{"id":12301,"date":"2007-09-25T10:34:41","date_gmt":"2007-09-25T10:34:41","guid":{"rendered":".\/?p=12301"},"modified":"2007-09-25T10:34:41","modified_gmt":"2007-09-25T10:34:41","slug":"12301","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/09\/12301\/","title":{"rendered":"Venezuela: Arbeiter besetzen B&#252;ror&#228;ume im Arbeitsministerium"},"content":{"rendered":"<p>  Angedrohte Waffengewalt beendet die Aktionen<\/p>\n<p>  <i>von Bravo, Collectivo Socialismo Revolucionario (17. September 2007)<\/i><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Am Mittwoch, 15. August 2007, besetzten 40 Arbeiterf&#252;hrer zusammen   mit ArbeiterInnen die B&#252;ror&#228;ume des Arbeitsministeriums. Sie waren zu   den B&#252;roeinrichtungen des Arbeitsministeriums gekommen, um eine   Diskussion mit dem Minister &#252;ber die Tarifverhandlungen f&#252;r Besch&#228;ftigte   des &#246;ffentlichen Dienstes einzufordern.<\/b><\/p>\n<p>  Als sie dort ankamen wurde den ArbeiterInnen mitgeteilt, dass die   Vertr&#228;ge in einem Zimmer im f&#252;nften Stockwerk des Ministeriums   unterzeichnet werden w&#252;rden. Nach zwei Stunden Wartezeit und ohne   Information durch die dortigen Angestellten wurde eine Delegation unter   den Gewerkschaftsf&#252;hrern und den ArbeiterInnen gew&#228;hlt, die herausfinden   sollte, was dort vor sich ging. Die Delegation erhielt schlie&#223;lich von   den Ministeriumsangestellten die Auskunft, dass die f&#252;r die   Unterzeichnung verantwortliche Landesinspektorin f&#252;r Arbeit und   Vertragsangelegenheiten nicht im Geb&#228;ude sei, da sie sich mit dem   Arbeitsminister zu einem Treffen verabredet hatte. Mit dieser Situation   konfrontiert entschieden sich die Gewerkschaftsf&#252;hrer, den Druck durch   eine Besetzung der B&#252;ros zu steigern, um sicher zu stellen, dass die   Tarifforderungen umgesetzt w&#252;rden. Dies wurde von den 40 bis 50   ArbeiterInnen entschieden. Danach nahmen 30 Menschen an der   Besetzungsaktion teil und verbrachten die Nacht in dem Geb&#228;ude.<\/p>\n<p>  Am Donnerstag Morgen mussten einige der ArbeiterInnen die   Besetzungsaktion verlassen. Dann wurden die 17 Leute, die ausgeharrt   hatten, vom Sicherheitspersonal des Arbeitsministeriums eingekreist. Der   f&#252;nfte Stock wurde abgeriegelt und die ArbeitervertreterInnen waren   damit im Geb&#228;ude eingeschlossen. Ihnen wurde nicht gestattet, Kontakt   nach au&#223;en aufzunehmen.<\/p>\n<p>  Die auf Anweisung des Arbeitsministeriums erhobenen Ma&#223;nahmen des   Sicherheitspersonals sind ein Beispiel f&#252;r die repressiven Methoden, die   vom Staatsapparat gegen ArbeiterInnen angewandt werden. Als Reaktion auf   diesen Vorfall mobilisierte eine Gruppe zwischen 20 und 30 Leuten,   haupts&#228;chlich Familienangeh&#246;rige und andere f&#252;hrende   GewerkschafterInnen, eine Mahnwache vor dem Eingang des   Arbeitsministeriums und zeigte Solidarit&#228;t mit den im Geb&#228;ude   eingesperrten ArbeiterInnen. Dieses Zeichen der Solidarit&#228;t bezog sich   in erster Linie auf die k&#246;rperliche Unversehrtheit der im Geb&#228;ude   Festgehaltenen. Die Antwort der Funktion&#228;re des Ministeriums war die   Abriegelung des Eingangs zum Ministerium und die Festsetzung der   Menschen davor. Sie blockierten die, die Lebensmittel zu den   Eingesperrten bringen wollten. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Situation   schon reichlich beunruhigend. Die F&#252;hrerInnen der UNT [ein   Gewerkschaftdachverband], Orlando Chirino und Marcella Maspero, trafen   ein, um ihre Solidarit&#228;t mit der Besetzung auszudr&#252;cken. Dennoch   organisierten sie keinen Massenprotest oder Aufruf zur Beteiligung an   der Mahnwache. Mit zunehmender Verzweiflung begannen dann Frauen aus der   Mahnwache heraus zu versuchen, die Eingangst&#252;ren des Ministeriums   aufzutreten, um Lebensmittel zu den im f&#252;nften Stock eingesperrten   Gewerkschaftsmitgliedern und -f&#252;hrern bringen zu k&#246;nnen. Die Reaktion   der Minsteriumsfunktion&#228;re darauf war, dass sie die Eingangst&#252;ren mit   Ketten dicht machten.<\/p>\n<h4>  Verzweifelte Situation<\/h4>\n<p>  Verschiedene JournalistInnen von Zeitungen und Fernsehen trafen ein, um   sich ein Bild von dem zu verschaffen, was dort vor sich ging. Doch   lediglich die Privatsender berichteten auch von der Lage vor und in dem   Arbeitsministerium. Die von der Regierung kontrollierten Medien blieben   still.<\/p>\n<p>  Am Freitag machten wir uns auf, um einen Staatsanwalt zu finden, der   einen amtlichen Bericht &#252;ber die Dinge anfertigen w&#252;rde, die dort vor   sich gingen. Zwei Staatsanw&#228;lte erschienen auch, keinem von ihnen wurde   jedoch Zutritt zu den B&#252;ros im Ministerium gew&#228;hrt, wo die ArbeiterInnen   eingesperrt blieben.<\/p>\n<p>  Am Samstag waren die einzigen, die noch vor dem Arbeitsministerium   ausharrten, um die Menschen zu unterst&#252;tzen, die weiterhin im f&#252;nften   Stock des Hauses festgehalten wurden, die Familienangeh&#246;rigen. Am   Sonntag wiederholte sich diese Situation und Verzweiflung machte sich   breit.<\/p>\n<p>  Am Montag wurde dann die Idee diskutiert, eine Petition beim Gerichtshof   einzureichen und eine habeas corpus-Akte anzulegen (im b&#252;rgerlichen   Recht steht habeas corpus f&#252;r den juristischen Vorgang, mit dem eine   Person Entlastung von einer gesetzwidrigen Behandlung einfordern kann.   Das Gericht kann auf dieser Grundlage dann entscheiden, dass ein   Gefangener vor Gericht zitiert wird, um dar&#252;ber zu urteilen, ob diese   Person ein Gerichtsverfahren erh&#228;lt). Eine Pressekonferenz wurde   organisiert und die Fernsehkan&#228;le Globovision, Televen und Venezolana de   Televisi&#243;n nahmen teil. Diese Pressekonferenz wurde von den Medien   manipuliert als Fernsehbilder Orlando Chirino dabei zeigten, wie er eine   Erkl&#228;rung abgab. In Wahrheit hat er niemals ein Pressestatement auf   dieser Konferenz abgegeben.<\/p>\n<p>  F&#252;r diese Aktionen erhielten wir Unterst&#252;tzungsschreiben aus Brasilien,   Argentinien, der Schweiz und anderen L&#228;ndern. In Argentinien wurde eine   Mahnwache vor der venezolanischen Botschaft abgehalten. Die dort   anwesenden Menschen forderten das Ende der feindseligen Aktionen gegen   Gewerkschaftsmitglieder. Sie forderten auch, dass Gewerkschaftsf&#252;hrer   wie Orlando Chirino und Marcelo Maspero ArbeiterInnen und die   Bev&#246;lkerung im allgemeinen mobilisieren und eine Kampagne gegen die   Internierung der GewerkschafterInnen im Arbeitsministerium starten   sollten.<\/p>\n<p>  Eine Protestdemonstration fand zwar statt, allerdings war die   Mobilisierung daf&#252;r und schlie&#223;lich die Teilnehmerzahl daran   entt&#228;uschend. Es war ein Zeichen daf&#252;r, dass die Gewerkschaftsbewegung   gespalten ist und dass einige der Gewerkschaftsf&#252;hrer nicht auf   besonders starke Unterst&#252;tzung z&#228;hlen k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Am Dienstag, als sich die GewerkschafterInnen bereits den sechsten Tag   infolge in illegalem Gewahrsam im Arbeitsministerium befanden, stellte   sich die Lage nicht viel besser dar. Wir erwarteten weitere Repressionen   durch den Minister und die ihn unterst&#252;tzenden Gewerkschaftsf&#252;hrer wie   Franklin Rondon. Der Minister sandte unbewaffnete Polizeioffiziere der   Bundespolizei, um so genannte Verhandlungen mit den im f&#252;nften Stock   Festgehaltenen zu f&#252;hren. Gleichzeitig sammelte sich eine Gruppe   bewaffneter Berufsschl&#228;ger &#8211; mit Unterst&#252;tzung durch die tupamaros   (einer bewaffneten Einheit aus dem &#8222;23. September-Wohnviertel&#8220; in   Caracas) &#8211; vor dem Geb&#228;ude. Sie drangen in das Ministerium ein und   skandierten dabei: &#8222;fuera los escu&#225;lidos&#8220; (&#8222;Raus mit den Dreckigen&#8220; &#8211;   Der Begriff &#8222;escu&#225;lidos&#8220; wird in Venezuela weithin gegen die   Unterst&#252;tzer der pro-imperialistischen Opposition und der nationalen   Oligarchie gebraucht). Sie nahmen ihren Weg durchs Geb&#228;ude, demolierten   Gegenst&#228;nde und zerst&#246;rten Mobiliar. Als sie im f&#252;nften Stock ankamen,   zogen sie ihre Waffen und bedrohten damit die gefangen gehaltenen   GewerkschafterInnen.<\/p>\n<p>  Einer der Gewerkschaftsaktivisten erkannte zwei der Schl&#228;ger wieder und   begann mit ihnen zu verhandeln, um ein Blutbad zu verhindern. Die beiden   erwiderten, dass sie angewiesen worden seien, die Besetzungsaktion zu   beenden. Wir wissen aus anderen Quellen, dass das Arbeitsministerium und   die ihm untergeordneten Stellen diese Schl&#228;gertruppe bezahlt haben. Die   Besetzung wurde daraufhin beendet, um ein Blutvergie&#223;en zu verhindern.   Die Offiziere der Nationalgarde, die die ganze Zeit &#252;ber im f&#252;nften   Stock anwesend waren, hatten nicht eingegriffen; selbst, als   Menschenleben bedroht waren nicht.<\/p>\n<p>  Als die Besetzung zu Ende war und die ArbeiterInnen aus dem   Arbeitsministerium heraus waren, erz&#228;hlten sie von dem brutalen Vorgehen   der bewaffneten Schl&#228;gertruppe und wie sie &#252;ber ihr Leben zu verhandeln   hatten.<\/p>\n<p>  Diese ganze Episode zeigt auch die Komplikationen, mit der die   Gewerkschaftsbewegung in Venezuela konfrontiert ist. F&#252;r einige in der   Gewerkschaftsbewegung waren die Reaktionen des Arbeitsministers ein   Schockerlebnis. Vor allem, da es sich bei ihm um eine Person handelt,   die sich selbst &#246;ffentlich als Trotzkisten bezeichnet. Auf der anderen   Seite mag die Besetzung des Arbeitsministeriums von anderen, nicht   unmittelbar einbezogenen ArbeiterInnen nicht gerade als die beste Taktik   verstanden worden sein. Wie dem auch sei: Die Unerfahrenheit oder auch   falsche Taktik der involvierten GewerkschafterInnen ist keine   Entschuldigung daf&#252;r, dass bezahlte Schl&#228;ger eingesetzt werden und eine   Einsch&#252;chterung der Gewerkschaftsbewegung stattfindet von einer   Regierung, die den Anspruch erhebt, den &#8222;Sozialismus des 21.   Jahrhunderts&#8220; einzuf&#252;hren. Diese Erfahrung zeigt die widerspr&#252;chliche   Natur des Regimes und des venezolanischen Prozess und wie sie   Schl&#228;gertrupps einsetzen k&#246;nnen, um unabh&#228;ngige Klassen-Demonstrationen   der venezolanischen ArbeiterInnen in Zaum zu halten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Angedrohte Waffengewalt beendet die Aktionen\n    <\/p>\n<p>\n      <i>von Bravo, Collectivo Socialismo Revolucionario (17. 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