{"id":12206,"date":"2007-06-29T11:42:32","date_gmt":"2007-06-29T11:42:32","guid":{"rendered":".\/?p=12206"},"modified":"2007-06-29T11:42:32","modified_gmt":"2007-06-29T11:42:32","slug":"12206","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/06\/12206\/","title":{"rendered":"Costa Rica: Widerstand der Ananasarbeiter"},"content":{"rendered":"<p>  Gewerkschafter k&#228;mpfen gegen Bedingungen wie vor 100 Jahren<br \/>  <i>von Teresa Salom&#233;, San Jos&#233;<\/i><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Die Bewohner von Buenos Aires im S&#252;den des mittelamerikanischen Costa   Rica werden von den Ananasplantagen f&#246;rmlich erdr&#252;ckt. Die Plantagen von   Pindeco haben die knapp 50.000 Seelen z&#228;hlende Kleinstadt in engem Kreis   umschlossen. In der Hochsaison werden auf den Feldern 200 Container am   Tag geerntet.<\/p>\n<p>  Pindeco geh&#246;rt zum Delmonte-Konzern und der Konzern h&#228;lt den Ort in   seiner Hand, kein weiteres Haus kann man hier bauen aufgrund der   Ausdehnung der Felder und wer den Konzern kritisiert, der hat es schwer.   &quot;Hier herrscht Krieg!&quot;, sagt Aquiles Rivera. Seit 12 Jahren streitet der   ehemalige Plantagenarbeiter gegen die Willk&#252;r des Konzerns. Das Werkzeug   f&#252;r die Gegenwehr ist die unabh&#228;ngige Gewerkschaft SITRUPINDECO, deren   Vorsitzender er ist.<\/p>\n<p>  Er kritisiert, dass sich die Delmonte-Tochter Pindeco nur um die   m&#246;glichst fette Ausbeute k&#252;mmere und weder um die W&#252;rde der   Plantagenarbeiter noch um die Gesundheit der Anwohner. &quot;Buenos Aires   z&#228;hlt 47.000 Einwohner, davon arbeiten 2000 direkt auf den Plantagen.   Die t&#228;gliche Ernte ist gewaltig und doch z&#228;hlt unser Kanton zu den aller   &#228;rmsten des Landes. Ich halte das nicht f&#252;r eine ausgeglichene   Wirtschaftsentwicklung&quot;, sagt er.<\/p>\n<p>  In einem kleinen von Indigenas betriebenen Konferenzzentrum in Buenos   Aires haben die Gewerkschafter eine Schar von Mitgliedern und   Sympathisanten zusammen gerufen, die von der Arbeit auf den Plantagen   berichten. Nicolas Villanueva hat bei S&#228;uberungsarbeiten in den Kan&#228;len   auf den Feldern das rechte Auge verloren, der Endf&#252;nfziger ist erkennbar   indigener Abstammung und berichtet ruhig mit leiser Stimme: &quot;Wie mir   ging es vielen: Als die Betriebsleitung von meinem Arbeitsunfall erfuhr,   wurde ich entlassen&quot;.<\/p>\n<p>  Weder Don Nicolas, noch andere Arbeiter, die unter R&#252;ckenproblemen oder   gef&#228;hrlichen Allergien leiden, bekommen auch nur einen Cent Rente   gezahlt. Er h&#228;lt sich mit dem Verkauf von kleinem Kunsthandwerk &#252;ber   Wasser.<\/p>\n<p>  Auf seinem Weg zur Arbeit gr&#252;&#223;t Jos&#233;. Es ist kurz vor 17 Uhr, gerade   d&#228;mmert es und weil die Regenzeit in Costa Rica beginnt, gie&#223;t es auch   bereits in Str&#246;men. Der Plantagenarbeiter ist auf dem Weg zu einer   12-Stundenschicht, einziger Schutz vor dem Unwetter ist seine   Regenkapuze. Er bevorzugt die Tagesschicht, auch wenn es dann &#252;ber 40   Grad hei&#223; ist auf den schattenlosen Feldern. In der Nacht wird die   Plantage zwar von Scheinwerfern erhellt, aber im Regen &#252;bersieht man   leicht eine Frucht. Wenn ein Vorarbeiter das dreimal bemerkt, ist man   drau&#223;en. Zust&#228;nde wie vor 100 Jahren.<\/p>\n<p>  &quot;International hat Costa Rica den Ruf, die sozialen Rechte zu   respektieren genau wie das Arbeitsrecht und den Umweltschutz. Aber das   steht nur auf dem Papier, diese Rechte werden mit den F&#252;ssen getreten&quot;,   berichtet Aquiles Rivera. Mit geringsten Mitteln finanzieren die   Gewerkschafter ihre Basisarbeit, SITRUPINDECO ist dem offiziellen   Gewerkschaftsverband Juanita Mora angeschlossen, aber materielle   Unterst&#252;tzung gibt es nicht von ihm.<\/p>\n<p>  &quot;Die Gesch&#228;ftsf&#252;hrung von PINDECO hat versucht den Aufbau unserer   Gewerkschaft im Keim zu ersticken&quot;, berichtet der Vorsitzende Rivera.   Nicht mehr als ein Feigenblatt ist f&#252;r die Aktivisten die so genannte   &quot;Solidarische Bewegung&quot; (&quot;Solidarismo&quot;). Diese vom Konzern finanzierte   gelbe Gewerkschaft wurde von der United Fruit Company einst auf den   Bananenplantagen erfunden, wird vom reaktion&#228;ren Fl&#252;gel der katholischen   Kirche unterst&#252;tzt und dient der Bek&#228;mpfung unabh&#228;ngiger Gewerkschaften. <\/p>\n<p>  Nach einem ersten R&#252;ckschlag in den 90iger Jahren, bei dem die meisten   Gewerkschafter entlassen wurden, gelang SITRUPINDECO vor kurzem ein   wichtiger Durchbruch: Heimlich waren Mitglieder der von der   Konzernleitung verfolgten Organisation am gleichen Tag zu verschiedenen   B&#252;ros zust&#228;ndiger Ministerium und dem Sitz der Internationalen   Arbeitsorganisation der UNO (ILO) gereist, wo sie eine Mitgliedsliste   vorlegten und um offizielle Anerkennung als Gewerkschaft ersuchten. &quot;Es   gelang und zumindest die Mitglieder des Vorstandes d&#252;rfen nun nicht mehr   gek&#252;ndigt werden&quot;, freut sich Rivera. Seither gewannen die   Gewerkschafter auch bereits einige Arbeitsrechtsprozesse gegen die   Delmonte-Tochter.<\/p>\n<p>  Doch nicht nur f&#252;r die Rechte der Besch&#228;ftigten setzen sich Rivera und   seine Mitstreiter ein. Im vergangenen Jahrzehnt wurden sie auch zu   Umweltspezialisten, denn die &#246;kologischen und gesundheitlichen Folgen   des Ananasanbaus sind fatal. Die Plantagen sind von nat&#252;rlichen   Wasserl&#228;ufen durchzogen, um die in 25 Meter Radius den Umweltgesetzen   des Landes zufolge nicht angebaut werden d&#252;rfte. Das wird ignoriert und   so geraten Insektizide wie das gef&#228;hrliche Bromasil in das Wasser,   welches jenseits der Felder von Landwirten und Anwohnern genutzt wird.<\/p>\n<p>  &quot;Im Kanton Buenos Aires ben&#246;tigen wir einen radikalen Wandel. Unser Ziel   ist es, das System in Costa Rica zu beenden, das es den transnationalen   Konzernen erlaubt mit den Arbeitern zu machen, was sie wollen. Bei   unserem Kampf sind wir auf internationale Solidarit&#228;t angewiesen, wenn   in Europa oder den USA Druck auf den Delmontekonzern ausge&#252;bt w&#252;rde, so   w&#228;re das eine gro&#223;e Hilfe!&quot;, sagt Aquiles Rivera.<\/p>\n<p>  Parallel zum gewerkschaftlichen Kampf k&#252;mmern er und seine Mitstreiter   auch um eine politische Alternative: Sie haben sich der Initiative f&#252;r   eine breite linke Kandidatur bei den Parlamentswahlen 2010 unter dem   Mantel der &quot;Frente Amplio&quot; angeschlossen.<\/p>\n<h5>  Kontakt zur Gewerkschaft SITRUPINDECO: <a href=\"mailto:soliCR@gmx.net\">  soliCR@gmx.net<\/a><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      Gewerkschafter k&#228;mpfen gegen Bedingungen wie vor 100 Jahren<\/p>\n<p>\n      <i>von Teresa Salom&#233;, San Jos&#233;<\/i><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[41],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12206"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12206"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12206\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12206"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12206"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12206"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}