{"id":12281,"date":"2007-09-11T00:34:22","date_gmt":"2007-09-11T00:34:22","guid":{"rendered":".\/?p=12281"},"modified":"2007-09-11T00:34:22","modified_gmt":"2007-09-11T00:34:22","slug":"12281","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/09\/12281\/","title":{"rendered":"Warum Sozialismus? Arbeit und Freizeit f&#252;r alle!"},"content":{"rendered":"<p>  Wie kann Arbeit im Sozialismus organisiert werden? Welchen Stellenwert   erh&#228;lt freie Zeit?<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Wahrscheinlich geht es euch genauso wie mir. Wochenenden sind einfach   zu kurz. Montags sehne ich mir schon wieder das n&#228;chste Wochenende   herbei. Arbeite ich eigentlich, um zu leben oder lebe ich, um zu   arbeiten? <\/b>    <\/p>\n<p>  <b>Und so tr&#228;ume ich schon mit 30 Jahren manchmal vom Rentner-Dasein.   Wenn ich dann endlich mehr Zeit habe&#8230; Aber angesichts st&#228;ndiger   Nullrunden und der Anhebung des Rentenalters sieht das auch nicht   vielversprechend aus. Und irgendwie m&#246;chte ich auch gar nicht so lange   warten m&#252;ssen, bis es mal mehr Freizeit und weniger Arbeitshetze gibt.   Doch wie soll das gehen?<\/b><\/p>\n<p>  <i>von Christine Lehnert, Rostock<\/i><\/p>\n<p>  Im Kapitalismus ist es ganz selbstverst&#228;ndlich, dass die einen krank   werden, weil sie zu viel Arbeit arbeiten m&#252;ssen und die anderen krank   werden, weil sie keine Arbeit haben.<\/p>\n<h4>  Arbeit auf alle Schultern verteilen<\/h4>\n<p>  Dabei k&#246;nnte die Arbeitszeit massiv reduziert und auf alle verteilt   werden. Im Jahr 2006 gab es 39 Millionen Erwerbst&#228;tige (einschlie&#223;lich   Selbstst&#228;ndige), die durchschnittlich 41 Stunden pro Woche arbeiteten   (einschlie&#223;lich &#220;berstunden). Allein durch die Einbeziehung der sechs   Millionen Erwerbslosen k&#246;nnte die Wochenarbeitszeit auf 35,5 Stunden   reduziert werden. (Nach offiziellen Zahlen gab es im Jahr 2006 4,5   Millionen registrierte Arbeitslose und eine &#8222;stille Reserve&#8220; von 1,5   Millionen). Voller Lohnausgleich w&#228;re m&#246;glich, wenn der erwirtschaftete   Reichtum den Besch&#228;ftigten statt den Million&#228;ren und Milliard&#228;ren zu   gute k&#228;me und durch die Einsparung der Kosten der Arbeitslosigkeit.<\/p>\n<p>  Noch wichtiger ist folgende Zahl: Auf Grund des technischen Fortschritts   steigt die Arbeitsproduktivit&#228;t jedes Jahr durchschnittlich um zwei   Prozent (Deutsche Bundesbank, Monatsbericht September 2002). H&#228;tte man   in den letzten 15 Jahren den Produktivit&#228;tsfortschritt Jahr f&#252;r Jahr den   Besch&#228;ftigten zu Gute kommen lassen, dann h&#228;tte die Wochenarbeitszeit in   diesem Zeitraum von 40 auf 30 Stunden gesenkt werden k&#246;nnen. Bei vollem   Lohnausgleich, weil ein Besch&#228;ftigter heute in 30 Stunden so viel   produziert wie 1992 noch in 40 Stunden.<\/p>\n<h4>  Abschaffung sinnloser Arbeit<\/h4>\n<p>  Man stelle sich vor, wie viel Zeit, Geld und Ressourcen gespart werden   k&#246;nnten, durch die Abschaffung der Bundeswehr und der R&#252;stungsindustrie.   Im Sozialismus gibt es keine Auslandseins&#228;tze oder Eurofighter mehr.   Schlie&#223;lich befinden sich die gro&#223;en Unternehmen nicht mehr in privater   Hand. Damit entf&#228;llt die Konkurrenz. Es bestehen keine Profitinteressen   mehr, die milit&#228;risch gesichert werden sollen. Ohne Konkurrenzkampf   braucht niemand mehr eine Werbeindustrie. Dies wird eine weitere   radikale Verk&#252;rzung der Arbeitszeit erm&#246;glichen.<\/p>\n<p>  Genauso wird die B&#252;rokratie beseitigt werden. Durch die Verteilung der   vorhandenen Arbeit auf alle und die Abschaffung von Hartz IV braucht es   auch keine menschliche Arbeitskraft mehr, die die Arbeitslosigkeit und   Armut verwalten muss.<\/p>\n<p>  Ein Teil der Arbeitshetze in den Krankenh&#228;usern k&#246;nnte bereits   abgeschafft werden, wenn sich Pflegepersonal und &#196;rzte nur um ihre   medizinischen Aufgaben k&#252;mmern m&#252;ssten. Wie oft st&#246;hnen Besch&#228;ftigte   &#252;ber die vielen Formulare und Abrechnungsb&#246;gen, zum Beispiel damit auch   alle ihre zehn Euro Arztgeb&#252;hr zahlen. Das wird ersetzt durch ein   allgemeines kostenloses Gesundheitssystem f&#252;r alle.<\/p>\n<p>  Auch doppelt- und dreifach gemachte Arbeit durch Konkurrenz und   Privatisierung wird es nicht mehr geben. Die Folge davon ist, dass heute   zig Paketzusteller und Brieftr&#228;ger mit ihren Lieferwagen und zu Fu&#223;   durch dieselben Stra&#223;en hetzen statt dies geplant und umweltschonend   durch einen einzigen Post-Service zu realisieren. Wenn all diese   unsinnigen T&#228;tigkeiten beseitigt werden, von denen es noch viel mehr   gibt, dann ist eine weitere massive Arbeitszeitverk&#252;rzung m&#246;glich.   Gleichzeitig k&#246;nnte man in Bereichen, wo mehr H&#228;nde gebraucht werden   (Beispiel Gesundheitswesen), mehr Menschen besch&#228;ftigen.<\/p>\n<h4>  Selbstentfaltung<\/h4>\n<p>  Arbeit im Sozialismus hei&#223;t, dass einen kein Chef mehr herumkommandiert.   Mit der nervt&#246;tenden, monotonen Arbeit wird Schluss sein. Gro&#223;raumb&#252;ros   mit hundert Telefonarbeitspl&#228;tzen werden der Vergangenheit angeh&#246;ren   genauso wie Kleidungsvorschriften bei der Sparkasse. Die Menschen werden   sich entsprechend ihren F&#228;higkeiten und W&#252;nschen produktiv bet&#228;tigen.<\/p>\n<p>  Es wird demokratisch und kollektiv diskutiert und entschieden, was, wer,   wie herstellt oder verwaltet. Verbesserungsvorschl&#228;ge werden ohne Angst   eingebracht und damit werden noch effektivere Abl&#228;ufe f&#252;r alle   Betroffenen erm&#246;glicht.<\/p>\n<p>  Niemand wird eine T&#228;tigkeit &#8222;auf Lebenszeit&#8220; vollbringen m&#252;ssen. Wann   immer jemand den Wunsch auf eine Weiterentwicklung oder Ver&#228;nderung hat,   ist dies m&#246;glich. Mehr noch, jede und jeder wird mehreren Aufgaben   nachgehen k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Auch die Trennung von Hand- und Kopfarbeit wird aufgehoben. Statt dessen   wird es lebenslanges Lernen und die Verbindung der Praxis mit der   Wissenschaft geben. Heute sind die ArbeiterInnen und die Ingenieure in   einer Windkraftanlage voneinander getrennt, doch im Sozialismus werden   beide T&#228;tigkeiten ineinander &#252;bergehen und es wird Menschen geben, die   sowohl Anlagen entwerfen als auch montieren k&#246;nnen. Somit werden sich in   der Gesellschaft auch immer weniger &#8222;Fachidioten&#8220; herausbilden, sondern   Menschen, die von vielem Ahnung haben und m&#252;ndig sind, selbst zu   entscheiden.<\/p>\n<p>  Genau das ist auch n&#246;tig im Sozialismus, der auf einer demokratisch   geplanten Wirtschaft basiert. Ganz im Gegensatz zum Stalinismus, der die   Bev&#246;lkerung nicht nur einsperrte, sondern auch die Eigeninitiative   erstickte. Eine effektive, produktive und damit zeitsparende geplante   Wirtschaft ist aber nur m&#246;glich, wenn es vollst&#228;ndige Freiheit der   Kritik und keine b&#252;rokratischen Hierarchien gibt.<\/p>\n<h4>  Von selbstreinigenden Toiletten und freiwilligen Nachtschichten<\/h4>\n<p>  Nat&#252;rlich wird es auch im Sozialismus &#8211; gerade in der &#220;bergangszeit vom   Kapitalismus &#8211; noch Arbeiten geben, die nicht so sch&#246;n sind. Die neue   Gesellschaft wird sich umgehend an die Probleml&#246;sung begeben. Zum   Beispiel k&#246;nnten alle &#246;ffentlichen WC&quot;s durch selbstreinigende Toiletten   ersetzt werden, die es ja l&#228;ngst gibt.<\/p>\n<p>  In anderen F&#228;llen, wie bei absolut notwendiger Nachtarbeit im   Gesundheitswesen, wird sich der demokratische Charakter des Systems ganz   entscheidend auswirken. Nehmen wir an, dass im Krankenhaus die   Nachtschicht organisiert wird, so geschieht dies nicht durch Anweisung   der Vorgesetzten, sondern alle besprechen demokratisch, wie die Arbeit   aufgeteilt wird. Diejenigen PflegerInnen, die sich freiwillig f&#252;r die   vier Stunden Nachtschicht einteilen, werden zum Beispiel die kommende   Woche frei haben, so dass sie sich ausruhen k&#246;nnen. Unter solchen   Bedingungen und mit demokratischer Planung vor Ort werden sich also auch   f&#252;r schwierigere Bereiche L&#246;sungen finden lassen.<\/p>\n<h4>  Mehr Freizeit f&#252;r alle<\/h4>\n<p>  Wir werden erleben, dass Technik und Fortschritt im Sozialismus f&#252;r den   Menschen eingesetzt werden und nicht gegen ihn. Und damit ist auch   gen&#252;gend Raum f&#252;r das, was uns heute so oft fehlt: ZEIT. Zeit, zum   Tr&#228;umen, f&#252;r Gartenarbeit oder um Musik zu machen. Und Zeit, um sich an   der demokratischen Gestaltung aller Lebensbereiche, an den notwendigen   Diskussionen und Entscheidungen zu beteiligen.<\/p>\n<p>  Freizeit wird einen ganz neuen Stellenwert bekommen und sich nicht auf   Fernsehen oder in die Kneipe gehen reduzieren. Und weil es zum Beispiel   gen&#252;gend gute und g&#252;nstige Restaurants, Kantinen und professionelle   W&#228;schereien gibt, braucht auch nicht jeder f&#252;r sich selbst zu kochen   oder zu waschen &#8211; was effektiver, umweltfreundlicher, sozialer und   zeitsparender ist.<\/p>\n<h4>  Freie Zeit kreativ nutzen<\/h4>\n<p>  Auf Grund des Mehr an Freizeit werden sich viele entscheiden, auch hier   produktiv t&#228;tig zu sein. Nicht nur die vier Stunden &#8222;Arbeit&#8220;, die man   gar nicht mehr wie heute als Last empfinden wird, sondern auch die   Besch&#228;ftigungen danach werden im Sinne der Gesellschaft produktiv sein.   Egal, ob jemand im Stadtpark wundersch&#246;ne Blumen pflanzt, oder das   eigene Wissen &#252;ber das Weltall in Kursen weitergeben m&#246;chte. Der   Selbstverwirklichung stehen T&#252;r und Tor offen.<\/p>\n<h4>  Worauf warten?<\/h4>\n<p>  Ach ja, wenn ich mir das alles richtig &#252;berlege, dann ist es wirklich   m&#246;glich, ein liebens- und lebenswertes Dasein zu schaffen. Die Menschen   werden frei von Existenzangst, Einsch&#252;chterung und Bevormundung ihre   eigenen F&#228;higkeiten, M&#246;glichkeiten und Talente ausloten und ausbauen und   so wird es viele Picassos, Einsteins, Marie Curies oder Schweinsteigers   geben. Darauf freue ich mich schon, also &#8211; packen wir es an!<\/p>\n<h3>  Karl Marx &#252;ber Entfremdung<\/h3>\n<p>  <b><i>Heute sind die Lohnabh&#228;ngigen gezwungen, ihre Arbeitskraft als   Ware an die Eigent&#252;mer der Produktionsmittel zu verkaufen. Bestimmt wird   die Produktion von den Profitinteressen der Kapitalisten, nicht von den   Bed&#252;rfnissen der arbeitenden Bev&#246;lkerung. Alles, was geschaffen wird,   geh&#246;rt den Unternehmern. <\/i><\/b>    <\/p>\n<p>  <b><i>Das f&#252;hrt dazu, dass der einzelne Arbeiter, der eigentlich der   Produzent ist, sich in seinem Produkt nicht wiederfinden kann. Marx   meinte, dass er sowohl von seinem Arbeitsprodukt als auch von seiner   Arbeit und damit von sich selber &#8222;entfremdet&#8220; wird. &#8222;Der Arbeiter f&#252;hlt   sich daher erst au&#223;er der Arbeit bei sich und in der Arbeit au&#223;er sich&#8220;   (&#8222;&#214;konomisch-philosophische Manuskripte&#8220;). <\/i><\/b>    <\/p>\n<p>  <b><i>Erst im Sozialismus, so Marx, werden die arbeitenden Menschen   selbstbestimmte, und nicht fremd-bestimmte Menschen sein. Dann wird   Arbeit produktiv sein, bereichern und der Selbstverwirklichung dienen.<\/i><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Wie kann Arbeit im Sozialismus organisiert werden? 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