{"id":12280,"date":"2007-08-31T17:33:41","date_gmt":"2007-08-31T17:33:41","guid":{"rendered":".\/?p=12280"},"modified":"2007-08-31T17:33:41","modified_gmt":"2007-08-31T17:33:41","slug":"12280","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/08\/12280\/","title":{"rendered":"Che: &#8222;Es gibt keine Alternative zur sozialistischen Revolution!&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  Vor 40 Jahren ermordet: Che Guevara &#8211; Revolution&#228;r und Internationalist<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>&#8222;Wir haben den Papst!&#8220; funkte ein bolivianischer Oberst am 8. Oktober   1967 an das Hauptquartier seiner Armee. Auf diese Meldung hatten   unz&#228;hlige lateinamerikanische Milit&#228;rs und CIA-Agenten gewartet. Denn   sie hie&#223; nichts anderes, als dass das bolivianische Milit&#228;r Che Guevara   gefangen genommen hatte. Am n&#228;chsten Tag wurde er ohne Gerichtsurteil   erschossen. Sie wollten Che nicht lebend davon kommen lassen, denn sein   Kampf steht f&#252;r den internationalen Kampf gegen Krieg, Ausbeutung und   Hunger, f&#252;r eine sozialistische Gesellschaft. <\/b><\/p>\n<p>  <i>von Steve K&#252;hne, Dresden<\/i><\/p>\n<p>  Ernesto Guevara, der sp&#228;tere Che, wurde am 14. Juni 1928 im   argentinischen Rosario geboren. Er wuchs bis zu seinem siebzehnten   Lebensjahr in Alta Gracia auf, da er schon fr&#252;h an Asthma erkrankte und   das trockene Klima in diesem Bergort ihm Linderung verschaffte.<\/p>\n<h4>  Studium und Reisen<\/h4>\n<p>  Wahrscheinlich war es die schwere Krankheit seiner Oma, die Che dazu   brachte, Medizin zu studieren. Die Konzentration auf das Studium lie&#223;   bald nach und wich einer anderen Leidenschaft, dem Reisen.<\/p>\n<p>  Zusammen mit seinem Freund Alberto Granados machte er sich im Dezember   1951 auf, den lateinamerikanischen Kontinent zu entdecken. Schon bald   besch&#228;ftigte beide nicht nur die Landschaft, sondern auch die enorme   Armut. Als Ernesto in der chilenischen Stadt Valparaiso eine Frau   behandelte, die zu arm war, sich einen Arzt zu leisten, war er von deren   Situation entsetzt. Er schrieb in seinem Reisebericht: &#8222;Dies sind die   F&#228;lle, da sich ein Arzt seiner ganzen Ohnmacht gegen&#252;ber dem sozialen   Milieu bewusst wird, er w&#252;nscht sich eine &#196;nderung der Verh&#228;ltnisse.&#8220;<\/p>\n<p>  1954 machte er sein Staatsexamen und seinen Doktor, aber nur um direkt   danach Lateinamerika nochmals zu bereisen. Diesmal hatte er von Anfang   an einen anderen Blick: Ihn interessierte die bolivianische Revolution.   Er reiste weiter nach Guatemala, wo unter dem Pr&#228;sidenten Arbenz   Ma&#223;nahmen gegen Armut ergriffen wurden. Die von dieser Regierung   durchgef&#252;hrte Landreform ersch&#252;tterte die Interessen der   US-amerikanischen Konzerne. Folglich wurde sie durch einen von der CIA   inszenierten Putsch gest&#252;rzt.<\/p>\n<p>  Ernesto war erschrocken &#252;ber die geringe Bereitschaft von Arbenz, die   Revolution zu verteidigen. Diese Lehre sollte ihn weiterhin begleiten:   Wer eine Revolution machen will, muss sich bewaffnen und sich gegen   jeden Widerstand durchsetzen. Noch etwas war in Bolivien und Guatemala   mit Ernesto Guevara geschehen: Er war Sozialist geworden.<\/p>\n<h4>  Kubanische Revolution<\/h4>\n<p>  Die CIA und die neuen guatemaltekischen Machthaber verfolgten Che, er   floh nach Mexiko. Nach langer Suche arbeitete er im Krankenhaus von   Mexiko-Stadt, wo er Bekanntschaft mit einigen Exilkubanern schloss, die   den kubanischen Diktator Batista st&#252;rzen wollten. &#220;ber sie lernte er   auch den Kopf der Unternehmung, Fidel Castro, kennen, der ihn   schlie&#223;lich zur Teilnahme an einer Guerillakampagne &#252;berzeugte. Im   Dezember 1956 setzten die Guerilleros nach Kuba &#252;ber.<\/p>\n<p>  Der ganze Plan schien in einem Fiasko zu enden. Ein von Castro-Anh&#228;ngern   begonnener Aufstand, der die Landung begleiten sollte, wurde noch vor   dem Eintreffen der Guerilleros niedergeschlagen. Als diese auf Kuba   landeten, wurden sie nach einigen Tagen fast vernichtet und mussten sich   in das Gebirge Sierra Maestra zur&#252;ckziehen. In dieser Zeit erhielt   Guevara seinen Spitznamen. Da er als Argentinier den in seinem Land   &#252;blichen Ausdruck &#8222;Che&#8220; gebrauchte, der so viel bedeutet wie &#8222;hey&#8220; oder   auch &#8222;hallo&#8220;, wurde er von seinen Mitk&#228;mpfern bald so genannt.<\/p>\n<p>  Langsam wandelte sich die Lage zu Gunsten der Revolution&#228;re. Kubas   Diktatur war reif f&#252;r den Sturz. &#220;berall brodelte es. Es kam zu   Studentenunruhen und Streiks. Politisch waren die daran beteiligten   Gruppen sehr heterogen. Auch die von Castro gef&#252;hrte Bewegung des 26.   Juli war keineswegs einheitlich und schon gar nicht marxistisch. In   einem Interview mit dem argentinischen Reporter Masetti sagte Che   hierzu: &#8222;Fidel ist kein Kommunist. [&#8230;] Und derjenige, der am   h&#228;ufigsten des Kommunismus bezichtigt wird, bin eigentlich ich.&#8220;<\/p>\n<p>  Bis Mitte 1958 errang die Guerilla unter Castro die F&#252;hrung &#252;ber alle   oppositionellen Gruppen in Kuba. Vor diesem Hintergrund begann die   Schlussoffensive, die von Che gef&#252;hrt wurde. Ende Dezember 1958 nahm   seine Kolonne Santa Clara ein. Batista floh am Neujahrstag in die   Dominikanische Republik. Daraufhin rief die Bewegung des 26. Juli zum   Generalstreik auf, der breite Unterst&#252;tzung fand. Auf den Stra&#223;en   feierten die Massen das Ende der Batista-Diktatur.<\/p>\n<p>  Als Castro kubanischer Ministerpr&#228;sident wurde, wollte er alles andere   als eine sozialistische Entwicklung. Er versuchte sich mit den USA   auszus&#246;hnen und versprach, den Besitz US-amerikanischer Firmen nicht   anzur&#252;hren.<\/p>\n<p>  Doch die Absicht Kubas, nationale Unabh&#228;ngigkeit zu erreichen, lief den   Interessen des US-Kapitals zuwider. Die von der Regierung Castro   durchgef&#252;hrte Landreform rief den Widerstand US-amerikanischer Firmen   wie der United Fruit Company hervor. Die kubanische Bourgeoisie   f&#252;rchtete um ihren Besitz. Die radikalisierten kubanischen Massen   verlangten tiefgreifende Ma&#223;nahmen. Die Lage spitzte sich zu. Washington   stoppte den Import von kubanischem Zucker. Castro sah sich &#8211; unter dem   Druck der Massen (und auch auf Dr&#228;ngen Ches) &#8211; gezwungen, die   Verstaatlichung aller ausl&#228;ndischen Verm&#246;gen zu legalisieren. Bald   darauf wurden kubanische Gro&#223;unternehmen enteignet.<\/p>\n<h4>  Permanente Revolution<\/h4>\n<p>  &quot;Unter den gegenw&#228;rtigen historischen Bedingungen Lateinamerikas kann   die nationale Bourgeoisie den antifeudalen und antiimperialistischen   Kampf nicht anf&#252;hren. Die Erfahrung zeigt, dass in unseren Nationen die   Klasse, auch wenn ihre Interessen zu denen des Yankee-Imperialismus im   Widerspruch stehen, unf&#228;hig gewesen ist, jenem die Stirn zu bieten,   paralysiert durch die Angst vor der sozialen Revolution und erschreckt   durch die Stimmung der ausgebeuteten Massen&#8220;, so beschrieb Che zu dieser   Zeit die Situation.<\/p>\n<p>  Was sich auf Kuba abspielte, best&#228;tigte die vom Revolution&#228;r Leo Trotzki   entwickelte (und zun&#228;chst auf Russland bezogene) Theorie der permanenten   Revolution. Die nationale Kapitalistenklasse war historisch gesehen zu   sp&#228;t gekommen, nach den b&#252;rgerlichen Revolutionen in Frankreich und in   anderen L&#228;ndern. Sie war zu schwach, zudem mit dem ausl&#228;ndischen Kapital   verwoben, von ihm abh&#228;ngig, ebenso mit der noch existierenden feudalen   Klasse. Au&#223;erdem f&#252;rchtete sie, dass die zahlenm&#228;&#223;ig zwar kleine, aber   gerade in den Gro&#223;betrieben potenziell starke Arbeiterklasse von einem   revolution&#228;ren Wandel ermutigt und weitergehen k&#246;nnte. Daher kann die   einheimische Bourgeoisie die F&#252;hrung einer antifeudalen, auf nationale   Unabh&#228;ngigkeit abzielenden Revolution nicht &#252;bernehmen. Somit m&#252;ssen   diese Ziele im Kampf gegen die nationalen Kapitalisten durchgesetzt   werden.<\/p>\n<p>  Zur &#8222;Permanenz&#8220; geh&#246;rt auch, dass die Revolution zwar in einem Land   beginnt, aber dabei nicht stehen bleiben darf. Eine sozialistische Insel   kann sich nicht auf Dauer halten. Darum ist eine Internationale mit   einem klaren marxistischen Programm, verankert in der Arbeiterbewegung,   zentral. Ihr kommt die Aufgabe zu, die Erfahrungen im Klassenkampf zu   verarbeiten, sozialistische Ideen zu verbreiten und &#252;ber L&#228;ndergrenzen   hinweg aktiv zu sein. Wichtig ist es, in den verschiedenen L&#228;ndern   AktivistInnen zu schulen, die revolution&#228;re Entwicklungen nutzen k&#246;nnen.<\/p>\n<h4>  Arbeiterklasse<\/h4>\n<p>  W&#228;hrend in Russland 1917 die Arbeiterklasse die Tr&#228;gerin der Revolution   war und &#8211; vor der Stalinisierung &#8211; die Macht durch demokratisch gew&#228;hlte   Sowjets aus&#252;bte, war es in Kuba gerade mal eine kleine F&#252;hrung, die die   Forderung der Massen umsetzte, nicht die Massen selbst. Das   Batista-Regime war so schwach, dass es kippte, noch bevor die   Arbeiterklasse den Ereignissen ihren Stempel h&#228;tte aufdr&#252;cken k&#246;nnen.   Dieser Umstand half beim Aufstieg einer Schicht, die Kuba dominierte und   von niemandem kontrolliert wurde.<\/p>\n<p>  Hier zeigt sich auch die Beschr&#228;nktheit des Guerillakampfes. Auf dem   Land kann dieser ein legitimes Mittel sein. Aber nur als Erg&#228;nzung,   nicht als Ersatz zum Kampf der Arbeiterklasse in den St&#228;dten.   Schlie&#223;lich sind es die ArbeiterInnen, die durch ihre Rolle im   Produktionsprozess ganz anders als die Bauernschaft ein kollektives   Bewusstsein entwickeln und in gemeinsamen Handlungen das Kapital treffen   k&#246;nnen. Die Arbeiterklasse ist in der Lage, die Wirtschaft und das ganze   &#246;ffentliche Leben lahm zu legen. Gleichzeitig kann sie Strukturen   bilden, die erst Kampforgane, dann Organe zur Machteroberung und   schlie&#223;lich Organe zum Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft werden   k&#246;nnen. Demgegen&#252;ber ist der Guerillakampf von milit&#228;rischen Strukturen   gepr&#228;gt, die Stellvertretertum f&#246;rdern und die Selbstorganisation der   Massen erschweren.<\/p>\n<h4>  Keine Privilegien<\/h4>\n<p>  Che Guevara wurde erst Pr&#228;sident der kubanischen Nationalbank und sp&#228;ter   Industrieminister. Che lehnte jegliche Privilegien ab. Schon w&#228;hrend der   K&#228;mpfe in der Sierra Maestra teilte er das Leben seiner Mitk&#228;mpfer.   W&#228;hrend Castro ab Jahresende 1957 ein vergleichsweise komfortables   Quartier mit Plattenspieler und dazugeh&#246;rigem Koch besa&#223;, schlief Che   neben seinen Genossen auf der Erde. Als Industrieminister verzichtete er   auf sein Ministergehalt und erhielt nur seine Bez&#252;ge als Commandante.   Mit 250 Dollar im Monat hatte er sehr viel weniger in der Tasche als der   durchschnittliche kubanische Funktion&#228;r.<\/p>\n<p>  Eines Tages besuchte er mit seiner Tochter Hilda ein Fahrradwerk. Sie   fragte immer wieder, ob sie ein Fahrrad bekommen k&#246;nne. Schlie&#223;lich, am   Ende der Inspektion, wollte der Direktor Hilda ein Fahrrad schenken. Che   fuhr ihn an, man verschenkt doch kein Volkseigentum!<\/p>\n<p>  Che arbeitete rund um die Uhr: Montag bis Sonnabend sa&#223; er im   Ministerium. Am Sonntag Vormittag ging er regelm&#228;&#223;ig zu Arbeitseins&#228;tzen   auf den Bau oder zur Zuckerrohrernte. F&#252;r seine Familie blieb ihm h&#228;ufig   nur der Sonntag Nachmittag.<\/p>\n<h4>  Gegen B&#252;rokratismus<\/h4>\n<p>  Bei seinen Besuchen in der Sowjetunion musste er schmerzlich erkennen,   dass die dort regierende b&#252;rokratische Kaste, die sich w&#228;hrend der   Herrschaft Stalins etabliert hatte, eigene Interessen verfolgte. Ihr   ging es nicht darum, die Revolution voranzubringen und den Sozialismus   aufzubauen, sondern darum, die eigenen Privilegien zu sichern. Zu seinem   Freund Padilla sagte Che: &#8222;Ich wei&#223;, dass es ein Schweinestall ist; ich   habe es selber gesehen.&#8220;<\/p>\n<p>  Im April 1963 verfasste Che Guevara in Sorge &#252;ber die Prozesse in Kuba   einen w&#252;tenden Artikel unter dem Titel: &#8222;Gegen den B&#252;rokratismus&#8220; und   bemerkte darin: &#8222;Der B&#252;rokratismus ist der Strohhalm f&#252;r jenen   Funktion&#228;rstyp, der seine Probleme auf welche Weise auch immer aus der   Welt schaffen will.&#8220; Zwar las er auch Leo Trotzki, der neben Lenin der   f&#252;hrende Kopf der Russischen Revolution gewesen war und als Marxist den   Kampf gegen den Stalinismus aufgenommen hatte. Trotzki hatte analysiert,   wie eine B&#252;rokratie entsteht und ein Programm zum Sturz dieser   herrschenden Clique entwickelt. Che verinnerlichte diese Gedanken jedoch   nicht. Seine Ideen zum Kampf gegen die B&#252;rokratie blieben in Ans&#228;tzen   stecken. Anders als bei Trotzki sollte bei Che die Arbeiterklasse nur   reagieren, auf die Beschl&#252;sse der F&#252;hrung. Ches ganzer Kampf gegen den   B&#252;rokratismus baute, neben einer noch st&#228;rkeren Kontrolle von oben, auf   einer umfassenden Bildung auf (was v&#246;llig richtig ist) und der Schaffung   des &#8222;neuen Menschen&#8220;, des unbestechlichen, fehlerlosen Kaders, der mit   dem Volk verwachsen ist. Der sollte durch die F&#252;hrung aus der Masse   herausgefiltert werden &#8211; doch eben diese F&#252;hrung hatte sich bereits zum   gro&#223;en Teil b&#252;rokratisiert. Somit hatte sie auch kein Interesse, Ches   Kader auszuw&#228;hlen. Ches Programm gegen den B&#252;rokratismus war somit zum   Scheitern verurteilt.<\/p>\n<p>  &#8222;In der Folge bot sein Industrieministerium Asyl f&#252;r Opfer sowohl der   dogmatischen Altkommunisten als auch der S&#228;uberungsaktionen Fidels&#8220;, wie   Jon Lee Anderson in seiner Che-Biografie berichtete. In Ches Ministerium   sammelte er zahlreiche Revolution&#228;re, die von den b&#252;rokratischen   S&#228;uberungen auf Kuba bedroht waren. Zu ihnen z&#228;hlten der ehemalige   Informationsminister Enrique Oltuski, sowie die Dichter Herbert Padilla   und Alberto Mora, der sich nach Ches Weggang aus Kuba, unter dem Druck   der B&#252;rokratie stehend, das Leben nahm.<\/p>\n<p>  Immer heftiger stie&#223; Che mit der B&#252;rokratie auf Kuba und der   herrschenden Clique im Ostblock zusammen. Kiwa Maidanek, in den   sechziger Jahren Lateinamerika-Experte der KPdSU, bezeichnete Che   Guevara als einen &#8222;Abenteurer, Parteig&#228;nger der Chinesen und Trotzkist&#8220;.   Tats&#228;chlich war er weder das eine, noch das andere, obwohl er Trotzkis   Ideen vor kubanischen StudentInnen lobte.<\/p>\n<p>  Aus Sicht des Kreml &#252;berspannte er im Februar 1965 bei einer Rede zu   &#8222;Wirtschaft und Au&#223;enhandel in der heutigen Welt&#8220; in der algerischen   Hauptstadt Algier den Bogen. Moskau hatte kein Interesse an   revolution&#228;ren Bewegungen international. Schlie&#223;lich h&#228;tte ein   erfolgreicher Sturz des Kapitalismus unter F&#252;hrung der Arbeiterklasse   den Weg Richtung sozialistischer Demokratie weisen k&#246;nnen. Das w&#228;re eine   direkte Herausforderung der stalinistischen Ein-Parteien-Regime gewesen.   Deshalb gab der Kreml zwar immer wieder Gelder f&#252;r Befreiungsbewegungen   in der &#8222;Dritten Welt&#8220;, arbeitete aber stets auf die Unterordnung   gegen&#252;ber b&#252;rgerlichen Kr&#228;ften hin. Dazu Che: &#8222;Wenn wir dieser Art   Beziehung zwischen den beiden Gruppen von Nationen zustimmen, m&#252;ssen wir   uns dar&#252;ber klar sein, dass die sozialistischen L&#228;nder sich in gewisser   Weise zu Komplizen der imperialistischen Ausbeutung machen.&#8220; Als Folge   f&#252;r diese Worte verlangte der sowjetische Botschafter auf Kuba, Che   Guevara endlich zum Schweigen zu bringen.<\/p>\n<h4>  Kongo<\/h4>\n<p>  Der B&#252;rokratisierungsprozess auf Kuba, der Druck der herrschenden Clique   auf Che und nicht zuletzt Castros Haltung, der Che Guevaras harte Kritik   an der UdSSR als kontraproduktiv ansah, lie&#223;en in Che den Entschluss   reifen, von Kuba wegzugehen.<\/p>\n<p>  Als Castro Che bat, kubanische Truppen im Kongo zu befehligen, musste er   ihn nicht lange &#252;berzeugen. Che reiste inkognito in den Kongo, um an der   Spitze der kubanischen Soldaten die kongolesischen Guerilleros unter   Kabila auszubilden. Diese hatten nach der Ermordung des kongolesischen   Ministerpr&#228;sidenten Patrice Lumumba durch den CIA den Kampf aufgenommen.<\/p>\n<p>  Che war entsetzt von der Situation, die er vorfand. Die F&#252;hrer der   Revolution waren nicht nur hoffnungslos zerstritten, sie reisten zudem   mit prall gef&#252;lltem Geldbeutel in alle Herren L&#228;nder und lie&#223;en die im   Kongo k&#228;mpfenden Guerilleros im Stich. Diese pl&#252;nderten ihrerseits die   Bauern aus, statt sie vor den Regierungstruppen zu sch&#252;tzen und   misshandelten Gefangene.<\/p>\n<p>  Die Folge all dessen war die Niederlage der kongolesischen Revolution.   Ches Lehren aus diesem Debakel waren h&#246;chst widerspr&#252;chlich. Er erkannte   sehr viel mehr als fr&#252;her die Notwendigkeit, den Marxismus in der   Bev&#246;lkerung zu verankern. &#8222;Daraus ergibt sich, als wichtigste Aufgabe   [&#8230;] der Aufbau einer Revolutionspartei auf nationaler Ebene mit im   Volk verankerten Zielen und anerkannten Kadern.&#8220; Doch die Arbeiterklasse   wird seiner Meinung nach in diesem Prozess nur eine zweitrangige Rolle   spielen, schlie&#223;lich sei sie im Gegensatz zu den Bauern &#8222;durch die   kleinen Bequemlichkeiten der Zivilisation&#8220; von der Bourgeoisie   korrumpiert.<\/p>\n<h4>  Bolivien<\/h4>\n<p>  Nach der Niederlage der kongolesischen Revolution wandte sich Che   Guevara wieder dem Kontinent zu, auf dem seiner Meinung nach die   schwerste Schlacht ausgefochten werden wird: Lateinamerika. Von Bolivien   aus wollte er ein &#220;bergreifen des revolution&#228;ren Krieges in die   angrenzenden L&#228;nder wie Peru und Argentinien organisieren. Doch es kam   zum Desaster.<\/p>\n<p>  Im April 1967 wurden die Guerilleros auf ihrer Hacienda entdeckt. Kurze   Zeit sp&#228;ter musste Che einen Teil seiner Leute zur&#252;cklassen, da sie   erkrankt waren, unter ihnen auch die aus der DDR stammende Tamara Bunke.   Die Trennung sollte nur ein paar Tage dauern und erm&#246;glichen, den   Hauptteil der Guerilla-Streitmacht in Bewegung zu halten und dem   bolivianischen Milit&#228;r auszuweichen. Doch die beiden Einheiten   begegneten sich nie wieder. Am 31. August wurden die versprengten   Guerilleros gefunden und in einem Gefecht get&#246;tet.<\/p>\n<p>  Anfangs gelang es Che Guevara noch, dem Milit&#228;r teils schwere   Niederlagen beizubringen. Unterdessen hatten Gefangene dem   bolivianischen Geheimdienst gegen&#252;ber erkl&#228;rt, dass Che die Guerilleros   f&#252;hrt. Sofort wurde die Jagd auf die Einheit verst&#228;rkt. US-amerikanische   Rangers trafen ein, um das bolivianische Milit&#228;r auszubilden.   CIA-Agenten unterst&#252;tzten die Suche nach den Guerilleros.<\/p>\n<p>  Viel schwerer wirkte sich jedoch die Haltung der Bauern aus. In der   Revolution 1953 wurde eine umfangreiche Landreform durchgef&#252;hrt. Das   machte die Bauern weniger empf&#228;nglich, einen Guerillakampf zu   unterst&#252;tzen. Beim Eintreffen der Revolution&#228;re flohen sie teilweise   sogar aus ihren D&#246;rfern. Ches Konzeption von einer &#8222;Bauernrevolution&#8220;   r&#228;chte sich nun bitter. Von den bolivianischen ArbeiterInnen und ihrer   gro&#223;en revolution&#228;ren Tradition isoliert, erreichte er diese nicht,   w&#228;hrend die Bauern sich auch nicht einreihen wollten.<\/p>\n<p>  Schlie&#223;lich kreiste das bolivianische Milit&#228;r ihn am 8.Oktober ein,   vernichtete seine Truppe vollst&#228;ndig, nahm ihn gefangen und ermordete   ihn.<\/p>\n<h4>  Ches Verm&#228;chtnis<\/h4>\n<p>  Che Guevaras kompromissloser Einsatz gegen Unterdr&#252;ckung und seine   Opferbereitschaft geben heute noch all denen Kraft, die den Kampf f&#252;r   eine bessere, eine sozialistische Gesellschaft f&#252;hren wollen. Bei   Protesten in Lateinamerika malen Jugendliche immer noch Graffitis an die   W&#228;nde: &#8222;Che vive &#8211; Che lebt&#8220;. Ches Ablehnung von B&#252;rokratie und   Privilegien, sein Internationalismus und sein Engagement f&#252;r den   Sozialismus bieten nach wie vor Inspiration.<\/p>\n<p>  Es ist in Ches Sinne, sich kritisch mit seinen Ideen und seiner Politik   auseinander zu setzen. Schlie&#223;lich hatte er selber sein Leben lang   versucht, politisch weiterzukommen, hatte sich mit anderen Positionen   besch&#228;ftigt. Immer darauf aus, den Kampf f&#252;r eine sozialistische Welt zu   st&#228;rken.<\/p>\n<p>  So richtig es ist, jede sich bietende Chance f&#252;r eine revolution&#228;re   Ver&#228;nderung k&#252;hn zu ergreifen, so n&#246;tig ist es auch, die jeweiligen   Bedingungen zu ber&#252;cksichtigen und sich in der arbeitenden Bev&#246;lkerung   zu verankern. Diese Erkenntnis ergibt sich aus den Resultaten von Ches   Handeln, zuletzt in Bolivien.<\/p>\n<p>  Bolivien f&#252;hrte vor Augen, dass er mit seiner Orientierung auf die   Bauernschaft als Tr&#228;ger der Revolution falsch lag. Den Bauern f&#228;llt es   auf Grund ihrer Lebens- und Arbeitsverh&#228;ltnisse viel schwerer als der   Arbeiterklasse, ein kollektives Bewusstsein zu erlangen. Demgegen&#252;ber   zeigte die Russische Revolution, dass die Arbeiterklasse die F&#252;hrung   &#252;bernehmen kann, selbst wenn sie eine Minderheit, (in dem Fall zehn   Prozent der Bev&#246;lkerung), darstellt. Russland bewies auch, dass eine von   den Lohnabh&#228;ngigen getragene Revolution die M&#246;glichkeit daf&#252;r bietet,   dass die unterdr&#252;ckten Massen ihre eigenen Organe schaffen und damit den   Grundstein f&#252;r eine sozialistische Demokratie legen k&#246;nnen. Auf Grund   der R&#252;ckst&#228;ndigkeit und Isolation Russlands lie&#223; sich das damals   tragischerweise nicht verteidigen. Es kam zum Stalinismus.<\/p>\n<p>  Kuba unterstreicht die &#220;berlegenheit von Verstaatlichung und   Planwirtschaft. Im Vergleich zu anderen unterentwickelten L&#228;ndern, die   kapitalistisch blieben, kam es in Kuba zu bedeutenden sozialen   Verbesserungen. Aber leider fehlte es an einer Arbeiterdemokratie. Das   f&#246;rderte die wirtschaftlichen Probleme Kubas. In Kuba sind   einschneidende Ver&#228;nderungen n&#246;tig, nicht bei den Produktions- und   Eigentumsverh&#228;ltnissen, aber im politischen &#220;berbau. B&#252;rokratismus und   Privilegien m&#252;ssen beseitigt werden. Auf allen Ebenen muss die   arbeitende Bev&#246;lkerung das Sagen haben &#8211; &#252;ber demokratische Diskussions-   und Entscheidungsorgane, ob diese nun R&#228;te oder anders hei&#223;en. Che ahnte   dies alles. (Vor seiner Ermordung wollte er sich gerade intensiver mit   den Schriften Trotzkis befassen). Aber er war in seinen   Schlussfolgerungen nicht so konsequent wie Trotzki, der ein Programm   gegen den Stalinismus und f&#252;r die sozialistische Demokratie entwickelte   &#8211; das auch heute nichts von seiner G&#252;ltigkeit eingeb&#252;&#223;t hat.<\/p>\n<p>  <i>Steve K&#252;hne ist Mitglied des SAV-Bundesvorstandes<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Vor 40 Jahren ermordet: Che Guevara &#8211; Revolution&#228;r und Internationalist\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[41],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12280"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12280"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12280\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12280"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12280"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12280"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}