{"id":12278,"date":"2007-09-08T00:32:14","date_gmt":"2007-09-08T00:32:14","guid":{"rendered":".\/?p=12278"},"modified":"2007-09-08T00:32:14","modified_gmt":"2007-09-08T00:32:14","slug":"12278","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/09\/12278\/","title":{"rendered":"Streikrecht verteidigen!"},"content":{"rendered":"<p>  N&#252;rnberger Streikverbot ist eine ernste Warnung<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Beim Streikrecht in der Bundesrepublik handelt es sich nicht um ein   ausformuliertes Gesetz. Zwar wird im Grundgesetz, Artikel 9, die   Koalitionsfreiheit genannt. Letztlich entscheidend ist aber das   Kr&#228;fteverh&#228;ltnis zwischen der Arbeiterklasse und der Kapitalistenklasse.<\/b><\/p>\n<p>  <i>von Angelika Teweleit, Berlin<\/i><\/p>\n<p>  Die herrschende Klasse ist einer grunds&#228;tzlichen Auseinandersetzung um   das Streikrecht in der Vergangenheit aus dem Weg gegangen. Aber sie hat   immer wieder Anl&#228;ufe unternommen, das Streikrecht &#252;ber beispielgebende   Gerichtsentscheidungen und bestimmte gesetzliche Regelungen   einzuschr&#228;nken. Hier zeigte sich, dass das Streikrecht keine formale   juristische Frage ist, sondern &#252;ber das Kr&#228;ftemessen der Besch&#228;ftigten   mit den Unternehmern entschieden wird.<\/p>\n<h4>  1952<\/h4>\n<p>  Eine wichtige Auseinandersetzung fand 1952 statt. Im Kern ging es um die   Frage des Betriebsverfassungsgesetzes. Die Gewerkschaften forderten eine   weitreichende Mitbestimmung in allen Betrieben. Mit dem Gesetzesentwurf   war geplant, den Einfluss der Gewerkschaften klein zu halten.   Hunderttausende nahmen an Demonstrationen und Warnstreiks teil. Drucker   und Zeitungssetzer traten in einen zweit&#228;gigen Streik. Trotz Forderungen   von der DGB-Basis, die Kampfma&#223;nahmen auszuweiten, brach die DGB-F&#252;hrung   die Proteste ab. Dadurch konnte die Kapitalseite ihre Vorstellungen   durchsetzen.<\/p>\n<p>  Es gab jedoch noch einen weiteren Vorfall: Die Drucker-Gewerkschaft   wurde auf Schadensersatz verklagt. Die Begr&#252;ndung: Ihr Streik sei gegen   das Parlament gerichtet gewesen und nicht gegen einen Unternehmer. Damit   sei er unrechtm&#228;&#223;ig. Seitdem berufen sich die Herrschenden auf diesen   Pr&#228;zedenzfall.<\/p>\n<h4>  1986<\/h4>\n<p>  Die Kohl-Regierung erzielte 1986 mit dem &#167;116 AfG (heute &#167;146 SGB III)   einen weiteren Erfolg. Damit reagierte sie auf die massenhaften Streiks   der IG Metall f&#252;r die 35-Stunden-Woche 1984. Die Arbeitgeber hatten mit   Aussperrungen reagiert &#8211; es wurden auch 300.000 ArbeiterInnen au&#223;erhalb   der Tarifbezirke ausgesperrt (also KollegInnen, die nicht am   Arbeitskampf beteiligt waren &#8211; eine so genannte kalte Aussperrung). Bis   dahin hatten kalt ausgesperrte Besch&#228;ftigte von der Bundesanstalt f&#252;r   Arbeit Kurzarbeitergeld erhalten. Dies wurde ihnen jetzt verweigert. Das   f&#252;hrte zu einer Politisierung des Streiks und zu Gro&#223;demonstrationen.   1984 musste die Arbeitgeberseite einlenken. Doch sie lie&#223;en nicht   locker. Auch 1986 gab es in der ganzen Bundesrepublik Proteste und   Streiks. Allerdings nicht im ausreichenden Ma&#223;. Notwendig w&#228;re eine   massenhafte Mobilisierung des DGB bis hin zum Generalstreik gewesen.<\/p>\n<h4>  2007<\/h4>\n<p>  Der Beifall von Arbeitgeberpr&#228;sident Dieter Hundt und   Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) zum N&#252;rnberger Urteil zeigen,   dass die Herrschenden einen neuen Vorsto&#223; wollen. &#220;brigens keine   deutsche Besonderheit. So schr&#228;nkte das franz&#246;sische Parlament unl&#228;ngst   das Streikrecht im &#214;ffentlichen Dienst ein.<\/p>\n<p>  Der Neoliberalismus bedeutet die R&#252;ckkehr zum offenen Klassenkampf. Die   &#8222;Sozialpartnerschaft&#8220; geh&#246;rt zum Vokabular des Nachkriegsaufschwungs.   Besonders mit einer drohenden wirtschaftlichen Krise sind noch h&#228;rtere   Angriffe auf die Arbeiterklasse abzusehen. Darauf wollen sich die   Kapitalisten vorbereiten. Aus ihrer Sicht am Besten, indem man die   M&#246;glichkeiten einschr&#228;nkt, sich wirksam zu wehren.<\/p>\n<p>  Diese Gefahr muss ernst genommen werden. Jetzt m&#252;ssen in Betrieben,   Gewerkschaften und in der Partei DIE LINKE Diskussionen dar&#252;ber   anfangen, wie man sich dagegen wappnen und das Recht auf Streik durch   Streik verteidigen kann.<\/p>\n<p>  <i>Angelika Teweleit ist Mitglied der SAV-Bundesleitung<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      N&#252;rnberger Streikverbot ist eine ernste Warnung\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12278"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12278"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12278\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12278"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12278"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12278"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}