{"id":12344,"date":"2007-10-13T10:28:26","date_gmt":"2007-10-13T10:28:26","guid":{"rendered":".\/?p=12344"},"modified":"2007-10-13T10:28:26","modified_gmt":"2007-10-13T10:28:26","slug":"12344","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/10\/12344\/","title":{"rendered":"Stuttgart: Bericht vom GDL-Streik"},"content":{"rendered":"<p>  &#8222;Ganzt&#228;giger Streik bei den Regional- und S-Bahnen&#8220;. Dieser Satz   tickerte am 12.10.07 pausenlos &#252;ber die Anzeigentafeln an den   Bahnsteigen am Hauptbahnhof Stuttgart. Wer Kontakt zu den Streikenden   aufnehmen wollte, hatte es heute leider nicht so einfach. Die meiste   Zeit verbrachten die streikenden Kolleginnen und Kollegen in   improvisierten Streiklokalen in Bahnhofsn&#228;he.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Ursel Beck, Stuttgart, 12.10.<\/i><\/p>\n<p>  &#8222;Drau&#223;en war es uns heute zu kalt und im Bahnhofsgeb&#228;ude d&#252;rfen wir uns   nicht mehr aufhalten; weil wir Hausverbot haben&#8220;, erkl&#228;rt Streikleiter   Adil Armagan.<\/p>\n<p>  Der Streik steht und die Stimmung ist gelassen und siegessicher. Der   Streik heute h&#228;tte seine Wirkung gehabt. Chaos und Staus auf Stuttgarts   Zufahrtsstra&#223;en heute morgen seien ein Beweis daf&#252;r.<\/p>\n<p>  Man betrachtet es als Sauerei, wie die Gerichte in den Streik   eingreifen. Jeden Tag gibt es offensichtlich eine neue richterliche   Anordnung. So h&#228;tte ein Gericht jetzt eine einstweilige Verf&#252;gung   verh&#228;ngt, wonach GDL-Lokf&#252;hrer zum Notdienst gezwungen werden k&#246;nnen, um   Loks aus den Bahnh&#246;fen zu fahren, damit sie keine nachfolgenden Z&#252;ge   behindern. Aber das sei kein Notfall sondern Streikbehinderung. Im   &#252;brigen h&#228;tte die Bahn es abgelehnt einen Notdienstplan abzuschlie&#223;en.   Dass Lokf&#252;hrer suspendiert worden seien, h&#228;tten sie geh&#246;rt, ihnen ist   aber kein Fall aus ihrem Bezirk bekannt.<\/p>\n<p>  Vor kurzem h&#228;tte die Bahn eine riesige Stellenanzeige in verschiedenen   Zeitungen geschaltet, in der sie f&#252;r die Einstellung von tausend   Lokf&#252;hrern wirbt. Damit solle ihnen Angst eingejagt werden. Die Kollegen   halten die Anzeige aber f&#252;r eine Lachnummer: &#8222;Da wird den Leuten   versprochen, dass sie eine ICE-3-Lok fahren und 33.000 Euro Jahresgehalt   bek&#228;men. Wenn das so w&#228;re, br&#228;uchten wir nicht zu streiken. Und au&#223;erdem   sieht so schnell keiner eine ICE-3-Lok. Neueingestellte landen bei der   DB Zeitarbeit, bekommen eine Schmalspurausbildung, fahren S- und   Regionalz&#252;ge und kriegen noch weniger als wir.&#8220;<\/p>\n<p>  Stimmt es, dass das Klima zwischen Transnet- und GDL-Kollegen total   gest&#246;rt sei? Die Presse w&#252;rde hier was aufbauschen, was gar nicht   stimmt. Da sei sogar von Morddrohungen die Rede? Niemand hier glaubt   solche Geschichten. &#8222;Wir haben eine kollegiales Verh&#228;ltnis und bekriegen   uns nicht, nur weil wir in verschiedenen Gewerkschaften sind&#8220;, so   Streikleiter Adil Armagan. Und was sagen die Transnet-Kollegen zum   Streik? &#8222;Fragen sie sie selber. Hier ist einer&#8220;. <\/p>\n<p>  Offensichtlich ist es Normalit&#228;t, dass sich immer wieder   Transnet-Kollegen unter die Streikenden mischen. So auch heute. Warum er   noch in Transnet sei, frage ich einen Kollegen. Er h&#228;tte fr&#252;her in der   Werkstatt gearbeitet und sei noch nicht so lange Lokf&#252;hrer. Fr&#252;her h&#228;tte   er die Gewerkschaft nicht so gebraucht. Transet oder GDL, er h&#228;tte sich   da nie Gedanken dar&#252;ber gemacht. Er sei halt in Transnet gegangen. Aber   wie die mit dem Streik umgehen, &#228;rgere ihn. Und deshalb w&#252;rde er am   Montag zur GDL &#252;bertreten.<\/p>\n<p>  Wie ist die Stimmung bei den Reisenden? Meckerer g&#228;be es immer und es   w&#228;re ja auch verst&#228;ndlich, wenn sich Leute &#228;rgern, wenn sie nicht   hinkommen, wo sie hinwollen. Andererseits w&#252;rden sie nach wie vor die   Erfahrung machen, dass die Leute bei allem &#196;rger gro&#223;es Verst&#228;ndnis   h&#228;tten und dies auch offen zum Ausdruck br&#228;chten. Ein Kollege berichtet,   dass am Freitag zwei Leute zu ihm gesagt h&#228;tten: &#8222;So wie ihr das macht,   kann das nichts werden. Ihr m&#252;sst mal zwei Tage am St&#252;ck durchziehen.&#8220;   Ein anderer Kollege berichtet von einer &#228;hnlichen Erfahrung. Ihn habe   auch ein Fahrgast vor einigen Tagen angesprochen und gesagt, er w&#252;nsche   uns Erfolg. Er schlussfolgert daraus: &#8222;Dass sich mal jemand hinstellt,   nein sagt und signalisiert, dass es so nicht weitergehen kann, f&#252;hrt zu   einer positiven Einstellung uns gegen&#252;ber&#8220;. &#8222;Dass der Deutsche Michel   aufsteht und sagt, jetzt ist der Punkt erreicht, Schluss, Feierabend,   das war doch &#252;berf&#228;llig&#8220;, erg&#228;nzt ein anderer.<\/p>\n<p>  Wie geht es weiter? Die Kollegen hoffen, dass Mehdorn nach dem   ganzt&#228;gigen Streik einlenkt. Sie wollen in jedem Fall eine Stunde   weniger Wochenarbeitszeit und eine &#8222;sp&#252;rbare Lohnerh&#246;hung&#8220;. Wenn das   nicht kommt, dann m&#252;sse der Streik ab Dienstag oder Mittwoch n&#228;chster   Woche versch&#228;rft werden. Dann d&#252;rfe es nicht bei einem Streiktag   bleiben, dann m&#252;sse ein paar Tage hintereinander gestreikt werden.<\/p>\n<p>  Ari Hecker, Vertrauensmann am Klinikum Stuttgart erkl&#228;rte den Kollegen   seine solidarische Unterst&#252;tzung und erkl&#228;rte dass ein erfolgreicher   Streik der Lokf&#252;hrer auch positive Auswirkungen auf die Tarifrunde im   &#246;ffentlichen Dienst im kommenden Jahr h&#228;tte. Denn es w&#228;re ein Ermutigung   f&#252;r ihn und seine Kollegen. Sechs weitere ver.di-Vertrauensleute und   Personalr&#228;te hatten sich am selben Tag in die vom Metallertreff   Stuttgart gestartete Solidarit&#228;tserkl&#228;rung eingetragen. Die   aktualisierte Liste wurde an die Streikenden verteilt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      &#8222;Ganzt&#228;giger Streik bei den Regional- und S-Bahnen&#8220;. 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