{"id":12328,"date":"2007-10-17T00:36:15","date_gmt":"2007-10-17T00:36:15","guid":{"rendered":".\/?p=12328"},"modified":"2007-10-17T00:36:15","modified_gmt":"2007-10-17T00:36:15","slug":"12328","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/10\/12328\/","title":{"rendered":"Warum Sozialismus? Demokratische Planwirtschaft statt Diktatur des \r\n      Marktes"},"content":{"rendered":"<p>  Niemals zuvor in der Geschichte verf&#252;gte die Menschheit &#252;ber so viel   Wissen, Technik, Maschinen, M&#246;glichkeiten. Aber der technische   Fortschritt verwandelt sich unter dem Kapitalismus in R&#252;ckschritt.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Statt das Leben zu erleichtern, f&#252;hrt er zu Arbeitslosigkeit und   Armut. Und wenn die Produktionsweise nicht radikal ge&#228;ndert wird, droht   eine dramatische Ver&#228;nderung des Klimas. Wie k&#246;nnte die Wirtschaft so   organisiert werden, dass die Produktivkr&#228;fte zum Wohle von Mensch und   Umwelt eingesetzt und weiterentwickelt w&#252;rden?<\/b><\/p>\n<p>  <i>von Pablo Alderete, Stuttgart<\/i><\/p>\n<p>  Die Grundlage des Kapitalismus ist das Privateigentum an den   Produktionsmitteln. Die Grundlage des Sozialismus ist das   gesellschaftliche Eigentum an den Fabriken, Bodensch&#228;tzen,   Transportwesen&#8230; Im Kapitalismus entscheidet eine kleine Minderheit,   was und wie produziert wird. Einziges Motiv der Produktion ist die   Erzielung von Profit. Die Produzenten agieren in Konkurrenz zueinander.   Der Markt &#8222;reguliert&#8220; die Wirtschaft.<\/p>\n<p>  Im Sozialismus tritt an die Stelle der Anarchie des Marktes ein   gesamtgesellschaftlicher Plan, der sich nach den Bed&#252;rfnissen der   Menschen und ihrer Umwelt richtet.<\/p>\n<h4>  Produktion nach Profit oder Bedarf?<\/h4>\n<p>  In einer sozialistischen Gesellschaft ist das Motiv f&#252;r die Produktion   der tats&#228;chliche Bedarf. Man w&#252;rde also damit anfangen, erst einmal zu   ermitteln, was denn die Bed&#252;rfnisse sind. Brauchen wir Wegwerfartikel   oder dauerhafte G&#252;ter? Hat jemand das Bed&#252;rfnis, mit Werbung bombardiert   zu werden? Wieviele Wohnungen m&#252;ssen w&#228;rmeisoliert werden? In welchen   Bereichen gibt es mehr zu tun? Sicher im Umweltschutz, im Bildungs- und   im Gesundheitswesen. In welchen Bereichen werden &#252;berfl&#252;ssige, sinnlose   T&#228;tigkeiten verrichtet, wie in der R&#252;stungsindustrie?<\/p>\n<p>  Dann w&#252;rde man Ziele formulieren und Pl&#228;ne aufstellen, wie und in   welchem Zeitraum diese Ziele erreicht werden sollen. Wenn man zum   Beispiel das Verkehrswesen in m&#246;glichst kurzer Zeit vom Auto auf   &#246;ffentliche Verkehrsmittel umstellen will, dann braucht man eine   Vorstellung, wie viele Kilometer neue Eisenbahnschienen verlegt werden   m&#252;ssen, welche Fabriken man umfunktionieren kann, um &#8211; statt Autos &#8211;   Stra&#223;enbahnen, Lokomotiven und Waggons zu bauen.<\/p>\n<h4>  Demokratie und Kontrolle<\/h4>\n<p>  So ein Plan kann nur eine Vorgabe sein, denn er muss sowohl von den   Produzierenden als auch von den KonsumentInnen st&#228;ndig &#252;berpr&#252;ft werden   k&#246;nnen. Stimmt die Qualit&#228;t? Haben sich die Bed&#252;rfnisse ge&#228;ndert? Gibt   es neue technische Entwicklungen, die angewandt werden sollten?   Planwirtschaft braucht Demokratie wie der Mensch Luft zum Atmen, sie   braucht aktive Massenbeteiligung, freie Diskussion und Kritik.<\/p>\n<p>  Nat&#252;rlich ben&#246;tigt es Beauftragte, Experten und Delegierte. Der   russische Revolution&#228;r Lenin griff die Frage auf, ob sich Arbeiter in   B&#252;rokraten verwandeln k&#246;nnten. Er wies darauf hin, dass &#8222;die von Marx   und Engels genau dargelegten Ma&#223;nahmen gegen eine Umwandlung derselben   in B&#252;rokraten&#8220; folgende sind: &#8222;1. nicht nur W&#228;hlbarkeit, sondern auch   Absetzbarkeit zu jeder Zeit, 2. ein den Arbeiterlohn nicht &#252;bersteigende   Bezahlung, 3. sofortiger &#220;bergang dazu, dass alle die Funktionen der   Kontrolle und Aufsicht verrichten, so dass niemand zum B&#252;rokraten werden   kann.&#8220;<\/p>\n<p>  Diese Punkte waren im Ostblock oder in China nicht gegeben. Diese   Staaten scheiterten an Fehlplanungen, B&#252;rokratie, Misswirtschaft. Unter   der Herrschaft einer privilegierten Clique sank die Motivation der   arbeitenden Menschen ins Bodenlose. Eine abgehobene Schicht von   B&#252;rokraten und Parteibonzen unterdr&#252;ckte jegliche Kritik an ihren   Entscheidungen aus Gr&#252;nden der eigenen Machterhaltung. So kann   Planwirtschaft nicht funktionieren.<\/p>\n<h4>  Planung = grau und eint&#246;nig?<\/h4>\n<p>  Die Verteidiger des Kapitalismus behaupten, die &#8222;unsichtbare Hand&#8220; des   Marktes sei am Besten geeignet, um das Zusammenspiel der Produzenten zu   gew&#228;hrleisten. Das ist Unsinn, denn kapitalistische Unternehmen planen   nat&#252;rlich ihre innerbetriebliche Produktion, statt sie irgendwelchen   &#8222;unsichtbaren H&#228;nden&#8220; zu &#252;berlassen. Ganze St&#228;be von Fachleuten   erforschen Kaufkraft und Konsumverhalten. Die Einf&#252;hrung neuer Produkte,   der Aufbau neuer Fabriken und Produktionsstandorte werden langfristig   geplant. In der Autoindustrie dauert ein &#8222;Modellzyklus&#8220; f&#252;r ein   PKW-Modell in der Regel sieben bis acht Jahre. Die Unternehmen stellen   entsprechend langfristige P&#228;ne auf.<\/p>\n<p>  VW hat &#252;ber 300.000 Besch&#228;ftigte in Dutzenden verschiedenen L&#228;ndern. Um   aus vielen tausend Komponenten ein Auto zusammen zu f&#252;gen, bedarf es   einer ausgefeilten Planung von Materialstr&#246;men und Ressourcen.<\/p>\n<p>  Doch jedes Unternehmen plant f&#252;r sich, in Konkurrenz zu den anderen. Und   sie planen nicht, wie sie Bed&#252;rfnisse befriedigen k&#246;nnen, sondern wie   sie Gewinne erzielen. Im Zuge dieser Planung kommt es zu   marktwirtschaftlichen &#8222;Fehlplanungen&#8220;, die eben keine Fehler sind,   sondern Bestandteile des Kapitalismus: &#220;berkapazit&#228;ten werden aufgebaut,   Fabriken hochgezogen, die sp&#228;ter wieder geschlossen werden, wenn der   Konkurrent einen gr&#246;&#223;eren Teil vom Markt erobert hat.<\/p>\n<p>  In einer sozialistischen Planwirtschaft braucht man sogar weniger   Planung als heute. Ein Beipiel: Die Zahl der Staubsaugermodelle und   Typen ist schier un&#252;berschaubar. Versandh&#228;user im Internet werben damit,   dass sie &#252;ber tausend verschiedene Staubsaugerbeutel f&#252;hren. F&#252;r jedes   Staubsaugermodell muss aber eine eigene Gussform entworfen und   hergestellt werden und nat&#252;rlich eine spezielle Verpackung. Da steckt   eine Menge planerischer Aufwand dahinter. Den k&#246;nnte man leicht um den   Faktor zehn reduzieren und h&#228;tte immer noch eine gro&#223;e Auswahl an   Staubsaugern.<\/p>\n<h4>  Sozialistische Planung<\/h4>\n<p>  Technisch w&#228;re eine weltweite Planung kein Problem. Schon heute ist   bekannt, welcher Bedarf an den grundlegenden Dingen des Lebens, wie   Nahrung, Kleidung, Wohnungen, besteht. &#220;ber moderne Telekommunikation   kann ein sich &#228;ndernder Bedarf ermittelt und die Produktionskapazit&#228;ten   angepasst werden.<\/p>\n<p>  Eine demokratisch geplante Wirtschaft w&#228;re global, aber gleichzeitig in   vielen Bereichen regional. Mit der Abschaffung des Profitmotivs und der   Angleichung der Lebensverh&#228;ltnisse entf&#228;llt die Motivation, ein T-Shirt   um den Globus zu schicken, um es hier zu n&#228;hen, dort zu bedrucken und im   dritten Land zu verkaufen. Die absurde Produktvielfalt des Kapitalismus,   die oft nichts anderes ist als Gleichmacherei mit bunter Verpackung,   w&#252;rde in wirkliche Vielfalt ver&#228;ndert werden.<\/p>\n<p>  Eine zuk&#252;nftige sozialistische Gesellschaft wird selber entscheiden, wie   die Planung genau gestaltet wird. Es ist aber davon auszugehen, dass ein   Planungssystem auf drei Ebenen wirkt: national\/international, in der   jeweiligen Branche und im einzelnen Unternehmen.<\/p>\n<h4>  Motivation und Beteiligung<\/h4>\n<p>  Anfang 2007 schrieb der Telekom-Mitarbeiter Lutz Paege einen offenen   Protestbrief an die Telekom-Manager. Darin hie&#223; es: &#8222;Ideen haben wir   genug, Motivation auch! Wir kennen die Kunden und die Firma und wir   wissen, wo es knackt im Geb&#228;lk! Wir wissen auch, wo viel zu viel Geld   verschwendet wird, wo Personal falsch eingesetzt wird und Wissen sinnlos   verpufft oder Prozesse angepasst werden m&#252;ssten.&#8220;<\/p>\n<p>  In vielen Betrieben gibt es &#8222;flache Hierarchien&#8220;, &#8222;Teamarbeit&#8220; und   &#228;hnliches. Diese werden heute vor allem als Methode benutzt, die   ArbeitnehmerInnen in die Verantwortung einzubeziehen, um die   Arbeitsintensit&#228;t zu erh&#246;hen. Aber sie sind auch ein Eingest&#228;ndnis, dass   die Chefs nicht ben&#246;tigt werden, dass die Besch&#228;ftigten ihren Betrieb   selbst f&#252;hren k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Die Arbeitszeit k&#246;nnte mit einem Schlag stark reduziert und die Arbeit   auf alle aufgeteilt werden. Das ist eine entscheidende Voraussetzung f&#252;r   die Entwicklung einer Arbeiterdemokratie. Durch die Befreiung von   mehreren Stunden Arbeit t&#228;glich w&#252;rde ein enormes Potenzial freigesetzt,   die Besch&#228;ftigten h&#228;tten die M&#246;glichkeit, sich weiterzubilden und   Aufgaben bei der F&#252;hrung ihres Betriebes und der Koordination der   Wirtschaft zu &#252;bernehmen. Lenins Losung, dass jede K&#246;chin auch   Premierministerin werden k&#246;nnen m&#252;sse, war damals k&#252;hn, heute w&#228;re es   die gesellschaftliche Wirklichkeit.<\/p>\n<p>  Neben ihrer Arbeit sind heute in Deutschland 30 Prozent ehrenamtlich   aktiv und verbringen mit ihrer T&#228;tigkeit durchschnittlich 20 Stunden im   Monat (Umfrage des Emnid-Institutes). Diese Bereitschaft zu sinnvoller,   Zufriedenheit schaffender T&#228;tigkeit, k&#246;nnte in einer demokratischen   Planwirtschaft voll entfaltet werden.<\/p>\n<p>  Unter den Bedingungen des Kapitalismus verwandeln sich die   Produktivkr&#228;fte in Destruktivkr&#228;fte. Nur die demokratische Planung der   Wirtschaft durch die Produzenten selber kann die Wirtschaft harmonisch   regulieren, die Zerst&#246;rung der nat&#252;rlichen Lebensgrundlagen aufhalten   und nachhaltigen Wohlstand f&#252;r alle schaffen. Dass ist kein sch&#246;ner   Traum, sondern Notwendigkeit geworden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Niemals zuvor in der Geschichte verf&#252;gte die Menschheit &#252;ber so viel<br \/>\n      Wissen, Technik, Maschinen, M&#246;glichkeiten. 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