{"id":12235,"date":"2007-08-12T00:07:46","date_gmt":"2007-08-12T00:07:46","guid":{"rendered":".\/?p=12235"},"modified":"2007-08-12T00:07:46","modified_gmt":"2007-08-12T00:07:46","slug":"12235","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/08\/12235\/","title":{"rendered":"Rauchverbot: Ja, Nein oder was?"},"content":{"rendered":"<p>  Ich bin trockene Raucherin. 35 Jahre habe ich geraucht, seit einem Jahr   nicht mehr. Nicht der erste Versuch, aber hoffentlich der   erfolgreichste. Mit dem Nichtrauchen ver&#228;ndert sich die Perspektive:   Konnte ich mir bis dahin nicht vorstellen, wie eine Nichtraucher-Kneipe   &#252;berhaupt aussehen k&#246;nnte, so finde ich es heute unangenehm, in einer   Kneipe im Qualm sitzen zu m&#252;ssen.<\/p>\n<p>  <i>von Angela Bankert, K&#246;ln<\/i><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Dass sich die Nichtraucher-Zonen immer mehr ausdehnen, ist gut so. Allzu   lange hat die R&#252;cksichtslosigkeit der RaucherInnen regiert (meine   eingeschlossen), gedeckt von den Fanfaren-Kl&#228;ngen der Tabakindustrie,   die in ihrer Werbung das Menschenrecht auf Rauchen in jeder Lebenslage   propagierte.<\/p>\n<h4>  Kapitalismus mach (sucht-)krank<\/h4>\n<p>  Hat der Mensch nicht ein Recht auf Drogen und Rausch? Mag sein. Die   Frage scheint mir eher: Geht es um gelegentlichen Genuss oder um   getriebenes Suchtverhalten? Besonders die hastige Zigarette auf einem   zugigen Balkon macht einem klar: Das hat nichts mit Genuss zu tun, die   reine Sucht ist das.<\/p>\n<p>  Als Genussmittel taugen unsere handels&#252;blichen Zigaretten mit ihren   unz&#228;hligen Zusatz- und Suchtstoffen ohnehin nicht. Guter, reiner Tabak   in Ma&#223;en &#8211; das k&#246;nnte man sich als Genuss vorstellen. Doch sicher nicht   das zwanghafte Einsaugen von Tabakdreck und Chemikalien aus der   Giftk&#252;che der Tabakindustrie. &#196;hnlich bei anderen Drogen, insbesondere   Alkohol.<\/p>\n<p>  In der bestehenden Gesellschaft mit ihrem Leistungsdruck,   Existenz&#228;ngsten und allen m&#246;glichen anderen Problemen wird es wohl immer   sucht&#228;hnliches Verhalten geben. Auch deswegen nehmen viele Ex-Raucher   zu. Das Nichtrauchen an sich macht ja nicht dick, sondern die Hinwendung   zu anderer Suchtbefriedigung. Daher verfallen viele auch immer wieder   neuen S&#252;chten: Spiel-Sucht, Shopping-Sucht, Internet-Sucht&#8230;<\/p>\n<p>  Ausgepr&#228;gte S&#252;chte zerst&#246;ren nicht nur die Gesundheit, sie haben dazu   noch den Effekt, dass man schlechter in der Lage ist, sich um die   Verbesserung seiner Lebensumst&#228;nde und die Beseitigung   gesellschaftlicher Missst&#228;nde zu k&#252;mmern. Deswegen war in der fr&#252;heren   Arbeiterbewegung der Abstinenz-Gedanke einmal stark verankert.<\/p>\n<h4>  Hat die Regierung ein Herz f&#252;r Nichtraucher?<\/h4>\n<p>  Also, alles in allem: ein klares Ja zum Nichtraucher-Schutz. Den Schutz   unserer Gesundheit sollten wir aber nicht der Regierung &#252;berlassen. Sie   und ihre Stichwortgeber aus der Wirtschaft verfolgen dabei n&#228;mlich ihre   eigenen Interessen. Besch&#228;ftigte, die durch das Rauchen krank werden,   schm&#228;lern den Profit.<\/p>\n<p>  Au&#223;erdem wird den RaucherInnen hier wieder individuell Schuld in die   Schuhe geschoben: &#8222;Raucher ruinieren die Volksgesundheit und die   Krankenkassen.&#8220; &#196;hnlich wie der &#8222;Unterschicht&#8220; die schlechte Ern&#228;hrung   und das Fernsehprogramm angelastet wird.<\/p>\n<p>  Aber warum geht die Regierung beim Rauchen inzwischen relativ rigoros   vor, w&#228;hrend dieselbe Regierung beim ebenso sch&#228;dlichen Alkoholkonsum   alles laufen l&#228;sst? Die Emp&#246;rung &#252;ber Flatrate-Partys ist da kein   Widerspruch, die Botschaft lautet n&#228;mlich: Saufen an sich ist o.k., aber   nicht bis zum Umfallen, sondern, bittesch&#246;n, nur bis kurz davor. Deshalb   wird die Alkoholwerbung an jeder Ecke und vor jedem Fu&#223;ballspiel auch   nicht in Frage gestellt.<\/p>\n<p>  Der entscheidende Unterschied liegt in dem politischen Einfluss, den die   Tabak- und Bierbranche in Deutschland haben. Von den sieben   international t&#228;tigen Tabakkonzernen hat kein einziger seinen Firmensitz   in Deutschland. Der bekannteste deutsche Tabakkonzern, Reemtsma, ist   inzwischen vollst&#228;ndig im Besitz der Imperial Tobacco Group mit Sitz in   Gro&#223;britannien.<\/p>\n<p>  Beim Bier sieht es ganz anders aus. Die zehn gr&#246;&#223;ten in Deutschland   aktiven Braugruppen sind mehrheitlich in der Hand deutscher Unternehmen.   Die vielen mittleren und kleinen Brauereien sowieso. Entsprechend stark   sind die direkten Beziehungen und Verflechtungen zu den   Entscheidungstr&#228;gern in der Politik.<\/p>\n<h4>  Was fordern?<\/h4>\n<p>  Also: Nichtraucher-Schutz ja. Aber auch die (Noch-?)RaucherInnen m&#252;ssen   irgendwie zum Zug kommen d&#252;rfen. Darum:<\/p>\n<p>  <b><i>&#8211; Rauchverbot in allen geschlossenen &#246;ffentlichen R&#228;umen, in denen   sich auch NichtraucherInnen aufhalten <\/i><\/b><\/p>\n<p>  <b><i>&#8211; Nichtraucher-Schutz am Arbeitsplatz &#8211; aber nicht in Form von   arbeits- oder dienstrechtlichen Anweisungen mit der m&#246;glichen Folge,   unliebsame Mitarbeiter bei Versto&#223; abzumahnen <\/i><\/b><\/p>\n<p>  <b><i>&#8211; R&#228;umliche L&#246;sungen f&#252;r RaucherInnen<\/i><\/b><\/p>\n<p>  Wie das konkret umzusetzen ist, dar&#252;ber k&#246;nnen und sollen am besten die   Besch&#228;ftigten selber entscheiden, zum Beispiel auf Betriebsversammlungen. <\/p>\n<p>  Bei all dem sollte uns bewusst sein: Um eine Gesellschaft zu erreichen,   die die Menschen nicht mehr (sucht-)krank macht, muss sich mehr &#228;ndern   als ein paar Gesetze.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Ich bin trockene Raucherin. 35 Jahre habe ich geraucht, seit einem Jahr<br \/>\n      nicht mehr. 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