{"id":12320,"date":"2007-10-05T15:44:03","date_gmt":"2007-10-05T15:44:03","guid":{"rendered":".\/?p=12320"},"modified":"2007-10-05T15:44:03","modified_gmt":"2007-10-05T15:44:03","slug":"12320","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/10\/12320\/","title":{"rendered":"Stuttgart: GDL probt den Erzwingungsstreik"},"content":{"rendered":"<p>  Bericht vom Streik der Lokf&#252;hrerInnen in Stuttgart<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Ursel Beck, Stuttgart<\/i><\/p>\n<p>  Der erste Streik nach der Urabstimmung der Lokf&#252;hrer hatte in Stuttgart   bereits seine Auswirkungen bevor er am 5.7. um 8.00 Uhr &#252;berhaupt   anfing. Den GDL-Lokomotivf&#252;hrern wurde bei Schichtbeginn am fr&#252;hen   morgen von ihren Vorgesetzten mitgeteilt, dass sie heute freigestellt   sind und ihre Schicht ausfalle.<\/p>\n<p><center>  <img src=\"\/media\/img\/20071005155013GDL-Streik_Stuttgart.jpg\" align=\"center\">  <\/center><\/p>\n<p>  Mit dieser Ma&#223;nahme behinderte das Bahnmanagement, dass Lokf&#252;hrer &#8211; wie   beim Warnstreik am 10.7. &#8211; ab Streikbeginn die Bahnh&#246;fe blockieren und   den Zugverkehr weitgehend lahm legen.<\/p>\n<p>  Das Bahnmanagement hatte sich diesmal gut auf den Streik vorbereitet.   Neben einem erneuten Streikverbot gab es einen Notfallplan und   Hausverbot f&#252;r die Streikenden im Bahnhof. Alles generalstabsm&#228;&#223;ig im   Mehdorn-Bunker in Berlin ausgeheckt.<\/p>\n<p>  Fahrg&#228;ste konnten bereits in der Lokalzeitung und per Internet erfahren,   welche S-Bahn fuhr und welche nicht. Die Bahn hatte wieder einen Richter   gefunden, der der GDL den Streik wegen Unverh&#228;ltnism&#228;&#223;igkeit im G&#252;ter-   und Fernverkehr untersagte. &#8222;Wenn das Streikrecht nichts wert ist in der   Bundesrepublik, dann h&#228;tten wir 89 nicht auf die Stra&#223;e gehen m&#252;ssen und   davor auch nicht&#8220; emp&#246;rt sich ein Kollege aus Ostdeutschland. Laut dem   Bezirksvorsitzenden der GDL S&#252;dwest, Volker Drexler, will die GDL das   Streikverbot auf juristischem Weg wieder wegkriegen.<\/p>\n<p>  Eine halbe Stunde nach Streikbeginn erscheint ein Vertreter des   Bahnmanagements bei den in der N&#228;he eines Prellbocks versammelten   Streikposten und erteilt Hausverbot. Alle 30 Streikposten ziehen vor den   Nordausgang des Hauptbahnhofs. Es entspinnt sich eine kurze Diskussion:   H&#228;tte man sich das so einfach gefallen lassen sollen? &#8222;Ja, das ist ihr   Recht, da kann man nichts machen, meint ein Kollege&#8220; &#8222; Und was w&#228;re,   wenn wir nicht gefolgt w&#228;ren? &#8222;Vielleicht h&#228;tten sie die Polizei   geholt&#8220;, &#8222;Vielleicht h&#228;tten sie uns rausgetragen&#8220;. &#8222;Was h&#228;tten wir davon   gehabt?&#8220; &#8222;Nichts&#8220;, &#8222;Doch, wenigstens Aufsehen&#8220;. An diesem morgen stehen   jedenfalls pl&#246;tzlich buchst&#228;blich alle Streikposten im Regen. Eine   Journalisten verbreitet, dass die Bahn den GDL-Vorsitzenden Schell in   Frankfurt aus dem Bahnhof verwiesen h&#228;tte.<\/p>\n<p>  Trotz Streikverbot und trotz aller Behinderungen des Bahnmanagements hat   der Streik seine Wirkung, davon sind die Kollegen fest &#252;berzeugt. &#8222;Zwei   Drittel des Nahverkehrs und die H&#228;lfte des Fernverkehrs zu fahren, wie   der Arbeitgeber das vorhatte, sei in keinem Fall m&#246;glich&#8220;, so ein   Kollege. Das kriegten sie mit den Beamten und leitenden Angestellten mit   Fahrerlaubnis nicht hin. So ein Streik h&#228;tte eine Langzeitwirkung: &#8222;Das   System Eisenbahn funktioniere als Ganzes, d.h. fahren heute morgen die   Z&#252;ge nicht, fehlen sie heute Nachmittag woanders. Es fehlen dann Wagen   hier und Personal dort. Das zieht sich den ganzen Tag durch&#8220; erkl&#228;rt ein   Streikender. Und wenn die Streiks k&#252;nftig ausgedehnt w&#252;rden, von drei   Stunden auf f&#252;nf, dann w&#228;re die Wirkung entsprechend gr&#246;&#223;er. Und weil   das so ist, glauben die Lokf&#252;hrer, dass sie am Ende auch gewinnen   werden. Aber der G&#252;terverkehr, der m&#252;sste schon noch bestreikt werden,   da sei die &#246;konomische Wirkung einfach am gr&#246;&#223;ten.<\/p>\n<p>  Die Stimmung unter den wenigen Fahrg&#228;sten am Stuttgarter Bahnhof ist   gelassen. Einige st&#246;rt der Streik an diesem Tag, weil sie pers&#246;nlich   betroffen sind. Aber Verst&#228;ndnis f&#252;r den Streik haben sie trotzdem. Ein   Selbst&#228;ndiger, der streikbedingt aufs Flugzeug umsteigt erkl&#228;rt, er   f&#228;nde den Streik super. Seiner Meinung nach m&#252;ssten die Lokf&#252;hrer in   Deutschland genauso gut bezahlt werden wie in Frankreich. Was sie dort   verdienen, weiss er nicht. &#8222;Jedenfalls viel, viel mehr&#8220;.<\/p>\n<p>  Au&#223;er den GDL-Fahnen gibt es diesmal auch ein ver.di-Fahne. Zwei   Kollegen der Stuttgarter Stra&#223;enbahn, die um 1.30 Uhr Dienstschluss   hatten, sind aus Solidarit&#228;t mit dem Streik dazugekommen und wollen   damit ein Zeichen setzen. Das kommt gut an. Die ver.di-Fahne ist auch   einem Transnet-Funktion&#228;r nicht entgangen, der im Bahnhof   herumschleicht, um den Streik zu beobachten. Er f&#252;hlt sich berufen, den   verdianer in scharfem Ton zurechtzuweisen. Trotzdem: die Kollegen   bleiben und die ver.di-Fahne auch. Sie halten es f&#252;r wichtig, sich mit   den Streikenden zu solidarisieren auch wenn sie nicht damit   einverstanden seien, eine Konkurrenzgewerkschaft zu den   DGB-Gewerkschaften aufzubauen. Unter seinen Kollegen g&#228;be es auch immer   wieder Diskussion eine eigene Gewerkschaft zu bilden, weil es mit ver.di   nur R&#252;ckschritte gebe. Aber man m&#252;sse sich halt in ver.di daf&#252;r stark   machen, dass sich was &#228;ndere.<\/p>\n<p>  Von mir erhalten die Kollegen die Solidarit&#228;tserkl&#228;rung des Stuttgarter   Metallertreffs und des Ortsverbands der Linken aus Stuttgart Bad   Cannstatt. Die Solierkl&#228;rung der Metaller haben inzwischen &#252;ber 100   Betriebsr&#228;te, Vertrauensleuten und einfache Mitglieder aus verschiedenen   Gewerkschaften unterschrieben. Erfreut und mit Erstaunen blicken die   Kollegen auf die lange Namensliste. W&#228;re der Zeitpunkt des Streiks   fr&#252;her bekannt gewesen, w&#228;re es m&#246;glich gewesen &#252;ber die Strukturen der   Gewerkschaftslinken den einen oder anderen Kollegen f&#252;r eine   Unterst&#252;tzung der Streikposten an diesem morgen zu mobilisieren.   Vielleicht klappt es beim n&#228;chsten mal.<\/p>\n<p>  Die Streikunterst&#252;tzung aus den Reihen der Basis anderer Gewerkschaften   ist Transnet- und manch anderen Funktion&#228;ren aus DGB-Gewerkschaften ein   Dorn im Auge. Der Vorsitzende des Regionalbetriebsrats DB Regio S&#252;dwest   aus Saarbr&#252;cken, Reif Damde, hat in einem Brief an DGB und IGM den in   Stuttgart gestarteten Unterst&#252;tzeraufruf und namentlich Thomas Trueten,   als Sammler der Unterschriften, scharf anzugreifen. Der   Transnet-Funktion&#228;r schreibt: &#8222;Ich glaube, dass nunmehr der Zeitpunkt   ist, dass der Deutsche Gewerkschaftsbund ein klares Wort zu diesem   unglaublichen und unfassbaren Vorgang sagt. Alle Bem&#252;hungen des DGB und   der Einzelgewerkschaften eine Trendwende herzustellen, um Menschen davon   zu &#252;berzeugen, Mitglied einer DGB-Gewerkschaft zu werden, werden durch   solch falsch verstandene Solidarit&#228;t und der Verkn&#252;pfung mit politischen   Prozessen im Eisenbahnwesen konterkariert. Ja, ich empfinde es sogar als   absolut gewerkschaftssch&#228;digendes Verhalten.&#8220;<\/p>\n<p>  <i>Gewerkschafter, die bis jetzt den Aufruf noch nicht unterschrieben   haben, sollten es sp&#228;testens jetzt machen. Das geht ganz einfach unter <a href=\"http:\/\/www.trueten.de\">www.trueten.de<\/a><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Bericht vom Streik der Lokf&#252;hrerInnen in Stuttgart\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17,20],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12320"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12320"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12320\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12320"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12320"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12320"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}