{"id":12258,"date":"2007-08-17T16:40:16","date_gmt":"2007-08-17T16:40:16","guid":{"rendered":".\/?p=12258"},"modified":"2007-08-17T16:40:16","modified_gmt":"2007-08-17T16:40:16","slug":"12258","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/08\/12258\/","title":{"rendered":"Ein neuer H&#246;hepunkt der Krise auf den Finanzm&#228;rkten"},"content":{"rendered":"<p>  Ende letzter Woche pumpten die Zentralbanken f&#252;hrender kapitalistischer   L&#228;nder, allen voran die Europ&#228;ische Zentralbank (EZB) so viel Geld in   die Finanzm&#228;rkte wie zuletzt als Reaktion auf den 11. September 2001.   Aber diejenigen, die diesmal die Welt bedrohen, sitzen in den Vorst&#228;nden   der Banken und Konzerne und den Ministerien, ihr Fundamentalismus hei&#223;t   Marktwirtschaft.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Wolfram Klein, Plochingen bei Stuttgart<\/i><\/p>\n<h4>  Die Geldmarktkrise<\/h4>\n<p>  Der unmittelbare Ausl&#246;ser der Intervention der Zentralbanken war eine   Krise auf dem Geldmarkt. Auf dem Geldmarkt leihen die Banken einander   Geld, das sie kurzfristig nicht brauchen. Der Zinssatz, zu dem sie   einander das Geld verleihen ist normalerweise minimal h&#246;her als die   Leitzinsen der Zentralbanken. Aber am 9. August stiegen im Euro-Raum   diese Zinsen pl&#246;tzlich massiv, auf 4,7%, deutlich &#252;ber den Leitzins von   4%. Die EZB reagierte auf diese pl&#246;tzliche Unwilligkeit der Banken,   einander zu den &#252;blichen Konditionen Geld zu leihen, indem sie ihnen   selbst 94,9 Milliarden Euro zu ihrem Leitzins von 4% anbot. An den   folgenden Gesch&#228;ftstagen wurden die Betr&#228;ge kleiner. (Am Freitag waren   es 61,05 Milliarden, am Montag 47,665 Milliarden Euro und am Dienstag   7,7 Milliarden Euro zu etwas anderen Konditionen.) Andere Notenbanken   pumpten ebenfalls Betr&#228;ge in den Geldmarkt: die US-Notenbank Fed am   Donnerstag 24, am Freitag 38 und am Montag 2 Milliarden Dollar, die   japanische Zentralbank am Freitag eine Billion (6,1 Milliarden Euro) und   am Montag 600 Milliarden Yen (3,7 Milliarden Euro), die Notenbanken von   Kanada 1,64 Milliarden kanadische Dollar am Donnerstag, 1,675 Milliarden   am Freitag und 670 Millionen am Montag oder Australien kleinere Betr&#228;ge&#8230;   Da die Kredite der EZB nur eine Laufzeit von je einem Tag hatten,   ersetzten die Kredite des folgenden Tages die des vorigen und waren   nicht zus&#228;tzlich. Die sinkenden Betr&#228;ge spiegeln also wider, dass sich   die Verh&#228;ltnisse auf dem Geldmarkt wieder normalisierten.<\/p>\n<p>  Die Turbulenzen auf dem Geldmarkt strahlten aber auf andere M&#228;rkte aus.   Die Aktienkurse brachen am Donnerstag und Freitag stark ein, erst im   Verlauf des Freitags erholte sich die New Yorker Wall Street wieder.<\/p>\n<p>  Besonders stark waren die Einbr&#252;che an den Warenm&#228;rkten, wo sie ohnehin   bestehende Trends verst&#228;rkten. Der London-Metal-Exchange-Index, der den   Preis von 6 Basismetallen ausdr&#252;ckt, verlor in zwei Wochen 15%. &#214;lpreise   fielen seit Ende Juli um rund 10%<\/p>\n<p>  Die akute Geldmarktkrise ist vorbei, aber die wirtschaftlichen   Entwicklungen, die sie ausgel&#246;st haben, gehen weiter.<\/p>\n<h4>  Banken und ihre Fonds<\/h4>\n<p>  Denn dass die Banken pl&#246;tzlich gez&#246;gert haben, einander Geld zu leihen,   lag nat&#252;rlich nicht daran, dass ihre Vorst&#228;nde pl&#246;tzlich einander   unsympathisch geworden w&#228;ren. Handfeste finanzielle Gr&#252;nde f&#252;hrten dazu,   dass sie pl&#246;tzlich wechselseitig ihre Kreditw&#252;rdigkeit bezweifelten. Der   Ausl&#246;ser war die Ank&#252;ndigung der franz&#246;sischen Bank BNP Paribas vom   Donnerstagmorgen, drei Anlagefonds (Parvest Dynamics ABS, BNP Paribas   ABS Euribor und BNP Paribas ABS Eonia), deren Wert vom 27. 7. bis 7. 8.   von 2 auf 1,6 Milliarden Euro gefallen war, faktisch einzufrieren. Sie   erkl&#228;rte, wegen der Marktlage den Wert dieser Fonds nicht mehr &#8222;fair   bewerten&#8220; zu k&#246;nnen und deshalb keine Auszahlungen mehr vorzunehmen.   Etwa 30% der Gelder der Fonds waren in US-Hypotheken angelegt. Auch die   deutsche Privatbank Sal. Oppenheim schloss einen Fonds mit einem Volumen   von 750 Mio. Euro vorerst.<\/p>\n<p>  Das war ein H&#246;hepunkt in einer ganzen Kette von Mitteilungen &#252;ber   Probleme mit Anlagefonds. Am Dienstag hatte die WestLB bekannt gegeben,   den ABS-Fonds Mellon Compass Fonds vor&#252;bergehend zu schlie&#223;en. Zuvor   hatten schon Union Investment, HSBC Trinkaus und Frankfurt Trust ihre   Fonds gesperrt. &#196;hnlich hatten die Hypo KAG in &#214;sterreich sowie Oddo und   Axa in Frankreich gehandelt.<\/p>\n<p>  Bei der Londoner Gro&#223;bank HSBC waren die Aufwendungen f&#252;r Not leidende   Kredite im ersten Halbjahr um 63% auf 6,346 Milliarden Dollar gestiegen.<\/p>\n<p>  Die US-Bank Bear Stearns hatte erhebliche Probleme. Im Juni pumpte sie   mehr als 3 Milliarden Dollar in ihre Hedgefonds, um sie vor der Pleite   zu retten. Trotzdem musste vor kurzem zwei ihrer Hedgefonds Konkurs   anmelden, ein dritter fror Investorengelder ein. Auch der australische   Hedgefonds Basis Capital hatte heftige Verluste.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend den Tagen der Geldmarktkrise gingen die Ersch&#252;tterungen im   Finanzsektor weiter. Die HomeBanc in Atlanta, Georgia, die stark im   Hypothekengesch&#228;ft t&#228;tig gewesen war, erkl&#228;rte am Freitag ihren Bankrott   mit Schulden von 4,9 Milliarden Dollar. Zu ihren Gl&#228;ubigern geh&#246;ren   neben US-Finanzinstitutionen wie der Versicherung Fidelity auch die   niederl&#228;ndische Bank Fortis, die erw&#228;hnte franz&#246;sische BNP Paribas und   Deutsche Bank und Commerzbank. <\/p>\n<p>  Die Deutsche Bank selbst teilte am Freitag mit, dass der Wert des Fonds   f&#252;r forderungsbesicherte Anleihen (asset-backed securities, ABS) ihrer   Tochter DWS um 30% gefallen sei. Dass die Deutsche Bank diesen Fonds   trotzdem nicht einfror, sondern normal weiterlaufen lie&#223;, war in der   Wirtschaftspresse schon Schlagzeilen wert.<\/p>\n<p>  Am Freitag teilte die niederl&#228;ndische NIBC Holding Verluste von 189   Millionen Dollar mit  US-Hypothekengesch&#228;ften mit. Der US-Baufinanzierer   American Home Mortgage Investment teilte seinen Gl&#228;ubigern mit, Kredite   statt nach sieben erst nach 110 Tagen zur&#252;ckzahlen zu k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Ein entscheidender Grund f&#252;r das wechselseitige Misstrauen der Banken   ist, dass die Verluste, die im Hypothekenbereich bereits aufgetreten   sein m&#252;ssen, wesentlich gr&#246;&#223;er sind als die Verluste, die die Banken   bisher angegeben haben. Laut &quot;Wall Street Journal online&quot; durchleuchtet   die US-B&#246;rsenaufsicht SEC die B&#252;cher mehrerer gro&#223;er Banken auf der   Suche nach versteckten Verlusten. <\/p>\n<p>  Auch die deutsche Finanzaufsicht BaFin nimmt nach der Pleite der IKB   (s.u.) jetzt andere Banken wie die SachsenLB unter die Lupe. Deren 17,5   Milliarden Dollar schwerer 2004 gegr&#252;ndeter Fonds Ormond Quay k&#246;nnte   ebenfalls Probleme haben. Die Postbank gab an, ihr eigenes Engagement im   US-Hypothekenmarkt zu untersuchen.<\/p>\n<h4>  Das Ende des US-Immobilienbooms und seine Folgen<\/h4>\n<p>  Ein Gro&#223;teil dieser Finanzprobleme sind direkte und indirekte Folgen der   Krise im US-Immobiliensektor.<\/p>\n<p>  In den USA gab es einen jahrelangen Immobilienboom, der etwa bis zum   Sommer 2006 andauerte. Im Landesdurchschnitt stiegen die   Immobilienpreise um 70% schneller als die Preise allgemein. Die   Immobilien stiegen um etwa 700 Milliarden Dollar j&#228;hrlich im Preis.   Insgesamt wurden die USA auf dem Papier durch den Immobilienboom etwa um   5 Billionen Dollar reicher. Ein betr&#228;chtlicher Teil dieses Wertanstiegs   wurde zu Geld gemacht, indem die Eigenheime mit Hypotheken belastet   wurden oder im Vertrauen auf ihren steigenden Wert andere Kredite   aufgenommen wurden. Der Durchschnittshaushalt in den USA hatte letztes   Jahr Schulden im Wert von 129% seines verf&#252;gbaren Einkommens. Als Folge   dieser Verschuldung &#252;bertraf der Anstieg der Konsumausgaben den Anstieg   der L&#246;hne und Geh&#228;lter 2001-2006 um 270 Milliarden Dollar j&#228;hrlich.<\/p>\n<p>  Aber nachdem die US-Notenbank auf das Platzen der   dot.com-B&#246;rsenseifenblase und den 11. September 2001 mit drastischen   Zinssenkungen reagiert und damit den Immobilienboom angeheizt hatte,   erh&#246;hte sie die Zinsen unter dem Eindruck steigender &#214;lpreise und von   Inflationsgefahr wieder von 1% 2003 auf 5,25% 2006.<\/p>\n<p>  Mit dem Ende der Niedrigzinspolitik der US-Notenbank ging der   Immobilienboom zu Ende. Immobilienpreise stagnierten oder fielen. Viele   Eigent&#252;merInnen waren pl&#246;tzlich &#252;berschuldet. <\/p>\n<p>  Im Verlauf dieses Booms wurden Kredite immer leichtfertiger vergeben. Es   entstand ein Sektor von Hypotheken, deren SchuldnerInnen keine   erstklassige Bonit&#228;t haben, so genannte &#8222;subprime&#8220; Hypotheken. Dabei   handelte es sich z.B. um SchuldnerInnen, die in der Vergangenheit bei   Krediten in Zahlungsverzug geraten waren, die gar einen Bankrott oder   eine Zwangsversteigerung mitmachen mussten oder um Kredite, bei denen   die Zinsen und Tilgungen mehr als die H&#228;lfte des Einkommens ausmachten.   Der Anteil dieser &#8222;subprime Hypotheken&#8220; an dem Gesamtbetrag der   Hypotheken von knapp zehn Billionen Dollar wird teils mit 14%, teils   einem Viertel oder gar Drittel angegeben. Schon die Differenz zwischen   diesen Zahlen ist nicht gerade beruhigend. <\/p>\n<p>  Diese &#8222;subprime&#8220; Hypotheken haben h&#228;ufig variable Zinsen, d.h. der   Zinssatz wird in gewissen Zeitr&#228;umen an die Entwicklung der allgemeinen   Zinsen angeglichen. Das war nat&#252;rlich zu Zeiten fallender Zinsen f&#252;r die   SchuldnerInnen angenehm, bei dem Zinsanstieg der letzten Jahre war es   oft fatal. Ebenfalls h&#228;ufig waren kombinierte Zinsen (Hybrid), bei denen   die Zinsen die ersten Jahre fest waren, oder ein niedriger Einstiegszins   als Lockangebot (Teaser Rate). Wenn dann die Zahlungsf&#228;higkeit nur f&#252;r   die niedrigen Einstiegszinsen gepr&#252;ft wurde, war die Zwangsversteigerung   schon fast vorprogrammiert. Aber f&#252;r die Banken war das ein gutes   Gesch&#228;ft, so lange der Anstieg der Immobilienpreise als ein Naturgesetz   erschien und nicht das Einkommen der SchuldnerInnen, sondern der Preis   des Hauses als Sicherheit diente.<\/p>\n<p>  Von dem Immobilien- und Hypothekenboom profitierten aber nicht nur die   Hypothekenbanken. Dass Hypotheken und andere Schuldverpflichtungen vom   Gl&#228;ubiger bei Bedarf weiter verkauft werden k&#246;nnen (mit einem gewissen   Abschlag), ist im Kapitalismus normal. Auf die Weise brauchten sie nicht   zu warten, bis die Schuld f&#228;llig wurde oder konnten sich den &#196;rger mit   s&#228;umigen Schuldnern ersparen. Aber in den letzten Jahrzehnten ist es   immer g&#228;ngiger geworden, Schulden nicht in Ausnahmef&#228;llen zu verkaufen,   sondern in eine Art Wertpapier zu verwandeln, das wie eine Aktie oder   Staatsanleihe an der B&#246;rse gehandelt wurde. Diese Entwicklung war Teil   der allgemeinen Bedeutungszunahme von B&#246;rsen gegen&#252;ber direkten   Beziehungen zwischen Gesch&#228;ftspartnern im Kapitalismus seit etwa den   70er Jahren.<\/p>\n<p>  Damit die Hypotheken an der B&#246;rse gehandelt werden konnten, mussten sie   standardisiert werden &#8211; indem verschiedene Hypotheken zu einem Paket   zusammengefasst wurden. Der Wert solcher Hypotheken-Wertpapiere nahm in   den USA von 2001 bis 2006 von 217 auf 773 Milliarden Dollar zu.<\/p>\n<p>  Der n&#228;chste Schritt war die Bildung von CDOs (Collateralized Debt   Obligations). Ihr Handelsvolumen hat sich von 2003 bis 2006 auf 503 Mrd.   $ mehr als verf&#252;nffacht.<\/p>\n<p>  Bei ihnen wurden aus einer gro&#223;en Anzahl von Hypothekenkrediten   verschiedene Pakete (Tranchen) gebildet, die ein verschieden hohes   Risiko haben sollten. Das wurde aber nicht unbedingt dadurch erreicht,   dass in der einen Tranche Kredite von zuverl&#228;ssigen SchuldnerInnen und   in der anderen Tranche Kredite von unzuverl&#228;ssigen SchuldnerInnen   zusammengepackt wurden. Oft wurden einfach mehr &#8222;subprime&#8220;-Hypotheken   zusammengefasst, gewisserma&#223;en eine Hypothek mit mehreren H&#228;usern   abgesichert (overcollateralization wurde das genannt), nach dem Prinzip   &#8222;ein Teil von denen wird ja schon zahlen k&#246;nnen&#8220;. Solche Gebilde   erhielten dann von den weltbekannten Ratingagenturen wie Standard &amp;   Poor&#8217;s oder Moody&#8217;s Bewertungen wie &#8222;AAA&#8220;, wie sie z.B. die   Staatsanleihen der m&#228;chtigsten L&#228;nder (USA, BRD etc.) bekommen. Wolfgang   M&#252;nchau schrieb in der &#8222;Financial Times Deutschland&#8220;: &#8222;Mit einem Haufen   schlechter Kredite kann man also eine &#8218;AAA&#8217;-Tranche erzeugen. Man hat   einen Weg gefunden, aus Mist Geld zu machen.&#8220;<\/p>\n<p>  Die Banken vergaben ungehemmt Kredite und verkauften die Schulden in   Form von CDOs weiter. Die Ratingagenturen strichen f&#252;r ihre Bewertung   der CDOs Geb&#252;hren ein.<\/p>\n<p>  Aber die Wahrscheinlichkeit, dass zweifelhafte Schuldner nicht nur im   Einzelfall, sondern massenhaft nicht zahlen k&#246;nnen, ist doch etwas   gr&#246;&#223;er als die Wahrscheinlichkeit, dass die BRD mit zig Millionen   SteuerzahlerInnen als &#8222;Geiseln&#8220; ihre Staatsschulden nicht mehr bezahlen   kann.<\/p>\n<p>  Anfang April ging New Century Financial  pleite. Die Firma war auf   &#8222;subprime&#8220;-Hypotheken spezialisiert und boomte, bis sie schlie&#223;lich mit   453,5 Millionen Dollar in den Miesen war. Der Verzug bei der R&#252;ckzahlung   soll inzwischen bei &#8222;subprime&#8220;-Krediten 20mal so hoch wie bei normalen   Krediten sein. Im Mai hatten Hypothekenkredite im Wert von 212   Milliarden Dollar Zahlungsschwierigkeiten, nach Sch&#228;tzungen kann das   Ausma&#223; auf &#252;ber 530 Milliarden Dollar ansteigen.<\/p>\n<p>  Von Juni auf Juli ging das Volumen der ausgegebenen neuen CDOs um 34%   zur&#252;ck.<\/p>\n<h4>  Structured Investment Vehicles (SIVs)<\/h4>\n<p>  Die aktuelle Finanzkrise entstand teilweise einfach dadurch, dass   Hedgefonds und andere Anlagefonds CDOs gekauft haben, deren Kurs dann in   den Keller ging. Teilweise handelte es sich auch um kompliziertere   Operationen, bei denen die Zinsdifferenz zwischen langfristigen und   kurzfristigen Krediten ausgenutzt werden sollte. Es ist im Kapitalismus   normal, dass Investoren, die ihr Geld langfristig anlegen und daher   nicht dar&#252;ber verf&#252;gen k&#246;nnen, wenn sie es kurzfristig ben&#246;tigen, daf&#252;r   h&#246;here Zinsen bekommen als f&#252;r kurzfristige Kredite. Mit den CDOs war   eine neue Form von langfristigen Kapitalanlagem&#246;glichkeiten mit relativ   hohen Zinsen entstanden. Denn sie waren ja aus Hypotheken, also   langfristigen Krediten, entwickelt worden.<\/p>\n<p>  Ein Mittel, um mit dieser Zinsdifferenz Geld zu verdienen, sind SIVs   (Structured Investment Vehicles). Wahrscheinlich hat der allergr&#246;&#223;te   Teil der Menschheit bis vor wenigen Tagen noch nie etwas von diesen   possierlichen Tierchen geh&#246;rt. SIVs, SIV-lites und SIV conduits (sie   unterschieden sich dadurch, dass sie verschieden starken   Reglementierungen und Kontrollen unterliegen) geh&#246;ren zu den in den   letzten Jahren aufgekommenen Finanzinstrumenten. <\/p>\n<p>  Das Prinzip bestand darin, dass die SIVs (oder SIV-lites oder SIV   conduits) CDOs oder andere langfristige Wertpapiere mit hohen Zinsen   kaufen und sie mit kurzfristigen Krediten bezahlen. Ebenso wie die   langfristigen Schulden keine Schulden bei einer Bank mehr sind, sondern   an der B&#246;rse gehandelte Wertpapiere, so sind auch diese kurzfristigen   Kredite Schuldscheine, die Asset-backed Commercial Papers (ABCP, mit   Forderungen besicherte Wertpapiere) genannt werden. Sie haben eine   Laufzeit von wenigen Tagen bis ein paar Monaten (auf jeden Fall unter   zwei Jahre) und m&#252;ssen dann durch neue ABCPs ersetzt werden. Das war   jahrelang kein Problem, der ABCP-Markt wuchs auf eine oder gar   anderthalb Billion Dollar, bis die Krise der &#8222;Subprime&#8220;-Hypotheken und   der CDOs Zweifel weckten, ob diese ABCP-Schuldscheine denn wirklich   durch Werte gedeckt seien. Es wurde pl&#246;tzlich zum Problem, neue ABCPs   auf den Markt zu werfen. <\/p>\n<p>  Da die SIVs von Banken (die Gro&#223;banken HSBC und Citygroup haben zwei der   gr&#246;&#223;ten SIV-Plattformen) geschaffen wurden, m&#252;ssen die jeweiligen Banken   mit ihrem Kapital einspringen, wenn sich das Kapital nicht auf dem Markt   auftreiben l&#228;sst. Das wurde Anfang August der IKB in D&#252;sseldorf zum   Verh&#228;ngnis.<\/p>\n<h4>  Die Deutsche Industriebank IKB<\/h4>\n<p>  Die IKB diente &#252;ber viele Jahre ziemlich unspektakul&#228;r mittelst&#228;ndischen   Unternehmen als Hausbank. Dabei bet&#228;tigte sie sich auch bei   &#8222;Verbriefungen&#8220;, das hei&#223;t, sie kaufte den Unternehmen Forderungen an   andere Unternehmen ab und trieb sie selbst ein. Schlie&#223;lich gr&#252;ndete sie   eigene Investment-Vehikel, Rhineland Funding und Rhinebridge. Diese   boomten pr&#228;chtig und trugen kr&#228;ftig zum Gewinn der Bank bei. Denn die   IKB erkannte, dass man nicht nur mit Verbriefungen Geld verdienen kann,   sondern auch mit dem Handel mit &#8222;subprime&#8220; Hypotheken und CDOs. Im Juli   2007 belief sich das Verm&#246;gen von Rhineland auf 14 Milliarden Euro,   zumindest auf dem Papier. Finanziert wurde das, wie in der Branche   &#252;blich, mit ABCPs. Ende 2006 hatte die Ratingagentur Moody&#8217;s die IKB f&#252;r   ihren Erfolg gefeiert und besonders gelobt, weil sie ihre Aktivit&#228;ten   auf den neuen Bereich ausgedehnt hatte. Noch am 20. Juli pr&#228;sentierte   die IKB gute Quartalszahlen.<\/p>\n<p>  Ende Juli waren ABCPs der von Rhineland und Rhinebridge im Wert von 20   Milliarden Dollar auf dem Markt &#8211; und liefen teilweise aus, mussten also   erneuert werden. <\/p>\n<p>  Aber inzwischen hatte die &#8222;subprime&#8220;-Krise das Gesch&#228;ftsklima so   ge&#228;ndert, dass das nicht lief. Deshalb musste die IKB mit ihrem eigenen   Geld einspringen &#8211; und hatte nicht genug. Ihr eigener B&#246;rsenwert hatte   im Fr&#252;hjahr nur 2,6 Milliarden Euro betragen. Die IKB w&#228;re Pleite   gegangen, wenn nicht die Kreditanstalt f&#252;r Wiederaufbau (KfW),   Privatbanken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen etc. eingesprungen   w&#228;ren. Die KfW gab der IKB einen Kreditrahmen von 8,1 Milliarden Euro,   um die ausgefallenen ABCPs zu ersetzen. <\/p>\n<p>  Die Krise der IKB ist auch vor dem Hintergrund der   Heuschrecken-Diskussion der letzten Jahre bemerkenswert. Jahrzehntelang   war die IKB die Verk&#246;rperung von deutscher mittelst&#228;ndischer   Bodenst&#228;ndigkeit &#8211; und st&#252;rzt sich in so spekulative Gesch&#228;fte. Braucht   es einen weiteren Beweis, dass die &#8222;Heuschrecken&#8220; nicht etwas sind, was   von au&#223;en &#252;ber die bl&#252;henden Felder des &#8222;rheinischen Kapitalismus&#8220;   hereinbricht, sondern etwas, was der Kapitalismus in seinem   gegenw&#228;rtigen Stadium selbst hervorbringt? <\/p>\n<p>  Die Rettungsaktion f&#252;hrte nicht zu einer Beruhigung der M&#228;rkte. Die   Zweifel der Investoren an den ABCPs stiegen weiter, die finanzielle   Belastung der Banken stieg und auch ihr Geldbedarf. So wurde der Boden   f&#252;r die Geldmarktkrise der letzten Woche bereitet: Banken z&#246;gerten,   einander Geld zu leihen, einmal weil sich der Schuldner als neue IKB   entpuppen konnte, zum anderen, weil man nicht wusste, ob die eigenen   SIVs ihren Geldbedarf auf dem Markt befriedigen konnten oder ob man Geld   brauchte, um ihnen unter die Arme zu greifen.<\/p>\n<h4>  Nur die Geldmarktkrise ist (vor&#252;bergehend) vorbei<\/h4>\n<p>  Die Geldmarktkrise ist vor&#252;bergehend abgeklungen. Die Intervention der   Zentralbanken hat die Banken beruhigt. Aber die Probleme, die die Krise   ausl&#246;sten bestehen weiter. In den letzten Tagen gab es zwar keine so   spektakul&#228;ren Meldungen wie letzten Donnerstag, aber die meisten   Meldungen zeigen in die gleiche Richtung<\/p>\n<p>  Am Wochenende gab es Berichte, wonach die amerikanische Citigroup mit   Kreditanleihen 500 Millionen Dollar verloren habe. Am Montag gab die   US-Bank Goldman Sachs bekannt, 2 Milliarden Dollar zur Rettung ihres   eigenen Hedgefonds Global Equity Opportunities (GEO) einzusetzen. Eine   weitere Milliarde soll von au&#223;erhalb kommen. Angeblich hat er seit   Jahresbeginn 30% an Wert verloren. Als Grund wird genannt, dass die   Computerprogramme nicht richtig auf die B&#246;rsenentwicklungen reagierten.   Da derartige Computerprogramme in der Branche weit verbreitet sind, ist   das nicht gerade beruhigend. Die beiden anderen computergesteuerten   (quantitativen) Hedgefonds von Goldman Sachs, Global Alpha und North   American Opportunities, sollen auch Federn gelassen haben, Global Alpha   27% seit Jahresbeginn. Dienstag teilten Hedgefonds mit, dass Banken   Fonds den Kredithahn zugedreht haben, die Hypotheken oder CDOs als   Sicherheiten haben. Am Mittwoch gab die australische   Hedgefonds-Gesellschaft Basis Capital bekannt, dass einer ihrer Fonds   wahrscheinlich mehr als 80 Prozent seines Werts eingeb&#252;&#223;t habe. Es   hei&#223;t, dass die Deutsche Bank mit betroffen sei.<\/p>\n<p>  Auch direkt auf dem US-Hypothekenmarkt ging die Krise weiter. Der US-   Hypothekenfinanzierer Homebanc hat 4,9 Milliarden Dollar Schulden, will   dichtmachen und beantragte Gl&#228;ubigerschutz. Zu den Gl&#228;ubigern geh&#246;ren   Gro&#223;banken wie die US-Bank JP Morgan, die franz&#246;sische BNP Paribas und   in Deutschland mal wieder Commerzbank und Deutsche Bank. Davor hatte   American Home Antrag auf Gl&#228;ubigerschutz gestellt, zu dessen Gl&#228;ubigern   auch die Deutsche Bank geh&#246;rt. Auch die Hypothekenbank Countrywide   r&#228;umte massive Finanzierungsprobleme ein.<\/p>\n<p>  Von der IKB wurde bekannt, dass sie st&#228;rker auf dem US-Hypothekenmarkt   engagiert war, mit 7,8 Milliarden Euro. Die WestLB gab an, 1,25   Milliarden Euro in subprime-Hypotheken investiert zu haben, die Postbank   gab an, mit 600 Millionen Euro beim IKB-Rhineland-Fonds drinzustecken.<\/p>\n<p>  Schwierigkeiten der Banken, ABCPs auf den Markt zu bringen, wurden vor   allem aus Kanada gemeldet.<\/p>\n<p>  Dazu gab es immer wieder kr&#228;ftige Kurseinbr&#252;che an verschiedenen   Aktienb&#246;rsen, z.B. in Ostasien und Australien. Neben den Aktienkursen   bewegten sich dort auch die Devisenkurse. Der japanische Yen stieg   deutlich (in einem Monat insgesamt um 6% gegen&#252;ber dem Euro, 4%   gegen&#252;ber dem Dollar), w&#228;hrend s&#252;dostasiatische W&#228;hrungen wie der   malaysische Ringgit und die indonesische Rupie fielen. <\/p>\n<h4>  Carry Trade<\/h4>\n<p>  Das deutet darauf hin, dass eine weitere Spielart der Spekulation an   ihre Grenzen st&#246;&#223;t, der so genannte Carry Trade: Dabei machen Investoren   Schulden in Yen (weil die Zinsen in Japan extrem niedrig sind) und legen   das Geld dann in anderen W&#228;hrungen an, in denen die Zinsen h&#246;her sind.   Das Gesch&#228;ft funktioniert nat&#252;rlich nur, wenn der Yen im Kurs gegen&#252;ber   diesen anderen W&#228;hrungen nicht steigt und die Zinsgewinne durch   Kursverluste aufgefressen werden. Das kann eine Weile gut gehen, weil   der Carry Trade beinhaltet, dass Yen in andere W&#228;hrungen gewechselt   werden und diese Spekulation den Yen tiefer dr&#252;ckt, als &#246;konomisch   gerechtfertigt w&#228;re. Die Folge ist, dass das Pendel zur&#252;ck schwingt,   wenn die Spekulation erlahmt, und die Spekulanten, die nicht rechtzeitig   aussteigen, mit Verlusten rechnen m&#252;ssen.<\/p>\n<h4>  Mittelfristige Folgen<\/h4>\n<p>  Voraussichtlich werden die Schwierigkeiten auf den Finanzm&#228;rkten   weitergehen. Banken werden kaum ABCPs loswerden und k&#246;nnen deshalb in   Schieflagen kommen wie die IKB. Das k&#246;nnte z.B. die SachsenLB mit ihrem   Ormond Quay betreffen oder die WestLB mit ihrem New Yorker Ableger   Brightwater und deren ABCP-Vehikel Greyhawk.<\/p>\n<p>  Aber das Austrocknen des ABCP-Marktes betrifft nicht nur das Geld f&#252;r   die SIV-Spekulation mit Hypotheken und CDOs. Es betrifft auch die   Finanzierung von Firmen&#252;bernahmen und -verk&#228;ufen. Der weltgr&#246;&#223;te   Finanzkonzern Citigroup hat es bereits im zweiten Quartal in vier F&#228;llen   nicht geschafft, Kredite, die er Investoren zur Finanzierung von   Firmen&#252;bernahmen gew&#228;hrt hatte, an Anleger weiterzureichen. N&#228;chsten   Monat h&#228;tten insgesamt 300 Milliarden Dollar zur Finanzierung von   Firmen&#252;bernahmen aufgebracht werden sollen.<\/p>\n<p>  Wenn verschiedene Finanzinstitutionen wachsende Liquidit&#228;tsprobleme   bekommen, werden sie zum Teil mit dem Verkauf von Aktien reagieren. Dass   Unternehmen die eigenen Aktien kaufen, um ihre Kurse hochzutreiben,   d&#252;rfte dagegen wesentlich seltener werden. Auch dass Firmen&#252;bernahmen   die Kurse hoch treiben, d&#252;rfte seltener werden. Durch diese Faktoren   geraten die Aktienkurse unter Druck, so dass weitere Kursr&#252;ckg&#228;nge zu   erwarten sind (sofern nicht Zinssenkungen der Zentralbanken dem   entgegenwirken). Daran &#228;ndert auch die gegenw&#228;rtig relativ gute   Verfassung der Realwirtschaft nichts, im Gegenteil werden sich die   Finanzprobleme auch hier in verschiedener Beziehung negativ auswirken.<\/p>\n<p>  Zum einen wird die gestiegene Risikoangst der Banken dazu f&#252;hren, dass   sie bei der Kreditvergabe vorsichtiger werden. Das wird &#252;berschuldete   Privathaushalte in den USA betreffen, kann aber zunehmend auch f&#252;r   Unternehmen gelten. Es kann das eintreten, was Kreditklemme oder   Kreditkrise (credit crunch) genannt wird: dass die Gl&#228;ubiger solche   Angst haben, die Schuldner k&#246;nnten die Kredite nicht zur&#252;ckzahlen, dass   auch hohe Zinsen keinen gen&#252;genden Anreiz bieten, Kredite zu vergeben. <\/p>\n<p>  F&#252;r Privathaushalte in den USA hie&#223;e das, dass sie finanzielle Engp&#228;sse   weniger leicht &#252;berbr&#252;cken k&#246;nnen. Zwangsverk&#228;ufe werden zunehmen und   die Krise der Immobilienpreise versch&#228;rfen. Denn es wird oft   argumentiert, dass ein R&#252;ckgang der Immobilienpreise ganz anders   Verlaufe als ein Kurseinbruch an den Aktienb&#246;rsen: Bei niedrigen   Immobilienpreisen bleiben die Eigenheimbesitzer einfach in ihren H&#228;usern   wohnen und warten mit einem etwaigen Verkauf auf bessere Zeiten. Aber   das k&#246;nnen sie eben nur, wenn ihnen keine Zwangsversteigerung   widerf&#228;hrt. Je mehr Zwangsverk&#228;ufe, desto mehr werden die   Immobilienpreise gedr&#252;ckt, desto mehr Hypothekenschuldner erscheinen als   &#252;berschuldet und nicht mehr kreditw&#252;rdig. Es ist ein Teufelskreis, der   nicht so spektakul&#228;r sein mag wie ein B&#246;rsenkrach, aber nicht weniger   brutal ist.<\/p>\n<p>  Auf der anderen Seite bedeutet die Beschr&#228;nkung der Kreditvergabe an   Unternehmen, dass weniger Produktionserweiterungen stattfinden etc., die   Wirtschaft gebremst wird.<\/p>\n<p>  Das geht damit einher, dass die wirtschaftlichen Schwierigkeiten von der   Nachfrageseite her zunehmen werden. Nachdem jahrelang die Konsumausgaben   in den USA um 270 Milliarden Dollar schneller wuchsen als die L&#246;hne und   Geh&#228;lter, werden fr&#252;her oder sp&#228;ter das Ende des Immobilienbooms und   eine restriktive Kreditpolitik der Banken zu einer Kehrtwende f&#252;hren. Es   kann sein, dass jahrelang Millionen Familien sparen und Schulden abbauen   werden. Die US-Wirtschaft stellt sich bereits auf eine schw&#228;chere   Nachfrage ein. Die Einzelhandelskette Wal-Mart hat Mittwoch die   Erwartungen f&#252;r die n&#228;chsten Monate ged&#228;mpft. Der Goldman Sachs   Confidence Index, bei dem Firmenvorst&#228;nde bez&#252;glich ihrer Erwartungen   der Gesch&#228;ftsbedingungen gefragt werden, brach ein von 57 im zweiten   Quartal auf 33 im dritten Quartal, den niedrigsten Stand seit dem   dritten Quartal 2002 (ein Wert &#252;ber 50 bedeutet, dass die positiven   Erwartungen &#252;berwiegen). Und dabei ist zu ber&#252;cksichtigen, dass die   Befragung der Vorstandsmitglieder in der letzten Juli- und ersten   Augustwoche stattfand, also noch vor den Turbulenzen von letzten   Donnerstag und Freitag.<\/p>\n<p>  Manche Wirtschaftskommentatoren behaupten noch, es bestehe kein Grund   zur Panik, es kehre nur eine realistische Bewertung der Risiken ein.   Wenn ein Mensch, der jahrelang mit einer rosaroten Brille herumgelaufen   ist, diese Brille verliert, ist dieser Verlust tats&#228;chlich kein Grund   zur Panik. Aber wenn er gezwungen ist, die Welt um sich ohne seine   rosarote Brille zu betrachten, kann er bemerken, dass diese Welt schon   lange Grund zur Panik geboten h&#228;tte.<\/p>\n<p>  Das alles soll nicht hei&#223;en, dass morgen die gro&#223;e Krise ausbricht. Die   Finanzm&#228;rkte sind gelegentlich mit einem Kartenhaus verglichen worden.   Aber auch hier gilt das dialektische Prinzip, dass Quantit&#228;t in Qualit&#228;t   umschl&#228;gt. Seit dem Beginn der 1980er Jahre gab es einen Anstieg der   Aktienkurse, seit einigen Jahren einen Immobilienboom. Es gab im letzten   Vierteljahrhundert zahlreiche Finanzkrisen in den USA (z.B. die   Sparkassenkrise der sp&#228;ten 1980er Jahre) oder international. Trotzdem   ist das Kartenhaus nie eingest&#252;rzt, sondern immer gr&#246;&#223;er geworden, auch   wenn der eine oder andere Geb&#228;udefl&#252;gel des Kartenhauses eingest&#252;rzt   ist. Das hat zu einem erheblichen Vertrauen der Investoren gef&#252;hrt, dass   das in alle Zukunft so weitergehen werde. Dabei spielt auch eine Rolle,   dass das Finanzmarktgebilde so riesig geworden ist, sein Einsturz so   verheerend w&#228;re, dass Notenbanken und Regierungen eingreifen m&#252;ssen (ob   mit Erfolg, ist eine andere Frage). Und die Rettungsaktionen f&#252;r die IKB   und den Geldmarkt haben zwar einerseits f&#252;r Panik gesorgt, weil sie das   Ausma&#223; der Krise deutlich gemacht haben, auf der anderen Seite aber   demonstriert, dass der viel beschworene freie Markt seine Grenzen hat,   wenn seine Opfer nicht entlassene ArbeiterInnen oder zwangsversteigerte   Eigenheime sind, sondern Gro&#223;investoren. <\/p>\n<p>  Deshalb wird dieses Finanzmarktgeb&#228;ude erst nach einer Reihe von   Ersch&#252;tterungen einst&#252;rzen. Aber diese Ersch&#252;tterungen haben schon vor   Monaten begonnen und folgten in den letzten Wochen mit erstaunlichem   Tempo aufeinander.<\/p>\n<h4>  Die begrenzten M&#246;glichkeiten der Notenbanken<\/h4>\n<p>  Eine Illusion, die in den n&#228;chsten Jahren zu Bruch gehen wird, ist der   Glaube, dass die Notenbanken mit ihrer Zinspolitik etc. die Wirtschaft   ohne gr&#246;&#223;ere Krisen steuern k&#246;nnen. Bis vor wenigen Jahren war die   Inflationsgefahr sehr gering, so dass die Notenbanken sich bei ihrer   Zinspolitik auf deren Folgen f&#252;r das Wirtschaftswachstum und die   Finanzm&#228;rkte konzentrieren konnten. Aber in letzter Zeit hat vor allem   der &#214;lpreisanstieg zu Inflations&#228;ngsten gef&#252;hrt, die Notenbanken haben   die Zinsen erh&#246;ht und damit zu den aktuellen Problemen beigetragen. Es   kann sein, dass die Probleme der Finanzm&#228;rkte und der Wirtschaft   insgesamt bald so gravierend sein werden, dass sie wieder umsteuern   (auch, weil eine Abk&#252;hlung der Wirtschaft und ein R&#252;ckgang der   Spekulation die Preise f&#252;r &#214;l und andere Rohstoffe etwas sinken lassen   kann). Aber wird das die gew&#252;nschten Folgen haben?<\/p>\n<p>  Bei der Geldmarktkrise der letzten Woche konnten die Notenbanken mit   ihrer Intervention daf&#252;r sorgen, dass die Beziehungen der Banken   untereinander sich wieder beruhigten. Aber ihre Beziehungen zu ihren   Kunden konnten die Notenbanken nicht wirklich beeinflussen. Den   Vertrauensverlust k&#246;nnen sie nicht beseitigen. Und wenn es zu einer   Kreditklemme kommt, w&#252;rde sie die Grenzen der Zentralbankmacht drastisch   zeigen. Es k&#246;nnte passieren, dass die Banken bei ihrer Kreditvergabe   eine so hohe &#8222;Risikopr&#228;mie&#8220; auf die Leitzinsen zuschlagen, dass selbst   eine Senkung der Leitzinsen auf Null die von den Banken festgesetzten   Zinsen f&#252;r die Unternehmen und die Privathaushalte nicht auf das von den   Zentralbanken f&#252;r richtig erachtete Niveau senken w&#252;rde. Das w&#252;rde   versch&#228;rft werden, wenn die &#220;berschuldung und die Einschr&#228;nkung des   Privatkonsums und der Nachfrage zu Deflation, zu allgemein fallenden   Preisen f&#252;hren w&#252;rde. Dass das kein Hirngespinst ist, zeigt die   Entwicklung in Japan Anfang der 1990er Jahre: Dort hatte die Notenbank   die Zinsen ganz &#228;hnlich wie die Fed erh&#246;ht (von 2,5 auf 6%), um einen   Spekulationsboom zu stoppen. Die Folge war ein Absturz der Aktienkurse   im Fr&#252;hjahr 1990, dem ein paar Monate sp&#228;ter die Talfahrt der   Immobilienpreise folgte. Die Aktienkurse haben heute etwa 40% des   damaligen Spitzenwerts, was zeigt, dass solche Einbr&#252;che keineswegs   vor&#252;bergehend sein m&#252;ssen. Das Platzen der Spekulationsseifenblase lie&#223;   die Banken mit riesigen Bergen von faulen Krediten zur&#252;ck. (Der   Hauptunterschied zur heutigen Lage war, dass es sich um traditionelle   Kredite bei bestimmten Banken handelte, nicht um auf dem Schuldenmarkt   gehandelte Schuldscheine. Deshalb blieb die Krise weitgehend auf Japan   beschr&#228;nkt.) Die riesigen Schuldenberge zogen die japanische Wirtschaft   in den folgenden Jahren wie ein M&#252;hlstein um den Hals nach unten. Banken   z&#246;gerten sehr bei der Kreditvergabe. Umgekehrt scheuten sich die Leute   wegen der minimalen Zinsen und &#220;berschuldung der Banken, den Banken ihre   Ersparnisse anzuvertrauen. Eine der wenigen Branchen, die boomte, war   die Herstellung von Tresoren, weil viele Verm&#246;gende ihr zu Hause   sicherer aufgehoben fanden, als bei einer Bank. Der Konsum war im   Keller. Wenn die Regierung die Einkommen erh&#246;hte (z.B. durch   Steuergeschenke), wurde das zus&#228;tzliche Geld nicht ausgegeben, sondern   zum Schuldenabbau verwendet bzw. gespart. Denn die Preise fielen und es   lohnte sich, mit Ausgaben zu warten, bis sie noch mehr gefallen waren.   Vor lauter Verzweiflung wurde ernsthaft diskutiert, den Leuten statt   Geld Einkaufsgutscheine zu geben, damit sie mit dem Horten aufh&#246;ren. <\/p>\n<p>  Wegen der zentralen Rolle der US-Wirtschaft und ihrer Nachfrage f&#252;r die   Weltwirtschaft und der Globalisierung der Finanzm&#228;rkte (sichtbar in der   Beteiligung der europ&#228;ischen Banken an der Spekulation der letzten   Jahre) besteht die Gefahr, dass sich die japanische Krise der 90er Jahre   in den n&#228;chsten Jahren im globalen Ma&#223;stab wiederholen k&#246;nnte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Ende letzter Woche pumpten die Zentralbanken f&#252;hrender kapitalistischer<br \/>\n      L&#228;nder, allen voran die Europ&#228;ische Zentralbank (EZB) so viel Geld in<br \/>\n      die Finanzm&#228;rkte wie zuletzt als Reaktion auf den 11. September 2001.<br \/>\n      Aber diejenigen, die diesmal die Welt bedrohen, sitzen in den Vorst&#228;nden<br \/>\n      der Banken und Konzerne und den Ministerien, ihr Fundamentalismus hei&#223;t<br \/>\n      Marktwirtschaft.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[127],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12258"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12258"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12258\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12258"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12258"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12258"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}