{"id":12331,"date":"2007-10-14T00:30:07","date_gmt":"2007-10-14T00:30:07","guid":{"rendered":".\/?p=12331"},"modified":"2007-10-14T00:30:07","modified_gmt":"2007-10-14T00:30:07","slug":"12331","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/10\/12331\/","title":{"rendered":"Pro &amp; Contra: NPD-Verbot &#8211; zentrale Forderung im Kampf gegen Rechts?"},"content":{"rendered":"<p>  J&#246;rg Fischer-Aharon und Nima Sorouri zur Kampagne der VVN: &#8222;NPD-Verbot   jetzt!&#8220;<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i><b>Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) organisiert   derzeit eine bundesweite Kampagne f&#252;r ein Verbot der faschistischen NPD. <\/b><\/i><\/p>\n<p>  <i><b>&#8222;Sehr geehrte Abgeordnete des Deutschen Bundestages! Wir fordern   Sie auf, ein neues Verbotsverfahren gegen die NPD nach Artikel 21,   Absatz 2 Grundgesetz auf den Weg zu bringen.&#8220; So beginnt der Appell, f&#252;r   den in den letzten Monaten &#252;ber 129.000 Unterschriften gesammelt wurden. <\/b><\/i><\/p>\n<p>  <i><b>Sollte die Forderung, ein neues Verbotsverfahren gegen die NPD   einzuleiten, im Mittelpunkt der Arbeit von AntifaschistInnen stehen? Wie   k&#246;nnen die Nazis gestoppt werden?<\/b><\/i><\/p>\n<h3>  J&#246;rg Fischer-Aharon<\/h3>\n<p>  <i>Berlin, freier Journalist, unter anderem Mitarbeiter von   haGalil-online und Autor bei der J&#252;dischen Zeitung und <a href=\"http:\/\/www.mut-gegen-rechte-gewalt.de\">mut-gegen-rechte-gewalt.de<\/a><\/i><\/p>\n<p>  Die NPD ist eine neonazistische Partei, die einen aggressiven Rassismus   und Antisemitismus, ein diktatorisch-totalit&#228;res Staatskonzept und   aggressive Machtbestrebungen vertritt. Die NPD steht fundamentalen   Menschenrechten &#8211; wie etwa dem Gleichheitsgrundsatz &#8211; feindlich   gegen&#252;ber. Da ist es logisch, wenn die NPD, ganz in der Tradition zur   NSDAP, auch den Gewerkschaften ablehnend gegen&#252;bersteht und &#8211; ebenfalls   nicht &#252;berraschend &#8211; die in der Menschheitsgeschichte einzigartigen und   mit nichts zu vergleichenden Verbrechen der NS-Barbarei relativiert   beziehungsweise sogar leugnet.<\/p>\n<p>  Daneben hat sich die NPD unverbl&#252;mt zum Auffangbecken von Kadern   verbotener neonazistischer Organisationen entwickelt und selbst   einschl&#228;gig vorbestrafte Gewaltt&#228;ter finden sich unter Kandidaten und   Funktion&#228;ren der Partei. Die NPD erf&#252;llt auf Grund all dieser   aufgef&#252;hrten Fakten die Voraussetzungen, um verboten zu werden. Das   gr&#246;&#223;te Hindernis f&#252;r ein solches Verbot ist nicht die Partei selber oder   die Schwierigkeit, der Partei ihren neonazistischen Charakter   nachzuweisen. Das gr&#246;&#223;te Hindernis stellt der Verfassungsschutz dar, an   dessen &#8222;V-M&#228;nnern&#8220; bereits der erste Versuch, die NPD durch das   Bundesverfassungsgericht verbieten zu lassen, gescheitert ist. Bis heute   ist die dubiose Rolle dieser Sicherheitsbeh&#246;rde nicht aufgekl&#228;rt und die   Frage unbeantwortet, wie massiv diese Beh&#246;rde die NPD tats&#228;chlich   beeinflusst oder steuert.<\/p>\n<p>  Allerdings gibt es einen Punkt, der gegen ein Verbot der NPD spricht:   Wenn ein Verbot dieser Partei als L&#246;sung des Problems angesehen wird.   Und das Problem ist gr&#246;&#223;er, als die Wahlerfolge der NPD bei ostdeutschen   Landtags- und westdeutschen Kommunalwahlen. Die j&#228;hrlich aktualisierte   Studie &#8222;Deutsche Zust&#228;nde&#8220;, die als Taschenbuchreihe im Suhrkamp-Verlag   erscheint, weist im aktuellen Band Zahlen aus, die erahnen lassen, wie   weit rechtsextremes Gedankengut verbreitet ist. Nur einige Beispiele:   55,4 Prozent der Befragten sind der Meinung, &#8222;in Deutschland leben zu   viele Ausl&#228;nder&#8220;; 21,6 Prozent sind der Meinung, &#8222;Juden haben in   Deutschland einen zu starken Einfluss&#8220;; 24,8 Prozent sind der Meinung,   es sei &#8222;ekelhaft, wenn sich Homosexuelle in der &#214;ffentlichkeit k&#252;ssen&#8220;;   29,3 Prozent sind der Meinung, &#8222;Frauen sollten sich wieder verst&#228;rkt   ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter zuwenden&#8220;. Gesch&#252;rt werden solche   und &#228;hnliche Vorstellungen auch dadurch, dass sie von Teilen der   etablierten Politik &#252;bernommen und dadurch hoff&#228;hig gemacht werden. Es   reicht eben nicht, die Nazis zu isolieren, man muss auch ihre Themen   konsequent isolieren.<\/p>\n<p>  Ein Verbot der NPD, die ihre Finanzmittel zu gut 40 Prozent aus der   staatlichen Parteienfinanzierung bezieht, w&#228;re ein Schlag gegen den   organisierten Neonazismus. Zur Bek&#228;mpfung des braunen Gedankengutes   jedoch bedarf es eine starke, wehrhafte Demokratie. Und eine starke   Demokratie ist nicht das Resultat eines &#8222;starken Staates&#8220;, sondern einer   starken und selbstbewussten Zivilgesellschaft, die nicht nur ein   wichtiger Beitrag bei der Emanzipierung des Einzelnen ist, sondern auch   bei der Verteidigung und dem Ausbau demokratischer Rechte. &#220;berall dort,   wo es starke und offensive Initiativen vor Ort gibt, wo etwa   Gewerkschaften und andere demokratische Initiativen selbstbewusst und   konsequent arbeiten und auftreten, wo sich Menschen selbstst&#228;ndig   engagieren und &#8222;Demokratie von unten&#8220; praktizieren, haben   Rechtsextremisten schlechte Karten.<\/p>\n<\/p>\n<h3>  Nima Sorouri<\/h3>\n<p>  <i>K&#246;ln, SAV-Bundesvorstand<\/i><\/p>\n<p>  Als sozialistische und internationalistische Organisation ist die SAV   auch aktiv im Kampf gegen Nazis und Rassisten. Alles, was den Rechten   Steine in den Weg legt &#8211; und ein Verbot der NPD geh&#246;rt dazu &#8211; begr&#252;&#223;en   wir. Allerdings sind wir nicht der Ansicht, dass die Forderung nach   einem Verbot die Hauptforderung der antifaschistischen Bewegung sein   sollte.<\/p>\n<p>  Nazis marschieren unter dem Schutz des Staates. Polizei und Gerichte   argumentieren mit Versammlungsfreiheit und Recht auf freie   Meinungs&#228;u&#223;erung. Das nutzen Nazi-Organisationen wie die NPD aus, um   ihre Hetze zu propagieren und eine Ideologie zu verbreiten, die auf   aggressiven Nationalismus und Rassenwahn aufbaut und die Zerschlagung   der Arbeiterbewegung zum Ziel hat. Die selben demokratischen Rechte, auf   die sich die Faschisten berufen, werden sie abschaffen, wenn sie die   Gelegenheit dazu bekommen. Darum m&#252;ssen die Faschisten gestoppt werden.<\/p>\n<p>  Eine Kampagne, die darauf setzt, dass der Staat die NPD verbieten soll,   birgt jedoch mehrere Gefahren. Die Verbotsforderung weckt die Illusion,   dass der Staat stellvertretend f&#252;r die antifaschistische Bewegung im   Kampf gegen Rechts aktiv werden kann. Die arbeitende Bev&#246;lkerung, die   Gewerkschaften, die Partei DIE LINKE und antifaschistische   Organisationen m&#252;ssen sich aber den Nazis direkt in den Weg stellen.   Darauf muss die Hauptbetonung liegen.<\/p>\n<p>  In den letzten Jahren konnte man doch gerade sehen, dass die Instrumente   des b&#252;rgerlichen Staates nicht nur ungen&#252;gend sind im Kampf gegen   Rechts, sondern der antifaschistischen Bewegung sogar im Weg standen.   Die Polizei greift linke Demonstrationen an, damit die Nazis marschieren   k&#246;nnen. Vor Gericht stehen AntifaschistInnen, die dabei &#8222;erwischt&#8220;   worden sind, wie sie Nazibanden blockieren wollten. Darauf zu bauen,   dass der selbe Staat sich jetzt nachhaltig um das Problem des Faschismus   k&#252;mmert, ist absurd.<\/p>\n<p>  Verbote von rechtsradikalen Gruppierungen in der Vergangenheit konnten   f&#252;r sich genommen die Probleme nicht l&#246;sen. Zudem besteht die Gefahr,   dass sie von den Herrschenden genutzt werden, um Schl&#228;ge gegen Links zu   legitimieren. Als im Jahre 1995 die FAP verboten wurde, gab es   Umstrukturierungen und Reorganisierungen. Die heute als &#8222;Freie   Kameradschaften&#8220; fungierenden Gliederungen, die sich unter der Losung   &#8222;Nationaler Widerstand&#8220; formieren, gehen zur&#252;ck auf das FAP-Verbot. Als   im Jahre 2000 Blood-and-Honour-Strukturen verboten wurden, schlossen sie   sich anderen Gruppierungen an und gr&#252;ndeten Netzwerke mit neuem Namen.   Sicherlich h&#228;tte ein NPD-Verbot eine gr&#246;&#223;ere Wirkung. Doch die Gefahr   w&#252;rde bestehen bleiben, dass sich eine Nachfolgeformation findet.<\/p>\n<p>  Die NPD hatte in den letzten Jahren einige Wahlerfolge und konnte neue   Mitglieder gewinnen. Die Wurzel des Problems ist das kapitalistische   System, das immer mehr Menschen immer weniger Perspektiven bietet. Die   Zukunftsaussichten sind d&#252;ster. Damit gehen zunehmende &#196;ngste einher.   Die NPD und andere Nazi-Banden haben in den letzten Jahren mit einer   sozialen Rhetorik und radikalen und antikapitalistischen Phrasen   versucht, sich als Alternative zu Sozialabbau und Arbeitslosigkeit zu   pr&#228;sentieren.<\/p>\n<p>  Unsere Aufgabe bleibt es, die Nazis dort zu bek&#228;mpfen, wo sie auftauchen   und gleichzeitig gegen Lohn- und Bildungsraub auf die Stra&#223;e zu gehen.   Und nicht zuletzt muss die antifaschistische Bewegung auch eine   Alternative zu diesem System und seinem Vollstrecker, dem b&#252;rgerlichen   Staat, anbieten &#8211; und aufzeigen, dass die Nazis heucheln, wenn sie sich   sozial und antikapitalistisch geben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      J&#246;rg Fischer-Aharon und Nima Sorouri zur Kampagne der VVN: &#8222;NPD-Verbot<br \/>\n      jetzt!&#8220;\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5],"tags":[263,197],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12331"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12331"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12331\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12331"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12331"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12331"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}