{"id":12218,"date":"2007-07-19T17:27:58","date_gmt":"2007-07-19T17:27:58","guid":{"rendered":".\/?p=12218"},"modified":"2007-07-19T17:27:58","modified_gmt":"2007-07-19T17:27:58","slug":"12218","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/07\/12218\/","title":{"rendered":"Besetzte Radfabrik: &#187;Nix zu verlieren&#171;"},"content":{"rendered":"<p>  Besetzung der Th&#252;ringer Radfabrik Bike Systems: Trotz   Kampfunerfahrenheit sind Besch&#228;ftigte entschlossen, den Widerstand bis   zu einer L&#246;sung fortzusetzen<\/p>\n<p>  <i>von Daniel Behruzi, Nordhausen<\/i><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>Dieser Artikel erschien zuerst in der <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2007\/07-19\/048.php\"> jungen Welt, 19.7.07<\/a><\/i><\/p>\n<p>  Sie zeugt von besseren Zeiten, die Fassade des Nordh&#228;user Fahrradwerks.   Zweiradmodelle l&#228;ngst vergangener Tage sind dort angebracht, dar&#252;ber der   Schriftzug &#187;IFA Touring&#171;. Hier, im einstigen IFA-Motorenwerk, wurden   jahrzehntelang Motoren und Achsen f&#252;r LKW, seit 1986 auch Fahrr&#228;der   gefertigt. Damit ist jetzt Schlu&#223;, die Produktion steht seit Ende Juni   still. An der Au&#223;enwand h&#228;ngt ein Transparent. &#187;Wir k&#228;mpfen um Bike   Systems&#171;, steht darauf.<\/p>\n<p>  Seit dem 10. Juli h&#228;lt die Belegschaft den nordth&#252;ringischen Betrieb nun   besetzt. Nahezu alle der 135 Besch&#228;ftigten sind aktiv beteiligt. Der   Gesch&#228;ftsf&#252;hrer, der erst vor wenigen Wochen eingesetzt wurde, sei   &#187;v&#246;llig ausgeflippt&#171;, als die Aktion begann, erz&#228;hlen die Arbeiter nicht   ohne Genugtuung. Als &#187;Bolschewistenschei&#223;er&#171; habe er sie beschimpft.   Dabei war die Belegschaft bislang alles andere als klassenk&#228;mpferisch.   &#187;Wir haben zu allem ja und amen gesagt, weil wir Angst hatten, den   Arbeitsplatz zu verlieren&#171;, erkl&#228;rt ein 48j&#228;hriger Schlosser, der seit   neun Jahren bei Bike Systems arbeitet. Nach und nach wurden Weihnachts-   und Urlaubsgeld gestrichen und der Grundlohn um f&#252;nf Prozent reduziert.   Tarifgebunden ist der Betrieb ohnehin nicht. Immer wieder leisteten die   Besch&#228;ftigten &#220;berstunden, kamen sonntags und sogar am 1. Mai. Selbst   als am 20. Juni die Einstellung der Produktion zum Monatsende verk&#252;ndet   wurde, erledigten sie die noch ausstehenden Auftr&#228;ge.<\/p>\n<p>  Doch bei der Betriebsversammlung am Dienstag vergangener Woche kam   pl&#246;tzlich der Umschwung. Was genau die Stimmung zum Kochen brachte,   k&#246;nnen die Arbeiter selbst nicht erkl&#228;ren. Nicht einmal bis zum Ende der   gesetzlichen K&#252;ndigungsfristen k&#246;nne das zuvor vom US-Finanzinvestor   Lone Star ausgeblutete Unternehmen noch zahlen, hie&#223; es. Und als der   Gesch&#228;ftsf&#252;hrer nicht ein einziges Wort des Bedauerns &#252;ber die Lippen   brachte, sei den Kollegen der Kragen geplatzt, berichtet einer. Spontan   besetzten sie die Werkstore und den Betrieb. Seither stehen sie 24   Stunden &#8211; sie haben sich selbst in drei Schichten eingeteilt &#8211; vor dem   Tor und auf dem Werkshof. Forderungen des Unternehmens, das Gel&#228;nde zu   verlassen, kamen sie nicht nach. &#187;Wir h&#228;tten uns schon viel fr&#252;her   wehren m&#252;ssen.&#171; Diesen Satz h&#246;rt man immer wieder. &#187;Ich h&#228;tte nicht   daran geglaubt, aber auf einmal waren sich die Leute einig, das hier   durchzuziehen&#171;, sagt ein junger Mann mit wei&#223;er Ordnerbinde am Arm. &#187;Die   St&#228;rke, die wir zusammen haben, ist enorm &#8211; so etwas haben wir hier noch   nicht erlebt&#171;, meint er. Und es klingt Verwunderung durch &#252;ber das, was   man selbst getan hat.<\/p>\n<p>  Die Stimmung ist denn auch trotz der dramatischen Situation keineswegs   gedr&#252;ckt. Das hat auch mit der Solidarit&#228;t zu tun, die die Arbeiter   erleben. Vor dem Tor wird tags&#252;ber st&#228;ndig gehupt, so bekunden   Vorbeifahende ihre Unterst&#252;tzung. Am Dienstag vormittag erscheint eine   dreik&#246;pfige Delegation von Opel in Eisenach. &#187;Das ist eine   Riesensauerei, was hier l&#228;uft, die Kapitalisten stopfen sich die Taschen   voll, und wir m&#252;ssen bluten&#171;, sagt einer von ihnen unter dem Applaus der   versammelten Arbeiter. &#187;In letzter Zeit m&#252;ssen wir leider &#246;fter   rumfahren, um Solidarit&#228;t zu zeigen. Zuletzt waren wir bei unseren   Opel-Kollegen in Antwerpen, wo sie die H&#228;lfte der Belegschaft loswerden   wollen&#171;, erz&#228;hlt er kurz darauf im Betriebsratsb&#252;ro. &#187;Wir Ossis haben   das ja eigentlich schon in der Schule gelernt. Da haben sie uns zwar   viel Schei&#223;e erz&#228;hlt, aber das, was sie &#252;ber den Kapitalismus gesagt   haben, das stimmt.&#171; Die anderen nicken.<\/p>\n<p>  Drau&#223;en haben sich einige der Besch&#228;ftigten vor einem Radio versammelt.   Gerade bringt der lokale Sender einen kurzen Bericht &#252;ber die Besetzung.   &#187;Wenn man h&#246;rt, da&#223; die &#252;ber uns im Radio erz&#228;hlen, bekommt man schon   eine G&#228;nsehaut&#171;, erkl&#228;rt eine junge Frau. &#187;Wir sind hier wie eine   Familie&#171;, sagt sie. Auch das h&#246;rt man von vielen. Die 32j&#228;hrige, die   seit zehn Jahren am Band Fahrr&#228;der montiert, erz&#228;hlt, da&#223; ihre Mutter,   ihr Stiefvater und ihre Cousine ebenfalls bei Bike Systems angestellt   sind &#8211; noch. Sie selbst hat einen siebenj&#228;hrigen Sohn, den sie bei den   Schwiegereltern untergebracht hat, um im Betrieb sein zu k&#246;nnen. &#187;Mein   Mann arbeitet als Tischler, ohne mein Einkommen wird es sehr schwer   werden&#171;, sagt sie. Richtig traurig sei es, sich jetzt die leeren Hallen   anzusehen. &#187;Schlie&#223;lich hat man hier viel Zeit verbracht &#8211; und es hat   zwischendurch auch Spa&#223; gemacht.&#171;<\/p>\n<p>  Eine Kollegin, die auf den im Betriebshof aufgestellten B&#228;nken sitzt,   hat &#228;hnliche Gef&#252;hle. &#187;Ich war hier von Anfang an dabei, habe schon die   Halle gewei&#223;t und die Aufz&#252;ge gestrichen, als die Fahrradproduktion noch   gar nicht angelaufen war, und jetzt mache ich wieder das Licht aus &#8211; ich   k&#246;nnte heulen&#171;, sagt die kr&#228;ftige Arbeiterin mit der IG-Metall-M&#252;tze.   &#187;Wie gel&#228;hmt&#171; sei sie gewesen, als die Schlie&#223;ung bekanntgegeben wurde,   berichtet sie. Da&#223; sie einen anderen Job finden k&#246;nnte, glaubt die   49j&#228;hrige nicht. &#187;Ich habe zwar Instandhaltungsmechanikerin gelernt,   aber wer will mich denn mit 50 noch haben? Da kann ich vielleicht Rasen   m&#228;hen gehen&#171;, sagt sie resigniert. Sie habe &#252;berhaupt nichts zu   verlieren und sei deshalb entschlossen, so lange wie n&#246;tig   weiterzuk&#228;mpfen. Die Arbeiterin zeigt auf die &#252;berall im Hof gestapelten   Euro-Paletten und sagt: &#187;Holz f&#252;r ein Streikfeuer in der kalten   Jahreszeit haben wir hier jedenfalls genug &#8211; das reicht bis Weihnachten.&#171; <\/p>\n<hr>\n<h3>  &#187;Der Frust hat sich &#252;ber Jahre aufgestaut&#171;<\/h3>\n<p>  <b><i>Wie kommt es, da&#223; eine Belegschaft in der ostdeutschen Provinz   ihren Betrieb besetzt? Ein Gespr&#228;ch mit Heidrun Kirchner<\/i><\/b><i> <\/i> <\/p>\n<p>  <i>Interview: Daniel Behruzi<\/i><\/p>\n<p>  Heidrun Kirchner ist Betriebsratsvorsitzende bei der Bike Systems GmbH   im th&#252;ringischen Nordhausen<\/p>\n<h5>  Seit mehr als einer Woche h&#228;lt die 135k&#246;pfige Belegschaft des   Fahrradherstellers Bike Systems ihren Betrieb besetzt, um dessen   Schlie&#223;ung zu verhindern. Wie ist es dazu gekommen?<\/h5>\n<p>  Uns wurde am 20. Juni mitgeteilt, da&#223; die Produktion schon zum   Monatsende eingestellt wird. Bei einem Treffen des Betriebsrats mit der   Gesch&#228;ftsleitung hie&#223; es dann, es sei nicht einmal genug Geld da, um die   gesetzlich garantierten K&#252;ndigungsfristen einzuhalten. Das haben wir den   Besch&#228;ftigten auf einer Betriebsversammlung am Dienstag vergangener   Woche mitgeteilt, woraufhin die Kolleginnen und Kollegen spontan   beschlossen haben, den Betrieb zu besetzen.<\/p>\n<h5>  Viele andere Betriebe hatten das gleiche Schicksal. Auch die Schlie&#223;ung   in Neukirch ist ohne Widerstand &#252;ber die B&#252;hne gegangen. Wie kommt es,   da&#223; sich ausgerechnet die Nordh&#228;user Belegschaft mit einer   Betriebsbesetzung zur Wehr setzt?<\/h5>\n<p>  Die Besch&#228;ftigten hier sind wie eine Familie. Der Zusammenhalt war immer   schon gut, und als wir bei Einstellung der Produktion ein kleines Fest   gefeiert haben, sind wir so richtig zusammengewachsen. Allen hier ist   klar: Wir sitzen im selben Boot und haben nichts zu verlieren. Die   Chancen, irgendwo anders noch einen Job zu finden, sind hier in der   Gegend sehr gering. Au&#223;erdem haben wir jahrelang Opfer gebracht, um den   Betrieb und die Arbeitspl&#228;tze zu sichern. Sie haben uns das Weihnachts-   und Urlaubsgeld gestrichen, Personal abgebaut und durch billige   Leiharbeiter ersetzt und die L&#246;hne um f&#252;nf Prozent gek&#252;rzt. Irgendwann   reicht es. Die Gro&#223;en sind ja immer abgesichert, aber die Kleinen nicht. <\/p>\n<h5>  Glauben Sie, da&#223; Sie die Schlie&#223;ung noch verhindern k&#246;nnen? <\/h5>\n<p>  Nun ja, wie sagt man so sch&#246;n: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Die Leute   k&#228;mpfen daf&#252;r, da&#223; sie ihren Arbeitsplatz nicht verlieren oder doch   wenigstens eine soziale Absicherung erhalten. Die Schlie&#223;ung w&#252;rde uns   alle hart treffen. Diejenigen, deren Ehepartner ebenfalls hier arbeiten,   sind gleich doppelt betroffen.<\/p>\n<h5>  Was w&#252;rde der Verlust der Arbeitspl&#228;tze f&#252;r die Region bedeuten? <\/h5>\n<p>  Dann g&#228;be es hier noch einen Traditionsbetrieb weniger. In Nordhausen   existiert schon jetzt kaum noch Industrie. F&#252;r die Kollegen bedeutet   das, da&#223; sie wom&#246;glich wegziehen m&#252;&#223;ten. Da werden Familien   auseinandergerissen, und vor allem bleibt f&#252;r die Jugend &#252;berhaupt keine   Perspektive. Die jungen Leute gehen weg &#8211; und Nordhausen ist dann   irgendwann am Ende. Wir k&#228;mpfen hier also auch f&#252;r die Jugendlichen.   Deshalb werden wir den Standort weiter auf Teufel komm raus verteidigen.<\/p>\n<h5>  Wie hat die Bev&#246;lkerung auf Ihren Protest reagiert?<\/h5>\n<p>  Die Solidarit&#228;t ist &#252;berw&#228;ltigend. Menschen, die selbst nicht viel   haben, bringen uns Kaffee oder Essen. Wir haben massenweise   Solidarit&#228;tserkl&#228;rungen und &#8211; unterschriften erhalten. Die Autofahrer   hupen, wenn sie vorbeikommen. Auch die Politiker sind hellh&#246;rig   geworden. Die Linke hat Dutzende Unterschriften von den Delegierten   ihres Landesparteitags &#252;bergeben. Die Gr&#252;nen haben Vorschl&#228;ge f&#252;r neue   Produkte gemacht.<\/p>\n<h5>  Wie lange halten Sie das durch?<\/h5>\n<p>  Wer A sagt, mu&#223; auch B sagen. Wir sind verhandlungsbereit und warten auf   konkrete Angebote der Gesch&#228;ftsleitung. Kommen diese nicht, ist die   Belegschaft bereit, weiter zu k&#228;mpfen. Wir haben ja nichts zu verlieren.   Wir haben immer wieder verzichtet, um die Arbeitspl&#228;tze zu erhalten. Der   Frust hat sich &#252;ber Jahre aufgestaut &#8211; und jetzt kommt er raus. <\/p>\n<h5>\n<hr>\n<p>  Die Belegschaft des Werks hat die Ereignisse bis zum 19. Juli in einer   &#220;bersicht zusammengestellt:<\/h5>\n<h4>  &quot;<i>Bike-Systems Nordhausen, was &#8211; wann &#8211; warum, ein kleiner   Einblick <\/i>    <\/h4>\n<p>  <i>1. Fahrr&#228;der werden in Nordhausen seit 1986, damals als Konsumgut    des VfB IFA Motorenwerk, und nach der politischen Wende ab 1990 als   S&#252;dharzer Fahrradwerk, und sp&#228;ter als Firma Bike-Systems   Nordhausen, unter wechselnden Gesellschaftern, gefertigt. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>2. Das Nordh&#228;user Fahrradwerk &#8211; Bike Systems wurde im Jahr 2000 von   der weltweit agierenden BIRIA-Gruppe &#252;bernommen.  <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>Ab diesem Zeitpunkt sollten in enger Zusammenarbeit mit der   BIRIA-Firma Sachen Zweirad Neukirch (Oberlausitz) j&#228;hrlich bis zu   1.000.000 Fahrr&#228;der produziert werden.  St&#252;ckzahlen &#252;ber 650.000   St&#252;ck  Fahrr&#228;der wurden  von beiden Produzenten gemeinsam   nicht erreicht. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>3. Nach l&#228;ngerer finanziellen Schieflagen wurden zum 22.12.2005 die   Werke Neukirch &#8211; Sachsen (ca. 230 Mitarbeiter) und Nordhausen &#8211;   Th&#252;ringen, (ca. 145 Mitarbeiter  von einer Tochtergesellschaft des   US-amerikanischen Finanzinvestor  Lone Star  gekauft. Beide Firmen   sollten f&#252;r dem Markt fit gemacht werden. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>4. Nach unseren Sch&#228;tzungen wurden f&#252;r die Weiterf&#252;hrung beider   Firmen Auftr&#228;ge von mindestens 550.000 Fahrr&#228;dern ben&#246;tigt. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>5. Mitte 2006 wurde bezugnehmend  auf  die auch weiterhin zu   erwartende geringe Auslastung der Fahrradfirmen,  die Schlie&#223;ung einer   der beiden Firmen zum Jahresende 2006 in Aussicht gestellt. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>6. Zum Jahresende 2006 wurde seitens des Gesellschafters die   Schlie&#223;ung der Sachsen Zweirad Neukirch beschlossen. Zu diesem   Zeitpunkt lagen laut Herrn Miene, damaliger Werksleiter der Sachsen   Zweirad Neukirch, Auftr&#228;ge f&#252;r bis zu 300.000 St&#252;ck Fahrr&#228;der vor.  <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>Die Produktion dieser Fahrr&#228;der h&#228;tte das Werk Bike-Systems   Nordhausen absichern k&#246;nnen. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>7. Laut  Angabe ehemaliger Mitarbeiter der Sachsen Zweirad wurde f&#252;r   Neukirch ein Sozialplan erstellt und eine Auffanggesellschaft gegr&#252;ndet,   <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>9. Alle Auftr&#228;ge der Lone Star (Bike-Systems)  und alle   Materialvorr&#228;te gingen zu diesem Zeitpunkt an unseren bisherigen   Wettbewerber MIFA &#8211; Mitteldeutsche Fahrradwerke Sangerhausen. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>Das Werk Nordhausen wurde nur noch als verl&#228;ngerte Werkbank, sprich  als Lohnauftragnehmer f&#252;r die MIFA, weitergef&#252;hrt. Besch&#228;ftigte Zeitarbeiter   wurden von der MIFA bezahlt. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>10. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden im Schichtbetrieb mit ca. 135   eigenen Mitarbeitern, und mit bis zu 160 Mitarbeitern regionaler   Zeitarbeitsfirmen, t&#228;glich bis zu 2000 Fahrr&#228;der produziert. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>11. Nach Bekanntgabe der Schlie&#223;ung des Werkes Bike Systems   Nordhausen zum 30.06.2007 wurde die Produktion seitens der Mitarbeiter   in gewohnter Qualit&#228;t weitergef&#252;hrt. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>Seiten der Gesch&#228;ftsleitung (bestehend einzig aus Herrn Frederick P.   M&#252;ller) wurden Verhandlungen &#252;ber einen Sozialplan in Aussicht   gestellt.<\/i>    <\/p>\n<p>  <i>Als Rechtsvertreter der Arbeitnehmerschaft wurde Herr J&#252;rgen Metz aus   Erfurt bestellt. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>12. Bei den Verhandlungen zwischen Gesch&#228;ftsf&#252;hrung und Betriebsrat    am Montag den 09.07.2007 stellte sich heraus, dass man uns so bald und   so billig wie m&#246;glich vor die T&#252;r setzen will.\t <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>13. Zur Betriebsversammlung am Dienstag den 10.07.2007 &#8211;  09:30 Uhr    wurde der Belegschaft  das Angebot unterbreitet welches im wesentlichen   folgendes zum Ausdruck brachte: <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>&#8211; der Restbestand an finanziellen Mitteln reicht nicht mehr um die   K&#252;ndigungsfristen abzudecken, <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>&#8211; der Gesellschafter  sieht sich aus selbigen Gr&#252;nden nicht in der   Lage einen Sozialplan aufzustellen, <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>&#8211; eine finanzielle Beteiligung der Bike-Systems an einer   Auffanggesellschaft wird abgelehnt, <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>14. Die Belegschaft der Bike-Systems hat nach eingehender Beratung   beschlossen die  Betriebsversammlung auf den Hof und den   angrenzenden B&#252;rgersteig zu verlagern, und  will somit seiner   Forderung nach sozialvertr&#228;glichen L&#246;sungen Nachdruck verleihen. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>15. Die Belegschaft beschlie&#223; mit weiteren friedlichen Aktionen auf   sich aufmerksam zum machen. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>16.  Die Belegschaft definieren Ihre Forderungen wie folgt: <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>&#8211; Aufstellung eine Sozialplanes, <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>&#8211; Einrichtung einer Auffanggesellschaft, <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>&#8211; Pr&#252;fung der M&#246;glichkeiten zum Erhalt der Arbeitspl&#228;tze, <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>17. Seit Beginn der friedlichen Protestaktionen erhielten wir   zahlreiche Unterst&#252;tzung durch die hiesige Bev&#246;lkerung. Alle   Nordth&#252;ringer Politiker aus Bundes- Landes- und Kreisebene   sicherten uns Unterst&#252;tzung zu. Die IG-Metall und der DGB stehen uns  von Anfang an intensiv bei Seite. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>18. Am Donnerstag den 12.07.2007 scheiterte ein Versuch des   Gesch&#228;ftsf&#252;hrers mittels Arbeits-Gerichtsbeschluss das   Werksgel&#228;nde r&#228;umen zu lassen, <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>19.Die Belegschaft der Bike Systems erkl&#228;rt w&#228;hrend der gesamten Zeit   seiner friedlichen Protestaktion seine Verhandlungsbereitschaft, <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>20. Nach einem Gespr&#228;ch zwischen dem Gesch&#228;ftsf&#252;hrer der Bike Systems   Hr. F. P. M&#252;ller und dem Th&#252;ringer Wirtschaftsminister Herr J&#252;rgen   Reinholz, signalisiert Hr. M&#252;ller  Gespr&#228;chsbereitschaft. Ein neuer   Gespr&#228;chstermin zwischen Gesch&#228;ftsleitung und Belegschaft   wurde noch nicht festgelegt.<\/i>&quot;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Besetzung der Th&#252;ringer Radfabrik Bike Systems: Trotz<br \/>\n      Kampfunerfahrenheit sind Besch&#228;ftigte entschlossen, den Widerstand bis<br \/>\n      zu einer L&#246;sung fortzusetzen\n    <\/p>\n<p>\n      <i>von Daniel Behruzi, Nordhausen<\/i>\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12218"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12218"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12218\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12218"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12218"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12218"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}