{"id":12271,"date":"2007-08-29T16:23:24","date_gmt":"2007-08-29T16:23:24","guid":{"rendered":".\/?p=12271"},"modified":"2007-08-29T16:23:24","modified_gmt":"2007-08-29T16:23:24","slug":"12271","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/08\/12271\/","title":{"rendered":"Bahn: Tarifkonflikt geht weiter"},"content":{"rendered":"<p>  Der Tarifkonflikt zwischen Bahn-Management und der Gewerkschaft   Deutscher Lokf&#252;hrer (GDL) geht in die n&#228;chste Runde: unter Vermittlung   der CDU-Politiker Gei&#223;ler und Biedenkopf wurde sich darauf geeinigt,   dass die Lokf&#252;hrerInnen im Rahmen des f&#252;r alle geltenden Tarifvertrags   eigene Entgelt-, Arbeitszeit und Schichtregeln erhalten. Diese sollen   unter der Tariff&#252;hrerschaft der GDL ausgehandelt werden. Die   Zugbegleiter fallen aus dieser Einigung heraus, f&#252;r sie wird von den   beiden anderen Bahngewerkschaften Transnet und GDBA weiter verhandelt.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Sascha Stanicic, Berlin<\/i><\/p>\n<p>  Damit hat die GDL zwar keinen eigenen Spartentarifvertrag f&#252;r das   Fahrpersonal erreicht, was ihre urspr&#252;ngliche Forderung war, aber   faktisch wird es ein eigenes Tarifwerk f&#252;r Entlohnung, Arbeitszeit und   Schichtpl&#228;ne der Lokf&#252;hrerInnen geben, auch wenn dieses Teil des   allgemeinen Tarifvertrags sein wird.<\/p>\n<p>  Vor allem hat die GDL damit die Anerkennung als entscheidende   Tarifpartei der Lokf&#252;hrerInnen durchgesetzt. Auch ist zu erwarten, dass   dieses Zwischenergebnis eine h&#246;here Lohnsteigerung f&#252;r Lokf&#252;hrerInnen   zur Folge haben wird, als die (offiziell) 4,5 Prozent, die von Transnet   und GDBA f&#252;r die Bahnbesch&#228;ftigten f&#252;r eine Laufzeit von 19 Monaten   ausgehandelt wurden.<\/p>\n<h4>  Teilerfolg der GDL<\/h4>\n<p>  Der bisherige Verlauf der Auseinandersetzung zwischen Bahn-Bossen und   der GDL hat gezeigt, dass ein offensives Vorgehen einer Gewerkschaft die   Arbeitgeber in die Defensive dr&#228;ngen kann und Verbesserungen   durchsetzbar sind. Die hohe Forderung nach einem Einstiegsgehalt von   2.500 Euro hatte f&#252;r die Lokf&#252;hrerInnen eine mobilisierende Wirkung. Sie   zeigte, dass es sich diesmal lohnen k&#246;nnte, zu k&#228;mpfen. Die   gesellschaftlichen Debatten &#252;ber eine durch den m&#246;glichen Bahnstreik   lahmgelegte Republkik haben die potenzielle Kraft der Arbeiterklasse zum   Ausdruck gebracht. Viele KollegInnen und Gewerkschaftsmitglieder   w&#252;nschten sich in den letzten Wochen, dass ihre Gewerkschaftsf&#252;hrung   &#228;hnlich hohe und offensive Forderungen aufstellen w&#252;rde, wie die GDL.<\/p>\n<h4>  Bittere Pillen<\/h4>\n<p>  Aber das Zwischenergebnis von gestern ist nicht ohne bittere Pillen: die   GDL verzichtet bis zum 30. September auf Streiks, ohne dass sie   materiell bisher irgend etwas erreicht h&#228;tte.<\/p>\n<p>  Es ist zwar davon auszugehen, dass f&#252;r die Lokf&#252;hrerInnen ein besseres   Ergebnis herauskommen wird, als es f&#252;r die restlichen Bahnbesch&#228;ftigten   erreicht wurde. Aber der Verzicht auf Streiks bedeutet eine vertane   Chance, in den n&#228;chsten Wochen &#8211; w&#228;hrend der weiteren Verhandlungen &#8211;   den Druck auf das Bahn-Mangement zu maximieren. Offensichtlich hat der   Gegenwind aus Regierung, Medien, Transnet-F&#252;hrung und Unternehmerlager   bei dem ehemaligen CDU-Bundestagsabgeordneten Schell Angst vor der   eigenen Courage ausgel&#246;st.<\/p>\n<p>  Es wurde auch darauf verzichtet durch einen Streik ein Signal f&#252;r eine   andere Gewerkschaftspolitik zu geben, die keinen Verzicht &#252;bt, sondern   angemessene Forderungen k&#228;mpferisch durchsetzt.<\/p>\n<p>  Stattdessen hat sich die GDL-F&#252;hrung wochenlang an die Kette legen   lassen und auf ihre wichtigste Waffe, den Streik, verzichtet. Zweifellos   wurde der Tarifbewegung dadurch Dynamik genommen und besteht die Gefahr,   dass das Ergebnis unter den M&#246;glichkeiten f&#252;r die Lokf&#252;hrerInnen liegen   wird.<\/p>\n<h4>  Kampf noch nicht vorbei<\/h4>\n<p>  Aber die Lokf&#252;hrerInnen sollten GDL-Chef Schell beim Wort nehmen, wenn   er betont, dass die Gewerkschaft ihre Forderungen aufrecht erh&#228;lt.<\/p>\n<p>  Sie genie&#223;en viel Sympathie in der Masse der Bev&#246;lkerung. Dies w&#228;re   zweifellos noch zu steigern, wenn die GDL-F&#252;hrung erkl&#228;ren w&#252;rde, dass   sie nicht nur f&#252;r die Lokf&#252;hrerInnen h&#246;here L&#246;hne durchsetzen will,   sondern dies als Bestandteil eines Kampfes f&#252;r bessere L&#246;hne f&#252;r alle   Bahnbesch&#228;ftigten und die Lohnabh&#228;ngigen generell betrachtet.<\/p>\n<p>  Deshalb sollten GDL- und Transnet-KollegInnen zusammen kommen und sich   auf gemeinsame Aktionen vorbereiten. Dass es bis zum 30.9. keine Streiks   geben soll ist nicht gut. Aber es kann daf&#252;r gesorgt werden, dass ab 1.   Oktober alle R&#228;der still stehen, wenn das Bahn-Management die   GDL-Forderungen bis dahin nicht akzeptiert hat. Transnet-KollegInnen   sollten fordern, dass das Ergebnis der Lokf&#252;hrerInnen auf alle   Besch&#228;ftigten &#252;bertragen werden soll. So k&#246;nnte eine einheitliche   Kampffront aller Besch&#228;ftigten wieder hergestellt werden<\/p>\n<h4>  Nein zur Privatisierung<\/h4>\n<p>  Au&#223;erdem sollte der Tarifkampf mit einer Kampagne gegen die   Privatisierung der Bahn verbunden werden, was bisher leider nicht   geschehen ist. Dagegen ist nach neuesten Umfragen eine Mehrheit der   Bev&#246;lkerung. DIE LINKE und der DGB, aber keine der Bahngewerkschaften,   lehnen die Privatisierung komplett und in jeder Form ab. Eine Verbindung   des Kampfes um h&#246;here L&#246;hne mit dem Kampf gegen die Privatisierung w&#252;rde   die Unterst&#252;tzung in der arbeitenden Bev&#246;lkerung f&#252;r die   Bahnbesch&#228;ftigten noch weiter steigern.<\/p>\n<p>  Die Einigung auf die Erarbeitung einer neuen Entgeltordnung f&#252;r die   Besch&#228;ftigten der Bahn l&#228;sst aber nichts Gutes vermuten. Die Erfahrungen   mit &#228;hnlichen Tarifreformen in der Metallbranche (ERA &#8211;   Entgeltrahmenabkommen) und im &#246;ffentlichen Dienst (TV&#214;D bzw. TV-L)   zeigen, dass solche &quot;Reformen&quot; von den Arbeitgebern zu massiven   Verschlechterungen genutzt werden, insbesondere wenn diese in der   Friedenspflicht ausgehandelt werden. Es ist zu bef&#252;rchten, dass h&#246;here   L&#246;hne f&#252;r Lokf&#252;hrerInnen durch K&#252;rzungen bei anderen Besch&#228;ftigten   kompensiert werden sollen. Sollten GDL, Transnet und GDBA dem zustimmen,   w&#228;re das ein Skandal. Bahnbesch&#228;ftigte sollten also wachsam sein und in   ihren Gewerkschaften durchsetzen, dass eine Tarifreform zu keinerlei   Verschlechterungen f&#252;r keinen Teil der Belegschaft f&#252;hren darf!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Der Tarifkonflikt zwischen Bahn-Management und der Gewerkschaft<br \/>\n      Deutscher Lokf&#252;hrer (GDL) geht in die n&#228;chste Runde: unter Vermittlung<br \/>\n      der CDU-Politiker Gei&#223;ler und Biedenkopf wurde sich darauf geeinigt,<br \/>\n      dass die Lokf&#252;hrerInnen im Rahmen des f&#252;r alle geltenden Tarifvertrags<br \/>\n      eigene Entgelt-, Arbeitszeit und Schichtregeln erhalten. Diese sollen<br \/>\n      unter der Tariff&#252;hrerschaft der GDL ausgehandelt werden. 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