{"id":12184,"date":"2007-07-02T00:31:17","date_gmt":"2007-07-02T00:31:17","guid":{"rendered":".\/?p=12184"},"modified":"2007-07-02T00:31:17","modified_gmt":"2007-07-02T00:31:17","slug":"12184","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/07\/12184\/","title":{"rendered":"K&#246;ln: Nicht die Moschee st&#246;rt, sondern die Rassisten<br>"},"content":{"rendered":"<p>  Die t&#252;rkische Religionsgemeinschaft DITIB plant im K&#246;lner Stadtteil   Ehrenfeld eine neue, gro&#223;e Moschee zu bauen, inklusive Kuppel und zwei   Minaretten. Dagegen macht die faschistische B&#252;rgerbewegung ProK&#246;ln   mobil. Deren B&#252;rgerbegehren ist allerdings an fehlenden Unterschriften   kl&#228;glich gescheitert. An ihrem Marsch durch den Stadtteil am 16. Juni   beteiligten sich nur 200 Leute.<br \/><i>von Claus Ludwig, K&#246;ln<\/i><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Die etablierten b&#252;rgerlichen Kr&#228;fte sind gespalten. SPD, Gr&#252;ne und FDP   behaupten, der Bau der Moschee w&#252;rde zur Integration beitragen. Die CDU   hatte sich anfangs &#228;hnlich positioniert, dann aber ihre Meinung   ge&#228;ndert. Jetzt hei&#223;t es, die Moschee d&#252;rfe gebaut werden, nur solle sie   nicht aussehen wie eine Moschee, die Planung w&#228;re &#8222;zu orientalisch&#8220;. Man   stelle sich vor, das Erzbistum K&#246;ln wollte eine neue Kirche bauen und   pl&#246;tzlich hie&#223;e es, die Kirche solle am Besten gar keine T&#252;rme haben,   denn diese w&#252;rden &#8222;zu sakral&#8220; anmuten&#8230;<\/p>\n<h4>  Anti-islamische Stimmungsmache<\/h4>\n<p>  Der ehemals linke j&#252;dische Schriftsteller Ralph Giordano attackierte in   einem Interview die Menschen aus dem &#8222;muslimischen Kulturkreis&#8220; und   machte diese f&#252;r Integrationsprobleme verantwortlich. Er verk&#252;ndete   seinen Widerstand gegen die Ehrenfelder Moschee. Dieses Interview wurde   bundesweit vor allem von konservativen Zeitungen aufgegriffen. Giordano   wurde offensichtlich von f&#252;hrenden Vertretern des K&#246;lner   Pressemonopolisten DuMont in Stellung gebracht und soll als T&#252;r&#246;ffner   fungieren, um es b&#252;rgerlichen Kr&#228;ften zu erm&#246;glichen, eine Front gegen   Moschee-Bau und Islam aufzubauen, ohne sich mit den schmuddeligen   Faschisten gemein zu machen.<\/p>\n<p>  Die b&#252;rgerlichen Parteien, die zeitweise von Toleranz schw&#228;rmen, sind   keine B&#252;ndnispartner, wenn es darum geht, Menschen aus muslimischen   L&#228;ndern zu verteidigen. Die Hauptstr&#246;mung in der herrschenden Klasse ist   anti-islamisch. Das entspricht am Ehesten den Interessen der Regierenden   bez&#252;glich der Au&#223;enpolitik und dient im Inneren dazu, das Prinzip &#8222;Teile   und Herrsche&#8220; umzusetzen.<\/p>\n<h4>  Die Spaltung &#252;berwinden<\/h4>\n<p>  SozialistInnen k&#228;mpfen gegen die Faschisten, ebenso gegen die   anti-islamische Hetze. Wir verteidigen die Rechte von Minderheiten. Doch   in der &#214;ffentlichkeit werden alle Gegner der Rechten als   &#8222;Moschee-Bef&#252;rworter&#8220; dargestellt. Sind wir begeistert &#252;ber den Bau der   Moschee? St&#252;tzen wir die These von SPD und Gr&#252;nen, dass der Bau einer   gro&#223;en Moschee ein besseres Verst&#228;ndnis zwischen Muslimen und   Nicht-Muslimen f&#246;rdert? Nein.<\/p>\n<p>  DITIB ist der deutsche Ableger der staatlichen t&#252;rkischen   Religionsbeh&#246;rde. DITIB ist nicht fundamentalistisch, aber keineswegs   fortschrittlich. Die Gemeinschaft vertritt konservative Ansichten &#252;ber   die Rolle der Frau und ist daran interessiert, die T&#252;rkInnen in   Deutschland an sich zu binden.<\/p>\n<p>  Eines wiegt jedoch schwerer: Wenn der Moschee-Bau durch die   Mobilisierung rassistischer Vorurteile verhindert wird oder wenn die   etablierten Parteien einer Moschee-Gemeinde weniger Rechte zugestehen   als christlichen Gemeinden, dann sind das eindeutige Botschaften &#8211; nicht   nur an die Muslime, sondern an alle Nicht-Deutschen: &#8222;Ihr seid nur   Bewohner zweiter Klasse. Wir trauen euch nicht, wir wollen euch nicht.&#8220;   Die Entfremdung w&#252;rde dadurch weiter wachsen.<\/p>\n<p>  Wir verteidigen das Recht auf den Bau einer Moschee, weil die   Verweigerung dieses Rechtes die t&#252;rkische und deutsche beziehungsweise   die muslimische und nicht-muslimische Bev&#246;lkerung st&#228;rker voneinander   entfremden w&#252;rde als der Bau der Moschee. Die Ausweitung demokratischer   Rechte und die respektvolle Anerkennung anderer Kulturen, Sprachen,   Traditionen und Religionen helfen, die Spaltung der arbeitenden Menschen   entlang nationaler und religi&#246;ser Linien zu &#252;berwinden und schaffen   bessere Bedingungen f&#252;r gemeinsame soziale K&#228;mpfe.<\/p>\n<p>  DITIB muss daher das Recht haben, eine Moschee nach eigenen   Vorstellungen zu bauen, auf dem eigenen Grundst&#252;ck, mit dem eigenen   Geld, ohne die Einmischung von christlichen Priestern, b&#252;rgerlichen   Islam-Feinden oder Rassisten. Die Fragen von Parkpl&#228;tzen, Verkehr und   L&#228;rmbel&#228;stigung sind nat&#252;rlich mit den Nachbarn zusammen zu kl&#228;ren.   Unsere Kritik an der reaktion&#228;ren Ideologie von DITIB stellen wir jedoch   nicht zur&#252;ck.<\/p>\n<h4>  Welche Parallelgesellschaft?<\/h4>\n<p>  Angeblich existiert eine &#8222;islamische Parallelgesellschaft&#8220; in   Deutschland. Mit diesem Begriff soll suggeriert werden, die Menschen aus   muslimischen L&#228;ndern w&#252;rden sich organisiert gegen die deutsche   Gesellschaft abschotten und B&#246;ses im Schilde f&#252;hren. In Wirklichkeit   kennt jedes Einwanderungsland, ob in der Sklavenhaltergesellschaft, im   Feudalismus oder im Kapitalismus die parallele Existenz verschiedener   Kulturen, die sich &#8211; genau wie heute in der Bundesrepublik &#8211;   gleichzeitig vermischen und gegenseitig bereichern.<\/p>\n<p>  Das politische Establishment und die wirtschaftlich Herrschenden freuen   sich, wenn die Menschen sich &#252;ber Religion und Nationalit&#228;t streiten und   &#252;bersehen, wie sehr Sozialleistungen, L&#246;hne und die Zukunft der Jugend   bedroht sind.<\/p>\n<p>  In diesem Land gibt es eine echte Parallelgesellschaft: die   Parallelgesellschaft der Kapitalbesitzer, die immer reicher werden &#8211; auf   Kosten der gro&#223;en Masse. Wenn man auf der Stra&#223;e sitzt, ohne   Ausbildungsplatz, ohne Arbeit, dann ist es egal, ob man an Gott oder   Allah glaubt. Die sogenannten &#8222;kleinen Leute&#8220;, die Jugendlichen,   ArbeitnehmerInnen und Arbeitslosen m&#252;ssen gemeinsam f&#252;r ihre Interessen   aufstehen, unabh&#228;ngig von Herkunft und Religion.<\/p>\n<h4>  Trennung von Staat und Kirche<\/h4>\n<p>  Die SAV h&#228;ngt keiner Religion an. Wir vertrauen nicht auf das   Himmelreich oder das Paradies, wir wollen die Gesellschaft hier und   heute ver&#228;ndern. Wir wollen einen gemeinsamen Kampf von ArbeiterInnen   verschiedener Nationen, Kulturen und Religionen. Wir wollen die   Hindernisse f&#252;r diesen Kampf aus dem Weg r&#228;umen.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend wir die &#220;berzeugungen und Traditionen religi&#246;ser Menschen   respektieren, verzichten wir nicht darauf, die spalterischen   fundamentalistischen Auspr&#228;gungen von Religionen zu bek&#228;mpfen, ebenso   deren philosophische Grundlagen.<\/p>\n<p>  Wir lehnen die Subventionierung von Religionsgemeinschaften mit   Steuergeldern (zum Beispiel durch die Kirchensteuer) ab. Jugendzentren,   Sportst&#228;tten und bezahlbare Wohnungen sind wichtiger als Kirchen oder   Moscheen.<\/p>\n<p>  Wir lehnen kirchliche Schulen und Kitas ab. Bildung und Erziehung sind   gesellschaftliche Aufgaben und geh&#246;ren in die &#246;ffentliche Hand.   Kruzifixe in Klassenr&#228;umen geh&#246;ren abgeh&#228;ngt.<\/p>\n<p>  Wir lehnen religi&#246;sen Fundamentalismus ab &#8211; ob christlich, muslimisch,   j&#252;disch, hinduistisch oder wie auch immer &#8211; und wenden uns gegen die   Unterdr&#252;ckung von Frauen und Homosexuellen, die alle Fundamentalisten   betreiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Die t&#252;rkische Religionsgemeinschaft DITIB plant im K&#246;lner Stadtteil<br \/>\n      Ehrenfeld eine neue, gro&#223;e Moschee zu bauen, inklusive Kuppel und zwei<br \/>\n      Minaretten. Dagegen macht die faschistische B&#252;rgerbewegung ProK&#246;ln<br \/>\n      mobil. Deren B&#252;rgerbegehren ist allerdings an fehlenden Unterschriften<br \/>\n      kl&#228;glich gescheitert. An ihrem Marsch durch den Stadtteil am 16. 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