{"id":12250,"date":"2007-08-22T00:45:36","date_gmt":"2007-08-22T00:45:36","guid":{"rendered":".\/?p=12250"},"modified":"2007-08-22T00:45:36","modified_gmt":"2007-08-22T00:45:36","slug":"12250","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/08\/12250\/","title":{"rendered":"Alles altes Eisen? Die Bahn soll zu Dumpingpreisen an private Investoren \r\n      gehen"},"content":{"rendered":"<p>  F&#252;r den Ausverkauf der Bahn entwickelte deren Management eine kreative   Buchf&#252;hrung, &#252;bersah aber, dass der Wert der Bahn bereits regelm&#228;&#223;ig   berechnet wird.<\/p>\n<p>  <i>von Winfried Wolf<\/i><\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  So konnte man es im Handelsblatt lesen: &#8222;Eisern will der Bahn-Chef vor   allem beim Streckennetz bleiben. Dieses k&#246;nne nicht beim Bund bleiben.   H&#246;chstens k&#246;nne man dem Bund formal eine Mehrheit am Kapital der Fahrweg   AG einr&#228;umen.&#8220; Das wurde am 4. Oktober 1993 geschrieben. Der damalige   Bahn-Chef hie&#223; Heinz D&#252;rr.<\/p>\n<p>  Im Focus war zu lesen: &#8222;Das Mega-Milliarden-Ding. Das 41.000 Kilometer   lange Schienennetz ist als Immobilie pures Gold. [&#8230;] Selbst   unansehnliche Bahnschneisen, die brutal unsere St&#228;dte zerschneiden,   k&#246;nnten finanziell wirkungsvoll genutzt [&#8230;] werden. Geschickt lie&#223;en   sich ganze Str&#228;nge in Geb&#228;ude verpacken, so dass sie aus dem Blickfeld   verschwinden &#8211; und noch als Immobilie fette Zinsen abwerfen.&#8220; Das wurde   in der Focus-Ausgabe 43 des Jahres 1993 geschrieben.<\/p>\n<p>  Bei der Bahnreform 1993\/94, die von ihren Betreibern als Vorstufe einer   Bahn-Privatisierung gesehen wurde, und bei der aktuellen materiellen   Privatisierung der Deutschen Bahn AG ging es immer vor allem um den   gewaltigen Immobilienschatz, der mit der Bahn verbunden ist.   Entsprechend gro&#223;e M&#252;he geben sich diejenigen, die den Ausverkauf der   Bahn betreiben, um den Wert dieses Verm&#246;gens herunterzuspielen.<\/p>\n<h4>  Wert der Bahn<\/h4>\n<p>  Mehr als ein Jahr lang wurde erbittert dar&#252;ber debattiert, wieviel die   Bahn denn wert sei. Urspr&#252;ngliche Aussagen unter anderem im Gutachten   von Booz Allen Hamilton mit dem Titel &#8222;PRIMON &#8211; Privatisierung mit und   ohne Netz&#8220; vom Februar 2006 lauteten, es gehe um Verm&#246;genswerte, die   zwischen 14,2 und 23,3 Milliarden Euro liegen. Dies wurde von   kompetenter Seite, so von Berlins Finanzsenator, zur&#252;ckgewiesen. Thilo   Sarrazin sch&#228;tzte den Wert der Deutschen Bahn AG auf mehr als 100   Milliarden Euro.<\/p>\n<p>  Bisher wurde dabei &#252;bersehen, dass der Wert der Bahn bereits regelm&#228;&#223;ig   berechnet wird. Jedes Jahr erscheint die Statistik &#8222;Verkehr in Zahlen&#8220;.   Sie wird vom Bundesministerium f&#252;r Verkehr, Bau- und Stadtentwickelung   herausgegeben und enth&#228;lt in ihrer neuesten Ausgabe f&#252;r die Jahre   2006\/2007 ein Vorwort des Bundesministers f&#252;r Verkehr, Bau und   Stadtentwicklung, Wolfgang Tiefensee, in dem sich dieser zu &#8222;&#214;kologie,   Nachhaltigkeit und Sicherheit&#8220; als &#8222;Kern der Verkehrspolitik&#8220; bekennt.   In dieser Statistik finden sich auf den Seiten 38 und 39 detaillierte   Berechnungen zum &#8222;Bruttoanlageverm&#246;gen&#8220; der Verkehrssektoren &#8222;zu Preisen   von 2000&#8220;, also bei Ausschaltung der Inflation. Diese Berechnungen   erfolgten r&#252;ckwirkend bis in die f&#252;nfziger Jahre, die aktuelle Ausgabe   enth&#228;lt die Zahlen f&#252;r den Zeitraum 1980 bis 2005.<\/p>\n<h4>  Brutto und netto<\/h4>\n<p>  Danach hatte die Deutsche Bahn AG bei ihrer Gr&#252;ndung 1994 ein   Bruttoanlageverm&#246;gen im Wert von 164,8 Milliarden Euro, wobei der   Verkehrsweg damals auf 103,5 Milliarden Euro taxiert wurde. Im Jahr 2005   lag das Bruttoanlageverm&#246;gen der Deutschen Bahn AG bei 181,4 Milliarden   Euro und der Wert des Verkehrswegs bei 126 Milliarden Euro. Das   Bruttoanlageverm&#246;gen nennt Wiederbeschaffungswerte, was aus Sicht des   Eigent&#252;mers die entscheidende Kategorie darstellt. Die Schrift &#8222;Verkehr   in Zahlen&#8220; nennt auch die Werte des &#8222;Nettoanlageverm&#246;gens&#8220;, die den   &#8222;Zeitwert der zeitlich verschieden installierten Verkehrsanlagen und   Verkehrsmittel auf einheitlicher Preisbasis&#8220; wiedergibt. Das   Nettoanlageverm&#246;gen der Bahn wird dabei f&#252;r das Jahr 2005 mit 116,8   Milliarden Euro wiedergegeben, wobei als Teil dieses Gesamtwerts das   Nettoanlageverm&#246;gen des Verkehrswegs mit 86,3 Milliarden Euro beziffert   wird. Im &#220;brigen wird das Nettoanlageverm&#246;gen aller privaten Eisenbahnen   (&#8222;NE-Bahnen; nichtbundeseigene Eisenbahnen&#8220;) nur bei 4,9 Milliarden Euro   (brutto: 7,5 Milliarden Euro) gesehen, was ein weiteres Indiz daf&#252;r ist,   dass der eigentliche Wert der Bahn im Verkehrsweg &#8211; in der Infrastruktur   &#8211; steckt. Das Schienennetz und die Bahnh&#246;fe sind zu 99 Prozent Eigentum   der Deutschen Bahn AG, auch wenn der Anteil der Privaten im Bahnverkehr   bei rund f&#252;nf Prozent liegt.<\/p>\n<h4>  Bilanzwert<\/h4>\n<p>  In der Anh&#246;rung des Verkehrsausschusses des Bundestags vom 10. Mai 2006   hat unter anderem der Gutachter Professor Karl-Dieter Bodack auf zwei   Vorg&#228;nge verwiesen, wie die Bahn den Wert des Unternehmens k&#252;nstlich   wesentlich niedriger bilanziert: Erstens wurde bei der Gr&#252;ndung der   Deutschen Bahn AG nicht, wie es korrekt gewesen w&#228;re, der addierte   Bilanzwert von Bundesbahn und Reichsbahn zugrunde gelegt. Statt dessen   wurde dieser Wert um 43 Milliarden Euro reduziert. Zweitens wurden seit   1994 die j&#228;hrlichen Zusch&#252;sse des Bundes f&#252;r die Infrastruktur und die   Investitionen in die Neubaustrecken in einer addierten H&#246;he von mehr als   50 Milliarden Euro wertm&#228;&#223;ig nicht bilanziert. Diese Gelder seien &#8222;ja   geschenkt&#8220;, so Hartmut Mehdorn. Als Effekt dieser Operationen nimmt die   Deutsche Bahn AG keine Abschreibungen auf Anlagepositionen in H&#246;he von   rund 100 Milliarden Euro vor, das hei&#223;t, es entstehen nicht die   entsprechenden Kosten. Gleichzeitig bezieht sie ihren auf diese Weise   k&#252;nstlich aufgebl&#228;hten Gewinn auf eine viel zu geringe Bilanzsumme, was   wiederum zu einer h&#246;heren Kapitalrendite f&#252;hrt.<\/p>\n<p>  Interessant ist nun, wie &#8222;Verkehr in Zahlen&#8220; hier vorgeht. Nach dieser   Statistik hatten Bundesbahn und Reichsbahn Ende 1993 ein   Bruttoanlageverm&#246;gen im Wert von 164 Milliarden Euro. Ende 1994 hatte   die Deutsche Bahn AG ein Bruttoanlageverm&#246;gen in H&#246;he von 164,8   Milliarden Euro. Die Abwertung unterblieb also. In den folgenden Jahren   bis 2005 stieg das Bruttoanlageverm&#246;gen kontinuierlich an, wobei der   Zuwachs auch die Investitionen enth&#228;lt, die durch Bundesmittel   erm&#246;glicht wurden. So hei&#223;t es in der Erl&#228;uterung dieser Schrift auf   Seite 21: &#8222;Das Bruttoanlageverm&#246;gen wird [&#8230;] unter Annahme   spezifischer Nutzungszeiten f&#252;r die einzelnen Investitionsaggregate   [&#8230;] als gewichtete Summe der kumulierten Investitionsjahrg&#228;nge [&#8230;]   errechnet.&#8220; Auch hier finden sich die Tricks, mit denen das   Bahnmanagement kreative Buchf&#252;hrung und einen Ausverkauf unter Wert   betreibt, nicht wieder.<\/p>\n<hr>\n<p>  <b><i>Winfried Wolf<\/i><\/b><i> ist marxistischer &#214;konom und   Verkehrsexperte. Noch 2007 will er gemeinsam mit anderen die erste   Ausgabe der neuen Zeitschrift zur Kritik der globalen &#214;konomie   lunapark21 herausbringen. Winfried Wolf ist aktiv im B&#252;ndnis Bahn f&#252;r   Alle. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>Zum Auftakt der <a href=\"http:\/\/www.sozialismustage.de\">  Sozialismus-Tage 2007<\/a> in Berlin wird Winfried Wolf einen Vortrag   &#252;ber die Hintergr&#252;nde und Konsequenzen der Bahn-Privatisierung halten.   Im Anschluss wird der Film &#8222;Bahn unterm Hammer&#8220; von Leslie Franke und   Herdolor Lorenz gezeigt: Freitag, den 28. September um 20 Uhr.<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      F&#252;r den Ausverkauf der Bahn entwickelte deren Management eine kreative<br \/>\n      Buchf&#252;hrung, &#252;bersah aber, dass der Wert der Bahn bereits regelm&#228;&#223;ig<br \/>\n      berechnet wird.\n    <\/p>\n<p>\n      <i>von Winfried Wolf<\/i>\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78,20],"tags":[195],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12250"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12250"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12250\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12250"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12250"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12250"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}