{"id":12217,"date":"2007-07-18T00:34:26","date_gmt":"2007-07-17T22:34:26","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12217"},"modified":"2012-06-13T17:03:36","modified_gmt":"2012-06-13T15:03:36","slug":"12217","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/07\/12217\/","title":{"rendered":"ErzieherInnen: TV&#214;D bringt Verluste"},"content":{"rendered":"<p>  GEW kritisiert Gehaltsk&#252;rzungen f&#252;r Erzieherinnen durch neues   Tarifsystem und fordert h&#246;here Eingruppierung. Diskriminierung gegen&#252;ber   M&#228;nnerberufen<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Daniel Behruzi, zuerst erschienen in der <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2007\/07-17\/016.php\"> jungen Welt, 17.7.07<\/a><\/i><\/p>\n<p>  Was wurde nicht alles versprochen, als der Tarifvertrag f&#252;r den   &#246;ffentlichen Dienst (TV&#214;D) im Herbst 2005 in Bund und Kommunen in Kraft   trat. Einfacher sollte er sein als der alte   Bundesangestellten-Tarifvertrag (BAT) mit seinen rund 17000   Eingruppierungsmerkmalen. Und &#187;diskriminierungsfrei&#171;. Da&#223; das Gegenteil   der Fall ist, machte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)   in der vergangenen Woche bei einer Pressekonferenz in Berlin deutlich.   Das neue Tarifrecht f&#252;hre beispielsweise zu einer eklatanten   Benachteiligung der Erzieherinnen &#8211; 96,8 Prozent von ihnen Frauen &#8211;   gegen&#252;ber m&#228;nnlich dominierten Berufen.<\/p>\n<h4>  Bessere Entlohnung im BAT<\/h4>\n<p>  &#187;Die Stimmung unter den Erzieherinnen und Erziehern ist angespannt&#171;,   berichtete Norbert Hocke, der im GEW-Vorstand f&#252;r Jugendhilfe und   Sozialarbeit verantwortlich ist, gegen&#252;ber den Pressevertretern. Der   Grund sind die massiven Einkommensverluste infolge der als   &#187;Jahrhundertreform&#171; gepriesenen Umstellung auf den TV&#214;D. 2623 Euro   brutto verdiente eine ledige Erzieherin ohne Kinder auf einer   Vollzeitstelle im BAT. Im neuen Tarifvertrag kommt sie hingegen auf   maximal 2285 Euro. Nach GEW-Berechnungen summieren sich die Verluste in   einem Berufsleben auf 138000 Euro.<\/p>\n<p>  Die f&#252;r Erzieher im TV&#214;D bzw. in dessen L&#228;nderfassung TV-L vorgesehene   Entgeltgruppe sechs entspreche nicht ann&#228;hernd den geleisteten   T&#228;tigkeiten, kritisierten die GEW-Vertreter. &#187;Bei kaum einer   Berufsgruppe klaffen gesellschaftliche Erwartungen an das   Arbeitsergebnis und Bezahlung so weit auseinander wie bei   Erzieherinnen&#171;, meinte Hocke. Es k&#246;nne nicht sein, da&#223; &#187;die Bedeutung   fr&#252;hkindlicher Erziehung st&#228;ndig in Sonntagsreden hervorgehoben wird,   sich das in der Bezahlung aber &#252;berhaupt nicht niederschl&#228;gt&#171;, erg&#228;nzte   die GEW-Tarifexpertin Ilse Schaad. Um diesen Zustand zu beenden, m&#252;&#223;ten   Erzieherinnen mindestens in die Entgeltgruppe acht eingestuft werden,   die eine Einkommensspanne zwischen 1926 und 2493 Euro vorsieht.   Erzieherinnen, die nach sogenannten Bildungspl&#228;nen arbeiten &#8211; was laut   GEW T&#228;tigkeiten entspricht, f&#252;r die nach europ&#228;ischen Ma&#223;st&#228;ben eine   Hochschulausbildung erforderlich ist &#8211; m&#252;&#223;ten in Entgeltgruppe neun   kommen, wo sie bis zu 3180 Euro brutto verdienen w&#252;rden. Schaad zeigte   sich &#252;berzeugt, da&#223; die anderen Gewerkschaften in der Tarifgemeinschaft   diese Positionen unterst&#252;tzen werden. &#187;Es gibt kein vern&#252;nftiges   Argument dagegen&#171;, betonte sie.<\/p>\n<h4>  Diskriminierung<\/h4>\n<p>  Die GEW begr&#252;ndet ihre Forderung auch damit, da&#223; die aktuelle   Eingruppierung des weiblich dominierten Erzieherberufs eine   Diskriminierung gegen&#252;ber m&#228;nnlich gepr&#228;gten T&#228;tigkeiten darstelle. So   komme beispielsweise ein Baudenkmalpfleger, von denen &#252;ber 91 Prozent   M&#228;nner sind, trotz &#228;hnlicher Qualifikation auf ein um mehrere hundert   Euro h&#246;heres Monatsgehalt als Erzieherinnen. &#187;Wenn das nicht   diskriminierend ist, dann wei&#223; ich nicht, was Diskriminierung sein   soll&#171;, kommentierte Schaad dies. Das Gehalt von Frauen werde offenbar   immer noch als &#187;Zuverdienst&#171; betrachtet. Und tats&#228;chlich ist ein   Gro&#223;teil der Erzieherinnen nicht in der Lage, ihren Lebensunterhalt mit   dem eigenen Einkommen zu bestreiten. Der Grund: Fast zwei Drittel von   ihnen arbeiten Teilzeit. &#187;Die Leute haben nicht die Wahl &#8211; es werden   fast nur Teilzeitstellen angeboten&#171;, berichtete Schaad.<\/p>\n<p>  Die schlechte Bezahlung f&#252;hrt laut GEW dazu, da&#223; vielerorts &#8211;   insbesondere in Ostdeutschland und den Metropolen &#8211; bereits Fachkr&#228;fte   fehlen. &#187;Das war absehbar, und deshalb haben wir auch immer einen   Einstellungskorridor gefordert &#8211; ohne Erfolg&#171;, so Hocke. Das viel   gepriesene &#187;Krippenprojekt&#171; der Familien&#173;ministerin Ursula von der Leyen   (CDU) sei unter diesen Umst&#228;nden kaum erfolgreich umsetzbar, da hierf&#252;r   rund 100000 neue Erzieherinnen gebraucht w&#252;rden. &#187;Wir brauchen   attraktive Rahmenbedingungen, damit sich mehr junge Menschen f&#252;r den   Erzieherberuf entscheiden&#171;, erkl&#228;rte Hocke. Dazu geh&#246;re neben einer   besseren Bezahlung auch eine Ausbildung auf Hochschulniveau.<\/p>\n<p>  Es nicht nur die niedrige Eingruppierung im TV&#214;D, die den Erzieherinnen   und anderen Besch&#228;ftigtengruppen zu schaffen macht. Auch der Wegfall des   alten Systems der sogenannten Bew&#228;hrungsaufstiege f&#252;hrt zu Problemen.   W&#228;hrend sich das Einkommen im BAT mit zunehmendem Lebensalter   kontinuierlich verbesserte, richtet sich die Einstufung im TV&#214;D nach   Berufserfahrung. Allerdings wird diese bei einem Arbeitgeberwechsel   nicht &#187;mitgenommen&#171;. &#187;Man kann also zehn Jahre in einem Beruf gearbeitet   haben und bei einem Wechsel dennoch behandelt werden wie ein Anf&#228;nger&#171;,   so Schaad. Eine 40j&#228;hrige Erzieherin mit zwei Kindern, deren BAT-Gehalt   in den TV&#214;D &#187;&#252;bergeleitet&#171; und damit gesichert wurde, k&#246;nne durch einen   Jobwechsel zum Beispiel wegen Umzugs so fast 1000 Euro monatlich   verlieren, rechnet die GEW vor. Eine zentrale Forderung der   Bildungsgewerkschaft ist es deshalb, die Berufserfahrung unabh&#228;ngig   davon, unter welchem Arbeitgeber diese gesammelt wurde, anzuerkennen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      GEW kritisiert Gehaltsk&#252;rzungen f&#252;r Erzieherinnen durch neues<br \/>\n      Tarifsystem und fordert h&#246;here Eingruppierung. 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