{"id":12308,"date":"2007-09-28T11:30:00","date_gmt":"2007-09-28T09:30:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12308"},"modified":"2012-05-25T15:24:42","modified_gmt":"2012-05-25T13:24:42","slug":"12308","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/09\/12308\/","title":{"rendered":"Tarifvertrag bei General Motors"},"content":{"rendered":"<p>  Das Schicksal der United Auto Workers (UAW), der einstmals m&#228;chtigen und   k&#228;mpferischen US-amerikanischen Automobilarbeitergewerkschaft, ist   besiegelt. Mit dem am Mittwoch nach nur zwei Streiktagen pr&#228;sentierten   Kompromi&#223; mit General Motors mutiert die UAW faktisch von einer   Industriegewerkschaft zum Management eines Versicherungsunternehmens.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Daniel Behruzi, zuerst ver&#246;ffentlicht in der <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2007\/09-28\/038.php\">jungen   Welt, 28.9.07<\/a><\/i><\/p>\n<p>  An der Wall Street und in der Detroiter GM-Konzernzentrale d&#252;rften die   Champagnerkorken geknallt haben. Unmittelbar nach Bekanntgabe des   Ergebnisses schnellte der Kurs des angeschlagenen Autogiganten um sechs   Prozent in die H&#246;he. Der Grund: Mit der Ausgliederung der betrieblichen   Krankenversorgung f&#252;r rund 340 000 ehemalige Besch&#228;ftigte und deren   Familien bereinigt der Konzern nicht nur seine Bilanzen. Er reicht auch   die Verantwortung f&#252;r k&#252;nftige Beitragserh&#246;hungen oder Rentenk&#252;rzungen   an die UAW weiter. Denn der Konzern kommt seinen Verpflichtungen, die   sich auf 50 bis 55 Milliarden Dollar belaufen, nur zu 70 Prozent nach.   Die Verwaltung des Fonds, in den dieses Geld eingezahlt wird, &#252;bernimmt   die UAW. Die Folge: Bei den in der Zukunft sicher auftretenden   Zahlungsschwierigkeiten m&#252;ssen die Besch&#228;ftigten und Rentner nicht mehr   am Konzernsitz, sondern vor dem Hauptquartier ihrer Gewerkschaft   demonstrieren. Selbst eine Insolvenz des &#187;Voluntary Employee&#8217;s   Beneficiary Association&#171; (Veba) genannte Fonds ist m&#246;glich.<\/p>\n<p>  Die weiteren Details des Vertragswerks sind noch nicht ver&#246;ffentlicht.   Aber das Bekannte ist schon schlimm genug. So sieht die Vereinbarung   einem Bericht der Detroit News zufolge nicht nur den Verzicht auf   Lohnerh&#246;hungen f&#252;r die kommenden vier Jahre vor. Nach dem Vorbild   hiesiger zum Beispiel bei Daimler geschlossener   &#187;Dienstleistungstarifvertr&#228;ge&#171; sollen die Einkommen der   Neueingestellten, die nicht direkt in der Produktion besch&#228;ftigt sind,   gegen&#252;ber dem bisherigen Tarif halbiert werden. Wie auch hierzulande in   solchen F&#228;llen &#252;blich, werden die Zugest&#228;ndnisse mit der erreichten   &#187;Besch&#228;ftigungssicherung&#171; gerechtfertigt. Die Schlie&#223;ung von zw&#246;lf   Fabriken und die Vernichtung von 34 000 Arbeitspl&#228;tzen hatte die UAW   allerdings zuvor bereits abgesegnet.<\/p>\n<p>  Der Schritt zum Versicherungsunternehmen ist letztlich nur die   konsequente Fortsetzung der UAW-Politik der vergangenen Jahrzehnte &#8211;   wenn auch ein qualitativer Sprung. Dabei war die   US-Automobilarbeitergewerkschaft dereinst aus den militanten   Arbeitskonflikten der 1930er Jahre entstanden und f&#252;r ihre progressive   Haltung &#8211; zum Beispiel gegen&#252;ber afro-amerkanischen Arbeitern &#8211; bekannt.   Doch das ist l&#228;ngst Geschichte. Seitdem die US-Autokonzerne ab Ende der   1970er in die Krise schlitterten, sorgte die UAW-Spitze nur noch f&#252;r die   weitgehend friedliche Umsetzung des Abbaus &#8211; begleitet von   entsprechenden Mitgliederverlusten und der Abspaltung der   fortschrittlicheren kanadischen Sektionen zur CAW im Jahr 1985.   Zumindest ihre eigenen Jobs haben die UAW-Apparatschiks mit dem jetzigen   Coup aber gerettet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Das Schicksal der United Auto Workers (UAW), der einstmals m&#228;chtigen und<br \/>\n      k&#228;mpferischen US-amerikanischen Automobilarbeitergewerkschaft, ist<br \/>\n      besiegelt. 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