{"id":12288,"date":"2007-09-07T00:05:09","date_gmt":"2007-09-06T22:05:09","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12288"},"modified":"2012-05-15T15:38:19","modified_gmt":"2012-05-15T13:38:19","slug":"12288","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/09\/12288\/","title":{"rendered":"Bremen: Zwangsumz&#252;ge als Praxistest f&#252;r die LINKE in der B&#252;rgerschaft"},"content":{"rendered":"<p>  Unter dem Titel &quot;Besser ist nicht gut genug!&#8220; hat die   B&#252;rgerschaftsfraktion der LINKEN in der unten stehenden Pressemitteilung   die aktuelle Senatsvereinbarung zu den Zwangsumz&#252;gen als &quot;Verbesserung&#8220;   begr&#252;&#223;t, die aber noch nicht &quot;genug&#8220; sei.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Heino Berg, Mitglied der Partei DIE LINKE in Bremen (22.8.2007)<\/i><\/p>\n<p>  Nach der Vorlage des neuen GEWOS-Gutachtens werden die Mietobergrenzen   f&#252;r Einpersonenhaushalte von 265 auf 310 Euro hoch gesetzt, was die Zahl   der von Zwangsumz&#252;gen betroffenen Haushalte von 8000 auf 3200 reduzieren   soll.<\/p>\n<p>  Diese halbherzige Reaktion der B&#252;rgerschaftsfraktion der LINKEN steht im   Widerspruch zur Haltung der Betroffenen, die mit der &quot;Solidarischen   Hilfe&#8220; den Senatsbeschluss zu den Zwangsumz&#252;gen verurteilt und eine   Fortsetzung der Protestaktionen angek&#252;ndigt haben. Da die   Dringlichkeitsantr&#228;ge zu den Zwangsumz&#252;gen der erste (und bisher   einzige) Praxistest f&#252;r die Strategie der Bremer LINKEN gegen&#252;ber dem   rot-gr&#252;nen Senat und f&#252;r die Frage waren, ob man diesen Senat zu einem   &quot;anti-neoliberalen B&#252;ndnis radikalisieren&#8220; (C. Spehr) oder eine radikale   Opposition gegen ihn organisieren sollte, verdienen sie eine genauere   Analyse.<\/p>\n<p>  Die LINKE hatte in ihrem Dringlichkeitsantrag ihre Haltung zu den   Zwangsumz&#252;gen von dem Ergebnis des GEWOS Gutachtens zur &quot;Angemessenheit&#8220;   der Mieth&#246;chstgrenzen abh&#228;ngig gemacht: &quot;Die Fraktion DIE LINKE fordert,   dass alle ergangenen Umzugsaufforderungen offiziell zur&#252;ckgenommen und   die Pr&#252;fverfahren ausgesetzt werden, mindestens bis die derzeit im   Auftrag des Senats laufende allgemeine &#220;berpr&#252;fung der Angemessenheit   der geltenden H&#246;chstgrenzen abgeschlossen ist.&#8220; Auch die &#220;bernahme der   Heizkosten wurde nicht grunds&#228;tzlich, sondern nur &quot;bis zum Erlass der   neuen Verwaltungsanweisung&#8220; gefordert. (Dringlichkeits- und   Erg&#228;nzungsantrag der Fraktion der LINKEN in der Bremer B&#252;rgerschaft)<\/p>\n<p>  Diese Position der LINKEN B&#252;rgerschaftsfraktion, die ihre Forderungen   nicht mehr auf der Basis einer grunds&#228;tzlichen Ablehnung der   Hartz-Gesetze ausschlie&#223;lich an den Interessen der Betroffenen   orientiert, sondern sie vom Ergebnis eines Gutachtens abh&#228;ngig gemacht   hatte, wurde auf dem damaligen LINKEN-PLENUM auf Antrag von   SAV-Mitgliedern zwar mehrheitlich abgelehnt, blieb aber dennoch   Grundlage ihrer Dringlichkeitsantr&#228;ge in der B&#252;rgerschaft.<\/p>\n<p>  Nachdem sich die LINKE damit auf das Verfahren, also die Koppelung ihrer   eigenen Forderungen an das Ergebnis der gutachterlichen   &quot;Angemessenheitspr&#252;fung&#8220; eingelassen hatte, kann sie nun f&#252;r deren   Umsetzung durch den rotgr&#252;nen Senat politisch haftbar gemacht werden:   Zwangsumz&#252;ge gelten oberhalb der neuen H&#246;chstgrenzen nun als   &quot;angemessen&#8220;, obwohl sie die Schwelle f&#252;r sozial schwache Haushalte mit   mehr als f&#252;nf Personen sogar herabgesetzt haben. Dementsprechend wird in   der Presseerkl&#228;rung der LINKEN nicht der Senatsbeschluss selbst als   Bruch der Wahlversprechungen von SPD und Gr&#252;nen gegen Zwangsumz&#252;ge   beurteilt, sondern dies wird nur f&#252;r den Fall angek&#252;ndigt, dass er sich   in Zukunft als &quot;Einfallstor f&#252;r eine zweite Welle von   Umzugsaufforderungen herausstellen&#8220; sollte.<\/p>\n<p>  Anstatt den Senat am politischen Inhalt der Wahlversprechen von SPD und   Gr&#252;nen zu messen (also der tats&#228;chlichen Verhinderung von   Zwangsumz&#252;gen), bezogen sich die Dringlichkeitsantr&#228;ge der LINKEN zu   ihrer vorl&#228;ufigen &quot;Aussetzung&#8220; nur noch auf den Wortlaut der   Regierungsvereinbarungen, die anstelle einer Abschaffung nur noch eine   Reduzierung der menschenverachtenden Zwangsumz&#252;ge f&#252;r Hartz-IV-Empf&#228;nger   angek&#252;ndigt hatten.<\/p>\n<p>  Auch wenn die Erkl&#228;rung von Senatorin Rosenk&#246;tter taktische   Zugest&#228;ndnisse in Bezug auf die Zahl der aktuell von Umzugaufforderungen   betroffenen Haushalte enth&#228;lt, um das Wesentliche, also die   Drangsalierung von Hartz IV-Empf&#228;ngern durch Umzugsdrohungen zu retten:   Der rot-gr&#252;ne Senat bet&#228;tigt sich hier als B&#252;ttel f&#252;r die Umsetzung der   Hartz-Gesetze in Bremen. Er ist damit keineswegs auf dem Weg in ein   &quot;antineoliberales B&#252;ndnis&#8220;, wozu ihn der Parlamentarische   Gesch&#228;ftsf&#252;hrer der B&#252;rgerschaftsfraktion dr&#228;ngen bzw. &quot;radikalisieren&#8220;   m&#246;chte, sondern er setzt im Gegenteil die neoliberale Politik des   schwarz-roten Senats nur mit anderen Mitteln fort.<\/p>\n<p>  Dies ist ein konkretes Beispiel f&#252;r die Politik des &quot;Kleineren &#220;bels&#8220;,   um die es bei der Strategiedebatte der Bremer LINKEN geht: Soll die   LINKE die Reduzierung der Zwangsumz&#252;ge als &quot;kleineres &#220;bel&#8220; (im   Verh&#228;ltnis zu den fr&#252;heren Planungen) kritisch unterst&#252;tzen und   begleiten (&quot;besser, aber nicht gut genug&#8220;) oder sollte sie diesen   Senatsbeschluss gemeinsam mit den Betroffenen eindeutig als Durchsetzung   von Hartz IV durch Zwangsumz&#252;ge verurteilen und zur Fortsetzung des   Widerstands dagegen aufrufen?<\/p>\n<p>  Die Zwangsumz&#252;ge sind aber nur ein Beispiel f&#252;r die neoliberale Politik   des Senats unter vielen anderen: Der rot-gr&#252;ne Senat h&#228;lt an der von   allen Hochschulangeh&#246;ren abgelehnten Sparma&#223;nahmen an der Uni fest   (HEP); er setzt die Mittel- und Stellenk&#252;rzungen im Sozial- und   Bildungsbereich fort; er hat die Teilprivatisierung von Krankenh&#228;usern   durch das PPP-Modell immer noch nicht aufgegeben usw. usw.<\/p>\n<p>  Es wird h&#246;chste Zeit, dass die LINKE ein Aktionsprogramm gegen den   rot-gr&#252;nen Senat vorlegt, in dem die wichtigsten Forderungen und   politischen Schwerpunkte linker Oppositionsarbeit innerhalb und   au&#223;erhalb der B&#252;rgerschaft zusammengefa&#223;t und auf dieser Basis eine   Oppositionskonferenz f&#252;r das Fr&#252;hjahr n&#228;chsten Jahres vorbereitet werden   kann. Da weder die Abgeordneten, noch deren hauptamtliche Mitarbeiter   ein entsprechendes Konzept bisher zur Diskussion gestellt haben, wird   die SAV Bremen und Bremerhaven dazu in K&#252;rze einen Entwurf vorlegen.<\/p>\n<h4>  Dokumentiert:<\/h4>\n<p>  <b>Besser ist nicht gut genug!<\/b><\/p>\n<p>  <i>(Presseerkl&#228;rung der B&#252;rgerschaftsfraktion der LINKEN) <\/i>    <\/p>\n<p>  Mit ihrer Koalitionsvereinbarung zur 17. Wahlperiode k&#252;ndigten SPD und   B&#252;ndnis 90\/Die Gr&#252;nen an, &quot;die Umzugsaufforderungen drastisch   reduzieren&#8220; zu wollen. Vor diesem Hintergrund erkl&#228;rte Sozialsenatorin   Ingelore Rosenk&#246;tter (SPD) nun, dass &quot;ein entscheidender Schritt&#8220; zur   Einl&#246;sung des Versprechens gemacht sei. Die Mietobergrenzen werden f&#252;r   Einpersonenhaushalte von 265 auf 310 Euro hoch gesetzt, f&#252;r jede weitere   Person im Haushalt sind 60 Euro hinzuzurechnen. Die Zahl der von   Zwangsumz&#252;gen betroffenen Haushalte reduziert sich dadurch von 8.000 auf   3.200.<\/p>\n<p>  Grundlage dieser realit&#228;tsgerechteren Einstufung ist das neueste   GEWOS-Gutachten, eine beim Hamburger Institut f&#252;r Stadt-, Regional- und   Wohnforschung in Auftrag gegebene Wohnungsmarktuntersuchung, die die   Neuregelung nahe legt und somit &quot;legitimiert&#8220;. Hinter den Anspr&#252;chen der   LINKEN bleiben SPD und Gr&#252;ne allerdings zur&#252;ck. In unserem   B&#252;rgerschaftsantrag vom 22. Juni 2007 forderten wir, Zwangsumz&#252;ge f&#252;r   ALG-II- und Sozialhilfeempf&#228;ngerInnen zu stoppen. Dabei bleiben wir:<\/p>\n<p>  Wer auf staatliche Unterst&#252;tzungsleistungen angewiesen ist, darf wohn-   und lebenspraktisch nicht noch mehr herabgesetzt werden. Empf&#228;ngerInnen   von ALG II und Sozialhilfe brauchen Perspektiven statt weitere   Verunsicherungen.<\/p>\n<p>  Zudem weisen wir darauf hin, dass sich die neu festgesetzten   Mietobergrenzen f&#252;r Familien ab f&#252;nf Personen &#8211; und damit ausgerechnet   auf die sozial Schw&#228;chsten &#8211; nachteilig auswirken. Das darf nicht sein.   Auch den zu begr&#252;&#223;enden Effekt, durch Erh&#246;hung der Mietobergrenzen die   Anzahl &quot;angemessener&#8220; Wohnungen zu erh&#246;hen (von gut 63.000 auf 99.000),   bewerten wir als potentiell zweischneidig.<\/p>\n<p>  Sollte sich die Neuregelung als Einfallstor f&#252;r eine zweite Welle an   Umzugsforderungen herausstellen, hat die Regierungskoalition sich um ihr   Versprechen gedr&#252;ckt und das in sie gesetzte Vertrauen verspielt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Unter dem Titel &quot;Besser ist nicht gut genug!&#8220; hat die<br \/>\n      B&#252;rgerschaftsfraktion der LINKEN in der unten stehenden Pressemitteilung<br \/>\n      die aktuelle Senatsvereinbarung zu den Zwangsumz&#252;gen als &quot;Verbesserung&#8220;<br \/>\n      begr&#252;&#223;t, die aber noch nicht &quot;genug&#8220; sei.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78,25],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12288"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12288"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12288\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12288"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12288"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12288"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}