{"id":12270,"date":"2007-08-29T00:36:01","date_gmt":"2007-08-29T00:36:01","guid":{"rendered":".\/?p=12270"},"modified":"2007-08-29T00:36:01","modified_gmt":"2007-08-29T00:36:01","slug":"12270","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/08\/12270\/","title":{"rendered":"Daimler: Versch&#228;rfte Gangart"},"content":{"rendered":"<p>  Daimler Untert&#252;rkheim: Druck auf Kranke nimmt zu. Jetzt wird auch gegen   widerst&#228;ndige Betriebsr&#228;te vorgegangen. IG-Metall-Fraktion verweigert   Solidarit&#228;t<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Daniel Behruzi, zuerst ver&#246;ffentlicht in der <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2007\/08-28\/039.php\">jungen   Welt, 28.8.07<\/a><\/i><\/p>\n<p>  Im Zuge des fortgesetzten Personalabbaus im Daimler-Konzern zieht das   Management des Autobauers offenbar die Daumenschrauben gegen seine   Besch&#228;ftigten an. Mit &#187;Krankenr&#252;ckkehrgespr&#228;chen&#171; und der Suche nach   Disziplinarverst&#246;&#223;en macht die Personalabteilung Druck. Im   Untert&#252;rkheimer Werk richtet sich dieser nun auch gegen kritische   Betriebsr&#228;te.<\/p>\n<p>  Unter betrieblichen Aktivisten der IG Metall ist es &#252;blich, da&#223;   kontrovers und oftmals heftig diskutiert wird. Wenn es allerdings   disziplinarische Ma&#223;nahmen von seiten der Gesch&#228;ftsleitung gegen   einzelne Metaller gibt, werden diese geschlossen zur&#252;ckgewiesen. Bei   Daimler in Untert&#252;rkheim ist das &#8211; nach jahrelangen politischen   Auseinandersetzungen zwischen IG-Metall-Mehrheitsfraktion und in der   &#187;alternative&#171; zusammengeschlossenen oppositionellen Gewerkschaftern &#8211;   offensichtlich nicht mehr so. Im Falle einer gegen einen   &#187;alternative&#171;-Betriebsrat ausgesprochenen Abmahnung stellte sich die   Mehrheit der Besch&#228;ftigtenvertretung &#246;ffentlich und nur leicht   verklausuliert hinter die Ma&#223;nahme.<\/p>\n<p>  &#187;Die Gesch&#228;ftsleitung f&#228;hrt seit einiger Zeit eine massiv versch&#228;rfte   Gangart gegen kranke Kollegen und generell zur Disziplinierung der   Belegschaften&#171;, erl&#228;utert Tom Adler, IG-Metall-Mitglied und Betriebsrat   der &#187;alternative&#171; im Daimler-Werk Untert&#252;rkheim, gegen&#252;ber junge Welt   den Hintergrund des aktuellen Konflikts. Ihm zufolge wurde innerhalb der   Personalverwaltung eine spezielle Abteilung gebildet, die mit dem F&#252;hren   von Personalgespr&#228;chen mit Besch&#228;ftigten befa&#223;t ist, die nach Ansicht   des Unternehmens zu lange oder zu oft krankgeschrieben sind.   Insbesondere &#228;ltere Arbeiter werden dabei h&#228;ufig massiv bedr&#228;ngt, &#252;ber   Fr&#252;hverrentung oder Altersteilzeit &#187;freiwillig&#171; aus dem Unternehmen   auszuscheiden. &#187;Damit wird Druck ausge&#252;bt, um nicht mehr so   leistungsf&#228;hige Kollegen loszuwerden&#171;, meint Adler, der auch &#252;ber ein   &#187;Disziplinarteam&#171; der Personalabteilung berichtet. &#187;Dieses sammelt   akribisch ahndbare Verst&#246;&#223;e von einzelnen Besch&#228;ftigten, um mit einem   m&#246;glichst gro&#223;en S&#252;ndenregister die Rechtfertigung f&#252;r K&#252;ndigungen   aufzubauen.&#171;<\/p>\n<p>  Die Betroffenen haben das Recht, zu solchen Personalgespr&#228;chen einen   Betriebsrat ihrer Wahl hinzuzuziehen. In einem Fall zitierte ein Meister   einen Arbeiter zum Termin, ohne R&#252;cksicht auf die M&#246;glichkeit zur   Teilnahme des von diesem gew&#252;nschten Besch&#228;ftigtenvertreters zu nehmen.   In der Folge entwickelte sich ein Konflikt, bei dem alle   Verst&#228;ndigungsversuche des Betriebsrats Andr&#233; Halfenberg von den   betreffenden Vorgesetzten ignoriert wurden. Daraufhin schrieb Halfenberg   einen Artikel in der Betriebszeitung alternative, in dem dieser das   Vorgehen der Manager mit Worten wie &#187;Personalverfolger&#171;,   Krankenjagdgespr&#228;ch&#171; und &#187;Machtarroganz&#171; gei&#223;elte. Erst vier Wochen nach   der Ver&#246;ffentlichung reagierte die Werksleitung mit einer Abmahnung an   den Betriebsrat &#187;wegen Beleidigung und St&#246;rung des Betriebsfriedens&#171;.   &#187;Da&#223; die andere Seite zuvor alle geltenden Spielregeln und   Vereinbarungen ignoriert hat, was &#252;berhaupt erst zur Eskalation des   Konflikts gef&#252;hrt hat, spielte hingegen keine Rolle&#171;, kritisiert Adler.<\/p>\n<p>  Die Mitglieder der IG-Metall-Fraktion im Betriebsrat sehen das aber   offenbar anders. Erst auf einer drei Wochen nach dem Vorfall von der   &#187;alternative&#171; erzwungenen Sitzung wurde dieser &#252;berhaupt zum Thema.   Statt aber die Abmahnung gegen das Betriebsratsmitglied Halfenberg wie   von der &#187;alternative&#171; vorgeschlagen als &#187;v&#246;llig unverh&#228;ltnism&#228;&#223;ig&#171;   zur&#252;ckzuweisen, beschlo&#223; das Gremium mit 27 zu 18 Stimmen in der   vergangenen Woche ein Betriebsrats-Info mit dem Titel &#187;Fairer Umgang im   Betrieb&#171;. Darin wird zwar festgestellt, &#187;da&#223; immer wieder von einzelnen   F&#252;hrungskr&#228;ften Vereinbarungen, die zwischen Unternehmen und Betriebsrat   getroffen wurden, nicht eingehalten werden&#171;. Dann folgt aber eine   offensichtliche Attacke auf Halfenberg, wenn es hei&#223;t, alle Mitarbeiter   h&#228;tten &#187;Anspruch darauf, vor unangemessenen Angriffen und der Verletzung   von Pers&#246;nlichkeitsrechten gesch&#252;tzt zu werden &#8211; unabh&#228;ngig von der   betrieblichen Position. (&#8230;) Eine &#246;ffentliche und zugleich beleidigende   und herabsetzende Nennung einzelner Personen in Publikationen lehnt der   Betriebsrat (&#8230;) ab.&#171;<\/p>\n<p>  &#187;Diese Stellungnahme ist ein Signal an das Personalb&#252;ro, da&#223; dessen   Vorgehen gutgehei&#223;en wird &#8211; und diese Botschaft wird sicher ankommen&#171;,   kommentiert Adler. Die Mehrheitsfraktion ignoriere mit dieser   Argumentation sowohl den Hintergrund des Konflikts als auch die   bestehenden Machtverh&#228;ltnisse im Betrieb. Bezeichnend sei auch das   Zustandekommen des Beschlusses. So habe keinerlei Diskussion zum Thema   stattgefunden. &#187;Das wurde, ohne ein Wort zu verlieren, in geheimer   Abstimmung durchgestimmt&#171;, berichtet Adler. Offenbar sei der   Betriebsratsmehrheit die Disziplinierung einer kritischen Str&#246;mung in   der Belegschaft wichtiger, als der Widerstand gegen Ma&#223;regelungen durch   das Management. Fr&#252;her oder sp&#228;ter werde dies der   Besch&#228;ftigtenvertretung insgesamt auf die F&#252;&#223;e fallen. &#187;Die   Betriebsratsspitze t&#228;uscht sich gr&#252;ndlich, wenn sie glaubt, da&#223; wir uns   durch solche Ma&#223;nahmen einsch&#252;chtern oder von unserem konsequenten   Einsatz f&#252;r die Kollegen abbringen lassen&#171;, betont Adler. Zudem werde   die &#187;alternative&#171; pr&#252;fen, wie juristisch gegen die Abmahnung Halfenbergs   vorgegangen werden k&#246;nne.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Daimler Untert&#252;rkheim: Druck auf Kranke nimmt zu. 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