{"id":12282,"date":"2007-09-12T00:35:20","date_gmt":"2007-09-12T00:35:20","guid":{"rendered":".\/?p=12282"},"modified":"2007-09-12T00:35:20","modified_gmt":"2007-09-12T00:35:20","slug":"12282","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/09\/12282\/","title":{"rendered":"Die Irakisierung Afghanistans"},"content":{"rendered":"<p>  Der vom Westen versprochene Wiederaufbau blieb aus<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Nach dem Sturz des Taliban-Regimes und der Einsetzung der Regierung   Hamid Karzai w&#228;hnten sich die imperialistischen M&#228;chte auf dem richtigen   Weg. Aber nicht lange. In den letzten zwei Jahren haben die K&#228;mpfe   zugenommen und beschr&#228;nken sich nicht mehr auf den S&#252;den des Landes. Die   Anzahl der Selbstmordattentate versechsfachte sich 2006 im Vergleich zum   Vorjahr. Die zivilen Todesopfer waren 2006 so hoch wie seit der Invasion   nicht mehr.<\/b><\/p>\n<p>  <i>von Sean McGinley, Mannheim<\/i><\/p>\n<p>  Allein in der Provinz Helmand sind 100.000 Menschen obdachlos. In den   Nachbarstaaten Pakistan und Iran befinden sich Millionen von   afghanischen Fl&#252;chtlingen. Die Infrastruktur ist v&#246;llig am Boden und   kann nicht einmal die n&#246;tigste Grundversorgung bieten.<\/p>\n<p>  Es herrscht Krieg. Wie im Irak. Nicht nur die Taliban, auch mehrere   Warlords sind gest&#228;rkt. Und wie im Irak schwimmen den Besatzungskr&#228;ften   die Felle davon.<\/p>\n<h4>  Farce &#8222;Wiederaufbau&#8220;<\/h4>\n<p>  Fortschritte beim Aufbau der Infrastruktur hat es nicht gegeben. F&#252;r   Milit&#228;roperationen wurde zehn Mal soviel wie f&#252;r den zivilen   Wiederaufbau ausgegeben (Die Welt vom 25. Juli). Ein Gro&#223;teil des   Budgets f&#252;r &#8222;Wiederaufbau&#8220; wurde f&#252;r einheimische Sicherheits- und   Polizeieinheiten aufgewendet. Der Internationale W&#228;hrungsfonds (IWF)   beteiligte sich an der Finanzierung eines F&#252;nf-Sterne-Hotels in Kabul,   in dem die Zimmer zwischen 250 und 1.200 Dollar pro Nacht kosten. Von   den 7,5 Milliarden Dollar f&#252;r zivile Hilfe seit 2002 ist bestenfalls ein   Bruchteil in Aufbauarbeit geflossen.<\/p>\n<h4>  Drogengesch&#228;ft floriert<\/h4>\n<p>  Die Anbaufl&#228;che f&#252;r Schlafmohn ist innerhalb des letzten Jahres um 59   Prozent gestiegen. 92 Prozent des weltweit erzeugten Opiums stammen aus   Afghanistan. Sch&#228;tzungen zufolge ist der Drogenhandel in Afghanistan 3,1   Milliarden Dollar wert &#8211; 50 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (The New   Yorker vom 9. Juli).<\/p>\n<p>  Die Taliban haben den Drogenhandel als Einnahmequelle entdeckt und   sch&#252;tzen als Gegenleistung f&#252;r eine Gewinnbeteiligung Mohnbauern vor der   gewaltsamen Zerst&#246;rung ihrer Anbaufl&#228;chen durch die Regierung. Korrupte   Regierungsbeamte stecken mit im Gesch&#228;ft. Sowohl Drogenbosse als auch   arme Bauern, die auf den Mohnanbau zum &#220;berleben angewiesen sind, kaufen   sich mit Bestechungsgeldern von den &#8222;Anti-Drogen-Ma&#223;nahmen&#8220; frei. Ein   Bauer kommt f&#252;r 2,5 Hektar Mohn auf 500 bis 700 Dollar &#8211; mit Weizen   w&#228;ren es nur 32 Dollar. Vielfach werden auch Produkte wie Weizen oder   Wassermelonen gleich mitzerst&#246;rt &#8211; das n&#228;hrt die Wut bis hin zum   bewaffneten Widerstand.<\/p>\n<h4>  Armut und Reichtum<\/h4>\n<p>  Die akute Verschlechterung der Lebensbedingungen wird vor allem in Kabul   selbst deutlich. Dort liegt die Arbeitslosigkeit bei 30 Prozent. Die   durchschnittliche Monatsmiete f&#252;r eine Ein-Zimmer-Wohnung betr&#228;gt das   Doppelte eines Monatslohns f&#252;r LehrerInnen.<\/p>\n<p>  Aber Kabul hat auch ein anderes Gesicht: Im Stadtteil Scherpur befanden   sich bis 2003 notd&#252;rftige Fl&#252;chtlingsunterk&#252;nfte. Das Land wurde von der   Regierung beschlagnahmt. Ein Villenviertel wurde errichtet, in dem   diejenigen hausen, die vom Elend des Landes profitieren: hohe   Regierungsbeamte, korrupte Politiker, Drogenmillion&#228;re, ausl&#228;ndische   Konzernvertreter und S&#246;ldner.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Der vom Westen versprochene Wiederaufbau blieb aus\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[60],"tags":[196],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12282"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12282"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12282\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12282"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12282"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12282"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}