{"id":12259,"date":"2007-08-17T14:46:58","date_gmt":"2007-08-17T14:46:58","guid":{"rendered":".\/?p=12259"},"modified":"2007-08-17T14:46:58","modified_gmt":"2007-08-17T14:46:58","slug":"12259","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/08\/12259\/","title":{"rendered":"Weltwirtschaft: Spekulationsblasen ohne Ablaufdatum?"},"content":{"rendered":"<p>  Die Weltwirtschaft erhielt besonderen Auftrieb durch einen Anstieg der   Liquidit&#228;t, einer regelrechten Flut billiger Kredite. Das n&#228;hrte die   verr&#252;ckten Spekulationen der letzten Jahre, eine Goldgrube f&#252;r die   Superreichen. Dieser Entwicklung liegen aber unhaltbare Ungleichgewichte   und sich vertiefende Widerspr&#252;che in den weltwirtschaftlichen   Beziehungen zu Grunde. LYNN WALSH geht in der Socialism Today vom Mai   2007 (der Monatszeitschrift der Socialist Party) diesen Prozessen auf   den Grund.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  ENDE FEBRUAR erlitten die B&#246;rsen der Welt und andere Sektoren der   Finanzm&#228;rkte (Unternehmensanleihen, Schuldverschreibungen,   Warenterminhandel, etc.) scharfe Einbr&#252;che, die eine Periode des   Zitterns &#252;berall im globalen Finanzsystem er&#246;ffnete. Die Delle wurde   augenscheinlich von einem 9%-R&#252;ckgang an den beiden wichtigsten   chinesischen B&#246;rsen (Shanghai &amp; Shenzen am 27.\/28. Februar 2007)   ausgel&#246;st. Der Kursr&#252;ckgang in China wurde durch die &#196;ngste der   Investoren verursacht, die chinesische Regierung k&#246;nnte den Zugang zu   billigen Krediten zum Kauf von Aktien einschr&#228;nken und so den j&#252;ngsten   Anstieg der Aktienpreise (130% im Jahr 2006) abw&#252;rgen.<\/p>\n<p>  Aber der Effekt der Einbr&#252;che an den chinesischen B&#246;rsen &#252;berstieg bei   weitem deren Bedeutung auf den globalen Finanzm&#228;rkten. China spielt zwar   ohne Zweifel eine immer bedeutendere Rolle in der Weltwirtschaft, aber   auf die chinesischen Aktienm&#228;rkte entf&#228;llt nur ein verschwindend   geringer Anteil an der Gesamtkapitalisierung der weltweiten   Aktienm&#228;rkte. Die Gesamtkapitalisierung aller chinesischen B&#246;rsen   zusammen betr&#228;gt nur etwa 5% des Werts der US-M&#228;rkte. Morgan Stanley   Capital International (MSCI) sch&#228;tzt, dass chinesische Aktien, die von   internationalen Investoren gekauft werden k&#246;nnen (im Gegensatz zu   Aktien, die chinesischen Investoren vorbehalten sind) rund 11% des   gesamten &#8222;Emerging Markets&#8220;-Index ausmachen und lediglich minimale 0,9%   des MSCI-Welt-Indexes. Das hei&#223;t, dass die Kapitalisierung der   chinesischen Aktienm&#228;rkte geringer ist als jene Taiwans oder S&#252;dkoreas,   in etwa gleich mit jener Russlands und Brasiliens. &#8222;Der chinesische   Einfluss auf die globalen Aktienm&#228;rkte&#8220;, bemerkte ein Kommentator, &#8222;ist   eher psychologisch als fundamental. [Der chinesische Aktienmarkt]   gleicht eher einem Kasino als einem legitimen Investitionsstandort.&#8220;   (Michael Sesit, China Not Yet in Driver&#8217;s Seat, International Herald   Tribune, 2. April 2007)<\/p>\n<p>  Die Einbr&#252;che an den chinesischen B&#246;rsen l&#246;sten jedoch einen weltweiten   R&#252;ckzug der Spekulanten aus hoch riskanten Anlageformen aus, was die   weitverbreiteten &#196;ngste reflektiert, dass Aktien und andere Anlagen   massiv &#252;berbewertet und reif f&#252;r eine &#8222;Korrektur&#8220; w&#228;ren. Es scheint, als   h&#228;tten Aktien am meisten unter diesem R&#252;ckzug gelitten, de facto waren   aber alle Anlageformen betroffen.<\/p>\n<p>  Das Ergebnis war eher eine Ersch&#252;tterung als ein Erdbeben. In den USA   wurden zum Beispiel am 28. Februar rund 580 Mrd. US Dollar an   Aktienwerten ausradiert. Dennoch ging der Savings &amp; Poor 500 Index, der   am breitesten gestreute Index der Wall Street nur um 3,5% zur&#252;ck. Von   einer &#8222;Korrektur&#8220; spricht man allerdings erst ab 10% R&#252;ckgang, ab 20%   von einem Einbruch. (Die Wall Street fiel um 21% an einem Tag w&#228;hrend   des Crashs im Oktober 1987). Aber trotzdem war dies der gr&#246;&#223;te R&#252;ckgang   in den USA seit dem Platzen der dotcom-Blase 2000\/2001, ein   Erinnerungswink an die Spekulanten, dass Zocken auf den Finanzm&#228;rkten   nach wie vor Risiken birgt.<\/p>\n<p>  Die Februar-Ersch&#252;tterung war nicht so sehr eine Frage der   Ansteckungsgefahr, eine Situation, in der Ereignisse in einer Region   sich mittels Domino-Effekt auf andere Teile des weltweiten Finanzsystems   ausbreitet, als seine Frage der Synchronisierung. Der R&#252;ckgang in China   erinnerte die Spekulanten auf der ganzen Welt, dass weltweit die   gleichen Bedingungen existieren. Der schnelle und simultane Fall der   M&#228;rkte zeigt, wie weit die Finanzm&#228;rkte bereits globalisiert sind &#8211; das   ganze globale Finanzsystem funktioniert praktisch als ein einziger Markt.<\/p>\n<p>  Im Februar waren die Investoren dar&#252;ber hinaus noch von einer Reihe   anderer Faktoren beeinflusst. Der wichtigste Faktor waren neuerliche   Anzeichen f&#252;r eine Verlangsamung der US-Wirtschaft. Ende Januar wurde   das Wachstum des BIP f&#252;r das vierte Quartal 2006 von 2,5% auf 2,2%   herunter revidiert. Im Vergleich dazu wurde im ersten Quartal 2006 noch   ein Wachstum von 5,6% verzeichnet. Diese Verlangsamung wurde   haupts&#228;chlich durch den Einbruch am US-Immobilien-Markt, der ein   wesentlicher Faktor im Erhalt der Inlandsnachfrage am Konsummarkt war,   hervor gerufen. Die Abk&#252;hlung am Immobilienmarkt f&#252;hrte zu einer Krise   am Subprime-Markt. Der Subprime-Markt ist jener Kreditmarkt, in dem   Hypothekenkredite an Schuldner mit mangelhafter Kreditw&#252;rdigkeit,   gelistet sind. Das hei&#223;t, es handelt sich um Kredite zu h&#246;heren Zinsen   an Schuldner, die sich schon normale Zinsen eigentlich nicht leisten   k&#246;nnen. Einige der Firmen und Banken, die in den Subprime-Markt   involviert sind, haben bereits gro&#223;e Verluste gemeldet, w&#228;hrend andere   bereits in den Bankrott getrieben wurden. Es existieren gro&#223;e &#196;ngste   unter den seri&#246;sen kapitalistischen Kommentatoren, dass sich die   Subprime-Krise auf andere Bereiche des Finanzsektors ausweiten k&#246;nnte.   Diese Krise hat definitiv das Potenzial, eine breitere Finanzkrise   auszul&#246;sen.<\/p>\n<p>  Das Zittern wurde verst&#228;rkt durch kolportierte Aussagen vom fr&#252;heren   Chef der US-Notenbank Alan Greenspan gegen&#252;ber einer Gruppe von   Investoren. Die Presse berichtete, dass er davor gewarnt h&#228;tte, die USA   schiene am Ende einer langen Expansion angelangt zu sein und dass solche   Zeiten normalerweise die Saat der Rezession mit sich br&#228;chten.   Greenspan, der noch immer von vielen als unfehlbarer Guru betrachtet   wird, warnte, dass &#8222;Investoren in Gefahr w&#228;ren, zu selbstgef&#228;llig und zu   sicher zu sein, die gute Mischung aus niedriger Inflation und stabilem   Wachstum ginge einfach so weiter.&#8220; (International Herald Tribune, 3.   M&#228;rz 2007)<\/p>\n<p>  Die neuesten Gesch&#228;ftsberichte deuten jedoch an, dass nach 19   aufeinander folgenden Quartalen mit Profitzuw&#228;chsen von mehr als 10%   gesch&#228;tzt wird, dass sich das Profitwachstum 2007 auf 4&#8211;5% verlangsamt.   &#8222;Das letzte Mal, dass ein solcher R&#252;ckgang zu verzeichnen war&#8220;,   kommentierte die Business Week, &#8222;war im April 2000, einen Monat nach dem   Beginn des B&#228;renmarkts [Markt mit fallenden Kursen] und elf Monate bevor   die Wirtschaft in eine Rezession schlitterte.&#8220; (Volatility is Back,   Ominous Signs Loom, 12. M&#228;rz 2007)<\/p>\n<p>  Die Preise f&#252;r Kapitalanlagen wurden durch verr&#252;ckte Spekulation auf   Basis immer gr&#246;&#223;erer Mengen an billigen Krediten unglaublich   aufgeblasen. Das Rekordwachstum der Weltwirtschaft ist in starker   Abh&#228;ngigkeit von einer Reihe von Blasen. Das Finanzsystem scheint   zunehmend von der Realwirtschaft, der Produktion von G&#252;tern und   Dienstleistungen, abgekoppelt zu werden. Dennoch h&#228;tte das Platzen einer   dieser Blasen &#8211; ein Finanzcrash &#8211; verheerende Auswirkungen auf das   Wachstum der Weltwirtschaft.<\/p>\n<h4>  Ein wahrer Spekulationsrausch<\/h4>\n<p>  W&#196;HREND DER LETZTEN drei, vier Jahre kam es zu einer regelrechten Orgie   des Spekulationsrausches. Ein Drittel der Unternehmensprofite in den USA   kamen aus dem Finanzsektor. Das ist sogar eine gr&#246;&#223;ere Gr&#246;&#223;enordnung als   in den sp&#228;ten 1990ern, als die US-Wirtschaft scheinbar vom so genannten   dotcom-Boom getrieben wurde. Die Spekulation mit Aktien von Firmen im   Informations- und Kommunikationstechnologie-Sektor trieb die Preise der   Aktien in H&#246;hen, die weit &#252;ber jeder realistischen Aussicht auf   Profitabilit&#228;t lagen. Heutzutage hat diese Art der Spekulation den   letzten Winkel der globalen Wirtschaft erobert. Heute gibt es nicht nur   eine Blase, sondern eine ganze Reihe: Aktien, Fremdw&#228;hrungen,   &#8222;aufstrebende M&#228;rkte&#8220;, Konsumg&#252;ter, Risikoanleihen, Rohstoffe,   &#220;bernahmen, und so weiter.<\/p>\n<p>  Diese Blasen wurden von einem scheinbar endlosen Angebot an billigen   Krediten und aggressiver Aktivit&#228;t der gro&#223;en Spekulanten gen&#228;hrt.   Diesmal haben sich viele superreiche Einzelinvestoren, die ihre riesigen   Verluste 2000&#8211;2001 nicht vergessen haben, aus den riskanteren M&#228;rkten   zur&#252;ckgezogen, in dem sie Zuflucht bei Staatsanleihen suchten oder   einfach ihre Unmengen an Geld in Bank-Depots legten. Die   Finanzmarkt-Aktivit&#228;ten werden so zunehmend von den &#8222;gro&#223;en Spielern&#8220;   dominiert: Hedge Fonds, Finanzh&#228;user (Goldman Sachs, Morgan Stanley,   Merrill Lynch, etc.) und Beteiligungs-Firmen, die mit Privatkapital   Beteiligungen aufkaufen (Private Equity). Zur selben Zeit folgten auch   Firmen, die traditionell eher vorsichtiger agierten, wie   Investmentfonds, Versicherungen und Pensionsfonds, in Zeiten niedriger   Zinss&#228;tze dem Beispiel der abenteuerlichen Raubritter auf der Suche nach   h&#246;heren Renditen. Diese Institutionen n&#252;tzen kleine Preisdifferenzen   zwischen verschiedenen Typen von Anlagewerten und regionalen M&#228;rkten, in   dem sie mittels riesiger Kredite in hohen Mengen spekulieren. Oft sind   mehr als zwei Drittel ihrer Investition eigentlich auf Pump. Vor 50   Jahren war der US-Finanzsektor de facto schuldenfrei, heute hat er   Schulden in der H&#246;he von 100 % des BIP der USA angeh&#228;uft.<\/p>\n<p>  Alle Anlagewerte, ob Unternehmenskredite oder Ressourcen wie &#214;l oder   Getreide, werden heute &#8222;verbrieft&#8220;. Das hei&#223;t, dass sie in Form von   Papieren auf schnelllebigen M&#228;rkten gehandelt werden k&#246;nnen. Diese   M&#228;rkte sind &#228;u&#223;erst liquide, enorme Geldfl&#252;sse flie&#223;en in   atemberaubender Geschwindigkeit.<\/p>\n<p>  Derivate, eine Spezialform dieser Wertpapiere, die ihren Wert aus   dahinter liegenden Werten beziehen (Optionen, Futures, Swaps, &#8230; in Bezug   auf W&#228;hrungen, Ressourcen, Schulden, Aktien, &#8230;), wurden zu einem der   wichtigsten Zugpferde spekulativer Aktivit&#228;ten. Sie wurden entwickelt,   um die Risiken auf eine gro&#223;e Anzahl von Teilnehmern am Finanzmarkt zu   streuen. In einem wachsenden Markt scheinen sie diese Aufgabe auch zu   erf&#252;llen. Sie sind allerdings extrem komplizierte Finanz-Instrumente und   sogar Experten geben zu, dass sie keine Ahnung haben, wo bzw. an wem die   Risiken schlie&#223;lich h&#228;ngen bleiben werden. Was wird passieren, wenn es   zu einer gr&#246;&#223;eren Korrektur bzw. einem Crash kommen sollte? &#8222;Die Flut   weltweiter Liquidit&#228;t&#8220;, kommentierte Tony Jackson (Financial Times, 6.   Februar 2007), &#8222;deformiert die Kreditm&#228;rkte&#8220;, und niemand &#8222;wei&#223;, wo die   Risiken im System liegen&#8220;.<\/p>\n<p>  Aktien oder Unternehmensbeteiligungen sind die beliebteste Form der   Investitionen. Generell betrachtet bieten sie h&#246;here Renditen als   Anleihen und viele andere Investitionsm&#246;glichkeiten. Durch relativ   wenige neue B&#246;rseng&#228;nge kommt es allerdings zu einer Knappheit an Aktien   am Markt. Das treibt die Aktienpreise in die H&#246;he, obwohl sie in realen   Werten noch nicht die Spitzen der sp&#228;ten 1990er erreicht haben.<\/p>\n<p>  Da Aktienkurse zu einem der wesentlichsten Faktoren in der Bewertung des   Unternehmenserfolgs wurden, kaufen viele Unternehmen eigene Aktien   zur&#252;ck, um den Preis der verbleibenden Aktien hoch zu halten. In den   letzten Jahren kauften 29 von 30 Unternehmen, die im   Dow-Jones-Industrial-Average-Index gelistet sind, zumindest einige ihrer   eigenen Aktien zur&#252;ck. 2006 betrug der Wert der gesamten R&#252;ckk&#228;ufe von   Unternehmen im Dow-Jones-Industrial-Average-Index 370 Milliarden   US-Dollar, das vierfache von 2003. Es wird gesch&#228;tzt, dass in den ersten   neun Monaten des Jahres 2006, Aktien um rekordverd&#228;chtige 600 Mrd.   Dollar aus allen US-Aktienm&#228;rkten zur&#252;ckgekauft wurden. In vielen F&#228;llen   kauften die betroffenen Firmen einen Teil ihrer Aktien auf Kredit   zur&#252;ck. Dieser Prozess macht die Idee, dass an der B&#246;rse Kapital f&#252;r   neue Investitionen geschaffen wird, zur Farce. In Wirklichkeit kommen   Investitionen aus den zur&#252;ckgehaltenen Profiten bzw. aus Krediten.<\/p>\n<p>  Viele Aktien wurden durch &#220;bernahmen vom Markt genommen, haupts&#228;chlich   durch fremdkapitalfinanzierte Unternehmens&#252;bernahmen (leveraged   buy-outs, LBOs) durch Private-Equity-Firmen. 2006 hatten diese LBOs in   den USA ein Gesamtvolumen von 420 Milliarden Dollar.   &#8222;Fremdkapitalfinanziert&#8220; hei&#223;t in diesem Zusammenhang durch Kredite   finanziert. Diese Schulden werden danach dem aufgekauften Unternehmen   &#8222;umgeh&#228;ngt&#8220;.<\/p>\n<h4>  Besonders risikotr&#228;chtige Investionen<\/h4>\n<p>  AUFGRUND DER KNAPPHEIT von Aktien und der relativ niedrigen Renditen der   Staatsanleihen (10-Jahres-Anleihen in den USA weisen im Schnitt Renditen   von 4&#8211;5% auf) wandten sich die gro&#223;en Spekulanten auf der Jagd nach   h&#246;heren Renditen riskanteren M&#228;rkten zu. Es kam zu einem kometenhaften   Anstieg von Investitionen in so genannte Junk-Bonds (hochriskante   Anleihen), das sind Unternehmensanleihen, die als &#228;u&#223;erst riskant   gelten. &#8222;Seit Jahresbeginn verzeichnen wir einen bemerkenswerten Anstieg   von Investitionen im Bereich &#8218;Emerging-Market-Unternehmen&#8220;,   haupts&#228;chlich Junk-Bonds. (Financial Times, 21. Februar 2007) In der   Vergangenheit hatten Junk-Bonds aufgrund des damit verbundenen Risikos   Renditen, die 8&#8211;10% &#252;ber jenen der Staatsanleihen lagen. In den letzten   Jahren fiel diese &#8222;Risiko-Pr&#228;mie&#8220; auf bescheidene 2%. Die Spekulanten   wurden zunehmend selbstgef&#228;llig, ganz als ob Risiko etwas aus der   Vergangenheit w&#228;re. &#8222;Die Schulden, die das gr&#246;&#223;te Risiko bergen, steigen   als Begleitprodukt des Junk-Bond-Marktes. Das l&#246;st &#196;ngste aus, die   n&#228;chste Runde an Unternehmenspleiten k&#246;nnte deutlich schwerwiegender   ausfallen als die letzte.&#8220; (Financial Times, 15. J&#228;nner 2007)<\/p>\n<p>  Martin Fritzen schreibt in Leverage World: &#8222;Ich glaube nicht, dass   irgendjemand bestreitet, dass in den letzten Jahren eine Menge prek&#228;r   finanzierter Deals am Markt verkauft wurden.&#8220; Das Problem, meint er,   ist, dass &#8222;Liquidit&#228;t da ist, wenn sie nicht gebraucht wird, in einem   Markt mit hohen Renditen.&#8220; Dar&#252;ber hinaus gab es die gr&#246;&#223;ten Zuw&#228;chse im   Junk-Bond-Markt in so genannten &#8222;aufstrebenden M&#228;rkten&#8220;, in vielen   F&#228;llen eher halbentwickelte M&#228;rkte, wo Unternehmen, die solche Anleihen   ausstellen, kaum &#252;berpr&#252;ft werden.<\/p>\n<p>  In den letzten Jahren stiegen die Investitionen in den Immobilienmarkt   stark an, vor allem in den Sub-Prime-Sektor [US-Hypothekenkreditmarkt]   in dem die Renditen hoch waren. Hypotheken auf Immobilien wurden in so   genannte &#8222;besicherte Schuldverschreibungen&#8220; (collateralised debt   obligations, CDOs) gepackt. Das sind sehr komplexe Finanz-Instrumente,   die Anleihen verschiedener Risikoklassen zusammenpacken. Gro&#223;e Mengen   dieser CDOs mit hohen Renditen wurden von Hedgefonds und anderen gro&#223;en   Spekulanten mittels billiger Kredite gekauft, die haupts&#228;chlich von   japanischen Gl&#228;ubigern stammen, da dort das Zinsniveau sehr niedrig ist.<\/p>\n<p>  Diese Art von Gesch&#228;ften wurde von den Immobilienblasen in den USA und   anderswo unterst&#252;tzt. Steigende Preise und stark wachsende Hypotheken   auf Immobilien erm&#246;glichten riesige Profite durch den Handel mit diesen   Hypotheken. Der Einbruch auf dem US-Immobilienmarkt und das Schrumpfen   des Sub-Prime-Sektors bedroht die Stabilit&#228;t der Finanzm&#228;rkte im   Allgemeinen. &#8222;Analysten zeigen sich besorgt, dass das Schrumpfen des   Sub-Prime-Sektors der Ausl&#246;ser f&#252;r ein Ende des einfachen Zugangs zu   billigen Krediten sein k&#246;nnte.&#8220; (Financial Times, 16. M&#228;rz 2007)<\/p>\n<p>  Chen Hooi von EON Capital in Kuala Lumpur kommentierte: &#8222;Das Problem des   US-Sub-Prime-Sektors wirft dunkle Schatten auf Asien. Die Angst ist,   dass diese Krise die US-Wirtschaft bremsen k&#246;nnte und dies einen   Domino-Effekt auf die Weltwirtschaft haben k&#246;nnte.&#8220; (New York Times, 14.   M&#228;rz 2007)<\/p>\n<p>  &#8222;Ein weiteres [Problem] ist das rasante Wachstum bei den Derivaten. Die   Probleme im Sub-Prime-Sektor haben die Aufmerksamkeit auf die   Filettierung der Risiken mittels ausgekl&#252;gelter Instrumente, wie die   &#8218;besicherten Schuldverschreibungen&#8220; und &#8222;Kreditausfalls-Wechsel&#8220; (Credit   default swaps), gelenkt. Die Banken benutzen diese Instrumente, um   Kreditrisiken los zu werden. Aber es ist v&#246;llig unklar, bei wem die   Risiken nun liegen.&#8220; (Market Turmoil, Rethinking Risk; The Economist,   28. Februar 2007)<\/p>\n<p>  Tim Lee, ein Stratege bei pi Economics, beschreibt das gesamte   Finanzsystem zutreffend als &#8222;gigantisches Pyramidenspiel&#8220;. Die   Buttonwood-Kolumne des Economist (17. M&#228;rz 2007) kommentierte das so:   &#8222;Der amerikanische Immobilienmarkt scheint unter der Enth&#252;llung eines   Pyramidenspiels zu leiden. Sub-Prime-Kredite wurden zu g&#252;nstigen   Konditionen vergeben, die implizit oder explizit auf steigenden Preisen   f&#252;r Immobilien beruhten. Die Banken packten diese Kredite zusammen und   verkauften sie auf dem Kreditmarkt an Investoren, die sich hohe Renditen   versprachen. Das sollte das Finanzsystem absichern, hat jedoch lediglich   die Risiken breiter verteilt.<\/p>\n<p>  Aber was passiert nun? Die K&#228;uferen dieser Kredite wollen die Kredite   den urspr&#252;nglichen Kreditgebern zur&#252;ckverkaufen. Nur die haben das Geld   nicht daf&#252;r. Das Vertrauen, das die Bilanzen im gr&#252;nen Bereich hielt,   ist geschwunden. Das bringt vielen gro&#223;en &#196;rger.&#8220;<\/p>\n<h4>  &#220;berakkumulation<\/h4>\n<p>  DIE UNMITTELBAREN QUELLEN f&#252;r die Flut an Liquidit&#228;t ist die lockere   Politik der Notenbanken und eine Art Recycling der enormen &#220;bersch&#252;sse   der exportierenden Wirtschaften (China, Japan, S&#252;dkorea, &#8230;) und seit   Kurzem auch der &#246;lproduzierenden L&#228;nder. Diese Flut an Liquidit&#228;t ist   allerdings nicht nur ein monet&#228;res Ph&#228;nomen. W&#252;rden die Notenbanken   einfach nur Geld drucken, g&#228;be es eine massive Inflation der wichtigsten   W&#228;hrungen, trotz der sinkenden Preise f&#252;r Konsumg&#252;ter aus   Niedriglohnl&#228;ndern.<\/p>\n<p>  Hinter der Flut an Liquidit&#228;t steht eine tiefere Ursache, die   &#220;berakkumulation von Kapital. Die Kapitalisten investieren nur, wenn sie   profitable Felder f&#252;r ihre Investitionen finden. Seit der letzten Phase   des Nachkriegsaufschwungs (1945&#8211;1973) wurde es immer schwieriger f&#252;r die   Kapitalisten, profitable Anlagem&#246;glichkeiten in der Produktion zu   finden. Trotz des Wachstums neuer Produkte und Sektoren der Wirtschaft   gibt es in vielen Bereichen der Wirtschaft &#220;berkapazit&#228;ten im Vergleich   zur Nachfrage von Konsumenten, die auch f&#252;r diese Produkte bezahlen   k&#246;nnen. Milliarden von Menschen br&#228;uchten G&#252;ter des t&#228;glichen Bedarfs,   ganz abgesehen von Luxusg&#252;tern. Aber ihnen fehlt das Einkommen und damit   die &#8222;Kaufkraft&#8220;, um die an sich vorhandenen Produkte und   Dienstleistungen am kapitalistischen Markt zu kaufen.<\/p>\n<p>  Dennoch intensivierte die Kapitalistenklasse die Ausbeutung der   Arbeiterklasse seit Beginn der 1980er. Haupts&#228;chlich in dem sie den   Anteil der Profite am BIP auf Kosten des Anteils der L&#246;hne und Geh&#228;lter   erh&#246;hten [sinkende Lohnquote]. Als die Profite sprudelten, wurde der   &#8222;&#220;berschuss&#8220; an Kapital noch deutlicher &#8211; und die Kapitalisten wandten   sich zunehmend der Spekulation, dem Kauf und Verkauf von papierenen   Werten statt Investitionen in neue produktive Kapazit&#228;ten, zu. Es ist   der &#220;berschuss an Kapital aus der &#220;berakkumulation (die die   fundamentalen Grenzen des kapitalistischen Systems aufzeigt), der der   gegenw&#228;rtigen Flut an Liquidit&#228;t zugrunde liegt. Das Zocken in den   Kasinos der globalen Finanzm&#228;rkte ist haupts&#228;chlich ein Kampf um die   Neu-Verteilung der Profite zwischen den superreichen Spieleren, die in   diesem Bereich aktiv sind. Die Reduktion der Reall&#246;hne untergr&#228;bt weiter   den Markt f&#252;r kapitalistische Produkte und Dienstleistungen und   versch&#228;rft somit weiter die &#220;berakkumulation an Kapital. So wird   unausweichlich eine Krise des Systems vorbereitet.<\/p>\n<h4>  Die Flut an Liquidit&#228;t<\/h4>\n<p>  DIE MEISTEN KOMMENTATOREN schreiben den &#220;berfluss an Liquidit&#228;t den   Notenbanken zu &#8211; sie w&#252;rden die Z&#252;gel schleifen lassen. Allen voran wird   hier die US-Notenbank genannt, die fr&#252;her von Alan Greenspan geleitet   wurde. Ohne Zweifel war das eine wichtige Quelle f&#252;r die ansteigende   Liquidit&#228;t. Als Antwort auf eine Reihe von Krisen senkten die   Notenbanken wiederholt die Leitzinsen und erleichterten so den Zugang zu   billiger werdenden Krediten. So pumpten sie riesige Mengen Geld in die   Finanzm&#228;rkte, um deren Zusammenbruch zu verhindern. So geschehen 1997   nach der Asienkrise und erneut beim Zusammenbruch des Long Term Capital   Management Hedge Fonds 1998, auch nach dem Platzen der dotcom-Blase 2000   in besonders gro&#223;em Ausma&#223; und nochmals nach den Anschl&#228;gen vom 11.   September 2001.<\/p>\n<p>  Die Liquidit&#228;tsspritzen, die der Finanzwelt verabreicht wurden,   schw&#228;chten zweifellos die Effekte der Instabilit&#228;t und der   wirtschaftlichen Abk&#252;hlung ab. Die lockere Politik der Notenbanken wurde   von einer Reihe bedeutender Faktoren gest&#228;rkt. China, Japan und andere   s&#252;dostasiatische Exportnationen hatten wiederkehrende Handels&#252;bersch&#252;sse   mit den Vereinigten Staaten und anderen entwickelten kapitalistischen   L&#228;ndern. Sie recycelten ihre &#220;bersch&#252;sse, in dem sie ihre   Fremdw&#228;hrungsreserven dazu nutzen, im gro&#223;en Stil in US-Staatsanleihen   zu investieren und so den &#8222;Markt der letzten Hoffnung&#8220;, die   US-Wirtschaft, zu st&#252;tzen. Klarerweise taten sie dies aus   Eigeninteresse. Auf der anderen Seite bot dies der US-Regierung,   US-Unternehmen und US-KonsumentInnen relativ billige Kredite. Ohne   diesen Effekt h&#228;tte die USA ihr gigantisches Handelsbilanzdefizit von   derzeit &#252;ber 800 Milliarden Dollar pro Jahr niemals aufrecht halten   k&#246;nnen. Das Handelsbilanzdefizit zeigt, dass die USA derzeit mehr   konsumiert als sie produziert. Dies kann nur auf Basis von Verschuldung   funktionieren.<\/p>\n<p>  Eine andere Quelle der globalen Liquidit&#228;t ist der so genannte   &#8222;Mitnahme-Handel&#8220; (Carry-Trade) vor allem im Zusammenhang mit Japan. Als   Reaktion auf nahezu ein Jahrzehnt der wirtschaftlichen Stagnation in   Kombination mit fallenden Preisen bei Konsumg&#252;tern (Deflation) f&#228;hrt die   japanische Regierung eine Politik der Null- oder Nahezu-Null-Zinsen. So   konnten internationale Spekulanten sehr billig Yen ausborgen, in andere   W&#228;hrungen tauschen und in Anlageformen mit h&#246;heren Renditen auf der   ganzen Welt investieren. Dieser Mitnahme-Effekt war eine wesentliche   Quelle f&#252;r Spekulationskredite. Dar&#252;ber hinaus hielt dies den Yen auf   niedrigem Niveau, was japanische Exporte am Weltmarkt unterst&#252;tzte.<\/p>\n<p>  In den letzten Jahren akkumulierten die &#246;lproduzierenden L&#228;nder gro&#223;e   Fremdw&#228;hrungs&#252;bersch&#252;sse aufgrund der steigenden &#214;l- und Gaspreise. Der   &#214;lpreis stieg von 25 Dollar pro Barrel im Jahr 2002 auf rund 66 pro   Barrel im Jahr 2006 und blieb seither stabil in dieser H&#246;he. Der   Gesamt&#252;berschuss der erd&#246;lexportierenden L&#228;nder schoss von 0,1% des   globalen BIP 1999 auf 1,4% im Jahr 2006 empor. In den letzten 5 Jahren   wurden rund 1,8 Billionen Dollar, etwa 4% des globalen BIP, an Einkommen   von den &#246;lverbrauchenden zu den &#246;lproduzierenden L&#228;ndern transferiert.   Der &#252;berwiegende Anteil dieser &#220;bersch&#252;sse, haupts&#228;chlich in US-Dollar   gehalten, wurde von den Regierungen und Unternehmen dieser L&#228;nder in die   entwickelten kapitalistischen L&#228;nder zur&#252;ckinvestiert, in dem sie   Staatsanleihen aber in zunehmenden Ma&#223;e auch in Spekulation auf diesen   M&#228;rkten investierten. (vgl. Serhan Cevik, Tracking Petrodollars, Morgan   Stanley Global Economic Forum, 14. Februar 2007)<\/p>\n<p>  Die Petrodollars wurden so zu einer immer wichtigeren Quelle des   billigen Kredits f&#252;r die Weltwirtschaft.<\/p>\n<h4>  Kapital und Arbeit<\/h4>\n<p>  DIE KAPITALISTEN konnten weltweit ihre Profite wieder auf die H&#246;hen des   Nachkriegsaufschwungs heben. Der Anteil der L&#246;hne und Geh&#228;lter am   Volkseinkommen wurde brutal zur&#252;ckgedr&#228;ngt, vor allem f&#252;r ungelernte   ArbeitnehmerInnen aber zunehmend auch f&#252;r FacharbeiterInnen, da einige   Dienstleistungen in L&#228;nder wie Indien verlagert wurden. In der   G7-plus-Gruppe (USA, Japan, Euro-12, Gro&#223;britannien und Kanada) sank der   Anteil der realen Verg&#252;tung (L&#246;hne\/Geh&#228;lter plus Sozialleistungen) am   gesamten Einkommen dieser L&#228;nder von 56% im Jahr 2001 auf 53,7% im Jahr   2006, den niedrigsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Bank f&#252;r   Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) kommentiert dazu: &#8222;Der   langfristige R&#252;ckgang der Inflation ging Hand in Hand mit gro&#223;er   Zur&#252;ckhaltung bei der Entwicklung der Nominall&#246;hne&#8230; und der Anteil der   L&#246;hne an der Gesamtwirtschaft fiel in den letzten 3 Jahrzehnten um ca.   5%.&#8220; (BIZ Jahresbericht 2006, Seite 18)<\/p>\n<p>  Der rasante Anstieg der Profite auf Kosten der L&#246;hne und Geh&#228;lter ist in   den USA besonders ausgepr&#228;gt. Ein Kommentator schreibt: &#8222;&#8230;L&#246;hne und   Geh&#228;lter machen heute den geringsten Anteil am BIP seit 1947 aus, als   die Regierung begann, solche Dinge zu messen. Unternehmensprofite sind   im Gegensatz dazu auf den gr&#246;&#223;ten Anteil seit den 1960ern angestiegen &#8211;   und dies geschah in erster Linie auf Kosten der amerikanischen   ArbeiterInnen.&#8220; (Harold Meyerson, Devaluing Labor, Washington Post, 30.   August 2006)<\/p>\n<p>  In Bezug auf die Erholung der US-Wirtschaft nach dem Platzen der   dotcom-Blase im Jahr 2001, stellt das Economic Policy Institute fest:   &#8222;Der Anstieg des Anteils der Unternehmensprofite am BIP ist &#8211; bei weitem   &#8211; der gr&#246;&#223;te der 19 Quartale nach einer Konjunkturspitze seit dem   Zweiten Weltkrieg auftrat und er ist beinah acht mal so stark wie der   durchschnittliche Anstieg, der fr&#252;here Aufschw&#252;nge gekennzeichnet hatte.   W&#228;ren Lohn- und Gewinnquote konstant geblieben, w&#228;ren die Einkommen der   Arbeiterschaft heute um 346 Milliarden Dollar h&#246;her.&#8220; (EPI Snapshot, 30.   M&#228;rz 2006)<\/p>\n<p>  Anders als w&#228;hrend des Nachkriegsaufschwungs f&#252;hrt steigende   Produktivit&#228;t nicht zu einem Zuwachs beim Anteil der L&#246;hne und Geh&#228;lter   am produzierten Wohlstand. In den USA stieg die Produktivit&#228;t zuletzt im   Schnitt um 2,8% pro Jahr, doppelt so viel, wie die schwachen 1,4%   zwischen 1974&#8211;1995. Stephen Roach von Morgan Stanley fasst das so   zusammen: &#8222;Ganze zehn Jahre spektakul&#228;re Produktivit&#228;tszuw&#228;chse und die   Reall&#246;hne bleiben nahezu stagnierend, die Lohnquote sinkt weiter.&#8220;   (Labor Versus Capital, Global Economic Forum, 23. Oktober 2006)<\/p>\n<p>  Diese Verschiebung weg von den L&#246;hnen und hin zu den Profiten ist der   Hintergrund f&#252;r das rasante Aufgehen der Schere zwischen Arm und Reich   sowohl in den entwickelten kapitalistischen L&#228;ndern als auch in vielen   aufstrebenden Nationen wie z.B. China. Im Kapitalismus wird Reichtum   durch die Ausbeutung der Arbeitskraft im Produktionsprozess generiert.   Arbeitnehmer bekommen nur einen Teil jenes Wertes, den sie produzieren,   in Form von Lohn bezahlt. Den Rest, in der marxistischen Terminologie   &#8222;Mehrwert&#8220; genannt, eignet sich die Kapitalistenklasse, die privaten   Besitzer der Produktionsmittel, an. Die Aufteilung des Mehrwertes   zwischen L&#246;hnen und Profiten ist Gegenstand des Klassenkampfes. In der   Periode nach dem Zweiten Weltkrieg konnten die ArbeiterInnen, aufgrund   des Kr&#228;fteverh&#228;ltnisses zu dieser Zeit, ihren Anteil vergr&#246;&#223;ern. Die   relativ hohen Produktivit&#228;tszuw&#228;chse lie&#223;en es zu, dass Reall&#246;hne und   Profite simultan gewachsen sind.<\/p>\n<p>  Seit dem Ende des Nachkriegsaufschwungs verschoben sich die   Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse allerdings zu Ungunsten der Arbeiterklasse.   Wirtschaftliche und politische Faktoren spielten dabei eine Rolle.<\/p>\n<p>  Der Niedergang der Schwerindustrie vor allem in den entwickelten   kapitalistischen L&#228;ndern untergrub die Basis der &#8222;schweren Bataillone&#8220;   der organisierten Arbeiterschaft. In neueren Sektoren der Industrie und   vor allem im Dienstleistungsbereich entstanden verst&#228;rkt prek&#228;re   Arbeitsverh&#228;ltnisse. Unter dem Diktat des Neoliberalismus kam es zu   einem Generalangriff auf gewerkschaftliche Rechte und so zu einer   Schw&#228;chung dieser Organisationen.<\/p>\n<p>  Die Schw&#228;chung der ArbeiterInnenklasse ist auch mit politischen   R&#252;ckschl&#228;gen verbunden. Hier ist vor allem der R&#252;ckgang im Bewusstsein   nach dem Zusammenbruch der stalinistischen Staaten 1989&#8211;1991   hervorzuheben. Die Konfusion, Desorientierung und Schw&#228;chung der   traditionellen Organisationen der Arbeiterklasse brachte ohne Zweifel   g&#252;nstige Bedingungen f&#252;r die neoliberale Offensive der Kapitalisten mit   sich.<\/p>\n<p>  Gleichzeitig wurde die Arbeiterklasse durch die Globalisierung auf   internationaler Ebene geschw&#228;cht. Es kam zu einer Verdoppelung der   Arbeiterklasse, die in die kapitalistische Weltwirtschaft integriert   war. In China, Indien und Russland kamen zur Weltarbeiterklasse rund 1 &#189;   Milliarden neue ArbeiterInnen hinzu. Dies bedeutet potenziell eine   enorme Steigerung des Gewichts und der Macht der Arbeiterklasse   innerhalb der Gesellschaft. Unter den gegenw&#228;rtigen Bedingungen kippte   das Kr&#228;fteverh&#228;ltnis allerdings zu Gunsten der Kapitalisten, da es ihnen   gelang, aufgrund des zur&#252;ckgeworfenen Bewusstseins Kampfkraft und   Organisation der Arbeiterklasse zu schw&#228;chen. Die Verhandlungsmacht der   ArbeiterInnen in den entwickelten kapitalistischen L&#228;ndern wird durch   die niedrigen Lohnniveaus (z.B. China 3% des &#8218;westlichen&#8220; Lohnniveaus)   untergraben. Gleichzeitig bremste auch der verst&#228;rkte Zuzug von   MigrantInnen in L&#228;nder wie die USA oder Gro&#223;britannien die   Lohnentwicklung.<\/p>\n<h4>  Schwache Investitionen<\/h4>\n<p>  TROTZ STEIGENDER PROFITABILIT&#196;T und der Dominanz der   unternehmenfreundlichen neoliberalen Politik, sank die Rate der   Kapitalakkumulation in den entwickelten kapitalistischen L&#228;ndern (inkl.   Japan, S&#252;dkorea, Tawain,&#8230;) kontinuierlich seit Mitte der 1960er. Die   j&#228;hrliche Steigerung des fixen Kapitalstocks, die auch den Verschlei&#223;   bzw. Veralterung von angelegtem Kapital (Maschinen, Technologie,&#8230;) mit   einberechnet, fiel in den Vereinigten Staaten von 4% in den 1960ern auf   3% in den 1990ern und weiter auf 2,6% zwischen 2000 und 2004. Noch   st&#228;rker ist dieser R&#252;ckgang in Japan, das im Nachkriegsaufschwung als   &#8222;Superakkumulator&#8220; gesehen wurde. Der j&#228;hrliche Zuwachs an fixem Kapital   fiel von 12,5% in den 1960ern auf 4% in den 1990ern und auf 2,1%   zwischen 2000&#8211;2004. China bildet nat&#252;rlich die Ausnahme zu diesem Trend.   Dort stieg diese Rate von 1,9% in den 1960ern auf 10,9% in den 1990ern.   (Vgl. Andrew Glyn, Capitalism Unleashed, Seite 86)<\/p>\n<p>  Es gab einen R&#252;ckgang der Kapitalinvestitionen (&#8218;capex&#8220; &#8211; kurz f&#252;r   &#8218;capital expenditure&#8220; [Kapitalanlagen]) trotz dem Faktum, dass erstens   das weltweite Arbeitskr&#228;fteangebot sich im letzten Jahr durch die   rasante Entwicklung in China, Indien, &#8230; fast verdoppelt und so den   Kapital-Arbeit-Quotient (eingesetztes Kapital pro Arbeitskraft)   signifikant verringert hat und zweitens der immer rasanteren Entwertung   des vorhandenen Kapitals, weil Hi-Tech-Anlagen schneller veraltern als   fr&#252;here Anlagen und so mehr Kapital aufgewendet werden muss, um den   Stand der Dinge aufrecht zu erhalten.<\/p>\n<p>  Bis vor kurzem gab es wenig Diskussion dieses Ph&#228;nomens in der   Finanzpresse. Allerdings betonten k&#252;rzlich eine Reihe von Analysten bei   Morgan Stanley das &#8222;l&#228;cherlich geringe Grundkapital bzw. die   Kapitalaufwendung&#8220; in der Welt.<\/p>\n<p>  &#8222;Es gab eine gerade zu l&#228;cherliche Zur&#252;ckhaltung von Seiten der   Unternehmen weltweit, in reale Anlagen zu investieren, das hei&#223;t &#8220;capex&#8220;   war &#252;berraschend gering, obwohl der globale Kapital-Arbeit-Quotient   historisch niedrig ist&#8220;. (Stephen Jens, Global Economic Forum, 23.   Februar 2007) Er bemerkte weiter, dass au&#223;erhalb Chinas die   Investitionsraten in Asien (Japan, Taiwan, S&#252;dkorea, &#8230;) &#8222;kollabiert   sind, auch wenn die massiven Investitionen in China in Betracht gezogen   werden.&#8220;<\/p>\n<p>  Jens und andere kapitalistische Analysten bieten eine Reihe von   Erkl&#228;rungsmodellen an. Es g&#228;be, so schreiben sie, eine massive   Unsicherheit bez&#252;glich der Aussichten f&#252;r die Weltwirtschaft und &#196;ngste   dass die US-Wirtschaft, abh&#228;ngig von &#252;berh&#246;hten Immobilien- und   Aktienpreisen, zusammenbrechen k&#246;nnte. Multinationale Konzerne scheinen   dar&#252;ber hinaus extrem vorsichtig zu sein, in den aufstrebenden M&#228;rkten   (Brasilien, Russland, Vietnam, &#8230;) ihre Kapazit&#228;ten auszuweiten, da es   dort viele Unabw&#228;gbarkeiten politischer und wirtschaftlicher Natur g&#228;be.<\/p>\n<p>  Ein anderer Faktor ist mit der Dominanz des Finanzkapitals verbunden.   Niedrige Investitionsraten, euphemistisch Kapitaldisziplin genannt,   trugen zu den hohen Unternehmensprofiten bei, die die hohen Bewertungen   ihrer Aktien an den B&#246;rsen erm&#246;glichten.<\/p>\n<p>  Einige Morgan Stanley Analysten warnen, dass die &#8218;Capex-Anorexia&#8220;   [Anorexia = Appetitlosigkeit, Magersucht], so sie nicht &#252;berwunden wird,   das Wachstum der Weltwirtschaft untergraben wird. Kapitalakkumulation   ist der Schl&#252;ssel f&#252;r Produktivit&#228;ts- und Produktionswachstum. Gerard   Minack bemerkt, dass &#8222;Investitionen seltsamerweise auf Eis gelegt   wurden, obwohl es Rekord-Profitmargen und relativ niedrige Zinsen gibt.&#8220;   (The Global Capex Debate, Morgan Stanley Global Economic Forum, 16.   Februar 2007)<\/p>\n<p>  Diese &#8222;Capex Anorexie&#8220; tritt trotz des so genannten globalen   Spar-&#220;berschusses, jenem gigantischem Missverh&#228;ltnis zwischen Mitteln,   die aus Profiten und anderen Einkommen gespart wurden, und der   Kapital-Investition in die Entwicklung der Produktionsmittel, auf.<\/p>\n<p>  In der Morgan Stanley &#8222;Capex&#8220;-Debatte streicht Stephen Roach den   zunehmenden Strom von Unternehmensgeldern aus entwickelten   kapitalistischen L&#228;ndern zu &#8222;Offshore-Investitionen in brachliegende   Kapazit&#228;ten in Niedriglohnl&#228;ndern.&#8220; heraus. Das w&#252;rde bedeuten, dass der   heimische Anteil an den Unternehmensinvestitionen vor allem zum R&#252;ckkauf   eigener Aktien und dem Ersatz verschlissener Kapazit&#228;ten aufgebracht   w&#252;rde. M&#246;glicherweise ist derzeit alles, was man sich w&#252;nschen kann,   ausreichende Investitionen, um das Grundkapital in den &#8220;reiferen&#8220;   L&#228;ndern zu erhalten, wohl kaum die Saat f&#252;r ein ordentlichen   &#8220;capex&#8220;-Anstieg, der f&#252;r den Aufschwung notwendig w&#228;re.&#8220;<\/p>\n<p>  Aufgrund der schnellen Entwicklung neuer Technologien, vor allem der   Computer- und Softwaretechnologien, verlieren Anlagen heute sehr schnell   ihren Wert. Es w&#228;ren 6-7% j&#228;hrliche Steigerung in Anlageinvestitionen in   den USA notwendig, nur um den &#8222;Grundkapital-Produktions-Quotient&#8220; auf   gleichem Niveau zu halten. Richard Berner schreibt dazu: &#8222;Das in Anlagen   und Software gebundene Kapital in den USA sank in den letzten vier   Jahren in Relation zum BIP. Die reale Produktion (ohne Landwirtschaft)   stieg durchschnittlich um 3,9% j&#228;hrlich, w&#228;hrend das Grundkapital   lediglich um 3,5% stieg. Um diese Quote zu erreichen, mussten allerdings   die Aufwendungen f&#252;r Anlagen und Software um durchschnittlich 6,2%   erh&#246;ht werden.&#8220;<\/p>\n<p>  Berner f&#228;hrt fort: &#8222;Es gibt keinen Zweifel, in den letzten drei   Quartalen gab es einen bemerkenswerten zyklischen Abw&#228;rtstrend beim   &#8218;capex&#8217;-Wachstum, vor allem in Bezug auf Anlagen und Software. Die   Aufwendung daf&#252;r grundelten bei mickrigen 1,4% in den letzten neun   Monaten des Jahres 2006 herum, verglichen mit 9,5% w&#228;hrend der zwei   Jahre zuvor.&#8220; (Global Economic Forum, 16. Februar 2007)<\/p>\n<p>  In seinem eigenen Kommentar zum &#8222;Capex-R&#228;tsel&#8220; (Global Economic Forum,   9. M&#228;rz 2007) schreibt Berner: &#8222;Die US-Unternehmen scheinen zunehmend   unwillig, Kapital aufzuwenden, obwohl es eigentlich ein moderat   positives Umfeld g&#228;be&#8230;&#8220; Berner sch&#228;tzt, dass es ca. 6% Steigerung der   Aufwendungen f&#252;r Anlagen br&#228;uchte, um den Kapital-Produktions-Quotienten   in den USA konstant zu halten. Dies k&#228;me daher, dass &#8222;heute bereits   gigantisches Anlagekapital vorhanden sei und Technologien heute sehr   schnell entwerten.&#8220;<\/p>\n<p>  Das Grundkapital an Anlagen und Software ging in den letzten vier Jahren   im Vergleich zum BIP sogar zur&#252;ck. Andrew Glyn merkt an, dass &#8222;der   Investitionsboom in den sp&#228;ten 1990ern den scheinbar unaufhaltsamen   Trend zu immer h&#246;heren Kapitalakkumulationsraten stoppte, der in den   1960ern begann. Dar&#252;ber hinaus fiel am Ende des Booms im Jahr 2000 die   Kapitalakkumulationsrate st&#228;rker als je zu vor.&#8220; (Capitalism Unleashed,   Seite 134)<\/p>\n<p>  Die Kapitalisten stehen vor einem Dilemma. Wenn die Investitionsrate   gerade dazu reicht, die Kapitalisierung aufrecht zu erhalten, wird   dadurch zuk&#252;nftig Wachstum und Produktivit&#228;t untergraben. Steigt die   Investitionsrate, sinkt die &#8222;Sparquote&#8220; der Unternehmen, was die Zinsen   in die H&#246;he treiben w&#252;rde. Das wiederum untergr&#228;bt die Basis der   &#8222;Blasen&#8220;-Wirtschaft, jener Reihe von Blasen, die die Weltwirtschaft in   den letzten Jahren nach oben trieb.<\/p>\n<p>  Im Moment gibt es wenig Anzeichen, dass die gro&#223;en Unternehmen an einer   Steigerung der Kapitalakkumulationsrate interessiert w&#228;ren.   B&#246;rsennotierte Unternehmen geben riesige Summen daf&#252;r aus, ihre eigenen   Aktien zur&#252;ck zu kaufen, um deren Wert zu steigern und die Profite an   Ihre Anteilsinhaber auszusch&#252;tten. W&#228;hrend des vierten Quartals 2006   haben US-Unternehmen (ohne Finanzunternehmen) Aktien im Wert von US$ 701   Mrd. zur&#252;ckgekauft und dabei Schulden in der H&#246;he von US$ 605 Mrd.   angeh&#228;uft. (Vgl. Berner, Global Economic Forum, 9. M&#228;rz 2007)<\/p>\n<p>  Die Wirtschaftskapit&#228;ne und superreichen SpekulantInnen sind wesentlich   mehr daran interessiert, mit existierenden Wertpapieren und Anlagewerten   zu spekulieren, als Kapital in die reale Produktion zu investieren und   damit die Produktionsmittel zu entwickeln.<\/p>\n<h4>  Wo wird das alles enden?<\/h4>\n<p>  SEIT DER REZESSION, die dem Kollaps der dotcom-Blase 2000&#8211;2001 folgte,   kam die Weltwirtschaft rasch wieder auf die Beine. Derzeit liegen die   Wachstumsraten bei rund 5% pro Jahr. Unternehmensprofite schossen in die   H&#246;he. &#8222;Der Markt&#8220;, die gro&#223;en Finanzunternehmen, die im globalen Kasino   spielen &#8211; sie sind fast alle &#252;beraus optimistisch. Alles ist bestens in   der besten aller kapitalistischen Welten. Das trotz der gef&#228;hrlichen   internationalen Ungleichgewichte und tiefen Widerspr&#252;che, die in der   Weltwirtschaft existieren. Es gibt ein bespielloses Missverh&#228;ltnis   zwischen dem Defizit des US-Kapitalismus und den Fremdw&#228;hrungsreserven   der gro&#223;en Exporteure China, Japan und OPEC, die ihre &#220;bersch&#252;sse   haupts&#228;chlich in den M&#228;rkten (USA, Europa), von denen Sie abh&#228;ngig sind,   investieren und nicht ihre eigenen M&#228;rkte entwickeln.<\/p>\n<p>  Das Au&#223;enhandelsdefizit der USA und die Abh&#228;ngigkeit der US-Konsumenten   von Verschuldung k&#246;nnen auf lange Sicht nicht aufrecht erhalten werden.   Die massive Anh&#228;ufung von Dollar-Reserven in China, Japan und anderen   Exportnationen kann ebenfalls nicht endlos weitergehen. An einem   bestimmten Punkt wird der anhaltende und m&#246;glicherweise schneller   werdende Niedergang des Dollars eine Flucht aus dem Dollar ausl&#246;sen, was   &#8211; zumindest &#8211; Aufruhr im Weltfinanzsystem nach sich ziehen wird.<\/p>\n<p>  Die US-Wirtschaft verlangsamt sich im Moment und wird m&#246;glicherweise in   eine Rezession schlittern. Optimisten sind der Ansicht, dies k&#246;nnte   durch das Inlandswachstum in Europa und Japan, sowie das chinesische   Inlandswachstum, das an Fahrt gewinnen sollte, aufgefangen werden. Diese   Ansicht zieht allerdings nicht die massive Abh&#228;ngigkeit dieser   Volkswirtschaften vom amerikanischen Markt in Betracht. Es entstand ein   struktureller Zusammenhang zwischen dem auf Verschuldung basierenden   US-Konsummarkt und den asiatischen Exporteuren, die das US-Defizit   absichern. Auch eine sanfte Anpassung, die eine Reduktion des US-Defizit   inklusive R&#252;ckgang bei Wachstum und Konsum und eine Neuorientierung der   &#220;bersch&#252;sse der asiatischen Exporteure und der &#246;lproduzierenden L&#228;nder   in deren Heimatm&#228;rkte beinhaltet, w&#252;rde sehr schmerzhafte Einschnitte   bedeuten, die massive Probleme in der Weltwirtschaft ausl&#246;sen k&#246;nnten.<\/p>\n<p>  Hinter dem Defizit-&#220;berschuss-Zusammenhang liegen noch tiefere   &#246;konomische und soziale Widerspr&#252;che. Es gibt eine wachsende Kluft,   global und innerhalb sowohl der reichen als auch der armen L&#228;nder,   zwischen den superreichen Kapitalisten und der Mehrheit der Bev&#246;lkerung:   die ArbeiterInnen und Kleinb&#228;uerInnen, die schuften, um all den Reichtum   zu produzieren. Diese extreme Polarisierung zwischen den Klassen wirft   die Gefahr von sozialem und politischem Aufruhr auf, eine Gefahr, derer   sich die weitsichtigeren kapitalistischen StrategInnen zunehmend bewusst   werden. Gleichzeitig schr&#228;nken der kleiner werdende Anteil der L&#246;hne am   Nationaleinkommen und die sinkenden Lebensstandards der Massen die   M&#228;rkte f&#252;r den Kapitalismus weiter ein. Es gibt zwar keinen einfachen   und best&#228;ndigen Zusammenhang zwischen Lohnniveau und dem Markt f&#252;r   kapitalistische Waren. Dennoch m&#252;ssen die Kapitalisten ihre Waren und   Dienstleistungen letztendlich verkaufen, um den Mehrwert als Profit zu   realisieren.<\/p>\n<p>  Trotz der guten Bedingungen f&#252;r den Kapitalismus seit dem Zusammenbruch   der stalinistischen Staaten konnte der Kapitalismus das Problem der   &#220;berakkumulation nicht &#252;berwinden. Im Gegenteil, es versch&#228;rfte sich   sogar. Das rasante Wachstum der chinesischen Wirtschaft konnte diese   Tendenz nicht umkehren. &#220;berakkumulation ist nicht blo&#223; ein   kurzfristiges, zyklisch auftretendes Problem. Sie ist der Ausdruck f&#252;r   die organische Krise des Systems. Das Kapital ist &#8211; wie von Karl Marx   vorhergesehen &#8211; innerhalb des Rahmens des privaten Eigentums an   Produktionsmitteln und des Nationalstaates in einer Sackgasse gelandet.   Nur durch Planung unter demokratischer Kontrolle durch die   Arbeiterklasse kann die Produktion auf ein h&#246;heres Niveau gehoben   werden, in dem soziale Bed&#252;rfnisse statt der Gier nach Profiten   befriedigt und die Produktion auf weltweiter Ebene organisiert werden.   Die Orgie der Spekulation, ein Symptom der &#220;berakkumulation, ist   letztendlich Ausdruck f&#252;r diese historische Beschr&#228;nkung des   Kapitalismus.<\/p>\n<p>  Wie aber, so lautet mancher Einwand, kann die Weltwirtschaft zumindest   in Bezug auf das BIP, wenn schon nicht in Bezug auf den Massenwohlstand,   wachsen, wo es doch derart massive Ungleichgewichte und Widerspr&#252;che   gibt? Wie schaffen es die Kapitalisten trotz aller Sturmb&#246;en auf den   Finanzm&#228;rkten und aller Turbulenzen auf den Meeren der Weltwirtschaft   den Kurs zu halten?<\/p>\n<p>  Einer der Hauptgr&#252;nde daf&#252;r ist die Flut an Liquidit&#228;t. Zwischen 2002   und 2006 stieg die globale Liquidit&#228;t um gesch&#228;tzte 3,9 Billionen   Dollar, die H&#228;lfte davon aus Asien, rund 40% aus den &#246;lproduzierenden   L&#228;ndern. Die billigen Kredite, die aus dieser Flut resultierten, n&#228;hrten   die Blasen, die die Weltwirtschaft &#252;ber Wasser hielten. Der   &#8222;Wohlstandseffekt&#8220; der Immobilienblase in den USA, der mittels Kredit   vorgenommene Transfer von h&#246;heren Immobilienpreisen zu den   Konsumausgaben, hielt die US-Wirtschaft am Laufen. &#196;hnliche Effekte   konnten in Gro&#223;britannien, Australien und anderen L&#228;ndern beobachtet   werden.<\/p>\n<p>  Der globale &#8222;Wohlstandseffekt&#8220; mehrerer paralleler Blasen (Konsumg&#252;ter,   Hochrisikoanleihen, aufstrebende M&#228;rkte, &#8230;) dirigierte den Reichtum in   die Taschen der Superreichen und lie&#223; die Einkommen bestimmter Schichten   der Mittelklasse in die H&#246;he schnellen. Dies war ein wesentlicher Faktor   f&#252;r das Wachstum in vielen L&#228;ndern. Diese Blasen erlaubten &#8211; gemeinsam   mit der Schw&#228;che der Kr&#228;fte der Arbeiterklasse &#8211; bislang die Bew&#228;ltigung   der tiefer gehenden Probleme, vor denen sie eigentlich st&#252;nden.<\/p>\n<p>  Das Ph&#228;nomen der Blasen kann Krisen allerdings nur hinausz&#246;gern, nicht   verhindern. Die Krisen werden unweigerlich ausbrechen, wenn die zu   Grunde liegenden Widerspr&#252;che zu stark werden. Je l&#228;nger sie   hinausgez&#246;gert werden, desto tiefer werden sie aller Wahrscheinlichkeit   nach sein. Bedauerlicherweise ist es unm&#246;glich, die genauen zeitlichen   Abl&#228;ufe bzw. die involvierten Prozesse exakt vorherzusagen. Die Idee,   das Spekulation heutzutage nahezu risikolos sei und das kapitalistische   Konjunkturzyklen der Vergangenheit angeh&#246;rten, sind allerdings die   Wahnvorstellungen jener, die von den sprudelnden Profiten der letzten   Jahre berauscht sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Die Weltwirtschaft erhielt besonderen Auftrieb durch einen Anstieg der<br \/>\n      Liquidit&#228;t, einer regelrechten Flut billiger Kredite. Das n&#228;hrte die<br \/>\n      verr&#252;ckten Spekulationen der letzten Jahre, eine Goldgrube f&#252;r die<br \/>\n      Superreichen. Dieser Entwicklung liegen aber unhaltbare Ungleichgewichte<br \/>\n      und sich vertiefende Widerspr&#252;che in den weltwirtschaftlichen<br \/>\n      Beziehungen zu Grunde. 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