{"id":12286,"date":"2007-09-03T15:54:51","date_gmt":"2007-09-03T15:54:51","guid":{"rendered":".\/?p=12286"},"modified":"2007-09-03T15:54:51","modified_gmt":"2007-09-03T15:54:51","slug":"12286","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/09\/12286\/","title":{"rendered":"Charit&#233;: Neue Spaltung?"},"content":{"rendered":"<p>  Am Berliner Uniklinikum wird &#252;ber die Einrichtung einer internen   Leiharbeitsagentur nachgedacht. Gerade erst erk&#228;mpfte Gleichstellung der   Besch&#228;ftigten w&#252;rde so unterlaufen<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Daniel Behruzi, zuerst ver&#246;ffentlicht in der <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2007\/09-03\/049.php\">jungen   Welt, 3.9.07<\/a><\/i><\/p>\n<p>  Es ist nicht einmal ein Jahr her, da&#223; ver.di an der Berliner Charit&#233; per   Arbeitskampf einen Tarifvertrag durchsetzen konnte, der eine weitgehende   Angleichung der zuvor sehr unterschiedlichen Arbeits- und   Entlohnungsbedingungen vorsieht. Doch schon droht an Europas gr&#246;&#223;tem   Uniklinikum erneut &#196;rger. Neben dem fortgesetzten Personalabbau sorgt   insbesondere ein vom Management ins Spiel gebrachter Plan zur Gr&#252;ndung   einer Arbeitnehmer&#252;berlassungsgesellschaft (A&#220;G), einer betriebsinternen   Leiharbeitsagentur, f&#252;r Unruhe.<\/p>\n<p>  &#187;Der Charit&#233;-Vorstand hat es in den zehn Monaten seit der Tarifeinigung   nicht geschafft, einen redaktionell bearbeiteten, unterschriftsreifen   Vertrag vorzulegen &#8211; und schon jetzt wird versucht, ihn wieder zu   unterlaufen&#171;, erkl&#228;rte ver.di-Sekret&#228;r Werner Koop am Wochenende   gegen&#252;ber junge Welt. So beabsichtige die Klinikleitung, neue   Besch&#228;ftigte k&#252;nftig nur noch in einer als GmbH gef&#252;hrten Tochter   anzustellen, die als interne Leiharbeitsfirma agieren solle. Der Clou   daran: Diese Besch&#228;ftigten w&#252;rden nach dem DGB-Zeitarbeitstarifvertrag   bezahlt &#8211; und damit rund 20 Prozent weniger verdienen als ihre direkt   bei der Charit&#233; angestellten Kollegen. &#187;Mit dem im vergangenen Jahr   erzielten Tarifvertrag haben wir die alten Spaltungslinien zwischen Alt-   und Neubesch&#228;ftigten sowie zwischen Ost und West endlich &#252;berwunden, und   jetzt soll die Gleichstellung wieder beseitigt werden&#171;, kritisierte   Koop. Sollte dieses Vorhaben in die Praxis umgesetzt und hierdurch das   Prinzip &#187;gleicher Lohn f&#252;r gleiche Arbeit&#171; unterlaufen werden, werde   sich die Stimmung in der Belegschaft weiter verschlechtern, prophezeite   der Gewerkschafter und betonte: &#187;Das Instrument der Leiharbeit soll   kurzfristige Engp&#228;sse in Unternehmen &#252;berbr&#252;cken helfen, aber nicht   regul&#228;re Arbeitspl&#228;tze dauerhaft ersetzen.&#171; Charit&#233;-Sprecherin Kerstin   Endele erkl&#228;rte auf jW-Nachfrage, es gebe &#187;keine konkreten Pl&#228;ne&#171; f&#252;r   die Gr&#252;ndung einer Leiharbeitsgesellschaft, sagte aber auch: &#187;Ideen   haben wir viele.&#171;<\/p>\n<h4>  Massiver Stellenabbau<\/h4>\n<p>  Hintergrund der Initiative ist nach Koops Ansicht der fortgesetzte   Stellenabbau, der in vielen Bereichen zu einem eklatanten Personalmangel   gef&#252;hrt habe. &#187;Man will diesen Mangel offenbar mit Hilfe einer A&#220;G   kaschieren, anstatt die Notbremse zu ziehen und klar zu sagen: Die   Charit&#233; hat in Gesundheitsf&#252;rsorge und Wissenschaft einen &#246;ffentlichen   Auftrag zu erf&#252;llen &#8211; und daf&#252;r ist eine angemessene Finanzierung   n&#246;tig&#171;, so der Gewerkschaftssekret&#228;r. Das noch unter dem ehemaligen   Aufsichtsratschef Thomas Flierl (Linkspartei.PDS) abgesegnete   &#187;Unternehmenskonzept 2010&#171;, mit dem etwa 188 Millionen Euro pro Jahr   eingespart werden sollen, sieht die Streichung von 3000 der ingesamt   etwa 11000 Vollzeitstellen vor. 800 Arbeiter aus den Servicebereichen   wurden bereits in die Charit&#233; Facility Management (CFM) ausgegliedert   und teilprivatisiert. Insgesamt sind den K&#252;rzungen laut ver.di bislang   rund 1500 Arbeitspl&#228;tze zum Opfer gefallen.<\/p>\n<p>  &#187;Mit einer Vielzahl von Projekten werden in den einzelnen Bereichen   Rationalisierungspotentiale gesucht &#8211; letztlich geht es dabei immer um   eins: um Personalabbau&#171;, &#228;u&#223;erte Carsten Becker, Vorsitzender der   ver.di-Betriebsgruppe und Mitglied des Gesamtpersonalrats an dem   Uniklinikum, im jW-Gespr&#228;ch. So h&#228;tten beispielsweise K&#252;rzungen bei den   OP-Pflegern zu gravierenden Engp&#228;ssen und einer Zunahme von &#220;berstunden   gef&#252;hrt. F&#252;r diese These spricht auch eine Antwort des Senats auf eine   kleine Anfrage der Gr&#252;nen-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Zum Jahresende   2006 wurden demnach 11159 und zur Jahresmitte 2007 immer noch 10035   &#220;berstunden in der OP-Pflege gez&#228;hlt. Auch eine Vervielfachung der in   dem Bereich eingesetzten Leasingkr&#228;fte wird darin dokumentiert. &#187;Die   Bugwelle von &#220;berstunden, die die OP-Besch&#228;ftigten vor sich herschieben,   kann nicht abgebaut werden, obwohl die Anzahl der Leasingkr&#228;fte rapide   steigt&#171;, kommentierte Heidi Kosche, Sprecherin f&#252;r Gesundheitspolitik   der Gr&#252;nen-Fraktion, das Resultat gegen&#252;ber jW.<\/p>\n<h4>  Immer mehr H&#228;uptlinge<\/h4>\n<p>  &#187;W&#228;hrend in der Pflege auf Teufel komm raus Stellen gestrichen werden,   findet zugleich ein massiver Personalaufbau in den Leitungsstrukturen   statt. Das Ergebnis: Es gibt immer mehr H&#228;uptlinge, aber immer weniger   Indianer, die die Arbeit machen&#171;, so Becker. Die &#187;Ausweitung der   B&#252;rokratie&#171; f&#252;hrt der Personalrat u.a. auf die Bildung von 17 Zentren   zur&#252;ck, die alle eigenst&#228;ndig betriebswirtschaftlich agieren &#8211; und   jeweils ihre eigene F&#252;hrungsstruktur unterhalten. Auch der   Landesrechnungshof hatte in seinem j&#252;ngsten Bericht im Juni dieses   Jahres die &#187;unangemessenen finanziellen Leistungen an F&#252;hrungskr&#228;fte der   Charit&#233;&#171; ger&#252;gt. Die Klinikleitung habe mit 55 Mitarbeitern unterhalb   der Vorstandsebene sogenannte au&#223;ertarifliche Vertr&#228;ge mit   Jahresgeh&#228;ltern zumeist zwischen 90 000 und 140 000 Euro geschlossen und   liege damit &#187;erheblich &#252;ber den Bez&#252;gen f&#252;r Dienstkr&#228;fte in &#228;hnlichen   Positionen, deren Personalkosten aus dem Landeshaushalt finanziert   werden&#171;, so die Kontrolleure seinerzeit.<\/p>\n<p>  Auch in vielen anderen F&#228;llen werde an dem Uniklinikum Geld   verschwendet, kritisierte Gewerkschafter Koop. So h&#228;tten jahrelang 30   bis 50 Mitarbeiter am Standort Buch f&#252;r den privaten   Krankenhausbetreiber Helios gearbeitet, seien aber von der Charit&#233;   bezahlt worden. &#187;Wenn man das zusammenrechnet, kommt man allein   hierdurch auf zehn bis 15 Millionen Euro, die in den Wind geschrieben   wurden&#171;, sagte Koop. Unternehmenssprecherin Endele erkl&#228;rte hingegen,   alles sei ordnungsgem&#228;&#223; abgelaufen und die Zusammenarbeit mit Helios in   einem Kooperationsvertrag genau geregelt. Koop hierzu: &#187;Dieser Vertrag   bezieht sich nur auf Wissenschaft und Forschung. Nach meinen   Informationen waren die betreffenden Mitarbeiter eindeutig f&#252;r Helios in   der Krankenversorgung t&#228;tig, bezahlt wurden sie aber von der Charit&#233;.&#171;   Fazit des ver.di-Sekret&#228;rs: &#187;Hier wei&#223; die rechte Hand nicht, was die   linke tut &#8211; und darunter leiden Forschung und Lehre ebenso wie Patienten   und Besch&#228;ftigte.&#171; Letztere wollen sich nun zur Wehr setzen. Mit   diversen Aktionen wird ver.di in dieser Woche auf die Folgen des   Personalabbaus hinweisen.<\/p>\n<h5>  Ver.di-Aktionen:<b><i> <\/i><\/b>    <\/h5>\n<p>  <b><i>Dienstag, 13 bis 16 Uhr, Campus Benjamin Franklin (CBF), Nordrampe   (Klingsorstra&#223;e) und Westeingang (Hindenburgdamm) <\/i><\/b>    <\/p>\n<p>  <b><i>Mittwoch, 8 bis 10 Uhr, Campus Mitte, Eingang Bettenhochhaus   (Luisenstra&#223;e) <\/i><\/b>    <\/p>\n<p>  <b><i>Donnerstag, 13 bis 15 Uhr, Virchow-Klinikum, Augustenburger Platz <\/i><\/b>    <\/p>\n<p>  <b><i>Freitag, 15 bis 20 Uhr, Sommerfest der ver.di-Betriebsgruppe, CBF,   Haus 3, Raum 11 (ehemalige Krankenpflegeschule)<\/i><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Am Berliner Uniklinikum wird &#252;ber die Einrichtung einer internen<br \/>\n      Leiharbeitsagentur nachgedacht. 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