{"id":12208,"date":"2007-07-10T12:01:33","date_gmt":"2007-07-10T12:01:33","guid":{"rendered":".\/?p=12208"},"modified":"2007-07-10T12:01:33","modified_gmt":"2007-07-10T12:01:33","slug":"12208","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/07\/12208\/","title":{"rendered":"&#214;ffentlicher Dienst: Berliner wollen Anschluss"},"content":{"rendered":"<p>  Besch&#228;ftigte des &#246;ffentlichen Dienstes in der Hauptstadt fordern   &#220;bernahme bundesweiter Einkommenserh&#246;hungen und Tarifvertr&#228;ge <\/p>\n<p>  <i>von Daniel Behruzi<\/i><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>zuerst ver&#246;ffentlicht in der <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2007\/07-10\/001.php\"> jungen Welt, 10.7.07<\/a><\/i><\/p>\n<p>  Die Besch&#228;ftigten des Landes Berlin sind unzufrieden. Der Grund: Langsam   wird das Geld knapp. Sie m&#252;ssen nicht nur infolge des Mitte 2003   geschlossenen &#187;Anwendungstarifvertrags&#171; bei entsprechend verk&#252;rzter   Arbeitszeit auf zwischen acht und zw&#246;lf Prozent ihrer Einkommen   verzichten. Seit mehr als drei Jahren hat es f&#252;r die knapp 60.000   Tarifbesch&#228;ftigten &#8211; die restlichen der insgesamt etwa 115.000   Landesbediensteten sind Beamte &#8211; zudem keinen einzigen Cent Lohnerh&#246;hung   gegeben. &#187;Ich bekomme viele Mails von Kolleginnen und Kollegen, die   sagen: Es reicht hinten und vorne nicht mehr&#171;, berichtete Astrid   Westhoff, stellvertretende ver.di-Landesleiterin und   Verhandlungsf&#252;hrerin f&#252;r die Tarifgemeinschaft der Gewerkschaften GdP,   GEW, IG BAU und ver.di, gegen&#252;ber junge Welt. Die Besch&#228;ftigten der   Hauptstadt m&#252;&#223;ten endlich wieder Anschluss an die bundesweite   Einkommensentwicklung erhalten. Mit einer ersten Protestaktion am   morgigen Mittwoch wollen die Gewerkschaften f&#252;r diese Forderung Druck   machen.<\/p>\n<h4>  Verhandlungen gefordert<\/h4>\n<p>  &#187;Wir fordern mit Nachdruck die Aufnahme ernsthafter Tarifverhandlungen   noch vor den Sommerferien&#171;, so Westhoff. Dabei geht es ihr zuvorderst um   die &#220;bernahme der bundesweit geltenden Lohn- und Gehaltssteigerungen. So   hatten ver.di und die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverb&#228;nde   (VKA) f&#252;r die Jahre 2005 bis 2007 Einmalzahlungen von jeweils 300 Euro   vereinbart. Mit der Tarifgemeinschaft deutscher L&#228;nder (TdL) wurde eine   &#228;hnliche &#8211; allerdings nach Einkommensgruppen gestaffelte &#8211; Regelung   getroffen. Berlin ist in beiden Verb&#228;nden nicht mehr Mitglied. Aus dem   zum VKA geh&#246;renden Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV) war der   SPD-PDS-Senat vor dem Hintergrund einer &#187;drohenden&#171; Tarifeinigung im   Januar 2003 panikartig ausgetreten. In der Folge akzeptierten die   Gewerkschaften &#8211; nach einer Intervention von ver.di-Chef Frank Bsirske &#8211;   den &#187;Anwendungstarifvertrag&#171;. Damit war ausgerechnet das &#187;rot-rote&#171;   Berlin als erstes Bundesland aus den bundesweiten Tarifvertr&#228;gen   ausgestiegen. Hessen und diverse Kommunen folgten auf dem Fu&#223;e.<\/p>\n<p>  Der Berliner Tarifvertrag kann fr&#252;hestens zum 31. M&#228;rz 2010 gek&#252;ndigt   werden. Die Lohnk&#252;rzung und der ebenfalls vereinbarte Ausschluss   betriebsbedingter K&#252;ndigungen gilt bis Ende 2009, so dass bei Auslaufen   des Vertrags der urspr&#252;ngliche Zustand wieder in Kraft gesetzt wird. Die   Frage von Lohnerh&#246;hungen ist in der Vereinbarung ausgeklammert.   Allerdings enth&#228;lt sie eine Klausel, die das Land zu Verhandlungen &#252;ber   bundesweit getroffene Regelungen zwingt. Eben dies fordert ver.di nun.<\/p>\n<p>  Ein Sondierungsgespr&#228;ch mit der zust&#228;ndigen Senatsverwaltung f&#252;r Inneres   ist bereits f&#252;r Mittwoch geplant. Deren Sprecherin Nicola Rothermel   erkl&#228;rte auf jW-Nachfrage, vor diesem Termin keine Auskunft &#252;ber die   Haltung des Innensenator Ehrhart K&#246;rting (SPD) geben zu k&#246;nnen.   &#187;Grunds&#228;tzlich steht die verst&#228;ndliche Forderung nach einer &#220;bernahme   der bundesweiten Tarifvertr&#228;ge der immer noch maroden Haushaltslage   Berlins gegen&#252;ber. Wir m&#252;ssen sehen, wie wir diesen Widerspruch l&#246;sen   k&#246;nnen&#171;, so Rothermel. F&#252;r Westhoff ist der Verweis auf die   Haushaltslage des Landes hingegen kein Argument. Zum einen habe sich   diese &#187;weitaus positiver entwickelt als erwartet&#171;. 2006 habe Berlin   statt mit einem geplanten Defizit von 350 Millionen Euro mit einem Plus   von 700 Millionen abgeschlossen. &#187;Zum anderen haben die Berliner   Besch&#228;ftigten mit dem Anwendungstarifvertrag bereits gro&#223;e Opfer f&#252;r   eine dauerhafte Entlastung des Haushalts erbracht&#171;, betonte die   ver.di-Funktion&#228;rin. Zudem sei in den vergangenen Jahren &#187;ohne Ende   Personal abgebaut worden, was eine deutliche Arbeitsverdichtung zur   Folge hatte&#171;, so Westhoff. W&#228;hrend im Dezember 2000 noch 186.500   Menschen beim Land in Lohn und Brot standen, sind es jetzt noch rund   115.000. Und so soll es weitergehen: Den Planungen von Finanzsenator   Thilo Sarrazin (SPD) zufolge soll die Zahl der &#246;ffentlich Bediensteten   in den kommenden Jahren auf unter 100000 gedr&#252;ckt werden.<\/p>\n<h4>  Ver.di will in Fl&#228;chentarif<\/h4>\n<p>  Neben der unmittelbar dr&#228;ngenden Frage der Lohn- und Gehaltserh&#246;hungen   geht es ver.di auch um die &#220;bernahme des auf Bundesebene nach der   Verbandsflucht des Landes Berlin vereinbarten neuen Tarifrechts, des   Tarifvertrags f&#252;r den &#246;ffentlichen Dienst (TV&#214;D) bzw. dessen   L&#228;nderfassung TV-L. &#187;Das ist das Tarifrecht, das wir weiterentwickeln   wollen, deshalb wollen wir da rein &#8211; mit all seinen guten und weniger   guten Seiten&#171;, sagte Westhoff. In anderen Teilen der Republik werden   TV&#214;D und TV-L unter anderem wegen des Wegfalls der im alten Fl&#228;chentarif   enthaltenen Sozialzuschl&#228;ge, der Einf&#252;hrung einer neuen   Niedriglohngruppe und der zum Teil nach Bundesland und   Besch&#228;ftigtengruppen divergierenden Regelungen unter Gewerkschaftern   kontrovers diskutiert. Dennoch wolle ver.di Berlin den Wiedereintritt   des Landes in die Arbeitgeberverb&#228;nde und die &#220;bernahme von TV&#214;D\/TV-L   erreichen, so Westhoff. Ein Infragestellen der im   &#187;Anwendungstarifvertrag&#171; getroffenen Vereinbarungen sei damit nicht   verbunden, betonte sie.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend die Umgestaltung des Tarifrechts in Berlin, das sich bislang auf   die alten Fl&#228;chentarife BAT und BMT-G bezieht, noch eine Weile auf sich   warten lassen d&#252;rfte, k&#246;nnte der Konflikt &#252;ber die geforderten   Einmalzahlungen bei einer Blockadehaltung des Senats schnell eskalieren.   &#187;Gehaltsk&#252;rzung, st&#228;ndiger Stellenabbau, unzumutbare Arbeitsbedingungen   und die stets pr&#228;sente uns&#228;gliche Drohung mit Versetzung in den   Stellenpool &#8211; man kann den Bogen auch &#252;berspannen&#171;, so Westhoff.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Besch&#228;ftigte des &#246;ffentlichen Dienstes in der Hauptstadt fordern<br \/>\n      &#220;bernahme bundesweiter Einkommenserh&#246;hungen und Tarifvertr&#228;ge<\/p>\n<p>\n      <i>von Daniel Behruzi<\/i>\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[75,15,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12208"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12208"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12208\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12208"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12208"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12208"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}