{"id":12241,"date":"2007-08-15T11:57:29","date_gmt":"2007-08-15T11:57:29","guid":{"rendered":".\/?p=12241"},"modified":"2007-08-15T11:57:29","modified_gmt":"2007-08-15T11:57:29","slug":"12241","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/08\/12241\/","title":{"rendered":"Geht Frankreich nach rechts?"},"content":{"rendered":"<p>  <i>Keine stabile soziale Basis f&#252;r Sarkozy<\/i><\/p>\n<p>  Bei der Stichwahl zu den Pr&#228;sidentschaftswahlen am 6. Mai konnte Nicolas   Sarkozy 53 Prozent der Stimmen erlangen. F&#252;nf Wochen sp&#228;ter gewann seine   Partei, die konservative UMP, auch noch die Mehrheit der Sitze in der   Nationalversammlung (323 von 577).<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Allerdings gingen Wahlbeteiligung und Ergebnisse zwischen der ersten   und zweiten Runde der Parlamentswahlen stark auseinander. Nachdem die   UMP, all zu siegesgewiss, vor dem zweiten Wahlgang eine   Mehrwertsteuererh&#246;hung um f&#252;nf Prozent bei gleichzeitigen   Steuersenkungen f&#252;r Unternehmen ins Auge fasste, schw&#228;chte das ihren   R&#252;ckhalt. Ein Indikator daf&#252;r, dass ihre gesellschaftliche Basis nicht   stabil ist, und gr&#246;&#223;ere soziale Konflikte anstehen k&#246;nnten.<\/b><i>  <\/i><\/p>\n<p>  <i>von Marie Rosa, Aachen<\/i><\/p>\n<p>  Der Wahlerfolg f&#252;r die UMP erscheint zun&#228;chst &#252;berraschend, wenn man   sich daran erinnert, dass die selbe Partei in den letzten Jahren an der   Spitze der Regierung stand und mit gro&#223;em Widerstand konfrontiert war:   nicht zuletzt die schallende Ohrfeige, die Jugendliche, Besch&#228;ftigte und   Erwerbslose ihr und dem ganzen Establishment verpassten, als sie   mehrheitlich gegen die EU-Verfassung gestimmt haben.<\/p>\n<p>  Als Millionen Jugendliche und ArbeiterInnen, teilweise erfolgreich,   gegen die Aufweichung des K&#252;ndigungsschutzes streikten, genoss diese   rechte Regierung unter Sarkozys Vorg&#228;nger Dominique de Villepin wenig   Vertrauen: Nur ein Drittel unterst&#252;tzte sie damals noch in Umfragen.<\/p>\n<h4>  Wahlsieg Sarkozys<\/h4>\n<p>  Hauptursache f&#252;r den Wahlerfolg von Sarkozy war das Fehlen einer starken   politischen Kraft, die ArbeiterInnen eine Alternative zu den bestehenden   Problemen aufzeigen konnte. Die sozialdemokratische Partei Parti   Socialiste (PS) und ihre Kandidatin S&#233;golene Royal sind extrem   unpopul&#228;r. Grunde sind vor allem die Angriffe, die die Sozialdemokratie   in den neunziger Jahren durchgef&#252;hrt hat (die Regierung Lionel Jospin   hat mehr Privatisierungen zu verantworten als ihre konservativen   Vorg&#228;nger). Das diesj&#228;hrige Wahlprogramm der PS war nur eine schlechte   Kopie von dem der UMP. S&#233;golene Royal hat im &#220;brigen w&#228;hrend dem   Wahlkampf bei zentralen Fragen wie den geplanten Rentenk&#252;rzungen Sarkozy   nicht widersprochen.<\/p>\n<p>  Der PS k&#246;nnte in n&#228;chster Zeit sogar eine Spaltung beziehungsweise   Abspaltungen drohen. Einzelne PS-Mitglieder (wie Bernard Kouchner, der   neue Au&#223;enminister) holte sich Sarkozy in seine Regierung. Gleichzeitig   wird laut &#252;ber ein Zusammengehen mit den Gr&#252;nen und anderen nachgedacht. <\/p>\n<p>  In Frankreich ist eine Arbeiterpartei dringend n&#246;tig. Eine Partei, die   verschiedene Bereiche und Proteste zusammenbringen kann. Eine Partei,   die nicht nur K&#228;mpfe weiterbringt, sondern zudem eine politische   St&#228;rkung der Bewegung bedeutet &#8211; als Forum daf&#252;r, Alternativen zu   Neoliberalismus und Kapitalismus zu diskutieren. Eine Partei, die auf   der Wahlebene ein Angebot darstellt.<\/p>\n<p>  Bewusstsein entwickelt sich nicht geradlinig. Stimmungen schwanken. Ohne   eine in der Arbeiterklasse stark verankerte Partei, die aus den K&#228;mpfen   Lehren ziehen und verallgemeinern kann, gilt das um so mehr. Vor diesem   Hintergrund konnte Sarkozy auch bei Teilen der arbeitenden Bev&#246;lkerung   mit seinem Nationalismus, protektionistischen Ideen und au&#223;enpolitischen   Ambitionen vor&#252;bergehend Punkte sammeln. Manche klammerten sich auch an   seine These, dass Arbeitgeber und ArbeitnehmerInnen gemeinsam die   Wirtschaft ankurbeln k&#246;nnten, wie an einen Strohhalm. Aber ein Strohhalm   bietet nicht besonders festen Halt. Wahlen sind nur eine Momentaufnahme.<\/p>\n<p>  Zudem h&#228;tte er ohne die Stimmen der RentnerInnen (bei denen das Thema   &#8222;Innere Sicherheit&#8220; eine gr&#246;&#223;ere Rolle spielte) gar keine Mehrheit   erreicht (61 Prozent der &#252;ber 60 J&#228;hrigen, 68 Prozent der &#252;ber 70   J&#228;hrigen votierten f&#252;r Sarkozy).<\/p>\n<hr>\n<p>  <i>&#8222;Frankreich soll sich nicht l&#228;nger mit Ref&#246;rmchen begn&#252;gen.   Einschnitte in den sozialen Sicherungssystemen sind nicht Option,   sondern Notwendigkeit.&#8220; <\/i><\/p>\n<p>  <i>Premierminister Francois Fillon in seiner Regierungserkl&#228;rung<\/i><\/p>\n<hr>\n<h4>  Hei&#223;er Herbst?<\/h4>\n<p>  Gr&#246;&#223;ere soziale Konflikte in absehbarer Zeit sind fast so sicher wie das   Amen in der Kirche. In den Augen der Herrschenden hat der franz&#246;sische   Kapitalismus im Vergleich zu Deutschland (Stichwort Agenda 2010) und   anderen europ&#228;ischen L&#228;ndern noch aufzuholen. Es gilt ihnen, ein   sch&#228;rferes Tempo beim Abbau von Errungenschaften der Arbeiterklasse   einzuschlagen. Sarkozy will der Mann sein, der daf&#252;r zur Stelle ist.<\/p>\n<p>  Unter anderem sind Angriffe auf das Streikrecht geplant, aber auch die   Streichung der Verm&#246;genssteuer, ein versch&#228;rftes Ausl&#228;ndergesetz, eine   Aufr&#252;stung des Polizeiapparates, eine Eigenbeteiligung bei   Medikamentenkosten und Privatisierungsma&#223;nahmen im &#214;ffentlichen Dienst. <\/p>\n<p>  Ein neues Universit&#228;tsgesetz, das den Wettbewerb zwischen den Unis   versch&#228;rfen soll, wurde schon durchs Parlament gepeitscht. Dagegen und   angesichts der geplanten Erh&#246;hung der Studiengeb&#252;hren und der weiteren   Einmischung von privaten Konzernen in die Bildung sind gr&#246;&#223;ere Proteste,   vielleicht schon im Herbst, m&#246;glich. Nach Sarkozys Wahlerfolg kam es   bereits in 100 St&#228;dten zu Demonstrationen gegen ihn. Eine Neuauflage von   1995 ist nicht ausgeschlossen. Damals musste die Regierung von Alain   Juppe trotz einer satten Parlamentsmehrheit (450 Sitze) vor einem Streik   im &#214;ffentlichen Dienst einknicken.<\/p>\n<h4>  F&#252;r den Aufbau einer Arbeiterpartei!<\/h4>\n<p>  Die herrschende Klasse in Frankreich besitzt, was den abh&#228;ngig   Besch&#228;ftigten fehlt: eine eigene politische Interessenvertretung. Mehr   noch, alle etablierten Parteien stehen dem Kapital zu Diensten. Solange   das so bleibt, wird es schwer sein, erfolgreiche K&#228;mpfe in Ver&#228;nderungen   auf der politischen Ebene umzum&#252;nzen. Deshalb ist der Aufbau einer   k&#228;mpferischen Arbeiterpartei eine Notwendigkeit geworden.<\/p>\n<p>  Knapp 1,5 Millionen Menschen (vier Prozent) haben in Frankreich der   Ligue Communiste R&#233;volutionnaire (LCR) ihre Stimme gegeben. Lutte   Ouvri&#232;re (LO) erreichte 1,3 Prozent (befindet sich aber seit Jahren bei   Wahlen auf dem absteigenden Ast). Diese zwei Organisationen auf der   Linken h&#228;tten die M&#246;glichkeit, eine Kampagne f&#252;r die Bildung einer   starken und antikapitalistischen Partei zu beginnen, die gro&#223;e Resonanz   findet. Es m&#252;sste sowohl in den Betrieben, als auch in den   Gewerkschaften und in den Stadtteilen offensiv daf&#252;r geworben werden.   Ziel m&#252;sste die Gr&#252;ndung einer Partei sein, die sowohl bei den K&#228;mpfen   als auch auf der politischen Ebene die Interessen der Jugendlichen,   ArbeiterInnen und Erwerbslosen vertritt, demokratisch aufgebaut ist und   eine sozialistische Alternative aufzeigt.<\/p>\n<p>  In den letzten zw&#246;lf Jahren wurden leider mehrere M&#246;glichkeiten   verpasst. Im Gegensatz zur LO spricht die LCR immerhin von der   Notwendigkeit einer neuen linken Kraft. Leider hat sie aber in der   Vergangenheit keine konkreten Initiativen unternommen und, abgesehen von   allgemeiner Propaganda, keine Angebote zum Beispiel in Form von   Veranstaltungen gemacht. Mit ihrem j&#252;ngsten PS-Wahlaufruf vor der   zweiten Runde der Parlamentswahlen als das &#8222;kleinere &#220;bel&#8220; trugen sie zu   einer &#220;berbetonung der Wahlebene mit bei, statt die Frage von Gegenwehr   und Alternativen herauszustellen.<\/p>\n<p>  Nun hat sie erneut zum Aufbau einer neuen antikapitalistischen Partei   aufgerufen. Diskussionen sollen ab September beginnen. Angesichts   fehlender konkreter Initiativen in der Vergangenheit ist offen, wie weit   das diesmal gehen wird. Die Schwesterorganisation der SAV in Frankreich,   Gauche R&#233;volutionnaire (GR), begr&#252;&#223;t jeden ernsthaften Schritt und wird   alles tun, dass sowohl der Kampf gegen Sarkozys Pl&#228;ne aufgenommen wird,   als auch intensiv &#252;ber die Frage einer neuen Arbeiterpartei und einem   sozialistischen Programm diskutiert wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      <i>Keine stabile soziale Basis f&#252;r Sarkozy<\/i>\n    <\/p>\n<p>\n      Bei der Stichwahl zu den Pr&#228;sidentschaftswahlen am 6. Mai konnte Nicolas<br \/>\n      Sarkozy 53 Prozent der Stimmen erlangen. 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