{"id":12260,"date":"2007-08-20T10:05:16","date_gmt":"2007-08-20T08:05:16","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12260"},"modified":"2012-05-15T15:38:28","modified_gmt":"2012-05-15T13:38:28","slug":"12260","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/08\/12260\/","title":{"rendered":"Das Aufb&#228;umen gegen die Linksverschiebung"},"content":{"rendered":"<p>  Die Mehrheit der Bev&#246;lkerung hat nach Jahren von Angriffen, von Hartz IV   bis zur Rente mit 67, die Schnauze voll: Schluss mit dem Sozialabbau,   Schluss mit Privatisierungen, Schluss mit Arbeitszeitverl&#228;ngerungen und   Lohnk&#252;rzungen. Bei Umfragen wird ein Ruck nach links sichtbar. Der   Rechtfertigung der neoliberalen Politik durch die Gro&#223;e Koalition   entzieht das die Grundlage. Die Unternehmer und ihre Politiker   versuchen, dagegen zu schie&#223;en.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Stephan Kimmerle, Berlin<\/i><\/p>\n<p>  Angesto&#223;en durch die WASG und fortgesetzt durch die Positionierung Oskar   Lafontaines als Vorsitzendem der neuen Partei DIE LINKE findet die   allgemeine Ablehnung der Politik des Sozialabbau endlich einen   politischen Ausdruck. Die unbestimmte Haltung gegen diese Angriffe   bekommt einen konkreten Ausdruck. Eine Umfrage dazu fasst &#8222;Die Zeit&#8220; wie   folgt zusammen: &#8222;67 Prozent der Befragten wollen Unternehmen wie die   Bahn sowie die Energieversorgung in staatlicher Hand lassen. Vor allem   von Anh&#228;ngern der Volksparteien wird diese Haltung ge&#228;u&#223;ert; von den   SPD-Anh&#228;ngern sind 72 Prozent f&#252;r Staatsunternehmen, von den   Unionsw&#228;hlern immerhin 71 Prozent. 68 Prozent der Befragten sind f&#252;r die   Einf&#252;hrung von Mindestl&#246;hnen. 62 Prozent halten die Beteiligung der   Bundeswehr an Eins&#228;tzen in Afghanistan f&#252;r &quot;eher falsch&quot;; 82 Prozent   fordern, das gesetzliche Rentenalter wieder von 67 auf 65 Jahre zu   senken.&#8220;<\/p>\n<p>  In der gleichen Umfrage weisen 54 Prozent einen Ausstieg aus dem   Atomausstieg zur&#252;ck. 29 Prozent w&#252;nschen sich, dass die Partei DIE LINKE   eine wichtige Rolle in Deutschland spielt.<\/p>\n<p>  Der Wahlerfolg der Partei DIE LINKE in Bremen und die Aussicht auf   weitere Wahlerfolge f&#252;r sie stellt die Unternehmer und ihre Politiker   vor gr&#246;&#223;er werdende Probleme: Wie soll angesichts solcher Umfragen und   der zunehmenden Fragmentierung der Parteienlandschaft eine   Beschleunigung der Angriffe umgesetzt werden? Denn BDI-Chef J&#252;rgen   Thumann sind die &#8222;Reformen zu klein, zu langsam, nicht mutig genug&#8220;   (siehe <a href=\"\/?p=12239\">&#8222;BDI: Auftrag an   Merkel&#8220;<\/a>).<\/p>\n<h4>  DDR-Keule<\/h4>\n<p>  Dass die Herrschenden bei der Durchsetzung ihrer Interessen nicht   zimperlich sind, demonstrierte nochmals das Vorgehen der Justiz gegen   den drohenden Streik der GDL bei der Bahn. Kurzerhand wurde das   Streikrecht attackiert. (siehe: <a href=\"\/?p=12232\">&#8222;Solidarit&#228;t   mit den Eisenbahnern&#8220;<\/a>). Gegen die Linksverschiebung griff nun   die Birthler-Beh&#246;rde in die Akten: Der Schie&#223;befehl an der   deutsch-deutschen Grenze sollte flugs zum Thema gemacht werden um   &#8222;sozialistische&#8220; Ideen zu diskreditieren.<\/p>\n<p>  Die DDR samt Schie&#223;befehl hatte mit Sozialismus nichts zu tun.   Sozialismus lebt von Demokratie und aktiver, lebendiger Beteiligung der   Masse der Bev&#246;lkerung und ist keine Diktatur einer B&#252;rokratie. Doch   dieser Versuch die DDR-Keule zu schwingen, ging grundlegend daneben. Zu   abgedroschen waren selbst den b&#252;rgerlichen Medien die &#8222;neuen&#8220; Vorw&#252;rfe.<\/p>\n<p>  Dennoch: Auch der Wahlk&#228;mpfer Roland Koch, im Fr&#252;hjahr will er in Hessen   wiedergew&#228;hlt werden, versuchte sich mit der gleichsetzung von DIE LINKE   und der SED.<\/p>\n<p>  Leichter w&#228;re dies sicherlich zu kontern, wenn gr&#246;&#223;ere Teile der Partei   DIE LINKE ein klareres Verst&#228;ndnis von Sozialismus h&#228;tten: Die   Bezeichnung der DDR als sozialistisch und die fortgesetzte Bezeichnung   zum Beispiel der Berliner Regierungspolitik als &#8222;links&#8220; tr&#228;gt zur   doppelten Diskreditierung sozialistischer Ideen bei.<\/p>\n<p>  Doch die Debatten um Mindestlohn und die Forderung nach einem Ende von   Sozialabbau, Lohnraub und Arbeitszeitverl&#228;ngerung werden die   Herrschenden mit solchen Anw&#252;rfen nicht los.<\/p>\n<h4>  &#8222;Populismus&#8220;<\/h4>\n<p>  In die gleiche Richtung zielt der Vorwurf des &#8222;Populismus&#8220; gegen   Lafontaine. Der Tagesspiegel verglich Oskar Lafontaine gar mit dem   rassistischen und nationalistischen &#246;sterreichischen Rechtsextremen J&#246;rg   Haider.<\/p>\n<p>  Eine Mehrheit der W&#228;hlerInnen aller im Bundestag vertretenen Parteien   will einen Mindestlohn. Trotzdem geschieht das Gegenteil. Und dann wird   Lafontaine als &#8222;populistisch&#8220; angegriffen, der diese Forderung   artikuliert &#8211; ein merkw&#252;rdiges Demokratieverst&#228;ndnis.<\/p>\n<h4>  Konfrontation in der Partei DIE LINKE<\/h4>\n<p>  Gleichzeitig sieht sich Lafontaine aber auch mit dem Widerstand der   alten PDS-Landesf&#252;rsten in der Partei DIE LINKE konfrontiert. Klaus   Lederer, Vorsitzender von DIE LINKE in Berlin, nimmt seinen   Parteivorsitzenden zwar gegen den Vergleich mit Haider in Schutz, um   aber unmittelbar nachzuschieben, &#8222;manche Zuspitzung Lafontaines geht   auch mir zu weit&#8220; (Berliner Zeitung, 17.8.). Er stellt der Politik   Lafontaines die Frage gegen&#252;ber: &#8222;Sind wir nur auf   Gewerkschaftskundgebungen unterwegs, oder suchen wir eine breitere   Verankerung in der Gesellschaft?&#8220;<\/p>\n<p>  Sachsen-Anhalts DIE-LINKE-Fraktionschef Wulf Gallert kritisierte   Lafontaine, indem er von Lafontaines Co-Vorsitzendem Lothar Bisky und   dem Co-Fraktions-Chef Gregor Gysi lautere T&#246;ne einfordert. Wulf Gallert   verschanzt sich dabei hinter der Kritik an reaktion&#228;ren Positionen in   der Familienpolitik, die Lafontaines Frau Christa M&#252;ller ge&#228;u&#223;ert hatte   und die Lafontaine verteidigte. Doch hinter der Kritik steht die   Absicht, eine angepasstere Politik gegen&#252;ber Sozialabbau und K&#252;rzungen   auch mit Beteiligung der Partei DIE LINKE in Landesregierungen oder auf   kommunaler Ebene durchzusetzen.<\/p>\n<p>  Dies wird am deutlichsten durch den fr&#252;heren PDS-Vordenker und heutigen   Europa-Abgeordneten Andr&#233; Brie. Er fordert eine Art innerparteiliche   Opposition gegen Lafontaine und kritisiert psychologisierend Lafontaines   angeblichen Kurs gegen Regierungsbeteiligungen mit der SPD aufgrund   seiner SPD-Geschichte. &#8222;Wir stellen Forderungen und denken zu wenig   dar&#252;ber nach, welche realistischen L&#246;sungsm&#246;glichkeiten es gibt. Wir   sind in der Gefahr, eine reine Protestpartei zu werden&#8220;, so Brie   gegen&#252;ber dem Spiegel.<\/p>\n<p>  K&#228;men die Rechten in der Partei DIE LINKE damit durch, w&#252;rde sich die   Geschichte der PDS wiederholen: Ihre Anpassung und ihre   Regierungsbeteiligung inklusive Ausverkauf von Wohnungen,   Privatisierungen und K&#252;rzungen f&#252;hrte zu einem Niedergang. In Berlin   halbierte sie ihre Stimmen nach vier Jahren Sozialabbau in der   Landesregierung, bundesweit flog sie (bis auf zwei Direktmandate) 2002   aus dem Bundestag.<\/p>\n<p>  Wie aber geht Lafontaine damit um? Wie kann die gesellschaftliche   Verschiebung nach links genutzt werden?<\/p>\n<p>  Notwendig w&#228;re eine klare Kampfansage an jede Form von Sozialabbau und   Unterordnung unter die Interessen des Kapitals. Das Einknicken vieler   Ost-Mandatstr&#228;ger der PDS angesichts der angeblichen Sachzw&#228;nge vor Ort   m&#252;sste endlich benannt und angegangen werden und einer   Regierungsbeteiligung mit Sozialabbau eine klare, grunds&#228;tzliche Absage   erteilt werden. Hier h&#228;lt sich Lafontaine aber gerade mit Blick auf die   Landtagswahl im Saarland, bei der er erneut Ministerpr&#228;sident werden   will, zur&#252;ck &#8211; und alle T&#252;ren offen. Das wird gerade diejenigen   entt&#228;uschen, die sich jetzt verst&#228;rkt an linken Ideen orientieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Die Mehrheit der Bev&#246;lkerung hat nach Jahren von Angriffen, von Hartz IV<br \/>\n      bis zur Rente mit 67, die Schnauze voll: Schluss mit dem Sozialabbau,<br \/>\n      Schluss mit Privatisierungen, Schluss mit Arbeitszeitverl&#228;ngerungen und<br \/>\n      Lohnk&#252;rzungen. Bei Umfragen wird ein Ruck nach links sichtbar. Der<br \/>\n      Rechtfertigung der neoliberalen Politik durch die Gro&#223;e Koalition<br \/>\n      entzieht das die Grundlage. 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