{"id":12325,"date":"2007-10-09T00:20:28","date_gmt":"2007-10-09T00:20:28","guid":{"rendered":".\/?p=12325"},"modified":"2007-10-09T00:20:28","modified_gmt":"2007-10-09T00:20:28","slug":"12325","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/10\/12325\/","title":{"rendered":"Preissteigerungen bei Lebensmitteln: Sind die Chinesen schuld?"},"content":{"rendered":"<p>  Was sind die Ursachen f&#252;r die j&#252;ngsten Preiserh&#246;hungen bei Milch, Butter   und anderen Lebensmitteln? Angeblich sind sie Folge der erh&#246;hten   Nachfrage, insbesondere aus China.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Georg K&#252;mmel, K&#246;ln<\/i><\/p>\n<p>  Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gehen nach China und Indien   zusammen lediglich 0,1 Prozent der deutschen Direkt-Exporte von Milch   und Milchprodukten.<\/p>\n<p>  F&#252;r die EU lag der entsprechende Anteil h&#246;her, China und Indien beziehen   zusammen aber auch da nur einen Anteil von 2,9 Prozent an den gesamten   Exporten von Milch und Milchprodukten der EU.<\/p>\n<p>  Allerdings wuchs der Export von Milch, Butter, K&#228;se, Joghurt aus   Deutschland mengenm&#228;&#223;ig tats&#228;chlich im ersten Halbjahr um 9,2 Prozent.   Wohin gehen diese Exporte? Zu 80 Prozent in die EU und dort wiederum   insbesondere in die osteurop&#228;ischen Beitrittsl&#228;nder.<\/p>\n<p>  Die Menschen in anderen L&#228;ndern, besonders in Osteuropa, essen eben   wieder lieber Butter statt Margarine. Da kann man nichts machen &#8211; soll   uns glauben gemacht werden.<\/p>\n<h4>  K&#252;he zum Schlachthof<\/h4>\n<p>  Erhellender ist da ein Statement des Hauptgesch&#228;ftsf&#252;hrers der   Bundesvereinigung der Deutschen Ern&#228;hrungsindustrie aus dem vergangenen   Jahr. Er schreibt: &#8222;Absatzchancen haben sich f&#252;r deutsche Exporteure auf   den neuen M&#228;rkten vor allem dort er&#246;ffnet, wo die einheimischen   Produzenten noch mit dem Strukturwandel oder der Anpassung an   EU-Standards zu k&#228;mpfen haben und eine hohe Nachfrage nach qualitativ   hochwertigen Produkten entsteht. Besonders Hersteller von Fleisch- und   Wurstwaren, Milchprodukten, aber auch von Brot und Backwaren profitieren   von den neuen M&#228;rkten&#8220; (23. August 2006).<\/p>\n<p>  Mit anderen Worten: die Bauern, Genossenschaften und   Lebensmittelproduzenten in Polen, Estland, Lettland, Litauen, Ungarn und   weiteren Beitrittsl&#228;ndern Osteuropas werden von der deutschen   Lebensmittelindustrie an die Wand gedr&#252;ckt. Angesichts der &#252;berm&#228;chtigen   Konkurrenz aus Deutschland fehlen ihnen die Mittel und die Perspektive,   um den bestehenden oder wachsenden Bedarf zu befriedigen. Viele   Kleinbauern haben ihre K&#252;he zum Schlachthof gef&#252;hrt, weitere werden   folgen. Beispiel Ungarn: &#8222;Bis 2009 wird durch die EU-Kommission f&#252;r   Ungarn ein R&#252;ckgang in der Milcherzeugung um minus 13,7 Prozent   prognostiziert&#8220; (S&#228;chsische Landesanstalt f&#252;r Landwirtschaft).<\/p>\n<p>  Die Bauern hierzulande haben wenig von den Preiserh&#246;hungen. Nur circa   zwei Cent erhalten sie jetzt mehr f&#252;r den Liter Milch.<\/p>\n<p>  Es sind also knallharte Profitinteressen und die damit verbundene   Politik der EU, die uns die h&#246;heren Preise bescheren. Die L&#228;nder, die   derzeit Milchprodukte importieren, k&#246;nnten ihre Landwirtschaft   modernisieren und dann ihren Bedarf ohne weiteres selber decken, statt   Bauern und Betriebe zu ruinieren.<\/p>\n<h4>  Appetit auf Profit<\/h4>\n<p>  Das gilt nicht nur f&#252;r die Milchprodukte, sondern auch f&#252;r Fleisch. Nach   der Wende sank Anfang der neunziger Jahre die Fleischproduktion in den   osteurop&#228;ischen L&#228;ndern. Unternehmer aus dem Westen hatten wenig   Interesse, in die Viehwirtschaft zu investieren, denn: &#8222;Au&#223;erdem ist es   plausibel, dass sich westliches Kapital und marktwirtschaftliches Know   How nach dem Zusammenbruch des Sozialismus zun&#228;chst einmal auf den   Bereich der pflanzlichen Produktion ausgerichtet haben, denn die dort   get&#228;tigten Investitionen sind tendenziell risiko&#228;rmer, haben eine   k&#252;rzere Pay-Back-Dauer und schaffen besser die M&#246;glichkeit, das   Nutzungsrecht f&#252;r ein m&#246;glichst gro&#223;es St&#252;ck Land zu erlangen&#8220;   (Professor Isermeyer, Fachtagung 2004\/2005, Vilomix Tierern&#228;hrung GmbH).<\/p>\n<p>  Die Preissteigerungen bei Lebensmitteln haben also wenig mit den   Chinesen, aber viel mit dem ungez&#252;gelten Appetit der Kapitalisten nach   Profiten zu tun.<\/p>\n<h5>  Monopole und EU-Quote<\/h5>\n<p>  <i>In der BRD kontrollieren 100 Molkereien und f&#252;nf landesweit   operierende Lebensmittelketten zwei Drittel des Marktes f&#252;r   Milchprodukte. Diese Position nutzen sie aus, um Preise zu diktieren. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Behindert sehen sie sich durch die EU-Milchquote. Diese beschr&#228;nkt   Produktionsausweitungen. Industrie und Handel pl&#228;dieren deshalb f&#252;r mehr   &#8222;Freihandel&#8220;. Das w&#252;rde aber zu versch&#228;rfter Konkurrenz und einer   weiteren St&#228;rkung der Gro&#223;konzerne &#8211; auf Kosten von Besch&#228;ftigten,   Kleinbauern und Verbrauchern &#8211; f&#252;hren.<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Was sind die Ursachen f&#252;r die j&#252;ngsten Preiserh&#246;hungen bei Milch, Butter<br \/>\n      und anderen Lebensmitteln? 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