{"id":12264,"date":"2007-08-27T01:09:46","date_gmt":"2007-08-26T23:09:46","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12264"},"modified":"2012-07-02T19:35:44","modified_gmt":"2012-07-02T17:35:44","slug":"12264","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/08\/12264\/","title":{"rendered":"Italien: Die Linke in der Krise"},"content":{"rendered":"<p>  Als Berlusconi am 10. April letzten Jahres endg&#252;ltig abtreten musste,   freute sich nicht nur die Linke in Italien, ihn und seine Bande rechter   Krimineller los zu sein. Doch seine Politik geht unter Prodi weiter.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Conny Dahmen, K&#246;ln<\/i><\/p>\n<p>  Von Beginn an pr&#228;sentierte sich das Mitte-Links- B&#252;ndnis &#8222;Unione&#8220; aus   neun Parteien nicht als Alternative, deren Politik das Leben der   arbeitenden Massen verbessern wird. Die Erfahrungen mit der neoliberalen   Politik Prodis zwischen 1996 und 1998 hatten &#8222;Unione&#8220; nur einen kleinen   Vorsprung von 25.000 Stimmen bei der Wahl verschafft. Und auch die   rechten Kr&#228;fte der &#8222;Unione&#8220; legten stellten ein neues Programm von   Deregulierungen, Privatisierungen und Kriegseins&#228;tzen auf, anstatt die   Angriffe der Vorg&#228;nger-Regierung zur&#252;ckzunehmen, wie sie es in ihrem   Wahlmanifest behauptet hatten. Auch die Rentenreform &#8222;Scalone&#8220; (&#8222;gro&#223;er   Schritt&#8220;), die noch aus Berlusconis Zeiten stammt, will Prodi umsetzen.   Der alte Entwurf sieht vor, das Renteneintrittsalter von 57 Jahre auf 64   ab 2008 heraufzusetzen. Der neuen Regierung zufolge solle es nur auf 58   Jahre angehoben werden, dann allerdings alle 18 Monate um ein weiteres   Jahr steigen (&#8222;scalini&#8220; &#8211; &#8222;kleine Schritte&#8220;).<\/p>\n<p>  Der Plan, ein zweite US-Milit&#228;rbasis in der italienischen Kleinstadt   Vicenza aufzubauen und die italienischen Intervention in Afghanistan   fortzusetzen, setzte die aufgestaute Wut frei und f&#252;hrte zur gr&#246;&#223;ten   landesweiten Demonstration seit langem. Vier Tage, nachdem 200.000   Menschen in Vicenza auf die Strasse gegangen waren, st&#252;rzte die gesamte   italienische Regierung am 21. Februar &#252;ber ein Vertrauensvotum. Mangels   Alternativen war sie kurze Zeit sp&#228;ter wieder an der Macht, steht   seither aber auf wackeligen F&#252;&#223;en.<\/p>\n<p>  Die Entt&#228;uschung der Massen &#252;ber die Regierungspolitik bekamen die   Koalitionsparteien bei den Kommunalwahlen in Norditalien am 27. und 28.   Mai zu sp&#252;ren, als sie alle schwere Stimmenverluste erlitten. Gegen&#252;ber   2003 war die Wahlbeteiligung in den St&#228;dten von um 2%, in den Provinzen   um 7% gesunken. Die Regierungsparteien gewannen in nur f&#252;nf von 26   Gro&#223;st&#228;dten die Mehrheit, in vielen ihrer ehemaligen Hochburgen lagen   die Kandidaten der Mitte-Rechts-Koalition &#187;Haus der Freiheit&#171; von   Berlusconi vorn.<\/p>\n<p>  Die PRC (Partei der kommunistischen Neugr&#252;ndung) verlor nahezu die   H&#228;lfte ihrer Stimmen. Nachdem sie jahrelang als klare linke Opposition   unter Berlusconi galt, ist sie heute voll in die K&#252;rzungspolitik Prodis   mit eingebunden. Die PRC, eine kleine Massenpartei von ca. 100 000   Mitgliedern, ging aus der Spaltung der KPI Anfang der 90er hervor.   Zun&#228;chst entwickelte sich die PRC auf der Grundlage einer klar   antikapitalistischen Richtung nach links und setzte auf sehr radikale,   sozialistische und marxistische Rhetorik, was sich in ihren Taten   weniger deutlich niederschlug. Die PRC konnte sich als linke   Wahlalternative pr&#228;sentieren, ihre Unterst&#252;tzung in Schl&#252;sselbereichen   der Gewerkschaften aber nicht ausbauen.<\/p>\n<p>  Die PRC- F&#252;hrung r&#252;ckte bald immer weiter nach rechts und war nicht in   der Lage, effektiv Widerstand gegen Berlusconi zu organisieren und   Alternativen aufzuzeigen, bis sie schlie&#223;lich zusammen mit b&#252;rgerlichen   Kr&#228;ften in Prodis &#8222;Unione&#8220;- B&#252;ndnis eintrat. Ihre Begr&#252;ndung ist, so   besser Druck von links auf Prodi aus&#252;ben zu k&#246;nnen. Prodi dagegen hat   mit der PRC ein weiteres Mittel in der Hand, der Arbeiterklasse den   Widerstand gegen die Regierungspolitik zu erschweren. So bereitet die   PRC dadurch den Boden f&#252;r einen erneuten Sieg der Rechten und   untergraben gleichzeitig den Aufbau einer k&#228;mpferischen Arbeiterpartei.   Der tiefe Graben zwischen PRC und der anti-kriegs- und   antikapitalistischen Bewegung wurde besonders deutlich bei den Protesten   anl&#228;sslich des Italien-Besuchs von George W. Bush am 9.Juni, als in Rom   150 000 Menschen einem Demonstrationsaufruf der Anti-Kriegs-Bewegung   gegen die US-Kriegspolitik und den Afghanistaneinsatz Italiens folgten.   W&#228;hrend sich gro&#223;e Teile ihrer Basis an dieser Gro&#223;demonstration   beteiligten, organisierte die PRC-F&#252;hrung mit einigen Regierungsparteien   eine eigene Kundgebung mit einigen Hundert TeilnehmerInnen.<\/p>\n<p>  Die Zusammenarbeit der Parteien links von Sozialdemokraten und   Liberalen, wie z.B. Gr&#252;ne, PRC und ihrer Rechtsabspaltung Communisti   Italiani soll in Zukunft mit der Bildung eines neuen Wahlblock auch   formal manifestiert werden. Im &#8222;cantiere&#8220; (&#8222; Baustelle&#8220;) wollen sie sich   unter der Leitlinie, &#8222;Kritik an der derzeitigen Form des Kapitalismus   (zu) &#252;ben&#8220; (PRC- F&#252;hrer Franco Giordano im Corriere della Sera)   vereinen. Offensichtlich w&#228;re das Ziel der neuen Formation keine andere   Gesellschaftsform, sondern eine andere Form des Kapitalismus und   &#8222;cantiere&#8220; nichts weiter als eine neue sozial-liberale Partei, die keine   Interessenvertretung f&#252;r ArbeiterInnen und Jugendliche darstellen w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Denn eine solche Formation wird bereits von den rechteren Kr&#228;ften der   &#8222;Unione&#8220; aufgebaut: Im Oktober steht die Gr&#252;ndung der &#8222;Demokratischen   Partei&#8220; (PD) an, hinter der vor allem die DS steht, die damals im   &#8222;Ulivo-&#8220;, heute im &#8222;Unione&#8220;- Kabinett einen der St&#252;tzpfeiler darstellt   und urspr&#252;nglich von der ehemaligen KPI &#8211; Mehrheit ins Leben gerufen   wurde. Sie verf&#252;gt immer noch &#252;ber eine gewerkschaftliche Basis. Prodis   zweiter starker Regierungspartner Margherita, ein &#220;berbleibsel der   Christdemokratischen Partei Italiens DC, ist ebenfalls dabei. Zum   Charakter der PD gab Berlusconi als Gast auf einer DS-Konferenz im M&#228;rz   den treffendsten Kommentar: &#8222;95 % dessen, was ich geh&#246;rt habe, kann ich   zustimmen, ich k&#246;nnte fast in die neue PD eintreten.&#8220; Die Zustimmung   breiter Schichten wird der PD wahrscheinlich verwehrt bleiben,   schlie&#223;lich schnitten sowohl DS als auch Margherita bei den   Kommunalwahlen in allen Provinzen schlechter ab als 2002, Umfragen   prophezeien der PD h&#246;chstens 23% Stimmenanteil.<\/p>\n<p>  Oppositionelle Str&#246;mungen in der PRC , darunter die marxistische Gruppe   Controcorrente und die CWI-Gruppe in Italien &quot;Lotta per il socialismo&quot;,   wenden sich gegen das &#8222;Cantiere&#8220;- Projekt und versuchen, eine   Einheitsfront aller kritischen Str&#246;mungen in der PRC zu bilden, um den   Abriss der PRC und die Baustelle zu verhindern. Angesichts wachsender   Wut, Frustration und Mitgliederschwund werfen einige die Frage auf, an   der Rentenfrage mit Prodi zu brechen, denn der Zusammenbruch sowohl von   PRC als auch &#8222;cantiere&#8220; ist sicher, sollten sie Teil der Regierung   bleiben und sich vom Klassenkampf und Antikapitalismus abwenden.<\/p>\n<p>  Mit 1,9% Wachstum in Italien ist die Einhaltung der Maastrichtkriterien   langfristig nicht garantiert, das italienische Kapital dr&#228;ngt Prodi zu   noch massiveren Konter-Reformen.<\/p>\n<p>  Nach den Streiks und Protesten gegen die Privatisierungen der   Fluggesellschaft Alitalia, der Bahngesellschaft, Telekom und weiterer   &#246;ffentlicher Einrichtungen im Fr&#252;hjahr war es ruhiger geworden auf den   Stra&#223;en. Einen Generalstreik im &#246;ffentlichen Dienst hatten die   Gewerkschaften in letzter Minute nach kleinen Zugest&#228;ndnissen abgesagt.   Gegen die Rentenreform, welche die drei gr&#246;&#223;ten Gewerkschaften ablehnen,   k&#246;nnten sich jedoch ernstere K&#228;mpfe entwickeln. &#220;ber eine halbe Million   MetallarbeiterInnen der CGIL sind in ersten Warnstreiks auf die Stra&#223;e   gegangen und rufen zu einem Generalstreik auf. Angesichts die Unruhe an   der Basis f&#252;hren lokale Gewerkschaftsf&#252;hrungen schon   Verleumdungskampagnen gegen linke AktivistInnen. Aber gerade diejenigen   Kr&#228;fte, die sich aktiv an k&#252;nftigen Arbeitsk&#228;mpfen, gewerkschaftlichen   und sozialen Bewegungen beteiligen, sind es, welche die Basis einer   wirklichen Arbeitermassenpartei bilden k&#246;nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Als Berlusconi am 10. April letzten Jahres endg&#252;ltig abtreten musste,<br \/>\n      freute sich nicht nur die Linke in Italien, ihn und seine Bande rechter<br \/>\n      Krimineller los zu sein. 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