bev&#246;lkerung, daf&#252;r gesorgt, dass es eine breite Stimmung gegen   Privatisierung von Staatsunternehmen gibt &#8211; laut Umfrage der ZEIT bei   rund zwei Drittel der Befragten.<\/p>\n<p>  Diese Liste von K&#228;mpfen, die bei weitem keinen Anspruch auf   Vollst&#228;ndigkeit hat, macht deutlich, dass die Arbeiterklasse in   Deutschland keineswegs passiv ist. Es stellt sich vielmehr die Frage,   wie der Unmut der breiten Massen gegen die bestehenden Verh&#228;ltnisse und   die grundlegende Kampfbereitschaft zum Wiederaufbau der Arbeiterbewegung   genutzt werden k&#246;nnen.<\/p>\n<h4>  Wie geht es weiter mit den DGB-Gewerkschaften?<\/h4>\n<p>  &#8222;Ende Dezember 2006 waren 6.585.774 Mitglieder in den acht   DGB-Gewerkschaften organisiert. Damit hat sich im Vergleich zu 2004 und   2005 der Mitgliederr&#252;ckgang des Deutschen Gewerkschaftsbundes und seiner   Mitgliedsgewerkschaften im Jahr 2006 noch einmal deutlich verlangsamt.   Per Saldo verloren die Gewerkschaften im vergangenen Jahr rund 193.000   Mitglieder, das entspricht einem R&#252;ckgang von 2,8 Prozent.&#8220; So lautet   die Pressemeldung des DGB. Hier wird sch&#246;ngeredet, dass die   DGB-Gewerkschaften jedes Jahr hunderttausende von Mitgliedern verlieren,   insgesamt 5,2 Millionenen seit 1990, als die Mitgliedschaft noch bei   11,8 Millionen lag.<\/p>\n<p>  Den Mitgliederverlust auf die wachsende Massenarbeitslosigkeit zur&#252;ck zu   f&#252;hren, greift zu kurz. Sicherlich ist das ein Faktor, wobei kein   Automatismus besteht, dass erwerbslose ArbeiterInnen aus der   Gewerkschaft austreten. H&#228;tten sie den Eindruck, dass die Gewerkschaften   als gesellschaftliche Kraft auch f&#252;r die Erwerbslosen eintreten, k&#246;nnten   viele der mit Arbeitslosigkeit zusammen h&#228;ngenden Austritte verhindert   werden. Vor allem aber gelingt es den Gewerkschaften nicht, junge   ArbeiterInnen und solche in prek&#228;ren Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnissen zu   gewinnen. Dies dr&#252;ckt aus, dass es ingesamt einen erheblichen   Vertrauensverlust in die Gewerkschaften gegeben hat. Das hei&#223;t aber   nicht, dass die Existenz von Gewerkschaften als &#252;berfl&#252;ssig betrachtet   w&#252;rde. In der Umfrage der ZEIT vom August 2007 h&#228;lt circa die H&#228;lfte der   Befragten den Einfluss der Gewerkschaften f&#252;r zu gering.<\/p>\n<p>  Aber es gelingt den Gewerkschaften nicht, diese Stimmung in Mitglieder   und aktive Beteiligung umzuwandeln. Dies wird auch nicht grundlegend   durch b&#252;rokratische Mitgliederwerbe-Kampagnen (Stichwort:   &quot;Organizing&quot;-Konzepte aus den USA) ge&#228;ndert werden k&#246;nnen. Der Grund f&#252;r   die Krise der Gewerkschaften liegt in ihrer Politik. Viele KollegInnen   sagen sich, dass sie zum Verzichten keine Gewerkschaften brauchen und   keine Beitr&#228;ge daf&#252;r bezahlen wollen. Nur ein Politikwechsel kann die   Kurve der Mitgliederentwicklung wieder umkehren.<\/p>\n<h4>  Gewerkschaftsf&#252;hrung hat Niederlagen zu verantworten<\/h4>\n<p>  Einige linke GewerkschafterInnen sind der Ansicht, dass die vielen   Niederlagen der Gewerkschaften weniger mit der Politik der F&#252;hrung, als   mit den gesellschaftlichen Rahmenverh&#228;ltnissen zu tun h&#228;tten. Sie gehen   davon aus, dass zuerst der Neoliberalismus durch politische   Ver&#228;nderungen zur&#252;ck gedr&#228;ngt werden m&#252;sse, bevor auf der betrieblichen   und tariflichen Ebene Erfolge m&#246;glich sind. Dieser Gedanke wird auch   immer wieder von PolitikerInnen der Partei DIE LINKE ge&#228;u&#223;ert.<\/p>\n<p>  Zweifellos haben sich die Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse zwischen Kapitalisten und   Lohnabh&#228;ngigen in den letzten zwanzig Jahren zugunsten der ersteren   verschoben. Doch die politische Kapitulation der F&#252;hrung der   Arbeiterbewegung Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre spielte dabei   eine gro&#223;e Rolle. Sie haben in dasselbe marktwirtschaftliche Horn, wie   die Kapitalisten geblasen und die Arbeiterklasse ohne Argumente gegen   die Offensive des Kapitals im Regen stehen lassen.<\/p>\n<p>  Sicherlich haben die Niederlagen der letzten Jahre auch das materielle   Kr&#228;fteverh&#228;ltnis f&#252;r die Lohnabh&#228;ngigen verschlechtert. Die   Zersplitterung der Tariflandschaft, Ausweitung der Leiharbeit,   Prekarisierung und Privatisierung erschweren den kollektiven Widerstand   der Arbeiterklasse. Aber &#8211; und das ist das entscheidende &#8211; die   Arbeiterklasse hat ihre grundlegende gesellschaftliche Kraft nicht   verloren. Das gilt f&#252;r Deutschland sogar mehr, als f&#252;r manch anderes   Land, denn hier gibt es weiterhin eine weitgehend intakte industrielle   Basis im Bereich des Maschinenbaus, der Autoindustrie, der   Chemieindustrie, der Bauwirtschaft. Das dr&#252;ckt auch   Gesamtmetall-Pr&#228;sident Kannegie&#223;er aus: &quot;Kein Land mit vergleichbarem   Lebensstandard hat einen &#228;hnlich gro&#223;en industriellen Sektor wie   Deutschland. Und wie kein anderer lebt dieser industrielle Sektor von   funktionierender Vernetzung &#8211; von Entwicklungs-, Wertsch&#246;pfungs- und   Lieferketten zwischen vielf&#228;ltigsten Unternehmen.&quot;<\/p>\n<p>  Und: das gesellschaftliche Bewusstsein hat begonnen sich nach links zu   verschieben. Die Vorausetzungen, um wieder in die Offensive zu kommen,   verbessern sich also f&#252;r die Gewerkschaften. Die Hauptbarriere, um   wieder in die Offensive zu kommen, sind die F&#252;hrungen der Gewerkschaften.<\/p>\n<p>  Der Telekom-Streik ist daf&#252;r Beispiel: Die Verantwortung f&#252;r die   Niederlage beim Telekom Streik lag ausschie&#223;lich bei der ver.di-Spitze.<\/p>\n<p>  Erstens wurde der Kampf bei der Telekom nicht gegen die Wurzel des &#220;bels   &#8211; die Ausgr&#252;ndung, mit der die Besch&#228;ftigten in ein neues Unternehmen   mit deutlich niedrigeren L&#246;hnen und schlechteren Arbeitsbedingungen   &#252;berf&#252;hrt werden sollen &#8211; gef&#252;hrt, sondern nur gegen die schlimmsten   Auswirkungen.<\/p>\n<p>  Zweitens wurde der Kampf nicht auf alle Telekom-Besch&#228;ftigten   ausgedehnt. Dies w&#228;re durch die Forderung nach einem Konzerntarifvertrag   (siehe Betriebszeitung magentat auf www.netzwerk-verdi.de) gegen   Arbeits&#252;berlastung ohne weiteres m&#246;glich gewesen. Der Verzicht darauf   bedeutete, dass die einzelnen Telekom-Bereiche getrennt zur Schlachtbank   gef&#252;hrt werden. Auch die BeamtInnen wurden nicht in den Kampf   einbezogen. Im Fall der Telekom ist das besonders absurd, da diese ja   f&#252;r ein mittlerweile privatisiertes Unternehmen arbeiten und ihr   Streikverbot auch juristisch &#228;u&#223;erst fraglich ist. Aber unabh&#228;ngig davon   h&#228;tte der Telekom-Streik als Ausgangspunkt f&#252;r die Erk&#228;mpfung eines   Beamtenstreikrechts genommen werden k&#246;nnen, wie es die Deutsche   Postgewerkschaft (DPG) schon 1986 forderte. Dass Beamtenstreiks m&#246;glich   sind, haben LehrerInnen schon bei verschiedenen Gelegenheiten gezeigt.<\/p>\n<p>  Drittens war die Streik-Strategie zum Scheitern verurteilt. Es gab nicht   einmal einen zentralen Aktionstag in elf Wochen Streik, keine   Massendemonstration, keine Solidarit&#228;tsaktionen anderer Bereiche. Dabei   gab es eine breite Unterst&#252;tzung in der Bev&#246;lkerung, die h&#228;tte genutzt   werden k&#246;nnen. Umso mehr w&#228;re das m&#246;glich gewesen, wenn die Frage der   R&#252;ckverstaatlichung der Telekom als Forderung von ver.di aufgestellt   worden w&#228;re, was diese Auseinandersetzung zu einer   gesellschaftspolitischen gemacht h&#228;tte, in der sich Millionen   ArbeitnehmerInnen und Erwerbslose, die der Privatisierungspolitik   ablehnend gegen&#252;ber stehen, h&#228;tten wieder finden k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Was wir gesehen haben, war in Wirklichkeit der politische Bankrott der   ver.di-Spitze, ein weiteres Beispiel daf&#252;r, dass Privatisierung durch   die Gewerkschaftsf&#252;hrung hingenommen wird, ohne dass ein Kampf dagegen   organisiert w&#252;rde. Die DGB-Spitzen geben die Auseinandersetzung schon   von vornherein auf und vermitteln den Eindruck, als k&#246;nnte man sowieso   gar nichts gegen Privatisierung unternehmen. Transnet-Chef Hansen, der &#8211;   wie so viele Spitzenfunktion&#228;re der Gewerkschaften &#8211; einen Posten im   Aufsichtsrat hat, geht noch einen Schritt weiter und gibt seine offene   und umfassende Unterst&#252;zung f&#252;r den B&#246;rsengang der Bahn.<\/p>\n<h4>  Warum die Gewerkschaftsb&#252;rokratie so handelt<\/h4>\n<p>  Die Politik der Gewerkschaftsf&#252;hrung liegt in ihrer materiellen und   ideologischen Verbundenheit mit dem kapitalistischen System begr&#252;ndet.   Sie haben jegliche &#252;ber den Kapitalismus hinaus gehende Perspektive   aufgegeben und versuchen h&#246;chstens Verbesserungen f&#252;r die Lohnabh&#228;ngigen   im Rahmen des Kapitalismus zu erreichen. Gleichzeitig stellen sie eine   materielle privilegierte Schicht, eine B&#252;rokratie, dar, die kein   Interesse an Selbstaktivit&#228;t und demokratischer Kontrolle der   Gewerkschaften hat, die diese materiellen Privilegien in Frage stellen   k&#246;nnten.<\/p>\n<p>  Wenn Spitzenfunktion&#228;ren der Gewerkschaften Monatsgeh&#228;lter bekommen, die   ein Vielfaches des Durchschnittslohns ausmachen, m&#252;ssen sie nicht jeden   Monat rechnen, wie man sich, und gegebenenfalls die Familie, bei   steigenden Preisen &#252;ber die Runden bringt. Ihr Lebenswandel und ihr   Blick auf die Gesellschaft ist dem Lebenswandel von Politikern und   Kapitalisten n&#228;her, als dem ihrer Basis. K&#228;mpfe werden so l&#228;stige   Begleiterscheinungen eines angenehmen B&#252;rokratendaseins.<\/p>\n<h4>  Reformismus<\/h4>\n<p>  In den 50er, 60er und fr&#252;hen 70er Jahren konnte das politische Konzept   des Reformismus noch Erfolge aufweisen: auf der Grundlage des   Nachkriegsaufschwungs war es m&#246;glich, auch innerhalb des   kapitalistischen Systems Reformen f&#252;r die Mehrheit der Arbeiterklasse zu   erk&#228;mpfen. Der Lebensstandard stieg. Zugest&#228;ndnisse wurden auch wegen   der Systemkonkurrenz in der DDR und den Staaten des Ostblocks gemacht.<\/p>\n<p>  Mit der Wirtschaftskrise 1974 ging der lange Nachkriegsaufschwung zu   Ende. Die Wirtschaft befindet sich seitdem, auch in den westlichen   L&#228;ndern, in einer strukturellen Krise. Somit geriet aber auch der   Reformismus in die Krise. Heute ist es nicht mehr m&#246;glich, mit dem   reformistischen Ansatz l&#228;ngerfristige Reformen zu erk&#228;mpfen, denn die   Strukturkrise und die versch&#228;rfte Weltmarktkonkurrenz lassen weniger   Spielraum f&#252;r Reformen.<\/p>\n<p>  In diesem Prozess verwandelte sich die SPD von einer reformistischen   Partei mit Basis in der ArbeiterInnenklasse und verb&#252;rgerlichter F&#252;hrung   vollends zu einer b&#252;rgerlichen Partei.<\/p>\n<p>  Das hatte direkte Auswirkungen auf die Gewerkschaften, denn viele der   Funktion&#228;re sowohl an der Spitze wie auch auf mittlerer Ebene waren und   sind noch immer Mitglieder der SPD und diese hatte die Gewerkschaften   weitgehend im Griff.<\/p>\n<p>  Berthold Huber (SPD) und J&#252;rgen Peters (SPD) vertreten zwar   unterschiedliche Fl&#252;gel in der IG Metall. Der Peters-Fl&#252;gel wurde   bislang als traditionalistisch bezeichnet, der Huber-Fl&#252;gel als   modernistisch. Aber die Unterschiede sind in der letzten Zeit immer mehr   verwischt. Die Modernisierer haben die neoliberale Ideologie   vollst&#228;ndiger &#252;bernommen, und unterst&#252;tzen offen die Politik des   Co-Managements mit dem Argument der Standortsicherung. Ihr Credo ist die   Verbetrieblichung der Tarifvertr&#228;ge. Die Traditionalisten treten als   Verteidiger der Fl&#228;chentarifvertr&#228;ge auf. Politisch vertreten sie   Positionen aus den 60ern und 70ern &#8211; f&#252;r Reformen, um die Kaufkraft der   Besch&#228;ftigten zu st&#228;rken.<\/p>\n<p>  Was sie eint, ist ihre Verbundenheit mit dem kapitalistischen System,   materiell wie auch ideologisch. Die Modernisierer haben dem Klassenkampf   ganz abgeschworen &#8211; die Traditionalisten leben aber in der Vergangenheit   der Sozialpartnerschaft. Ihre reformistischen Rezepte lassen sich auf   die neuen Bedingungen nicht anwenden. In Zeiten der neoliberalen   Offensive hei&#223;t das, die einen sind nicht willens und die anderen nicht   f&#228;hig, einen erfolgreichen Abwehrkampf gegen Verschlechterungen zu   organisieren, geschweige denn einen Offensivkampf f&#252;r Verbesserungen.   Der leise Abgang von J&#252;rgen Peters und der Verzicht des   traditionalistischen Fl&#252;gels auf einen Kampf um die F&#252;hrung in der IG   Metall verdeutlicht, dass dieser Teil der B&#252;rokratie selbst kein Konzept   hat, wie die Gewerkschaften auf die neue Phase des offenen Klassenkampfs   von oben reagieren sollen.<\/p>\n<h4>  Die Rolle der Partei DIE LINKE<\/h4>\n<p>  Mit der Entstehung der WASG und seit Juni 2007 der Partei DIE LINKE hat   sich das politische Kr&#228;fteverh&#228;ltnis innerhalb der Gewerkschaften   begonnen zu &#228;ndern. Die SPD verliert Einfluss. Die Gr&#252;ndung der WASG   markierte gleichzeitig den &#252;berf&#228;lligen Bruch von Teilen des   Gewerkschaftsapparates mit der Sozialdemokratischen Partei. Das ist ein   Schritt in die richtige Richtung.<\/p>\n<p>  Offensichtlich orientiert sich eine wachsende Schicht von   Gewerkschaftsfunktion&#228;ren und -mitgliedern an der LINKEN. Kein Wunder,   denn insbesondere Oskar Lafontaine versteht es, die Unzufriedenheit von   Millionen auszudr&#252;cken und den Neoliberalismus anzuklagen. Vieler   Gewerkschaftsfunktion&#228;re haben die Hoffnung, in der Partei DIE LINKE   eine neue parlamentarische Partnerin zur Durchsetzung gewerkschaftlicher   Forderungen gefunden zu haben.<\/p>\n<p>  Gleichzeitig dr&#252;ckt die von ihm wiederholt erhobene Forderung nach dem   Recht auf politischen Generalstreik eine kritische Distanz zu den   Gewerkschaftsspitzen aus.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend die Traditionalisten des Peters-Fl&#252;gels Einfluss verlieren,   gewinnen die GewerkschafterInnen der LINKEN an Einfluss. Sie k&#246;nnen zu   einem Attraktionspol werden, um den herum sich Gewerkschaftsfunktion&#228;re   sammeln, die die Politik des Co-Managements nicht bis zum Exzess mit   betreiben wollen und einen k&#228;mpferisch-reformistischen Kurs einschlagen   wollen.<\/p>\n<p>  Ob sie jedoch f&#252;r die real anstehenden K&#228;mpfe eine Perspektive zum   Erfolg bieten k&#246;nnen, ist fraglich. Erstens schlagen sie keine   tats&#228;chlich andere Strategie f&#252;r die Gewerkschaften vor. Der Umgang mit   dem Telekom-Streik wirft ein Licht darauf. W&#228;hrend des Streiks gab es   verbale Solidarit&#228;t der LINKEN, jedoch keinerlei konkreten Vorschl&#228;ge   f&#252;r die erfolgreiche F&#252;hrung des Kampfes. Das Ergebnis wurde kritisiert,   aber die ver.di-F&#252;hrung wurde mit dem Hinweis aus der Verantwortung   entlassen, dass in Zeiten des Neoliberalismus solche   Auseinandersetzungen nicht zu gewinnen seien &#8211; deshalb sei der   politische Generalstreik n&#246;tig und m&#252;ssten die politischen Verh&#228;ltnisse   ver&#228;ndert werden. Letzteres ist zwar richtig, aber eine Ver&#228;nderung der   gesellschaftlichen Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse wird nur erreichbar sein, wenn   K&#228;mpfe wie der Telekom-Streik konsequent gef&#252;hrt werden &#8211; und dauerhafte   Ver&#228;nderungen werden nur m&#246;glich sein, wenn solche K&#228;mpfe im Kampf f&#252;r   eine sozialistische Ver&#228;nderung der Gesellschaft gipfeln.<\/p>\n<p>  Zweitens ist DIE LINKE eine widerspr&#252;chliche Partei, die in   Ostdeutschland und insbesondere Berlin selber als Regierungspartei an   der Spitze gewerkschaftsfeindlicher Gesetzgebungen steht. Auch wenn ihre   bundesweite Ausstrahlungskraft gerade von Lafontaine gepr&#228;gt wird:   solange die Partei Teil des Berliner Senats ist bzw. sich anschickt in   anderen Landesregierungen mit der SPD zu koalieren, wird sie ihr   Glaubw&#252;rdigkeitsproblem gerade in den Augen von GewerkschafterInnen   nicht los. Gerade in Berlin zeigt sich der arbeitnehmerfeindliche   Charakter des SPD\/LINKE-Senats wie in der Zur&#252;ckweisung von   Lohnerh&#246;hungen, die von ver.di gefordert werden.<\/p>\n<h4>  Die Frage des Generalstreiks<\/h4>\n<p>  Schon 1996, in der Bewegung f&#252;r den Erhalt der Lohnfortzahlung, wurde   die Frage des Generalstreiks in breiteren Teilen der   Gewerkschaftsmitgliedschaft debattiert. Damals mussten die Vorst&#228;nde der   DGB-Gewerkschaften sogar diskutieren, Aktionen dieser Art durchzuf&#252;hren.   Doch generell wurde der Idee des Generalstreiks unter Funktion&#228;ren immer   viel Skepsis entgegen gebracht. Mit Oskar Lafontaines Forderung nach dem   Recht auf Generalstreik und seiner Erkl&#228;rung, dass dieses Mittel gegen   den Neoliberalismus, wie in Frankreich, eingesetzt werden muss, &#228;ndert   sich dies. Die Bedeutung dieser Entwicklung ist nicht zu untersch&#228;tzen.<\/p>\n<p>  In Zeiten verallgemeinerter Angriffe auf die Arbeiterklasse, ist der   Generalstreik eine notwendige Waffe zur Verteidigung der kollektiven   Klasseninteressen. Die SAV hat diese Frage seit Mitte der 90er Jahre   systematisch in den Gewerkschaften und sozialen Bewegungen vorgeschlagen   und in mehreren K&#228;mpfen einen eint&#228;gigen Generalstreik als notwendigen   Kampfschritt aufgeworfen.<\/p>\n<p>  Die Propaganda Lafontaines f&#228;llt auf fruchtbaren Boden. Es ist davon   auszugehen, dass in einer n&#228;chsten Massenbewegung gegen   Regierungsvorhaben, &#228;hnlich der Bewegung gegen Hartz IV, die Forderung   eine gr&#246;&#223;ere Basis finden wird und die Gewerkschaften gezwungen sein   werden, eine offene Debatte dazu zu zu lassen und Kampfschritte in diese   Richtung zu unternehmen. Lokale Schritte in Richtung politischer   Streiks, wie wir sie 2003 und 2004 in Kassel und Schweinfurt sahen,   werden dann sicher ergriffen werden.<\/p>\n<h4>  Die Rolle von Berufsgewerkschaften und alternativen Betriebsgruppen<\/h4>\n<p>  Ein wichtiges Ph&#228;nomen war in der letzten Phase auch die Umgehung der   Blockade der Gewerkschaftsf&#252;hrung durch eine Hinwendung zu kleineren   Berufsgewerkschaften. Beispiele hierf&#252;r waren die Piloten, die sich der   Gewerkschaft Cockpit zugewandt haben, die &#196;rzte im Marburger Bund (wobei   ver.di bzw. die fr&#252;here &#246;tv niemals stark unter &#196;rzten war) und die   Lokomotivf&#252;hrer in der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivf&#252;hrer (GDL).<\/p>\n<p>  Der Kampf der Lokf&#252;hrer hat unter GewerkschafterInnen eine intensive   Diskussion ausgel&#246;st. Ist die GDL eine spalterische Standesorganisation   oder gibt sie ein Beispiel gewerkschaftlichen Kampfes?<\/p>\n<p>  MarxistInnen sind grunds&#228;tzlich f&#252;r die Einheit im Kampf und bewerten   Organisationsformen nach ihrer N&#252;tzlichkeit zur F&#246;rderung des   Klassenkampfes und des Klassenbewusstseins.<\/p>\n<p>  Die Idee der Einheitsgewerkschaft hat in Deutschland eine starke   Tradition, nicht zuletzt weil die Unf&#228;higkeit der deutschen   Arbeiterbewegung einheitlich die Nazis zu stoppen von vielen auf die   organisatorische Spaltung der Arbeiterbewegung zur&#252;ck gef&#252;hrt wird. Doch   auch in dieser Frage betrachten MarxistInnen nicht die Existenz   unterschiedlicher Arbeiterpartien als die Ursache des Problems, sondern   deren Unf&#228;higkeit eine Einheitsfront gegen die Faschisten zu bilden.   Auch in anderen L&#228;ndern, in denen politische Richtungsgewerkschaften   bestehen, treten MarxistInnen nicht automatisch f&#252;r die Bildung einer   Einheitsgewerkschaft ein. In Brasilien unterst&#252;tzen SozialistInnen die   Versuche einen neuen, k&#228;mpferischen Gewerkschaftsdachverband zu gr&#252;nden.   Solche Fragen k&#246;nnen nicht nach abstrakten Prinzipien entschieden   werden, sondern m&#252;ssen davon abh&#228;ngig gemacht werden, welche Wirkung sie   im realen Klassenkampf haben.<\/p>\n<p>  Sicher ist auch die GdL weit davon entfernt, eine konsequente   klassenk&#228;mpferische Gewerkschaft zu sein. Die Tatsache, dass sie   innerhalb eines Unternehmens nur zwei Berufsgruppen organisiert,   Lokf&#252;hrerInnen und Begleitpersonal, ist ein Hindernis bei der   Herstellung der Einheit aller Bahn-Besch&#228;ftigten im Kampf. Aber die   Verantwortung f&#252;r die St&#228;rkung der GDL liegt einzig und allein bei der   Transnet-F&#252;hrung, von der sich mehr und mehr KollegInnen nicht mehr   vertreten f&#252;hlen.<\/p>\n<p>  Lokf&#252;hrerInnen sahen in der GDL eine Chance, ihre Forderung nach   deutlichen Lohnerh&#246;hungen Nachdruck zu verleihen und durchzusetzen.   Sicher hat der GDL-Chef Schell, der lange Zeit   CDU-Bundestagsabgeordneter war, keine grunds&#228;tzlich andere Politik vor   Augen, als andere Gewerkschaftsb&#252;rokraten. Aber die GDL ist nicht so   fest in der Hand einer B&#252;rokratie, wie Transnet und ihre F&#252;hrung muss   den Druck der Basis eher widerspiegeln.<\/p>\n<p>  Deshalb spielt die GDL zur Zeit die Rolle eines Eisbrechers im   gewerkschaftlichen Kampf und muss sie in der Auseinandersetzung f&#252;r   h&#246;here L&#246;hne unterst&#252;tzt werden. Mitglieder anderer Gewerkschaften   orientieren sich zu Recht an der Forderung der GDL und sagen sich, dass   auch ihre Gewerkschaft solch offensive Forderungen aufstellen sollte.<\/p>\n<p>  &#196;hnlich hatten Ende der 90er Jahre KollegInnen der Bahnreinigung in   Nordrhein-Westfalen die Transnet (bzw. die damalige GdED) verlassen und   sich der GDBA (Beamtengewerkschaft im Bahn-Bereich) angeschlossen, weil   sie diese zur Organisierung eines Streiks nutzbar machen konnten. Auch   damals war es entscheidend, dass es zum Kampf kam und nicht, welche   Gewerkschaft formell diesen Kampf f&#252;hrte. Auch damals unterst&#252;tzte die   SAV diesen Streik, ohne irgendwelche Bedingungen zu stellen.<\/p>\n<p>  Deshalb sollten SozialistInnen die Kampagne von DGB und Transnet gegen   die GDL zur&#252;ck weisen und Solidarit&#228;t mit dem Kampf der Lokf&#252;hrerInnen   organisieren. Gleichzeitig aber muss ein Programm ausgearbeitet werden,   dass die Einheit im Kampf aller Bahnbesch&#228;ftigter erm&#246;glicht. Die GDL   sollte deutliche Angebote f&#252;r einen gemeinsamen Kampf machen und eine   Politik, die faktisch Lokf&#252;hrerInnen und Begleitpersonal gegen andere   Teile der Bahn-Belegschaft ausspielt muss kritisiert werden.<\/p>\n<p>  In Zukunft ist es m&#246;glich, dass aufgrund der Kapitulationspolitik der   F&#252;hrungen der DGB-Gewerkschaften auch in anderen Branchen bzw. Bereichen   des &#246;ffentlichen Dienstes kleinere Gewerkschaften als Weg gesehen   werden, h&#246;here Forderungen durchzusetzen.<\/p>\n<p>  Auch der Marburger Bund hat die &#196;rzte 2006 mit der Ablehnung der   &#220;bernahme des TV&#214;D und offensiven Lohnforderungen in den Streik gef&#252;hrt.   Auch hier strahlte dieses Vorgehen auf die anderen   Krankenhaus-Besch&#228;ftigten aus und ver.di kam unter Druck   Nachschlagsforderungen aufzustellen. Allerdings ist der Marburger Bund   aufgrund der privilegierten Stellung der Ober&#228;rzte st&#228;rker als die GDL   eine Standesgewerkschaft. Die F&#252;hrung des Marburger Bundes betreibt eine   Standespolitik, die tats&#228;chlich zur Spaltung zwischen &#196;rzten und   Pflegepersonal in den Krankenh&#228;usern beitr&#228;gt &#8211; zum Beispiel wurde beim   Charit&#233;-Streik nicht nur keine Solidarit&#228;t organisiert, sondern einige   &#196;rzte spielten eine katastrophale Rolle, indem sie die Streikenden unter   Druck setzten.<\/p>\n<p>  Ein weiteres Ph&#228;nomen kann die Entstehung alternativer Betriebsgruppen   und alternativer Betriebsratslisten sein, die sich unabh&#228;ngig von der   offiziellen Gewerkschaftsgruppe organisieren. In einigen F&#228;llen werden   das, &#228;hnlich wie die &quot;alternative&quot;-Gruppe bei DaimlerChrysler in   Mettingen (s.u.) oder die Gewerkschafter ohne Grenzen (GoG) bei Opel   Bochum Guppen oppositioneller Gewerkschaftsmitglieder sein. In anderen   F&#228;llen, wie bei der Gruppe &quot;Frischer Wind&quot; bei der Berliner   Bankgesellschaft k&#246;nnen es unabh&#228;ngige Gruppen sein, in denen sich   GewerkschafterInnen und unorganisierte KollegInnen sammeln, um die   Blockade der betrieblichen Gewerkschaftsb&#252;rokratie zu durchbrechen. Auch   hier gilt, dass solche Gruppen da von SozialistInnen und Linken   unterst&#252;tzt werden sollten, wo sie zur Entwicklung von   Selbstorganisation und Selbstaktivit&#228;t beitragen und gleichzeitig ein   Appell zum gemeinamen Kampf an die Gewerkschaft gemacht werden sollte.<\/p>\n<h4>  Notwendigkeit einer klassenk&#228;mpferischen Opposition<\/h4>\n<p>  Aufgrund der Blockade, die die Politik der derzeitigen   Gewerkschaftsf&#252;hrungen f&#252;r die Organisierung von K&#228;mpfen darstellt, wird   es in der Zukunft wahrscheinlich unterschiedliche Ph&#228;nomene geben, durch   die Besch&#228;ftigte versuchen werden, ihre Interessen zur Geltung zu   bringen.<\/p>\n<p>  Notwendig ist jedoch der Aufbau einer linken, klassenk&#228;mpferischen und   sozialistischen Opposition in den DGB-Gewerkschaften, die eine   programmatische und personelle Alternative zu den bestehenden F&#252;hrungen   entwickeln kann.<\/p>\n<p>  Eine solche m&#252;sste den Anspruch haben, innerhalb der Gewerkschaften den   Kampf um die politische Richtung zu f&#252;hren, aber gleichzeitig   KollegInnen unabh&#228;ngig von den offiziellen Gewerkschaftsstrukturen zu   sammeln und, wo m&#246;glich, auch selbst&#228;ndige Aktionen durchzuf&#252;hren.   Oftmals wird man KollegInnen f&#252;r eine aktive Mitarbeit innerhalb der   Gewerkschaftsstrukturen nur gewinnen k&#246;nnen, wenn es gleichzeitig ein   kritisch-oppositionelles Angebot gibt, in dem sie sich mit ihrer   kritischen Haltung zur Politik der F&#252;hrung wieder finden k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Es gibt einige Ans&#228;tze zum Aufbau innergewerkschaftlicher,   oppositioneller Gruppen. Auf betrieblicher Ebene ist hier die   erfolgreiche Arbeit der &quot;alternative&quot;-Gruppe bei DaimlerChrysler in   Mettingen hervor zu heben. Diese konnten bei den letzten   Betriebsratswahlen 21 Prozent erreichen. Sie waren zu einer   eigenst&#228;ndigen Kandidatur gezwungen worden, weil die IG Metall im   Betrieb die KollegInnen nur auf der IGM-Liste akzeptieren wollten, wenn   diese unterschreiben, dass sie keine eigene Publikationen erstellen   w&#252;rden. W&#228;hrend sich die Mettinger Gruppe erfolgreich entwickelt und im   DC-Werk Berlin-Marienfelde um das Betriebsblatt &quot;Aufstehen&quot; (seit   September umbenannt in &quot;Alternative&quot;) ebenfalls erste Ans&#228;tze zu einer   oppositionellen Gruppe von IG Metall-Mitgliedern enstanden sind, haben   andere &#228;hnliche Gruppen gro&#223;e Probleme ihre Arbeit aufrecht zu erhalten,   weil es nicht gelungen ist, junge KollegInnen zu erreichen. Das gilt   sicher f&#252;r die GoG-Gruppe bei Opel Bochum und f&#252;r die linken   GewerkschafterInnen bei DC in Bremen.<\/p>\n<p>  Betriebs&#252;bergreifend hat sich im April 1999 die Initiative zur   Vernetzung der Gewerkschaftslinken, IVG gebildet, die regelm&#228;&#223;ige   bundesweite Konferenzen durchf&#252;hrt, die aber bisher keine Kampagne- und   Handlungsf&#228;higkeit entwickelt hat und deren aktive Beteiligung   stagniert. Im ver.di-Bereich gibt es das Netzwerk f&#252;r eine k&#228;mpferische   und demokratische ver.di, in dem SAV-Mitglieder eine wichtige Rolle   spielen, und die ver.di-Linke. Beide Gruppen &#252;ben einen gewissen   Einfluss aus, vor allem &#252;ber Ver&#246;ffentlichungen und Musterantr&#228;ge, die   von KollegInnen in Betrieben aufgegriffen werden, haben aber eine   schwache AktivistInnen-Basis, was den allgemeinen Stand kontinuierlicher   Aktivit&#228;t in der Arbeiterklasse ausdr&#252;ckt.<\/p>\n<p>  Zweifellos spielen solche Initiativen eine wichtige Rolle. Es ist aber   deutlich geworden, dass der Aufbau einer innergewerkschaftlichen   Opposition in der n&#228;chsten Zeit durch exemplarische betriebliche   Initiativen laufen muss, denn hier werden sich unmittelbar betriebliche   und gewerkschaftliche Auseinandersetzungen ergeben und werden neue   Schichten als erstes in den Kampf gezogen. Gleichzeitig k&#246;nnten die   GewerkschafterInnen der Partei DIE LINKE einen gewissen Pol auf der   gewerkschaftlichen Linken bilden.<\/p>\n<h4>  Entwicklung von neuen AktivistInnen<\/h4>\n<p>  Bei aller Bereitschaft zu streiken ist ein Hauptproblem, vor dem   AktivistInnen und Linke momentan stehen, die mangelnde Beteiligung von   Basismitgliedern an der betrieblichen und gewerkschaftlichen Arbeit.<\/p>\n<p>  Diese hat unterschiedliche Ursachen: steigender Stress, Arbeitsdruck und   Sorge vor Arbeitsplatzverlust machen es vielen KollegInnen schwerer,   sich gewerkschaftlich zu engagieren. Vor allem aber sind die Politik der   Gewerkschaftsf&#252;hrung und der oftmals b&#252;rokratische Charakter von   Gewerkschaftsstrukturen nicht einladend.<\/p>\n<p>  Notwendig f&#252;r die Ver&#228;nderung der Gewerkschaften ist, dass die Basis   sich von der F&#252;hrung emanzipiert. Daf&#252;r ist eine st&#228;rkere   Selbstorganisation in den Betrieben n&#246;tig. Die durch die Politik der   Gewerkschaftf&#252;hrung herbeigef&#252;hrten Niederlagen tragen momentan noch   dazu bei, dass viele KollegInnen frustrieren und sich nach einer aktiven   Beteiligung am Kampf wieder zur&#252;ck ziehen. Dieses Ph&#228;nomen konnte man   auch bei K&#228;mpfen sehen, die eine gro&#223;e Selbstorganisation an der Basis   entwickelten, wie beim Streik bei Opel Bochum 2004 und beim   Bosch-Siemens-Hausger&#228;tewerk (BSH) 2006. Das weist darauf hin, dass die   Herausbildung einer neuen Generation von aktiven K&#228;mpferInnen in   Betrieben und Gewerkschaften ein komplexer und ungleichm&#228;&#223;ig   verlaufender und l&#228;ngerer Prozess sein wird. Entscheidend hierbei wird   sein, dass es zwangsl&#228;ufig zu K&#228;mpfen kommen wird und in diesen   politisches Bewusstsein entstehen wird. Ein Angebot von SozialistInnen   und einer k&#228;mpferischen linken Opposition in den Gewerkschaften, kann   diesen Prozess beschleunigen.<\/p>\n<h4>  Erfahrungen im Kampf st&#228;rken Bewusstsein<\/h4>\n<p>  Ein Beispiel f&#252;r die Entwicklung politischen Bewusstseins im Verlauf   eines Kampfes ist der Streik bei BSH in Berlin im Jahr 2006. Hier hatten   die KollegInnen schon seit l&#228;ngerem Erfahrungen mit Arbeitsplatzabbau   und der Droung der Werksschlie&#223;ung gesammelt.<\/p>\n<p>  2006 stand die Schlie&#223;ung des Werks wieder auf der Tagesordnung. Anfangs   waren die meisten KollegInnen nicht davon &#252;berzeugt, dass es m&#246;glich   sei, das Werk zu erhalten. Es herrschte enorme Wut, aber viele   KollegInnen wollten es der Gesch&#228;ftsleitung so schwer wir m&#246;glich machen   und eine m&#246;glichst hohe Abfindung erk&#228;mpfen. Doch im Laufe des Kampfes   entwickelte sich ein st&#228;rkeres Selbstbewusstsein. Der von den   KollegInnen angesto&#223;ene &quot;Marsch der Solidarit&#228;t&quot;, der eine Gruppe von   Streikenden zu anderen von Arbeitsplatzabbau betroffenen Belegschaften,   wie bei BenQ und AEG N&#252;rnberg, und die dort gemachten Erfahrungen,   f&#252;hrten zur Entwicklung eines politischen Bewusstseins. Es ging ihnen   nicht mehr darum, nur um den eigenen Arbeitsplatz zu k&#228;mpfen, man   verstand den Kampf als Teil des Widerstandes gegen die Arbeitslosigkeit   insgesamt.<\/p>\n<p>  Als dann IGM-Spitze und Gesch&#228;ftsleitung einen Kompromiss aushandelten,   der die Vernichtung von &#8222;nur&#8220; 216 Arbeitspl&#228;tzen, Lohneinbu&#223;en und eine   Besch&#228;ftigungsgarantie f&#252;r 400 Besch&#228;ftigte bis zum Jahr 2010 vorsah,   reagierte die Belegschaft mit Widerspruch, obwohl damit die sofortige   Schlie&#223;ung verhindert wurde. Zwei Drittel der Belegschaft stimmten in   der Urabstimmung gegen den von IG Metall und Gesch&#228;ftsleitung   ausgehandelten Kompromiss. Trotzdem wurde der Streik von der IG   Metall-F&#252;hrung abgebrochen,wobei sie sich auf die Satzungsregelung   berief, dass Streiks nur mit 75-prozentiger Zustimmung gef&#252;hrt werden   k&#246;nnen. Daran &#228;nderte auch eine Rebellion der Streikversammlung gegen   die IG Metall-Hauptamtlichen und der einstimmige Beschluss der   Streikversammlung nichts, den Streik weiter fortzusetzen. Was hier   fehlte, war eine organisierte Kraft im Betrieb, die im entscheidenden   Moment mit den richtigen Vorschl&#228;gen die Sabotage-Haltung der IG Metall   F&#252;hrung h&#228;tte durchbrechen k&#246;nnen. Eine entschlossene Streik-F&#252;hrung aus   den Reihen der Belegschaft, die bereit ist, sich gegen die offizielle IG   Metall F&#252;hrung zu stellen, w&#228;re an diesem Punkt n&#246;tig gewesen. Trotzdem   zeigte die Auseinandersetzung, dass sich der Griff der IG   Metall-B&#252;rokratie &#252;ber die Belegschaften gelockert hat.<\/p>\n<h4>  Perspektiven<\/h4>\n<p>  Durchbr&#252;che f&#252;r das Kapital wie bei der Telekom haben wir jetzt in einer   Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs gesehen. Noch wurde in den Medien   vom neuen &#8222;Wirtschaftswunder&#8220; fabuliert, da brach auch schon das Unheil   der Hypotheken- und Bankenkrise &#252;ber die Finanzm&#228;rkte ein. Aufgrund der   strukturellen Krise der kapitalistischen Wirtschaft k&#246;nnen wir davon   ausgehen, dass sich diese Finanzkrise auf das Wirtschaftswachstum   auswirken wird und sogar in eine Rezession verwandelt. Die offenen   Fragen sind nur noch die des genauen Zeitpunkt des Eintritts und der   m&#246;glichen Tiefe einer Rezession. Wenn wir jetzt schon gesehen haben, wie   w&#228;hrend des Aufschwungs die Intensit&#228;t der Ausbeutung immer weiter   versch&#228;rft wurde, und die Zahl der Armen anwuchs, wird das in Zeiten der   Wirtschaftskrise in weitaus gr&#246;&#223;erem Ausma&#223; der Fall sein.   Betriebsschlie&#223;ungen und Massenentlassungen werden bei wirtschaftlichem   R&#252;ckgang noch st&#228;rker auf der Tagesordnung stehen. Das bedeutet f&#252;r die   Arbeiterklasse nicht gerade eine bessere Ausgangsposition f&#252;r   Arbeitsk&#228;mpfe. Nicht umsonst haben wir gerade in diesem Jahr in den   Tarifrunden h&#246;here Forderungen und Abschl&#252;sse gesehen &#8211; weil das   Selbstbewusstsein und die Kampfbedingungen im Aufschwung besser sind.   Aber eine Rezession, die auf den Schultern der Arbeiterklasse abgeladen   wird, wird zu einer politischen Radikalisierung f&#252;hren. Wachsende Teile   der Arbeiterklasse werden mehr und mehr das ganze kapitalistische System   in Frage stellen und auf die Suche nach gesellschaftlichen Alternativen   gehen.<\/p>\n<p>  Den F&#252;hrern des Kapitals ist bewusst, wohin die Reise geht &#8211; leider   nicht den F&#252;hrern der Gewerkschaften. So herrscht eine meilenweite Kluft   zwischen der n&#246;tigen Reaktion auf die harten Angriffe auf der einen   Seite und der Politik der Gewerkschaftsf&#252;hrungen auf der anderen Seite.<\/p>\n<h4>  Aufgaben f&#252;r SozialistInnen<\/h4>\n<p>  Der Kampf f&#252;r eine andere Politik in den Gewerkschaften hat Aussicht auf   Erfolg, wenn er mit der tagt&#228;glichen Arbeit und konsequenten   Interessenvertretung im Betrieb verbunden wird. Vor allem muss die   Emanzipierung der Basis von der B&#252;rokratie vorangetrieben werden. Dies   ist auch durch beispielhafte Arbeit m&#246;glich, wie beim Streik in   Stuttgart w&#228;hrend der Tarifrunde im &#214;ffentlichen Dienst 2006 oder auch   beim Streik der Charit&#233;-Besch&#228;figten in Berlin. Das ist auch der Weg,   wie der Aufbau einer neuen Schicht von AktivistInnen vorangetrieben   werden kann.<\/p>\n<p>  Um KollegInnen im Betrieb f&#252;r die Mitarbeit zu gewinnen, m&#252;ssen sie eine   Perspektive sehen, dass es sich auch lohnt. Diese Perspektive sehen   viele nicht, solange sie nur die Politik der Gewerkschaftsf&#252;hrung vor   Augen haben. Einzelne AktivistInnen in den Betrieben spielen eine extrem   wichtige Rolle, um aufzuzeigen, dass eine andere Gewerkschaftspolitik   m&#246;glich ist.<\/p>\n<p>  Wichtig ist es, Bastionen von alternativer, k&#228;mpferischer   Gewerkschaftsarbeit aufzubauen. Dabei m&#252;ssen die brennenden Themen   aufgegriffen werden, mit denen die KollegInnen ganz konkret konfrontiert   sind: Arbeits&#252;berlastung, Jagd auf Kranke, Schichtpl&#228;ne,   Sicherheitsstandards und &#228;hnliches. Bei jedem, auch kleinen, Kampf ist   es notwendig, die KollegInnen mit einzubeziehen &#8211; &#252;ber Diskussion &#252;ber   die Misst&#228;nde und die Frage, was man gemeinsam dagegen tun kann. Das   bietet die M&#246;glichkeit, &#252;ber einen l&#228;ngeren Zeitraum weitere KollegInnen   in den Aufbau f&#252;r eine betriebliche Gruppe mit einzubeziehen und zu   schulen. Wo der Betriebsrat oder Vertrauensleutek&#246;rper im Betrieb eine   angepasste Politik des Co-Managements betreibt, ist es notwendig, einen   Kreis von AktivistInnen zu sammeln und sich unabh&#228;ngig zu treffen.<\/p>\n<p>  Gleichzeitig sollten SozialistInnen ein Programm in die   gewerkschaftlichen Debatten einbringen, dass einen Beitrag dazu leisten   kann, dass sich die KollegInnen die Gewerkschaften zur&#252;ck erobern und zu   Kampforganisationen machen. Dazu geh&#246;ren Forderungen, wie die nach   jederzeitiger W&#228;hl- und Abw&#228;hlbarkeit von Funktion&#228;ren und nach der   Begrenzung von Hauptamtlichengeh&#228;ltern auf den Durchschnittslohn. In   Streiks m&#252;ssen Forderungen entwickelt werden, die die Kontrolle &#252;ber die   Streiks in die H&#228;nde der Belegschaften bringt: die demokratische Wahl   von Streikleitungen, Bildung von Aktions- und Streikkomitees und die   wichtige Forderung, dass keine Unterschrift unter ein Abkommen gesetzt   werden darf, ohne die Zustimmung der Streikversammlung und kein Streik   vor der Urabstimmung ausgesetzt werden darf.<\/p>\n<p>  Inhaltlich m&#252;ssen Kampfformen propagiert werden, die der Radikalit&#228;t des   Klassenkampfes von oben etwas entgegen setzen k&#246;nnen:   Solidarit&#228;tsstreiks, Generalstreik und Betriebsbesetzungen sind hier   drei entscheidende Stichworte.<\/p>\n<p>  Programmatisch ist es im Kampf gegen Massenentlassungen und   Betriebsschlie&#223;ungen notwendig, nicht vor der Eigentumsfrage halt zu   machen. Die Forderung nach &#220;berf&#252;hrung von Schlie&#223;ung und Entlassungen   bedrohter Fabriken in Gemeineigentum kann eine entscheidende Rolle   spielen, um K&#228;mpfen einer gesellschaftliche Dimension und Perspektive zu   bieten.<\/p>\n<p>  Wie wir gesehen haben, liegt der Bankrott der derzeitigen   Gewerschaftsf&#252;hrung in ihrer Ablehnung begr&#252;ndet, das kapitalistische   System zu &#252;berwinden und stattdessen f&#252;gen sie sich den Sachzw&#228;ngen der   Konkurrenzwirtschaft. Daher muss eine zentrale Aufgabe sein, das   kapitalistische System in Frage zu stellen und eine sozialistische   Alternative aufzuzeigen. Was die Gewerkschaften brauchen, um die   Interessen der Arbeiterklasse im 21. Jahrhundert verteidigen zu k&#246;nnen,   ist die R&#252;ckkehr zu den Ideen der Arbeiterbewegung, die durch den   Marxismus entwickelt wurden. Karl Marx stellte in   &#8222;Gewerksgenossenschaften, ihre Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft&#8220;   (1866) fest: &#8222;Kapital ist konzentrierte gesellschaftliche Macht, w&#228;hrend   der Arbeiter nur &#252;ber seine individuelle Arbeitskraft verf&#252;gt. Der   Kontrakt zwischen Kapital und Arbeit kann deshalb niemals auf gerechten   Bedingungen beruhen, gerecht nicht einmal im Sinne einer Gesellschaft,   die das Eigentum an den materiellen Mitteln des Lebens und der Arbeit   der lebendigen Produktivkraft gegen&#252;berstellt.(&#8230;) Wenn die   Gewerksgenossenschaften notwendig sind f&#252;r den Guerillakrieg zwischen   Kapital und Arbeit, so sind sie noch weit wichtiger als organisierte   Kraft zur Beseitigung des Systems der Lohnarbeit selbst&#8221;.<\/p>\n<p>  Mit der drohenden Krise sind massive Angriffe auf die Arbeiterklasse zu   erwarten. Um so dringender ist jetzt die Aufgabe, den Kampf f&#252;r einen   grundlegenden Kurswechsel in den Gewerkschaften aufzunehmen. Dabei kann   auf die Erfahrungen der letzten Jahre und auf die bestehenden   Kampfbereitschaft aufgebaut werden. Der Wiederaufbau der   Arbeiterbewegung hat jedenfalls auch in Deutschland begonnen. Dieser   muss damit verbunden werden, marxistische Grundlagen und Ideen wieder in   der Arbeiterbewegung zu verankern. Der Aufbau einer sozialistischen   Arbeiterpartei kann dabei eine entscheidende vorw&#228;rts treibende Rolle   spielen.<\/p>\n<p>  <i>Angelika Teweleit war viele Jahre gewerkschaftliche Aktivistin in   Deutschland und Gro&#223;britannien. Sie arbeitet heute in der   SAV-Bundesleitung in Berlin.<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Im Mai diesen Jahres schrieb DER SPIEGEL: &#8222;Deutsche streiken so viel,<br \/>\n      wie lange nicht mehr&#8220;. &#8222;Deutschland r&#252;ckt nach links&#8220; titelte DIE ZEIT<br \/>\n      im August. Das ist die eine Seite. 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