{"id":12226,"date":"2007-07-25T00:17:19","date_gmt":"2007-07-25T00:17:19","guid":{"rendered":".\/?p=12226"},"modified":"2007-07-25T00:17:19","modified_gmt":"2007-07-25T00:17:19","slug":"12226","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/07\/12226\/","title":{"rendered":"Bahn: Lokf&#252;hrerInnen auf dem richtigen Weg &#8211; JA zum Streik"},"content":{"rendered":"<p>  Die Lohnrunde 2007 ist bei der Deutschen Bahn noch nicht vorbei. Zwar   haben Anfang Juli die Gewerkschaften Transnet und GDBA einen Abschluss   mit der Bahn erreicht, doch fordert die Gewerkschaft Deutscher   Lokomotivf&#252;hrer (GDL) mehr.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Das von GDBA und Transnet erzielte Ergebnis von 4,5 Prozent mehr Lohn,   einer Sonderzahlung von 600 Euro in diesem Jahr bei 19 Monaten Laufzeit   wird von der GDL abgelehnt. Die GDL verlangt unter anderem ein   Einstiegsgehalt von 2.500 Euro brutto f&#252;r Lokf&#252;hrerInnen statt bisher   1.970 Euro. Zugbegleiter sollen 2.180 statt 1.775 Euro bekommen.   Au&#223;erdem soll die Arbeitszeit um eine Stunde verk&#252;rzt werden.<\/p>\n<p>  <i>von Eckhard Geitz, Kassel und Sascha Stancic, Berlin<\/i><\/p>\n<p>  B&#252;rgerliche Medien und der Bahnvorstand &#252;berschlagen sich in   geheuchelter Emp&#246;rung &#252;ber die Forderungen der GDL. Unrealistisch, zu   hoch, gesch&#228;ftssch&#228;digend f&#252;r die Bahn &#8211; das ist die Argumentation vom   Bahnmanagement und der Berichterstattung in TV, Radio und Zeitungen.<\/p>\n<p>  Spaltung, Gef&#228;hrdung der Tarifautonomie und das Anstreben einer   Sonderstellung f&#252;r Priviligierte &#8211; das ist der Vorwurf seitens Transnet,   GDBA und DGB.<\/p>\n<p>  Sieht man sich die Forderungen der GDL genauer an, wird allerdings   deutlich, dass selbst die viel strapazierte Zahl von 31 Prozent   Lohnerh&#246;hung, die angeblich gefordert werden, nicht stimmt. Die GDL   schl&#228;gt in ihren Forderungen selber eine Verrechnung des Grundgehalts   mit gewissen Zuschl&#228;gen vor, so dass die h&#246;chste m&#246;gliche Lohnerh&#246;hung   auf 21 Prozent k&#228;me.<\/p>\n<p>  Sieht man sich den Bruttolohn an, den Lokomotivf&#252;hrerInnen momentan   erhalten k&#246;nnen, wenn alle Zuschl&#228;ge einberechnet werden und sie das   ganze Leben gearbeitet h&#228;tten, wird deutlich, dass diese Forderungen   mehr als berechtigt sind. Das geforderte Einstiegsgehalt von 2.500 Euro   ist alles andere als ma&#223;los. Insbesondere wenn man die hohe   Verantwortung, die flexiblen Arbeitszeiten und die hohe psychische   Belastung &#8211; jedeR Lokf&#252;hrerIn muss im Berufsleben die Erfahrung mit   Selbstm&#246;rderInnen auf den Gleisen machen &#8211; denkt, ist das deutlich.   Hinzu kommen die Rekordgewinne der Bahn und die Spitzengeh&#228;lter der   Bahn-Manager: Bahnchef Mehdorn bezog 2006 aus seiner Vorstandst&#228;tigkeit   3,185 Millionen Euro. Pro Tag ist das also circa dreimal mehr Geld als   das geforderte Lokomotivf&#252;hrergehalt pro Monat. Und das war nicht immer   so: w&#228;hrend die Manager Verzicht predigen, wurden die Jahresgeh&#228;lter der   acht Top-Manager bei der Bahn zwischen 1999 und 2005 von 3,7 Millionen   Euro auf 14,7 Millionen Euro erh&#246;ht. Das ist eine Erh&#246;hung von knapp 400   Prozent!<\/p>\n<h4>  Getrennte Wege<\/h4>\n<p>  Die GDL organisiert mittlerweile achtzig Prozent der   Lokomotivf&#252;hrerInnen und circa drei&#223;ig Prozent der ZugbegleiterInnen.   Diese &quot;Spaltung&quot; der Bahnbesch&#228;ftigten, also die Abkehr dieser   KollegInnen von der DGB-Gewerkschaft Transnet (fr&#252;her GdED) hat vor   allem einen Grund: Das bedingungslose Co-Management der   Transnet-F&#252;hrung. Diese geb&#228;rdet sich in der Regel, als w&#228;re sie   Sprachrohr Mehdorns und nicht Vertretung der Besch&#228;ftigten. Es ist   nachvollziehbar, dass sich immer mehr KollegInnen von Transnet nicht   mehr vertreten f&#252;hlen und auf die Suche nach einer Alternative gehen. In   der aktuellen Situation ist es nicht abstrakte Einheit der   Gewerkschaften, die zu besseren Tarifergebnissen f&#252;hrt, weil die   Transnet-F&#252;hrung die Kontrolle &#252;ber die Tarifauseinandersetzung beh&#228;lt.   Es ist der Kampf der Lokf&#252;hrerInnen in der GDL, der einen tats&#228;chlichen   Beitrag zur Verbesserung der Lage der Besch&#228;ftigten leisten kann. Er   muss deshalb von allen GewerkschafterInnen und Linken unterst&#252;tzt   werden, nicht zuletzt weil er auch Druck auf die Transnet-F&#252;hrung   aus&#252;bt. Die DGB-F&#252;hrung muss unter Druck gesetzt werden, den Streik zu   unterst&#252;tzen, statt ihn zu bek&#228;mpfen.<\/p>\n<h4>  Privatisierung der Bahn<\/h4>\n<p>  Erst am 11. Juli wurde der Co-Managementkurs beim   Transnet-Gewerkschaftstag in einer Pressemitteilung best&#228;tigt: &#8220;TRANSNET   hat ihre Forderungen zur geplanten Kapitalprivatisierung der DB AG   bekr&#228;ftigt&#8220;.<\/p>\n<p>  F&#252;r arbeitgeberfreundliche Positionen hat die Transnet mit der GDBA   genau den richtigen Partner f&#252;r ihre gemeinsame Tarifunion.<\/p>\n<p>  Der schon seit Jahren verfolgte Privatisierungskurs wurde von der   Transnet-F&#252;hrung auch gegen&#252;ber innergewerkschaftlichen Kritikern des   B&#246;rsengangs knallhart durchgesetzt. So wurden zum Beispiel KollegInnen   der Berliner S-Bahn aufgefordert Resolutionen zur&#252;ckzunehmen, die den   B&#246;rsengang ablehnen und den Verbleib der Bahn in &#246;ffentlicher Hand   fordern. Wortf&#252;hrer der Kritiker in Transnet sollten mit   Ausschlussverfahren zur Ruhe gebracht werden.<\/p>\n<p>  Doch auch die GDL hat zur Privatisierung der Bahn keine klar ablehnende   Haltung. Auf ihrer Webseite findet sich dazu folgende Positionierung:<\/p>\n<p>  &quot;Netz der Deutschen Bahn muss beim Bund bleiben!<\/p>\n<p>  F&#252;r die GDL ist die Deutsche Bahn derzeit nicht b&#246;rsenf&#228;hig. Sollte der   B&#246;rsengang dennoch vom Eigent&#252;mer Bund beschlossen werden, so muss das   Netz aus dem Konzern herausgel&#246;st werden und in der Verf&#252;gungsgewalt des   Bundes verbleiben. Im Falle eines B&#246;rsengangs mit Netz w&#228;re dieses sonst   den Renditeerwartungen der Investoren ausgesetzt. Somit ist davon   auszugehen, dass Strecken stillgelegt werden, wenn sie nicht den   erhofften Gewinn abwerfen.&quot;<\/p>\n<p>  Ihr Vorsitzender Manfred Schell stimmte zwar 1993\/94 im Bundestag gegen   die Privatisierung. Aber allein die Tatsache, dass er dort f&#252;r die CDU   sa&#223;, l&#228;sst an seiner konsequenten Haltung in Fragen der Verteidigung von   Arbeitnehmer-Interessen zweifeln.<\/p>\n<p>  Statt sich auf die Ablehnung der Privatisierung des Schienen-Netzes zu   beschr&#228;nken, sollte die GDL die Chance nutzen und den Kampf f&#252;r h&#246;here   L&#246;hne mit dem Kampf gegen die Privatisierung der Bahn verbinden. Dies   w&#252;rde die, ohnehin vorhandene, Symapthie in der Bev&#246;lkerung erh&#246;hen.   Denn viele Menschen bef&#252;rchten nach einer Privatisierung zu Recht   Verh&#228;ltnisse, wie im britischen Schienenverkehr.<\/p>\n<h4>  Wohin geht die Reise?<\/h4>\n<p>  Der Verhandlungsabbruch zwischen der Bahn und der GDL hat die Weichen in   Richtung Streik gestellt. Ob der Zug in diese Richtung tats&#228;chlich   abf&#228;hrt ist allerdings noch nicht endg&#252;ltig ausgemacht. Das   Bahn-Management, die Regierung und alle Kapitalisten sind in gr&#246;&#223;ter   Sorge vor den Auswirkungen eines Streiks und wollen ihn mit allen   Mitteln verhindern. Nicht nur aufgrund der wirtschaftlichen Folgen, also   der Gewinnverluste. Vor allem auch, weil ein offensiver Streik der   Lokomotivf&#252;hrer die neoliberale Verzichtslogik in Frage stellt und einen   Beispielcharakter f&#252;r Besch&#228;ftigte anderer Branchen haben w&#252;rde. Hinzu   kommt, dass die Lokf&#252;herer in einer guten Ausgangsposition sind. Es   herrscht Arbeitskr&#228;ftemangel in diesem Bereich, unter anderem weil eine   steigende Zahl deutscher Lokf&#252;hrerInnen in den letzten Jahren den Weg   ins Ausland gegangen sind, um in &#214;sterreich oder in der Schweiz zu   besseren L&#246;hnen und Arbeitsbedingungen zu arbeiten.<\/p>\n<p>  Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass der Bahn-Vorstand ein neues   Angebot einer Besserstellung der Lokf&#252;hrerInnen in dem mit Transnet und   GDBA ausgehandelten Tarifvertrag vorlegen wird.<\/p>\n<p>  Transnet-Chef Hansen will dies offensichtlich verhindern. Bizarrerweise   stellt er sich an die Seite Mehdorns und fordert ihn auf hart zu   bleiben, nur um kurze Zeit sp&#228;ter zu drohen, Transnet werde   m&#246;glicherweise ihren Co-Management- und Pro-Privatisierungskurs &#228;ndern,   wenn die GDL mit ihren Forderungen durchkomme.<\/p>\n<p>  GDL-AktivistInnen sollten offensiv den Basis-Mitgliedern von Transnet   eine Zusammenarbeit anbieten und deutlich machen, dass sie keine   Privilegien f&#252;r Lokf&#252;hrerInnen und ZugbegleiterInnen will, sondern L&#246;hne   und Arbeitsbedingungen f&#252;r alle Bahnbesch&#228;ftigten verbessert sehen will   und eine Einheit im Kampf erreichen will. So w&#228;re der Druck auf Mehdorn   und Hansen zu maximieren und praktische Solidarit&#228;t zu mobilisieren.   Transnet-Lokf&#252;hrerInnen sollten aufgefordert werden, sich an dem Streik   zu beteiligen statt Streikbruch zu begehen, wie es nach Berichten bei   den Warnstreiks vor kam. Gleichzeitig muss sicher gestellt werden, dass   die GDL-F&#252;hrung keinem Angebot der Unternehmensleitung f&#252;r einen faulen   Kompromiss annimmt. Die Angst der Boss vor dem Streik ist so gro&#223;, weil   sie wissen, dass die Lokf&#252;hrerInnen gewinnen k&#246;nnen! Deshalb darf auf   den Einsatz der ganzen Kampfkraft zur Durchsetzung eines bestm&#246;glichen   Ergebnisses nicht verzichtet werden!<\/p>\n<p>  Die Urabstimmung wird zwei Wochen dauern, da sie postalisch durchgef&#252;hrt   werden muss, weil das Bahnmanagement der GDL keine R&#228;umlichkeiten f&#252;r   die Abstimmung zur Verf&#252;gung stellt. Diese Zeit sollte genutzt werden,   um in der &#214;ffentlichkeit und in anderen Gewerkschaften Solidarit&#228;t f&#252;r   die Lokf&#252;hrerInnen zu mobilisieren. Dabei k&#246;nnte auch die Partei DIE   LINKE und deren Bundestagsfraktion eine Rolle spielen. Eine offensive   Solidarit&#228;tskampagne f&#252;r die Lokf&#252;hrerInnen in Verbindung mit der   Opposition gegen die Bahnprivatisierung w&#228;re ein wichtiger Beitrag f&#252;r   einen Erfolg des anstehenden Streiks. Ein Sieg der GDL w&#228;re ein Sieg f&#252;r   alle GewerkschafterInnen und abh&#228;ngig Besch&#228;ftigten. Er w&#228;re ein   wichtiges Signal: Sich zu erk&#228;mpfen, was einem zusteht und auf faule   Kompromissvorschl&#228;ge kompromisslos zu reagieren &#8211; das k&#246;nnte auch f&#252;r   die Besch&#228;ftigten im &#246;ffentlichen Dienst, die dem Tarifstreit 2008   entgegengehen, eine motivierende Wirkung haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Die Lohnrunde 2007 ist bei der Deutschen Bahn noch nicht vorbei. 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