{"id":12178,"date":"2007-06-25T12:08:30","date_gmt":"2007-06-25T12:08:30","guid":{"rendered":".\/?p=12178"},"modified":"2007-06-25T12:08:30","modified_gmt":"2007-06-25T12:08:30","slug":"12178","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/06\/12178\/","title":{"rendered":"Berlin: Alarm bei der Feuerwehr"},"content":{"rendered":"<p>  Gewerkschaft kritisiert geplante Reduzierung der Nachtbesetzungen in   Berliner Feuerwachen und warnt vor Gef&#228;hrdung von Menschenleben<br \/><i> von Daniel Behruzi<\/i><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Berlins Gewerkschaft der Polizei (GdP) schl&#228;gt Alarm: Wegen fehlenden   Personals bei der Feuerwehr sei der minimale Sicherheitsstandard,   insbesondere in den Nachtdiensten, k&#252;nftig nicht mehr zu halten. &#187;Die   Einschr&#228;nkungen der Einsatzf&#228;higkeit der Berliner Feuerwehr sind nicht   mehr hinnehmbar. Dadurch k&#246;nnen Menschenleben gef&#228;hrdet werden&#171;, hei&#223;t   es in einem Brief, den die Organisation &#8211; die neben Polizeibeamten auch   Feuerwehrleute vertritt &#8211; k&#252;rzlich an die Bezirksb&#252;rgermeister der   Hauptstadt verschickt hat. Grund hierf&#252;r sei &#187;die kompromi&#223;lose   Haushaltspolitik&#171; des SPD-Linke-Senats.<\/p>\n<p>  Hintergrund ist eine Richtlinie der Europ&#228;ischen Union, nach der die   H&#246;chstarbeitszeit pro Woche begrenzt und damit eine Verk&#252;rzung der   Dienstzeiten erzwungen wird. Derzeit werden die Berliner Feuerwehrleute   inklusive Bereitschaftszeiten bis zu 55 Stunden in der Woche eingesetzt.   K&#252;nftig d&#252;rfen es laut EU-Richtlinie, deren G&#252;ltigkeit f&#252;r die Feuerwehr   von einem deutschen Gericht 2005 best&#228;tigt wurde, nur noch 48 Stunden   sein. &#187;Diese sieben Wochenstunden weniger bedeuten, da&#223; im Jahr 2007   insgesamt circa 720000 Stunden Mehrarbeit anfallen, weil die Berliner   Feuerwehr die Arbeitszeiten ungeachtet der EU-Richtlinie nicht angepa&#223;t   hat&#171;, rechnet Klaus Krzizanowski, Mitglied des gesch&#228;ftsf&#252;hrenden   GdP-Vorstands, im jW-Gespr&#228;ch vor. Das entspreche mehr als 400 Stellen.   Seine Konsequenz: &#187;Um den aktuellen, schon jetzt nur als   Minimalversorgung zu bezeichnenden Sicherheitsstandard zu halten, m&#252;ssen   mindestens 300 Feuerwehrleute zus&#228;tzlich eingestellt werden.&#171; Bereits in   den vergangenen Jahren habe die Berliner Feuerwehr aufgrund der   &#187;Sparvorgaben&#171; des Senats einen drastischen Arbeitsplatzabbau zu   verkraften gehabt. W&#228;hrend nach der Zusammenf&#252;hrung der Ost- und   Westberliner Feuerwehren im Jahr 1990 noch rund 5500 Menschen bei der   Beh&#246;rde t&#228;tig waren, sind es jetzt nur noch knapp 4000. Die Zahl der   Eins&#228;tze hat im gleichen Zeitraum um fast zwei Drittel zugenommen.<\/p>\n<\/p>\n<p>  &#187;Es gibt keinen Zweifel, da&#223; wir aufgrund der Reduzierung der   Arbeitszeiten einen gewissen Mehrbedarf an Personal haben&#171;, best&#228;tigt   Landesbranddirektor Wilfried Gr&#228;fling zwar auf jW-Nachfrage. Ein Teil   des Personals k&#246;nne jedoch &#187;durch Outsourcing und Umschichtungen   innerhalb des Hauses&#171; bereitgestellt werden. So k&#246;nnten Besch&#228;ftigte,   die derzeit in der Leitstelle und bei Serviceeinheiten eingesetzt oder   eingeschr&#228;nkt dienstf&#228;hig sind, in den Einsatzdienst versetzt werden.   Wie weit das m&#246;glich sei, werde bis Ende Juni mithilfe einer   &#187;Verwendungsmatrix&#171; &#252;berpr&#252;ft. Aufgrund des geplanten &#187;vern&#252;nftigeren   Umgangs mit Ressourcen&#171; liege der zus&#228;tzliche Personalbedarf bei   lediglich 50 bis 100 Stellen, so die Rechnung des Feuerwehrchefs.   GdP-Mann Krzizanowski bef&#252;rchtet hingegen, da&#223; Besch&#228;ftigte, die   beispielsweise gesundheitliche Probleme haben, nicht so ohne weiteres   wieder in den mitunter gef&#228;hrlichen Dienst eingebunden werden k&#246;nnen.   &#187;Es hat eben auch seinen Grund, weshalb aktuell nur Feuerwehrleute in   der Brandbek&#228;mpfung eingesetzt werden, die keine gesundheitlichen   Probleme haben&#171;, betont er.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Der heikelste Punkt ist f&#252;r die Gewerkschaft jedoch die im   &#187;Einsatzkonzept 2006&#171; vorgesehene Reduzierung der Nachtbesetzungen.   Dagegen hatte die GdP bereits im vergangenen Jahr 75000   Protestunterschriften gesammelt. Den Planungen zufolge sollen nachts   erheblich weniger L&#246;schfahrzeuge, Drehleitern und Rettungswagen   eingesetzt werden. &#187;Es ist irrsinnig, da&#223; in einer Millionenstadt wie   Berlin die Feuerwehr nachts nur noch eingeschr&#228;nkt zur Verf&#252;gung stehen   soll&#171;, kritisiert Krzizanowski. &#187;Bei mehr als einem normalen   Wohnungsbrand k&#246;nnen wir dann schnell in die Bredouille kommen&#171;,   bef&#252;rchtet er. Landesbranddirektor Gr&#228;fling h&#228;lt dem entgegen, da&#223; die   Statistik f&#252;r die Nachtstunden eine geringere Zahl von Br&#228;nden ausweist   als am Tage. Zudem seien nachts zwar weniger Fahrzeuge, nicht aber   weniger Feuerwehrleute im Dienst. &#187;Ich halte diese bedarfsgerechte   Anpassung f&#252;r vertretbar&#171;, betont Gr&#228;fling. Auch die Sprecherin des   Innensenats, Nicola Rothermel, weist die Kritik der GdP unter Berufung   auf &#187;statistische Untersuchungen&#171; zur&#252;ck. Eine Gef&#228;hrdung der B&#252;rger sei   nicht gegeben, so Rothermel gegen&#252;ber jW. Gewerkschafter Krzizanowski   kontert: &#187;Leider h&#228;lt sich der Notfall nicht an Statistiken oder   Computersimulationen.&#171; Insbesondere in den Bezirken am Rande der Stadt   sei ein schnelles Eintreffen zuk&#252;nftig gef&#228;hrdet. Gerade bei   Wohnungsbr&#228;nden oder Herzinfarkten sei oftmals entscheidend, da&#223;   ausreichendes Personal den Einsatzort schnell erreicht. Zudem sei die   Brandbek&#228;mpfung nachts wesentlich gef&#228;hrlicher als am Tage. Schon   deswegen, weil die Br&#228;nde sp&#228;ter entdeckt und gemeldet w&#252;rden, so   Krzizanowski. &#187;Durch den Abbau in den vergangenen Jahren haben wir   bereits an Qualit&#228;t verloren und sind langsamer geworden&#171;, gibt er zu   bedenken und fordert: &#187;Diese Politik der Sicherheit nach Kassenlage mu&#223;   endlich aufh&#246;ren.&#171;<\/p>\n<p>  <i>zuerst ver&#246;ffentlicht in der <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2007\/06-25\/042.php\"> jungen Welt, 25. Juni 07<\/a><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Gewerkschaft kritisiert geplante Reduzierung der Nachtbesetzungen in<br \/>\n      Berliner Feuerwachen und warnt vor Gef&#228;hrdung von Menschenleben<br \/><i><br \/>\nvon Daniel Behruzi<\/i>\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[75,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12178"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12178"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12178\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12178"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12178"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12178"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}