{"id":12297,"date":"2007-09-20T00:01:00","date_gmt":"2007-09-19T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12297"},"modified":"2012-05-15T15:37:49","modified_gmt":"2012-05-15T13:37:49","slug":"12297","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/09\/12297\/","title":{"rendered":"DIE LINKE braucht sozialistische Politik"},"content":{"rendered":"<p>  Vier Monate nach der Gr&#252;ndung w&#228;chst der Einfluss der neuen Partei<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Am 12. September fragte Oskar Lafontaine die Bundeskanzlerin im   Parlament: &#8222;Wer ist &quot;Deutschland&quot;?&#8220; Dabei bezog er sich auf die Aussage   Merkels, Deutschland habe wieder allen Grund zur Zuversicht. Er   konkretisierte seine Frage und sagte: &#8222;Verstehen Sie unter &quot;Deutschland&quot;   auch die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (&#8230;)? Geh&#246;ren zu   Deutschland auch die Rentnerinnen und Rentner (&#8230;)? Geh&#246;ren zu   &quot;Deutschland&quot; auch die Empf&#228;nger sozialer Leistungen?&#8220; Selten wird im   Bundestag so einfach erkl&#228;rt, dass wir in einer Klassengesellschaft   leben und die Regierung bei ihrer Politik nur an die Klasse der   Kapitalbesitzer denkt.<\/b><\/p>\n<p>  <i>von Sascha Stanicic, Berlin<\/i><\/p>\n<p>  Die Partei DIE LINKE und Lafontaine bringen zumindest im Ansatz die Wut   und Unzufriedenheit zum Ausdruck, die Millionen Menschen gegen&#252;ber der   herrschenden neoliberalen Politik empfinden. Dass im Bundestag eine   Partei vertreten ist, die dies tut, ist ein Fortschritt.<\/p>\n<p>  4.000 Neueintritte seit der Gr&#252;ndung der Partei sind zwar kein   Massenzustrom, aber &#8211; angesichts der Mitgliederverluste aller anderen   Parteien &#8211; auch nicht wenig. Sie ist zu einem gewissen Bezugspunkt f&#252;r   Aktive aus Gewerkschaften und sozialen Bewegungen geworden, wobei   abzuwarten bleibt, wie viele Mitglieder sich aktiv beteiligen werden.<\/p>\n<p>  In Westdeutschland finden lebendige Debatten in der Partei statt und hat   der Apparat die Partei nicht fest im Griff. Sonst h&#228;tte sich in   Schleswig-Holstein nicht der Linke Lorenz G&#246;sta Beutin als   Landessprecher durchgesetzt, w&#228;re Peter Erlanson nicht zum   Spitzenkandidaten in Bremen gew&#228;hlt worden und h&#228;tte es die   Auseinandersetzung um den Spitzenkandidaten f&#252;r die Landtagswahl in   Hessen nicht gegeben.<\/p>\n<h4>  Druck von Links<\/h4>\n<p>  Die neue Partei ist, als Folge der WASG-Gr&#252;ndung, Produkt der   Massenproteste gegen die Agenda 2010 und kann sich auf ein ver&#228;ndertes   Massenbewusstsein st&#252;tzen, welches sie wiederum in ihrem Auftreten nach   links verschiebt. Meinungsumfragen belegen, dass in zentralen Fragen von   der Privatisierung bis zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr eine gro&#223;e   Mehrheit der Bev&#246;lkerung linke Forderungen unterst&#252;tzt. Die Existenz der   neuen Partei wandelt diese Stimmung in begrenztem Ma&#223;e in politischen   Druck um. Auf diesen reagiert die SPD, wenn sie sich f&#252;r die Einf&#252;hrung   von Mindestl&#246;hnen ausspricht. Auf diesen reagiert der Parteitag der   Gr&#252;nen, wenn er sich (bei allen Einschr&#228;nkungen) gegen den   Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr ausspricht. Und auf diesen reagieren   auch Teile der alten PDS im Osten, wenn sie in Leipzig ein Volksbegehren   gegen Privatisierungen unterst&#252;tzen oder wenn in Dresden der rechte   Fl&#252;gel aus der Stadtratsfraktion faktisch rausgeworfen wird.<\/p>\n<h4>  Druck von Rechts<\/h4>\n<p>  Doch es gibt auch Gegendruck. Der Versuch, im Sommer eine Kampagne zum   Thema &#8222;Mauersch&#252;tzen&#8220; zu starten, war eindeutig gegen DIE LINKE   gerichtet. Die B&#252;rgerlichen wollen DIE LINKE klein halten, weil sie   ihnen die klassischen Regierungsoptionen versaut und die neoliberale   Offensive bremst.<\/p>\n<p>  Aber auch in den eigenen Reihen wurde heftig quer geschossen, als Andr&#233;   Brie in einem SPIEGEL-Interview vor der Entwicklung zur Protestpartei   warnte und Lafontaine als Hindernis f&#252;r B&#252;ndnisse mit der SPD darstellte.<\/p>\n<h4>  Wohin geht DIE LINKE?<\/h4>\n<p>  Tats&#228;chlich stehen sich in der neuen Partei zwei dominierende Fl&#252;gel   gegen&#252;ber. Diese trennen weniger politische Prinzipien als taktische   Fragen. Der Fl&#252;gel der &#8222;Regierungssozialisten&#8220; sieht m&#246;glichst viele   Regierungskoalitionen auf Landesebene und m&#246;glichst viele   B&#252;rgermeister&#228;mter auf kommunaler Ebene als Voraussetzung, in eine   Bundesregierung eintreten zu k&#246;nnen. Diese &#8222;Genossinnen und Genossen&#8220;   mobilisieren, um in Th&#252;ringen und Sachsen in die Landesregierungen   einzuziehen. In Sachsen sind sie sogar zu einer Koalition mit der FDP   bereit! Im Berliner Senat setzt dieser Fl&#252;gel seine   arbeitnehmerfeindliche Politik weiter um (siehe Seite 4).<\/p>\n<p>  Der Lafontaine-Fl&#252;gel hat erkannt, dass der &#8222;Berliner Weg&#8220; Stimmen   kostet und will als linke Protestpartei an St&#228;rke gewinnen. Ihre   strategische &#220;berlegung ist genauso eine Koalition mit der SPD auf   Bundesebene, doch hoffen sie durch Druck von Au&#223;en einige   Positionsver&#228;nderungen in der SPD herbei zu f&#252;hren. Dieser Fl&#252;gel tritt   wortradikal auf, vertritt in Wirklichkeit nur marktwirtschaftliche   Reformprojekte und st&#252;tzt die Regierungsbeteiligung im Land Berlin, wenn   es darauf ankommt.<\/p>\n<p>  Daneben entwickeln sich in Westdeutschland deutlich linkere Positionen,   denen aber eine organisierte Struktur und ein sozialistisches Programm   fehlen und die dem Druck des Parteiapparates kaum stand halten k&#246;nnen.   Dies zeigte sich in Hessen, als der demokratisch gew&#228;hlte   Spitzenkandidat Peter Metz, ehemaliges DKP-Mitglied und prinzipieller   Gegner von Regierungsbeteiligungen, innerhalb einer Woche sein Amt   niederlegte. Der Druck von Innen und Au&#223;en war zu gro&#223; geworden. Die   hessische Aff&#228;re zeigt aber nicht nur, dass sich der Apparat in letzter   Instanz durchsetzt, sie zeigt vor allem, dass es ein linkes und   antikapitalistisches Potenzial in der Partei gibt. Dieses wurde mit dem   neuen Spitzenkandidaten Willi van Ooyen befriedet, denn van Ooyen steht   als Mann der Friedensbewegung f&#252;r einen au&#223;erparlamentarischen Ansatz.   Die Parteirechten k&#246;nnen aber mit ihm leben, da er auch f&#252;r eine an   Bedingungen gekn&#252;pfte Bereitschaft zur Regierungsbeteiligung steht.<\/p>\n<h4>  Was tun?<\/h4>\n<p>  Mit k&#228;mpferischer, sozialistischer Politik k&#246;nnte DIE LINKE zu einer   starken Kraft werden. Zur Zeit bewegt sich ihre Politik aber im Rahmen   der kapitalistischen Verh&#228;ltnisse, was zwangsl&#228;ufig zur Beteiligung an   Sozialabbau f&#252;hren wird. Deshalb braucht sie eine sozialistische   Opposition. Sie braucht Druck von Innen und von Au&#223;en durch   au&#223;erparlamentarische Bewegungen. Am 14. Oktober kommen sozialistische   Kr&#228;fte zusammen, die innerhalb und au&#223;erhalb der Partei agieren, um &#252;ber   die Bildung einer sozialistischen Koordination zu beraten. Ein solcher   Schritt ist sinnvoll, wenn er zu einem koordinierten oppositionellen   Handeln innerhalb und in Bezug auf DIE LINKE f&#252;hrt. Und wenn er solche   Kr&#228;fte zusammen bringt, die einerseits f&#252;r eine tats&#228;chlich   sozialistische und k&#228;mpferische Massenpartei eintreten und andererseits   darin &#252;bereinstimmen, dass DIE LINKE derzeit der politische Ausdruck der   anti-neoliberalen Massenstimmung ist und sie deshalb kritisch   unterst&#252;tzen &#8211; da, wo sie Teil der Opposition gegen Sozialabbau und   Privatisierungen ist. Und sie politisch bek&#228;mpfen &#8211; da, wo sie sich an   Sozialabbau und Privatisierungen beteiligt. Das macht einen   unterschiedlichen Umgang in Ost und West zur Zeit unumg&#228;nglich.<\/p>\n<p>  <i>Sascha Stanicic ist Bundessprecher der SAV <\/i><\/p>\n<\/p>\n<p>  <a href=\"\/?p=12295\">Aufruf zur Beratung &#252;ber   die Bildung einer Koordination antikapitalistischer Kr&#228;fte am 14. Oktober<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Vier Monate nach der Gr&#252;ndung w&#228;chst der Einfluss der neuen Partei\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25],"tags":[197],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12297"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12297"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12297\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12297"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12297"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12297"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}