{"id":12326,"date":"2007-10-10T00:28:04","date_gmt":"2007-10-10T00:28:04","guid":{"rendered":".\/?p=12326"},"modified":"2007-10-10T00:28:04","modified_gmt":"2007-10-10T00:28:04","slug":"12326","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/10\/12326\/","title":{"rendered":"Bahnprivatisierung an Wendepunkt"},"content":{"rendered":"<p>  <i>Gesetzesentwurf &#252;bertrifft schlimmste Bef&#252;rchtungen<\/i><\/p>\n<p>  Mit der ersten Lesung des Bahnprivatisierungsgesetzes am 21. September   im Bundestag tritt dieses Projekt des gr&#246;&#223;ten Raubs &#246;ffentlichen   Eigentums in eine neue und hei&#223;e Phase.<\/p>\n<p>  <i>von Winfried Wolf<\/i><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Auf der einen Seite hat sich der Widerstand gegen das Projekt auf drei   unterschiedlichen Ebenen enorm entwickelt: Die eigentliche Kampagne, die   das B&#252;ndnis Bahn f&#252;r Alle f&#252;hrt, zeigt Wirkung; viele der in diesem   Rahmen vorgetragenen Argumente werden nun auch von den Massenmedien   aufgegriffen. Die Bundesl&#228;nder haben ihre Kritik mit der Vorlage eines   Gutachtens, das die Bahnprivatisierung als verfassungswidrig   kennzeichnet, verst&#228;rkt. Schlie&#223;lich gibt es wachsenden Widerstand in   beiden Koalitionsparteien.<\/p>\n<p>  Auf der anderen Seite wird versucht, das Projekt im Parlament m&#246;glichst   ger&#228;uschlos durchzuziehen. F&#252;r die erste Lesung des Gesetzentwurfs   wurden gerade mal 100 Minuten Diskussionszeit einger&#228;umt; die Kritiker   in den Koalitionsparteien kamen so gut wie nicht zu Wort.<\/p>\n<p>  Modell &#8222;Volksaktien-Bahn&#8220;<\/p>\n<p>  Eine ausgesprochen ungl&#252;ckliche Rolle spielt dabei die SPD-Linke mit   ihrem Modell einer &#8222;Volksaktien-Bahn&#8220;. Zun&#228;chst einmal ist eine Bahn,   bei der bis zu 49 Prozent der Anteile als stimmrechtlose Aktien mit   garantierter Dividende an Kleinanleger ausgegeben werden, auch eine   Teilprivatisierung: Das seit 1920 existierende 100-prozentige Eigentum   des Staates an der Bahn wird wieder aufgegeben. Sodann weist das Modell   eine Reihe immanenter Schw&#228;chen auf. Insbesondere bietet jede Bahn, die   sich nicht zu 100 Prozent in &#246;ffentlichem Eigentum befindet, den   EU-Institutionen enorme M&#246;glichkeiten, unter Verweis auf so genannte   Prinzipien wie &#8222;Wettbewerb&#8220; und &#8222;Markt&#246;ffnung&#8220; die Privatisierung   voranzutreiben. Vor allem aber bewirkte das Modell einer   &#8222;Volksaktien-Bahn&#8220;, dass die linken SPD-Parlamentarier bei der ersten   Lesung des Gesetzes nicht protestierten.<\/p>\n<p>  Nun wird seitens der Bahnprivatisierer versucht werden, den Entwurf mit   einigen Konzessionen durch die Aussch&#252;sse zu bringen, um dann in   Lauerstellung abzuwarten, wann eine zweite und dritte Lesung in Form   eines &#220;berraschungscoups gestartet werden kann.<\/p>\n<p>  Was soll aus der Bahn-Infrastruktur werden?<\/p>\n<p>  Bekanntlich spielt die Frage eine wichtige Rolle, was mit der   Infrastruktur (Trassen, Bahnh&#246;fe und bahneigene Kraftwerke) passiert.   Offiziell hei&#223;t es, das bleibe alles in Bundeseigentum. Tats&#228;chlich soll   der Bund zwar formeller 100-prozentiger Eigent&#252;mer sein, seine Rechte   jedoch f&#252;r 15 Jahre an die teilprivatisierte DB AG abtreten. An dieser   Stelle wird von den Privatisierern beschwichtigt: Aber nach 15 Jahren   falle die Verf&#252;gung &#252;ber die Infrastruktur an den Bund zur&#252;ck.<\/p>\n<p>  Auf Seite 47 des Gesetzentwurfs finden sich allerdings zwei   weitreichende Formulierungen: Erstens wird festgestellt, dass der Bund,   wenn er denn nach 15 Jahren die Verf&#252;gung &#252;ber die Infrastruktur wieder   wahrnehmen will, &#8222;damit auch die wirtschaftlichen Chancen und Risiken   der Eisenbahninfrastrukturunternehmen&#8220; &#252;bernimmt. Das hei&#223;t im Klartext,   er w&#252;rde auch die auf den Infrastrukturunternehmen liegenden &#8211; von der   DB AG dort platzierten &#8211; Schulden &#252;bernehmen m&#252;ssen. Bereits heute   liegen bei diesen Gesellschaften (vor allem bei der Netz AG)   Verbindlichkeiten in H&#246;he von 15 Milliarden Euro. Zweitens hei&#223;t es dort   im Fall eines R&#252;ckfalls der Infrastruktur an den Bund: &#8222;F&#252;r den Verlust   der wirtschaftlichen Chancen und Risiken ist [dann] der DB AG durch den   Bund ein Wertausgleich (&#8230;) zu gew&#228;hren. Dieser Wertausgleich umfasst   den vollen Wert der Eisenbahninfrastrukturunternehmen und bemisst sich   nach dem bilanziellen Eigenkapital.&#8220; Da nach dem selben Gesetzentwurf   die DB AG 15 Jahre lang die Infrastruktur &#8222;betreiben und bilanzieren&#8220;   wird, hat sie vielf&#228;ltige M&#246;glichkeiten, diese Infrastrukturunternehmen   mit einem derart hohen &#8222;bilanziellen Eigenkapital&#8220; auszustatten, dass   der erforderliche &#8222;Wertausgleich&#8220; so hoch ausf&#228;llt, dass eine erneute   Verstaatlichung extrem teuer kommt und de facto ausgeschlossen wird.<\/p>\n<\/p>\n<h4>  <i>&#8222;Verkehr &#8211; Umwelt &#8211; Klima&#8220; <\/i>    <\/h4>\n<p>  <i>Das neue Buch von Winfried Wolf, &#8222;Verkehr &#8211; Umwelt &#8211; Klima&#8220;,   analysiert die &#8222;Globalisierung des Tempowahns&#8220;. Das Buch ist im Wiener   Verlag Promedia erschienen, hat 520 Seiten und kostet 34,90 Euro. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>Der Autor ist marxistischer &#214;konom, Mitherausgeber der Zeitung gegen   den Krieg und aktiv im B&#252;ndnis Bahn f&#252;r Alle (weitere Infos unter   www.bahn-fuer-alle.de).<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      <i>Gesetzesentwurf &#252;bertrifft schlimmste Bef&#252;rchtungen<\/i>\n    <\/p>\n<p>\n      Mit der ersten Lesung des Bahnprivatisierungsgesetzes am 21. 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