{"id":12318,"date":"2007-10-04T00:26:55","date_gmt":"2007-10-04T00:26:55","guid":{"rendered":".\/?p=12318"},"modified":"2007-10-04T00:26:55","modified_gmt":"2007-10-04T00:26:55","slug":"12318","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/10\/12318\/","title":{"rendered":"Sozialismustage 2007: Kapitalismus? &#8211; Widerstand!"},"content":{"rendered":"<p>  Unter dem Motto &#8222;Marxismus f&#252;r das 21. Jahrhundert&#8220; kamen auf den   diesj&#228;hrigen bundesweiten Sozialismustagen der SAV 270 TeilnehmerInnen   zusammen, um in 15 Workshops, bei Podiumsdiskussionen und zus&#228;tzlichen   Sonderveranstaltungen die brennenden Themen der Zeit zu debattieren.   BesucherInnen kamen aus zwanzig St&#228;dten und aus Italien, Gro&#223;britannien,   Costa Rica, &#214;sterreich, Belgien und Brasilien.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Max H&#246;he, K&#246;ln<\/i><\/p>\n<p>  Mit dem Titel der diesj&#228;hrigen SozialismusTage, die vom 28. bis 30.   September im Berliner Kulturzentrum &#8222;Pumpe&#8220; stattfanden, wurde der   Ausspruch des venezolanischen Pr&#228;sidenten Hugo Ch&#225;vez aufgegriffen, der   in Lateinamerika zum &#8222;Sozialismus des 21. Jahrhunderts&#8220; aufruft. So nahm   die Auseinandersetzung mit den momentanen Entwicklungen in Venezuela,   Bolivien und weiteren L&#228;ndern Lateinamerikas auch einen gr&#246;&#223;eren Raum   bei den diesj&#228;hrigen Sozialismustagen ein. Bei der Plenumsveranstaltung   zur Frage &#8222;Lateinamerika auf dem Weg zum Sozialismus?&#8220; gaben Allessandra   Lacerda und Johannes Ullrich einen direkten Einblick in die   Entwicklungen in Brasilien und Bolivien. Lacerda ist Mitglied der   SAV-Schwesterorganisation Socialismo Revolucionario (SR), die in der   neuen Linkspartei Brasiliens, P-SOL, mitarbeitet. Der Zuspruch den das   CWI, das Komitee f&#252;r eine Arbeiterinternationale, dar&#252;ber landesweit   erhalten hat, dr&#252;ckt sich darin aus, dass SR in den n&#228;chsten Monaten   eine Rundreise durch das ganze Land plant, um mit verschiedenen Gruppen   &#252;ber einen Eintritt in SR und CWI zu diskutieren. Finanziert wird dieses   Projekt u.a. von den 1.700 Euro, die bei einem Spendenappell, der vom   CWI-Mitarbeiter Karl Debbaut vorgetragen wurde, f&#252;r die Arbeit des CWI   in Lateinamerika zusammen kamen. Anfang 2008 wird dar&#252;ber hinaus auch   eine alle lateinamerikanischen L&#228;nder umfassende marxistische Konferenz   vom CWI organisiert werden. Ullrich machte deutlich, wie wichtig der   Aufbau des CWI in Bolivien ist und wie erfolgreich dieser bisher   verl&#228;uft.<\/p>\n<h4>  Neue Linksparteien international<\/h4>\n<p>  Aber auch in Europa geht der Aufbau des CWI voran. Marco Veruggio,   Mitglied im Vorstand der italienischen Rifondazione Comunista (PRC) und   ebenfalls organisiert in der marxistischen Str&#246;mung Controcorrente,   berichtete &#252;ber die Schwierigkeiten, die sich aus der   Regierungsbeteiligung der PRC ergeben. &#196;hnlich wie in Deutschland mit   der fusionierten Partei DIE LINKE f&#252;hrt auch in Italien die Beteiligung   an kapitalistischen Regierungen dazu, dass die linke Bewegung insgesamt   vor dem Dilemma &#8222;(Regierungs-)Macht oder Widerstand&#8220; steht. Die   Opposition gegen den Machterhaltungskurs der PRC wird dort st&#228;rker und   die Kluft zwischen Parteif&#252;hrung und -basis gr&#246;&#223;er. Das CWI steht in   Diskussionen mit Controcorrente &#252;ber eine weitere enge Zusammenarbeit   bzw. einen Beitritt zum CWI, dem auch die SAV als Sektion in Deutschland   angeh&#246;rt.<\/p>\n<p>  Im Workshop &#8222;Was ist linke Einheit&#8220; machten Hannah Sell (Socialist   Party, Schwesterorganisation der SAV in England und Wales) und Sascha   Stanicic, Bundessprecher der SAV, in einer Debatte mit Veruggio und dem   Berliner BASG-Vorstandsmitglied Michael Pr&#252;tz klar, dass eine Einheit   der Linken nicht um jeden Preis betrieben werden darf. Sie sprachen sich   f&#252;r die Bildung neuer Arbeiterparteien aus, die ganz den Interessen der   abh&#228;ngig Besch&#228;ftigten, Jugendlichen, Erwerbslosen, Rentnerinnen und   Rentner verschrieben ist, um echten Widerstand und eine sozialistische   Alternative zum kapitalistischen Wahnsinn zu schaffen. Genau dies   propagiert seit einigen Monaten in Gro&#223;britannien die von der Socialist   Party ins Leben gerufene Campaign for a new workers party (Kampagne f&#252;r   einen neue Arbeiterpartei). Gleichzeitig betonten SAV-Mitglieder in der   Debatte die Notwendigkeit eine marxistische Organisation aufrecht zu   erhalten und aufzubauen. Dem Vorschlag von Michael Pr&#252;tz, dass sich die   MarxistInnen in jedem Land in der jeweils st&#228;rksten Gruppe zusammen   schlie&#223;en sollten, entgegneten sie, dass dies nur auf der Basis   ausreichender politischer und methodischer &#220;bereinstimmung sinnvoll sei,   da eine Vereinigung relativ kleiner Organisationen sonst eher zu weniger   Handlungsf&#228;higkeit f&#252;hren w&#252;rde.<\/p>\n<p>  In einer zweiten Debatte zu diesem Themenkomplex diskutierte die   ehemalige Spitzenkandidatin der Berliner WASG und   SAV-Bundesleitungsmitglied Lucy Redler mit der Bundestagsabgeordneten   der Partei DIE LINKE Inge H&#246;ger und dem Mitglied der Str&#246;mung   Sozialistische Linke in der Partei Ruben Lehnert.<\/p>\n<h4>  &#8222;Marxismus f&#252;r das 21. Jahrhundert&#8220;<\/h4>\n<p>  Stehende Ovationen gab es auf der Hauptveranstaltung des Wochenendes f&#252;r   den 91-j&#228;hrigen Kommunisten und Antifaschisten Theodor Bergmann. Dieser   rief in seiner Rede dazu auf, sich im Kampf gegen die Nazis nicht auf   b&#252;rgerliche Parteien oder den Staat zu verlassen. Neben ihm sprachen der   ver.di-Betriebsrat am Berliner Universit&#228;tsklinikum Charit&#233; Carsten   Becker und der Daimler-Betriebsrat und Mitglied der Gruppe kritischer IG   Metall-Mitglieder &#8222;Alternative&#8220; im Werk Untert&#252;rckheim Serkan Senol.   Au&#223;erdem erkl&#228;rte Lucy Redler, warum die Partei DIE LINKE eine   k&#228;mpferische und sozialistische Politik braucht, wenn sie eine   tats&#228;chliche Alternative f&#252;r ArbeiterInnen und Jugendliche sein will und   warnte gleichzeitig vor dem Kurs der Regierungsbeteiligung der Berliner   und vieler ostdeutscher Landesverb&#228;nde der LINKEN.<\/p>\n<h4>  Repressiver werdender Staat und bewusster agierender Widerstand<\/h4>\n<p>  Die Themenpalette der Sozialismustage reichte von der Geschichte der   proletarischen Frauenbewegung bis zur Klimakatastrophe und von der   Russischen Revolution 1917 bis zum modernen Kolonialismus in Kosova und   Afghanistan.<\/p>\n<p>  Der marxistische &#214;konom und Aktivist der Kampagne &#8222;Bahn f&#252;r Alle&#8220; gegen   die Bahn-Priovatisierung Winfried Wolf hielt Vortr&#228;ge zur   Verkehrspolitik und das ehemalige Mitglied der Bewegung 2. Juni Bommi   Baumann diskutierte mit dem SAV-Mitglied Gaetan Kayitare &#252;ber die Lehren   des &#8222;Deutschen Herbst&#8220;.<\/p>\n<p>  Holger Burner, linker Aktivist und Rapper aus Hamburg, legte im Workshop   &#8222;Nach den G8-Protesten&#8220; Wert auf die Feststellung, wie wichtig es f&#252;r   den b&#252;rgerlichen Staat ist, alles m&#246;gliche zu tun, um linken Widerstand   von einer immer unzufriedener werdenden Bev&#246;lkerung fernzuhalten.   Michael Kronawitter, der als Arzt in Heiligendamm war und dennoch   verhaftet und kriminalisiert wurde, konnte aus erster Hand darstellen,   wie weit Deutschland sich schon auf dem dem Weg zum &#220;berwachungsstaat   entwickelt hat.<\/p>\n<p>  Professor Peter Grottian von der FU Berlin forderte in diesem Kontext   eine Radikalisierung der Protestbewegungen, die angemessen auf die   Angriffe des Staates reagieren m&#252;ssten und Stephan Kimmerle wies seitens   der SAV-Bundesleitung darauf hin, dass die vermeintliche   (geheimdienstliche, milit&#228;rische, polizeiliche) St&#228;rke des Staates   vielmehr &#252;ber die Angst und Schw&#228;che der Herrschenden Auskunft gebe als   &#252;ber deren tats&#228;chliche Machtposition.<\/p>\n<p>  Am Workshop zur Frage &#8222;Ist der Mensch zu schlecht f&#252;r den Sozialismus?&#8220;   nahmen knapp 30 TeilnehmerInnen teil. In diesem Workshop wurde auch   deutlich, dass die diesj&#228;hrigen Sozialismustage zwar insgesamt nicht so   gut besucht waren wie in den vorigen Jahren, dass das politische Niveau,   auf dem diskutiert wurde, aber h&#246;her lag als in den Jahren zuvor.   Allgemein waren die Debatten gezeichnet vom festen Bewusstsein, dass das   kapitalistische System die gesellschaftlichen Missst&#228;nde nicht   beseitigen kann, sondern nur zu noch mehr Ungerechtigkeit, Unterdr&#252;ckung   und Leid f&#252;hrt.<\/p>\n<p>  In der Veranstaltung zur Entwicklung in Betrieben und Gewerkschaften   konnten die TeilnehmerInnen aus erster Hand erfahren, wie Arbeitsk&#228;mpfe   gef&#252;hrt werden k&#246;nnen und welche bremsende Rolle die   Gewerkschaftsf&#252;hrung dabei viel zu oft einnimmt. Mustafa Efe   (Betriebsrat Daimler Berlin-Marienfelde), Serkan Senol und H&#252;seyin   Akyurt (Vertrauensk&#246;rperleiter bei Bosch-Siemens-Hausger&#228;te, BSH)   verdeutlichten eindringlich, dass betriebliche Initiativen zur   selbst&#228;ndigen Aktivit&#228;t und Organisierung von KollegInnen &#8211; auch   unabh&#228;ngig von den oftmals b&#252;rokratisch dominierten gewerkschaftlichen   Strukturen &#8211; eine wichtige Voraussetzung f&#252;r erfolgreiche Gegenwehr sind.<\/p>\n<p>  Ein Filmausschnitt einer Dokumentation &#252;ber den BSH-Streik von dem   anwesenden Filmemacher Holger Wegemann illustrierte, wie sehr die   Belegschaft in dieser Auseinandersetzung Selbstbewusstsein gewonnen   hatte und kurz davor stand, den Streik in die eigenen H&#228;nde zu nehmen.   Die Diskussion zum Verlauf des BSH-Streiks zeigte aber auch, dass die   Organisierung kritischer KollegInnen in betrieblichen Gruppen, wie das   bei Daimler in Untert&#252;rckheim und Berlin-Marienfelde geschieht, nicht   erst w&#228;hrend eines Streiks angegangen werden sollte.<\/p>\n<p>  Hier wurde auch noch einmal betont, wie n&#246;tig eine weitere Vernetzung   linker Gewerkschaftsaktivisten &#8211; &#252;ber Branchengrenzen hinaus &#8211; ist! Wie   beeindruckend und informativ dieser Workshop war, wird auch daran klar,   dass die Debatte um eine halbe Stunde verl&#228;ngert werden musste, da so   gro&#223;er Diskusionsbedarf unter den &#252;ber 50 TeilnehmerInnen herrschte.<\/p>\n<h4>  Motivation f&#252;r die Arbeit vor Ort<\/h4>\n<p>  Dass zu den Sozialismustagen 2007 etwas weniger TeilnehmerInnen   mobilisiert werden konnten als in den vergangenen Jahren, liegt vor   allem daran, dass sie nicht &#8211; wie sonst &#252;blich &#8211; &#252;ber die Osterfeiertage   stattfinden konnten, sondern in den Herbst verlegt werden mussten. F&#252;r   viele der regelm&#228;&#223;igen TeilnehmerInnen waren es aber trotzdem die besten   Sozialismustage bisher aufgrund der hohen politischen Qualit&#228;t der   Veranstaltungen.<\/p>\n<p>  Viele BesucherInnen dr&#252;ckten ihr Interesse aus, mehr &#252;ber die SAV zu   erfahren und mit der SAV aktiv zu werden. Dementsprechen motiviert   verlie&#223;en die TeilnehmerInnen die Veranstaltung &#8211; in dem Bewusstsein,   dass Marxismus Anleitung zum Handeln ist und die gewonnenen Erkenntnisse   in den &#246;rtlichen Kampagnen und K&#228;mpfen angewendet werden m&#252;ssen. Der   erste Schritt dazu wird die Solidarit&#228;t mit dem Lokf&#252;hrerstreik sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Unter dem Motto &#8222;Marxismus f&#252;r das 21. 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