{"id":12340,"date":"2007-10-11T12:06:33","date_gmt":"2007-10-11T12:06:33","guid":{"rendered":".\/?p=12340"},"modified":"2007-10-11T12:06:33","modified_gmt":"2007-10-11T12:06:33","slug":"12340","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/10\/12340\/","title":{"rendered":"Die Agenda 2010 muss weg &#8211; komplett!"},"content":{"rendered":"<p>  Stell Dir vor, eine R&#228;uberbande raubt Dir Deine ganze Wohnung leer und   nach vier Jahren kommen ein paar R&#228;uber zur&#252;ck und geben Dir den   K&#252;chentisch wieder &#8211; ungef&#228;hr so verh&#228;lt sich derzeit die SPD, wenn sie   versucht sich durch begrenzte kosmetische Korrekturen an der Agenda 2010   und der Rente ab 67 ein soziales und linkes Image zu geben. Die Antwort   von Gewerkschaften und der LINKEN muss sein: Danke, das reicht nicht &#8211;   die ganze Agenda 2010 und Rente mit 67 m&#252;ssen weg!<\/p>\n<p align=\"center\">  <small>[<a href=\"\/media\/2007\/USL zur Agenda-Aktion.pdf\">Unterschriftensammlung   der SAV<\/a>] | <a href=\"\/media\/2007\/MusterresolutionGw.rtf\">Vorschlag   f&#252;r eine Resolution f&#252;r Gewerkschaftsversammlungen<\/a> | <a href=\"\/media\/2007\/MusterresolutionLINKE.rtf\">Vorschlag   Resolution f&#252;r Versammlungen der Partei DIE LINKE<\/a>]<\/small><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Sascha Stanicic, Berlin<\/i><\/p>\n<p>  Kurt Beck reagiert auf die eindeutige Verschiebung der Stimmung in der   Mehrheit der arbeitenden und erwerbslosen Bev&#246;lkerung nach links &#8211; und   darauf, dass diese Stimmung durch Oskar Lafontaine und DIE LINKE einen   parteipolitischen Ausdruck findet, der der SPD immer mehr Prozente in   der W&#228;hlergunst kostet und die langgezogene Krise der Sozialdemokratie   immens versch&#228;rft.<\/p>\n<p>  Gleichzeitig hechelt er der CDU hinterher, die schon auf ihrem letzten   Bundesparteitag einen Beschluss gef&#228;llt hat, der eine l&#228;ngere Auszahlung   des Arbeitslosengeldes I f&#252;r &#228;ltere Erwerbslose vorsieht.<\/p>\n<h4>  Mogelpackungen<\/h4>\n<p>  Beides sind jedoch Mogelpackungen. Die CDU, die ihren Beschluss ohnehin   schnell in einer unteren Schublade von Merkels Schreibtisch hat   verschwinden lassen, will im Gegenzug f&#252;r die Verl&#228;ngerung der ALG   I-Auszahlung f&#252;r &#228;ltere Erwerbslose bei den j&#252;ngeren k&#252;rzen. Ein   Nullsummenspiel also, das die Spaltung der Erwerbslosen vertiefen soll.<\/p>\n<p>  Aber auch Becks Vorschlag ist ein Tropfen auf den hei&#223;en Stein und w&#252;rde   die sozialpolitische Z&#228;sur, die die Agenda 2010, Hartz IV und Rente mit   67 bedeutet nicht r&#252;ckg&#228;ngig machen. Das ALG I soll f&#252;r &#252;ber 45-j&#228;hrige   von 12 auf 15 Monaten und f&#252;r &#252;ber 50-j&#228;hrige auf bis zu 24 Monate   verl&#228;ngert werden. Das w&#252;rde jedoch nichts an der Tatsache &#228;ndern, dass   sie nur einen Bruchteil der f&#252;r die Arbeitslosenversicherung   eingezahlten Gelder ausgezahlt bek&#228;men.<\/p>\n<p>  Deshalb darf man sich von den Vorschl&#228;gen aus dem Willy-Brandt-Haus   nicht blenden lassen. Ein Kurswechsel sieht anders aus.<\/p>\n<p>  Signifikant ist die aktuelle Debatte und der offen zwischen Beck und   M&#252;ntefering ausgetragene Streit trotzdem. Die SPD-F&#252;hrung sieht ihre   Felle davon schwimmen und versucht zu retten, was zu retten ist. Sie   muss der gesellschaftlichen Stimmung nachgeben und den Anschein einer   sozialen Wende geben. &#196;hnlich agieren Teile der Partei, wenn Elemente   der Rentenreform und die Bahnprivatisierung in Frage gestellt werden.   Doch auch wenn in einer im Stern ver&#246;ffentlichten meinungsumfrage 84   Prozent den Vorschl&#228;gen von Beck zustimmen, trauen nur zehn Prozent der   SPD zu, die Probleme im Land zu l&#246;sen und ist die Partei auf 24 Prozent   weiter abgesackt.<\/p>\n<p>  Die aktuelle Debatte kann sich zu einer handfesten Regierunsgkrise   entwickeln. Angesichts des nahenden SPD-Bundesparteitags sorgt sich   Verkehrsminister Tiefensee schon um eine Demontierung der SPD-Minister   in der Gro&#223;en Koalition.<\/p>\n<h4>  Gewerkschaften und DIE LINKE<\/h4>\n<p>  Dieser Druck auf die SPD kommt zustande, weil sie erkennt, dass DIE   LINKE zur Zeit als einzige Partei die Forderungen von Millionen   artikuliert und daraus politisches Kapital, in Form von Stimmenzuwachs,   ziehen kann. Wahrscheinlich sind die SPD-Spitzen auch von dem viel   beschworenen wirtschaftlichen Aufschwung beeindruckt und denken, dass   man kleinere Ref&#246;rmchen ja auch finanzieren kann. Diese Haltung kann   sich bei den so genannten Sozialdemokraten schnell &#228;ndern, wenn die   derzeitige Finanzkrise sich zu einer Krise der Realwirtschaft entwickeln   und Deutschland in die Rezession ziehen sollte.<\/p>\n<p>  Die Beckschen Vorschl&#228;ge dr&#252;cken aus, dass sich die gesellschaftliche   Stimmung gedreht hat und eine Mehrheit nicht mehr bereit ist, der   neoliberalen Logik zu folgen.<\/p>\n<p>  Bezeichnend ist, dass diese Debatte stattfindet ohne dass es zu gr&#246;&#223;eren   Protesten der Gewerkschaften und sozialen Bewegungen in den letzten   Monaten gekommen ist. Das spricht nicht gegen Proteste, sondern l&#228;sst   erahnen, wie sehr die Regierenden unter Druck gesetzt werden k&#246;nnten &#8211;   und dass auch Erfolge m&#246;glich w&#228;ren -, wenn die Gewerkschaften zu einer   Massenbewegung f&#252;r die R&#252;cknahme der Agenda 2010, von Hartz IV und der   Rente mit 67 mobilisieren w&#252;rden. Auch DIE LINKE hat jetzt die Chance   nach zu legen und in der &#214;ffentlichkeit unmissverst&#228;ndlich deutlich zu   machen, dass sie sich nicht mit kosmetischen Korrekturen zufrieden gibt   und sie der &quot;sozialpolitischen&quot; Wende der SPD nicht traut. Doch dazu   sind Taten und ein Bruch mit arbeitnehmerfeindlicher Politik in den   eigenen Reihen n&#246;tig. Nur mit einer konsequenten Politik gegen jede Form   von Sozialabbau und Lohnk&#252;rzungen wird DIE LINKE ihren Anspr&#252;chen   gerecht werden. Das bedeutet auch, ein Ende der Regierungsbeteiligung in   Berlin, wo die Besch&#228;ftigten des &#246;ffentlichen Dienstes zur Zeit gegen   den SPD\/LINKE-Senat Streiks f&#252;r bescheidene Lohnerh&#246;hungen organisieren   m&#252;ssen. Dann k&#246;nnte der Anstieg f&#252;r die Partei in den Meinungsumfragen &#8211;   laut Stern auf 13 Prozent &#8211; noch erh&#246;ht und in aktive neue Mitglieder   umgewandelt werden.<\/p>\n<p>  Statt Unterst&#252;tzung f&#252;r Becks Pl&#228;ne muss die Forderung nach der   kompletten R&#252;cknahme der arbeiter- und erwerbslosenfeindlichen so   genannten Reformen der letzten Jahre erhoben und auf die Stra&#223;en, Pl&#228;tze   und in die Betriebe getragen werden. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen,   mit einer entsprechenden Kampagne in die Offensive zu gehen. Es sollte   sich ein Beispiel an Frankreich genommen werden, wo am 18. Oktober ein   gro&#223;er Streiktag des &#246;ffentlichen Dienstes gegen die Angriffe der   Sarkozy-Regierung stattfinden wird.<\/p>\n<p>  Die ersten gro&#223;en Proteste gegen die Agenda 2010 fanden am 1. November   2003 auf Initiative der SAV, anderer linker Gruppen, sozialer Bewegungen   und basisgewerkschaftlicher Strukturen statt. Wenn jetzt   gewerkschaftliche Gliederungen, DIE LINKE und soziale Bewegungen zu   einer Aktionskonferenz zur Vorbereitung einer bundesweiten   Gro&#223;demonstration aufrufen w&#252;rden und die Gewerkschaften unter Druck   setzen w&#252;rden, eine solche Kampagne durch die Organisierung massenhafter   politischer Streiks mit Leben zu f&#252;llen &#8211; dann k&#246;nnte die   Bahnprivatisierung verhindert und die komplette R&#252;cknahme der Agenda   2010 erreicht werden.<\/p>\n<p>  <i>Sascha Stanicic ist Bundessprecher der SAV und Mitglied der Berliner   Alternative f&#252;r Solidarit&#228;t und Gegenwehr (BASG) <\/i><\/p>\n<p align=\"center\">  <small>[<a href=\"\/media\/2007\/USL zur Agenda-Aktion.pdf\">Unterschriftensammlung   der SAV<\/a>]<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Stell Dir vor, eine R&#228;uberbande raubt Dir Deine ganze Wohnung leer und<br \/>\n      nach vier Jahren kommen ein paar R&#228;uber zur&#252;ck und geben Dir den<br \/>\n      K&#252;chentisch wieder &#8211; ungef&#228;hr so verh&#228;lt sich derzeit die SPD, wenn sie<br \/>\n      versucht sich durch begrenzte kosmetische Korrekturen an der Agenda 2010<br \/>\n      und der Rente ab 67 ein soziales und linkes Image zu geben. 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