{"id":12207,"date":"2007-07-08T20:00:23","date_gmt":"2007-07-08T20:00:23","guid":{"rendered":".\/?p=12207"},"modified":"2007-07-08T20:00:23","modified_gmt":"2007-07-08T20:00:23","slug":"12207","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/07\/12207\/","title":{"rendered":"EU-Gipfel ignoriert Opposition gegen geplante Verfassung"},"content":{"rendered":"<p>  ArbeiterInnen m&#252;ssen Widerstand gegen neoliberale Agenda leisten<\/p>\n<p>  <i>Erkl&#228;rung der Socialist Party in England und Wales, 1. Juli 07<\/i><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  In Frankreich und den Niederlanden haben die ArbeitnehmerInnen den   Entwurf f&#252;r die EU-Verfassung in den Referenden 2005 abgelehnt. Die   Referenden waren ein klares Misstrauensvotum gegen EU-PolitikerInnen und   &#8211;Institutionen und haben den EU-Regierungen einen schweren Schock   versetzt.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend die kapitalistischen Regierungen in Europa st&#228;ndig scheinheilig   von Demokratie schwafeln, ignorieren sie geflissentlich, wenn die   Bev&#246;lkerung einmal ihren Willen ausdr&#252;ckt. Nur kurz vor den Referenden   hat 2005 der luxemburgische Premier diese Haltung klar zusammengefasst:   &#8222;Wenn es ein Ja gibt, werden wir sagen `legen wir los&#180;, wenn es ein Nein   gibt, werden wir sagen `wir machen trotzdem weiter&#180;.&#8220;<\/p>\n<p>  Und sie machen auch trotzdem weiter. Auf dem EU-Gipfel letzte Woche   holten sie die Verfassung aus der Tiefk&#252;hltruhe und verpackten sie neu   als &#8222;Reformvertrag&#8220; um so zu tun, als sei das nun etwas v&#246;llig anderes.   In einer j&#252;ngsten Umfrage der Financial Times dar&#252;ber, ob es eine   Abstimmung &#252;ber den neuen Vertrag geben sollte, waren 75 Prozent der   spanischen Bev&#246;lkerung, 71 Prozent der deutschen Bev&#246;lkerung, 69 Prozent   der BritInnen, 68 Prozent der ItalienerInnen und 64 Prozent der   Franzosen und Franz&#246;sinnen f&#252;r eine Abstimmung. Aber um Referenden zu   vermeiden, wird der Vertrag eine &#8222;vereinfachte&#8220; Version des Originals   genannt, die nicht l&#228;nger eine Verfassung darstelle, und die von   gemeinsamen Symbolen wie Flagge, Motto und Hymne absieht. Die   Hauptpunkte des Entwurfs von 2004 bleiben jedoch erhalten. Der   EU-Ratspr&#228;sident wird k&#252;nftig auf zwei Jahre gew&#228;hlt, und es wird einen   &#8222;hohen Beauftragten der EU f&#252;r Au&#223;en- und Sicherheitspolitik&#8220; geben, der   dem Rat der Au&#223;enminister vorsitzt und gleichzeitig stellvertretender   Kommissionspr&#228;sident wird, es wird weniger nationale Vetos geben im   Entscheidungsprozess und die EU wird legalen Personenstatus erhalten.<\/p>\n<p>  Entscheidungen in der nun 27 Mitgliedsl&#228;nder umfassenden EU werden mit   Doppelmehrheitssystem getroffen. Das bedeutet, dass 55 Prozentder L&#228;nder   die 65 Prozentder EU- Bev&#246;lkerung repr&#228;sentieren f&#252;r eine Mehrheit   erforderlich sind. Die Stimmrechte eines Landes werden damit aus der   Bev&#246;lkerungszahl abgeleitet. Das bedeutet eine wesentliche Verschiebung   in der Gewichtung der Stimmen einzelner Staaten &#8211; was die polnische   Regierung so erz&#252;rnte, dass sie zun&#228;chst in strikte Opposition dazu   ging. Sie lie&#223; sich erst umstimmen, als ihr zugesichert wurde, dass das   neue Stimmrecht erst 2017 wirksam wird und als Angela Merkel damit   drohte, dass der gesamte Vertrag auch ohne Polens Zustimmung abgesegnet   werden k&#246;nnte.<\/p>\n<h4>  Veto<\/h4>\n<p>  Tony Blair (in Absprache mit seinem Nachfolger Gordon Brown) stimmte der   Abschw&#228;chung des Vetos in vielen Bereichen zu, allerdings bestand er   skandal&#246;serweise darauf, dass Gro&#223;britannien von einigen EU-Gesetzen   ausgenommen w&#252;rde, inklusive grundlegender Sozial- und Arbeitsrechte,   sowie Strafrecht.<\/p>\n<p>  Dem neuen franz&#246;sischen Pr&#228;sidenten Sarkozy gelang ein Coup indem er die   Entfernung des EU-Kernziels des &#8222;freien und unbeschr&#228;nkten Wettbewerbs&#8220;   erreichte, einer zentralen EU-Klausel, die die gesamte Dauer des   50-j&#228;hrigen Bestehens der EU ein Kernpunkt dieser war. Sarkozy will bei   den franz&#246;sischen ArbeiterInnen den Eindruck erwecken, dass er den   neoliberalen Inhalt des Vertrags entfernt und die franz&#246;sische   Wirtschaft und Arbeitspl&#228;tze sch&#252;tzt. In Wirklichkeit wird er jedoch   eine scharfe neoliberale Agenda in Frankreich selbst umsetzen. Seine   Haltung lief auf demagogische Posen gegen&#252;ber der franz&#246;sischen   Bev&#246;lkerung hinaus, mit einer Entschlossenheit, die Interessen des   franz&#246;sischen Kapitals zu verteidigen &#8211; und bis zu einem gewissen Grad   auch jene des europ&#228;ischen Kapitals.<\/p>\n<p>  Dieses Man&#246;ver gelang ihm, da die brennendsten EU-Neoliberalisten   wissen, dass das Ziel von ungehindertem Handel noch an 13 anderen   Stellen in der EU-Gesetzgebung festgehalten ist. Allerdings hat dies   nicht einen Aufschrei vieler kapitalistischer Repr&#228;sentaten verhindert.   Einer der f&#252;hrenden Anti-Trust Anw&#228;lte beschrieb die Ver&#228;nderung als   &#8222;Katastrophe&#8220;. Andere Top-Anw&#228;lte argumentieren, wahrscheinlich korrekt,   dass die Ver&#228;nderung es schwieriger macht, Protektionismus zu stoppen,   inklusive Staatssubventionen und Kartelle.<\/p>\n<p>  John Cridland von der CBI, der britischen Unternehmervereinigung,   beklagte sich: &#8222;Es ist nicht nur eine kosmetische &#196;nderung &#8211; sie stellt   eine langfristige Bedrohung des freien Wettbewerbs dar und wird die Hand   des Protektionismus innerhalb der EU auf Jahre st&#228;rken.&quot; F&#252;r die   herrschenden Klassen geht das gegen eines der Hauptziele der EU, n&#228;mlich   das Ziel einen gemeinsamen Markt zu haben, der europ&#228;ische Unternehmen   gegen die Nicht-EU-Weltm&#228;chte st&#228;rkt. Sie wollen auch die Vorteile von   gemeinsamen Grenzen haben sowie die EU als Waffe gegen die   Arbeiterklasse &#8211; und damit als Instrument f&#252;r Privatisierungen,   K&#252;rzungen im Sozialbereich, Deregulierung etc.<\/p>\n<h4>  F&#252;r ein sozialistisches Europa<\/h4>\n<p>  Wie stets auf diesen Gipfeln, kamen sich die nationalen Interessen der   einzelnen Staaten immer wieder in die Quere. Das feindliche Hickhack   gipfelte in einem riesigen Streit in der letzten sp&#228;tn&#228;chtlichen Sitzung   bevor &#8222;Einigkeit&#8220; verk&#252;ndet wurde. Jeder Staat m&#246;chte f&#252;r sich die   moralische Hoheit sichern, w&#228;hrend sie sich in gegenseitigen   Anschuldigungen &#252;ben. Zum Beispiel beschwerte sich der italienische   Premierminister Romano Prodi &#252;ber den &#8222;Mangel an europ&#228;ischem   Gemeinschaftsgeist&#8220; und sagte: &#8222;Erlauben Sie mir, meiner Verbitterung   &#252;ber dieses Schauspiel Ausdruck zu verleihen.&#8220;<\/p>\n<p>  Der Gro&#223;teil der 490 Millionen Menschen in der EU wird aus der Debatte   herausgehalten. Jedenfalls, wie ein Kommentator der Financial Times,   Gideon Rachman feststellte, ist der Reformvertrag &#8222;beinahe unm&#246;glich zu   lesen oder gar zu verstehen&#8220;.<\/p>\n<p>  Die Intention der EU-F&#252;hrer ist es nun, den Freifahrtsschein von allen   Mitgliedsstaaten f&#252;r den Vertrag zu bekommen, um Referenden zu   vermeiden, die den Vertrag vielleicht noch kippen k&#246;nnten (obwohl Irland   und D&#228;nemark Abstimmungen in Betracht ziehen, da sie mit Zustimmung zum   Vertrag in den Referenden spekulieren). Allerdings sind besonders die   niederl&#228;ndische, die franz&#246;sische und britische Regierung sehr darauf   bedacht, Referenden zu vermeiden.<\/p>\n<p>  In Grobritannien haben f&#252;hrende Tories bereits Gordon Brown f&#252;r seinen   Unwillen, ein Referendum abzuhalten, kritisiert. Wenn er allerdings   eines abh&#228;lt, w&#228;re das Ergebnis wahrscheinlich ein Nein zum   &#8222;Reformvertrag&#8220;. Laut Umfragen sind ein Drittel der W&#228;hlerInnen in   Gro&#223;britannien f&#252;r einen Austritt aus der EU, ein weiteres Drittel   unentschieden. In einer britischen Umfrage hatten 55 Prozentder Menschen   entweder noch gar nie von einer EU-Verfassung geh&#246;rt oder kannten nur   den Namen. Allerdings antworteten nur 14 Prozent mit Ja auf die Frage,   ob sie einen auf l&#228;ngere Zeit gew&#228;hlten EU-Pr&#228;sidenten unterst&#252;tzen   w&#252;rden. Nur 10 Prozent unterst&#252;tzen, dass EU-Recht ins britische Recht   eingreifen kann (wie es das in vielen F&#228;llen tut). Bez&#252;glich Blairs   Versuch, die britischen Anti-Gewerkschaftsgesetze gegen&#252;ber der   Grundrechtscharta im Vertrag zu retten gilt: Die ArbeitnehmerInnen in   Gro&#223;britannien sollten die M&#246;glichkeit haben, gegen diesen j&#252;ngsten   gegen die Arbeiterklasse gerichteten Vertrag zu stimmen, aber auch gegen   Blair und Browns Versuch, sich gegen die Einf&#252;hrung von Grund- und   ArbeitnehmerInnenrechten zu stemmen. Die ArbeiterInnen in ganz Europa   sind zu recht misstrauisch gegen&#252;ber den Intentionen der EU-F&#252;hrerInnen. <\/p>\n<p>  Keine Unterst&#252;tzung f&#252;r die Projekte der kapitalistischen EU, aber auch   nicht f&#252;r die pro-kapitalistischen Euro-SkeptikerInnen, die eine   nationale Agenda verfolgen.<\/p>\n<p>  ArbeiterInnen wollen, dass Jobs und Lebensstandards gesch&#252;tzt und   verbessert werden, aber weder Freihandel noch Protektionismus werden das   erreichen. Die einzige L&#246;sung ist ein Kampf f&#252;r ein sozialistisches   Europa.<\/p>\n<p>  Die europ&#228;ische Arbeiterklasse muss in gemeinsamer Aktion erreichen,   dass jegliche Vertr&#228;ge den Interessen der 728 Millionen EinwohnerInnen   entsprechen und nicht jenen der kapitalistischen Elite, und dass sie   einer umfassenden wirklich demokratischen Debatte unterzogen werden, die   den ArbeitnehmerInnen volle Kontrolle erlaubt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      ArbeiterInnen m&#252;ssen Widerstand gegen neoliberale Agenda leisten\n    <\/p>\n<p>\n      <i>Erkl&#228;rung der Socialist Party in England und Wales, 1. 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