{"id":12193,"date":"2007-07-11T00:18:19","date_gmt":"2007-07-10T22:18:19","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12193"},"modified":"2012-08-21T14:09:12","modified_gmt":"2012-08-21T12:09:12","slug":"12193","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/07\/12193\/","title":{"rendered":"Telekom-Streik: Niederlage f\u00fcr alle Besch\u00e4ftigten"},"content":{"rendered":"<p>Der Telekom-Streik h\u00e4tte anders gef\u00fchrt werden k\u00f6nnen und m\u00fcssen<br \/> Ein neues Kapitel in der Tarifgeschichte ist aufgeschlagen. Eine Gewerkschaft l\u00e4sst es zu, dass in einem Gro\u00dfbetrieb mit Rekordgewinnen und einem Organisationsgrad von 70 Prozent erk\u00e4mpfte tarifliche Standards auf einen Schlag vernichtet werden.<\/p>\n<p><!--more--><br \/> \u00a0<\/p>\n<p><em>von Ursel Beck, Stuttgart<\/em><\/p>\n<p>6,5 Prozent Gehaltsk\u00fcrzung, eine unbezahlte Verl\u00e4ngerung der Arbeitszeit um vier Stunden in der Woche, Samstag als Regelarbeitstag, variable Bezahlung und Armutsl\u00f6hne f\u00fcr Neueingestellte. Das sind die Kernpunkte des Tarifabschlusses bei der Telekom.<\/p>\n<h4>30 Prozent Reallohneinbu\u00dfen<\/h4>\n<p>Ber\u00fccksichtigt man, dass die Telekom-Besch\u00e4ftigten 2005 im Zuge der Arbeitszeitverk\u00fcrzung bereits auf 6,5 Prozent Gehalt verzichten mussten und dass die unbezahlte Verl\u00e4ngerung der Arbeitszeit einer Lohnk\u00fcrzung um 11,76 Prozent gleichkommt, bedeutet die erneute Gehaltsk\u00fcrzung eine Absenkung der L\u00f6hne um 25 Prozent gegen\u00fcber 2004. Bezieht man die Preissteigerung mit ein, ergibt sich ein Reallohnverlust von 30 Prozent.<\/p>\n<p>Neueingestellten wird der Lohn sogar ausgehend vom bisherigen Niveau um 30 Prozent gesenkt. Hinzu kommt, dass 15 bis 20 Prozent der Geh\u00e4lter vom Erreichen bestimmter Ziele beziehungsweise vom Gewinn abh\u00e4ngig gemacht wird.<\/p>\n<h4>Arbeitsplatzvernichtung<\/h4>\n<p>Manche KollegInnen m\u00f6gen sich in der Hoffnung wiegen, dass die Arbeitsverdichtung durch vier Stunden Mehrarbeit wieder auf ein ertr\u00e4gliches Ma\u00df zur\u00fcckgef\u00fchrt wird. Aber Konzernchef Rene Obermann und Personalvorstand Thomas Sattelberger werden die Arbeitszeitverl\u00e4ngerung nutzen, um den Arbeitsplatzabbau zu beschleunigen. Rein rechnerisch f\u00fchren vier Stunden Mehrarbeit von 50.000 Besch\u00e4ftigten zum Wegfall von \u00fcber 5.000 Arbeitspl\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Der geplante Abbau von 32.000 Arbeitspl\u00e4tzen taucht in keiner Stellungnahme mehr auf, das hei\u00dft er wird von der ver.di-F\u00fchrung akzeptiert. Zudem verkauft die Gewerkschaftsspitze den Ausschluss von betriebsbedingten K\u00fcndigungen bis 2012 und den Verkaufsschutz bis 2010 als Erfolg. Aber solche Zusagen sind nicht das Papier wert, auf dem sie geschrieben stehen. Denn der Arbeitsplatzabbau geht weiter, indem Kolleginnen und Kollegen unter Druck gesetzt werden, \u201efreiwillig\u201c zu gehen.<\/p>\n<h4>Zum Verzichten brauchen wir keine Gewerkschaft<\/h4>\n<p>F\u00fcr die Niederlage bei der Telekom und die Schw\u00e4chung der Kampfkraft durch die weitere Zerschlagung des Konzerns tr\u00e4gt allein die ver.di-F\u00fchrung die Verantwortung. Sie hat die Ausgr\u00fcndung von Anfang an akzeptiert. Es ging nur noch um die Bedingungen.<\/p>\n<p>Gerade einmal zehn Prozent der Telekom-Belegschaft wurden in den Streik einbezogen. Alle Telekom-KollegInnen, die den Streik nicht teilen durften, werden die Niederlage teilen m\u00fcssen. Die ver.di-Oberen verschweigen diese Perspektive. Das Management der Telekom wird die Absenkungen nutzen, um f\u00fcr alle anderen KollegInnen die Bedingungen zu verschlechtern. Man \u00fcberf\u00fchrt einfach weitere Bereiche, zum Beispiel T-Systems, in die Service-Gesellschaften.<\/p>\n<h4>Kampfkraft war vorhanden<\/h4>\n<p>Der Streik hat ansatzweise gezeigt, welche Macht Gewerkschaften potenziell ha-ben k\u00f6nnen: Ganze Netzwerke von Firmen sind zusammengebrochen, Telefonkonferenzen in Unternehmen konnten nicht stattfinden, gewitterbedingte St\u00f6rungen wurden nicht behoben, keine neuen Anschl\u00fcsse verlegt. 5.000 St\u00f6rungsmeldungen blieben unerledigt \u2013 normalerweise sind es 350. Die Erreichbarkeit der Call-Center sank von 70 auf 15 Prozent.<\/p>\n<p>Mit einem Vollstreik bei der Telekom w\u00e4re schnell die gesamte Wirtschaft beeintr\u00e4chtigt worden. Anstatt den Streik nach f\u00fcnf Wochen mit der Wiederaufnahme der Verhandlungen herunterzufahren, h\u00e4tte er ausgedehnt werden m\u00fcssen. Andere von Ausgliederung und Verkauf bedrohte Bereiche h\u00e4tten einbezogen werden sollen. Gleiches gilt f\u00fcr die BeamtInnen (bei einem privaten Unternehmen wie der Telekom besteht erst Recht keinen Grund, das Streikrecht zu verwehren). Au\u00dferdem h\u00e4tte der Schulterschluss mit den Besch\u00e4ftigten anderer Branchen \u2013 angefangen mit denjenigen, die derzeit ebenfalls in Auseinandersetzungen stecken \u2013 gesucht werden sollen. Darauf hat die F\u00fchrung von ver.di und DGB bewusst verzichtet.<\/p>\n<h4>ver.di braucht Opposition<\/h4>\n<p>Der Abschluss bei der Telekom muss von Telekom-KollegInnen, k\u00e4mpferischen Vertrauensleuten, Betriebsr\u00e4ten und Jugendvertretern als ernsthafte Warnung verstanden werden. Die selbstzerst\u00f6rerische Politik der Gewerkschaftsspitze gilt es von unten zu stoppen. Der Aufbau einer innergewerkschaftlichen organisierten Opposition stellt sich dringender denn je.<\/p>\n<p><em>Ursel Beck ist gewerkschaftspolitische Sprecherin der SAV<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Telekom-Streik h\u00e4tte anders gef\u00fchrt werden k\u00f6nnen und m\u00fcssen<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[19],"tags":[270,194],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12193"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12193"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12193\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12193"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12193"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12193"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}