{"id":12170,"date":"2007-06-22T00:04:57","date_gmt":"2007-06-21T22:04:57","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12170"},"modified":"2012-08-21T13:52:17","modified_gmt":"2012-08-21T11:52:17","slug":"12170","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/06\/12170\/","title":{"rendered":"Pro &amp; Contra: Marxistische Organisation \u2013 kein Bedarf?"},"content":{"rendered":"<p>Die Partei DIE LINKE und die Aufgaben von MarxistInnen<br \/>Hebt die Fusion von WASG und Linkspartei.PDS die Notwendigkeit des Aufbaus einer unabh\u00e4ngigen marxistischen Organisation auf?<br \/>Pro: Sascha Kimpel, Linksruck &#8211; Contra: Sascha Stanicic, SAV<\/p>\n<p><!--more--><br \/> \u00a0<\/p>\n<p><em><strong>Die sich als marxistisch verstehende Organisation Linksruck \u00fcberraschte im April mit folgender Beschlussfassung: \u201eDer Organisationsrat schl\u00e4gt vor, Linksruck nach der Parteigr\u00fcndung als eigenst\u00e4ndige Organisation aufzul\u00f6sen und ein politisches Netzwerk innerhalb der neuen Linken neu zu konstituieren. (&#8230;) Um klassenk\u00e4mpferische Positionen innerhalb der Linken zu st\u00e4rken, empfiehlt Linksruck seinen Unterst\u00fctzern, innerhalb der neuen Partei die Str\u00f6mung Sozialistische Linke mit aufzubauen.\u201c Hebt also die Fusion von WASG und Linkspartei.PDS die Notwendigkeit des Aufbaus einer unabh\u00e4ngigen marxistischen Organisation auf? Worin bestehen heute \u00fcberhaupt die Aufgaben von MarxistInnen, gerade auch im Hinblick auf die neue Partei? <\/strong><\/em><\/p>\n<h4>\u201eIch bin kein Marxist\u201c (Karl Marx)<\/h4>\n<h5>Sascha Kimpel, Partei DIE LINKE, Linksruck<\/h5>\n<p>Nach zwei Jahrhunderten gro\u00dfer K\u00e4mpfe, Trag\u00f6dien und vieler Niederlagen der internationalen Arbeiterbewegung stehen die Marxisten in Theorie und Praxis am Anfang eines Wiederaufbaus der Emanzipationsbewegungen von unten. Die Frage marxistischer Politik im Rahmen der Linken darf daher nicht bei der Tagespolitik stehen bleiben.<\/p>\n<p>Auf unseren Schultern lasten die ungeheuren Verbrechen des Stalinismus genau so wie die endg\u00fcltige Verabschiedung der Sozialdemokratie von jeglicher Alternative zum Kapitalismus.<\/p>\n<p>Aber die sich auf den Trotzkismus berufenden Marxisten tragen f\u00fcr diese Niederlagen zwar keinerlei Verantwortung \u2013 und haben sie mit Kr\u00e4ften bek\u00e4mpft &#8211; doch auch sie konnten bisher nirgendwo aufgezeigt, dass sie in der Lage sind, die Bed\u00fcrfnisse und Bestrebungen der arbeitenden Klassen in einen Bruch mit dem Kapitalismus m\u00fcnden zu lassen. Insofern m\u00fcssen auch sie selbstkritisch ihre eigene Geschichte und aktuelle globale politische Ohnmacht analysieren.<\/p>\n<p>Nur die reale Weiterentwicklung einer politischen Alternative, die breite Teile der Klasse aktiv werden l\u00e4sst, kann zu neuen Erkenntnissen f\u00fchren und nach vorne zeigen. Die Marxisten des 21. Jahrhunderts werden nur mit Hilfe neuer Kampf- und Organisationserfahrungen lernen. Die Widerspr\u00fcchlichkeit der neuen Linken ist kein Makel! Im Gegenteil. Die Widerspr\u00fcche sind Ausdruck der realen Bewegung nach links von Teilen der lohnabh\u00e4ngigen Klasse und demnach ein notwendiges Element ihrer Emanzipationsbestrebungen. Einerseits lehnen etwa zwei Drittel der Bev\u00f6lkerung seit mehreren Jahren in Meinungsumfragen Sozialabbau und Kriegseins\u00e4tze ab. Und trotz Wirtschaftsaufschwung verlieren die gro\u00dfen Volksparteien an Unterst\u00fctzung. Andererseits wird die Perspektive einer sozialistischen Gesellschaft skeptisch beurteilt. Umfragen belegen zwar Sympathien mit dem \u201eSozialismus\u201c. Hingegen bestehen aber gro\u00dfe Zweifel \u00fcber die Methoden, sie zu \u00e4ndern, ohne die Schiffsbr\u00fcche und Verzerrungen zu reproduzieren, welche das 20. Jahrhundert erlebt hat. Die gro\u00dfe Mehrheit der Lohnabh\u00e4ngigen in Deutschland zieht einen \u201egut funktionierenden Sozialstaat\u201c neuen \u201esozialistischen Experimenten\u201c vor. Die schlechtestm\u00f6gliche Antwort von Marxisten auf diese Problemstellung ist es, sich den Widerspr\u00fcchen zu entziehen. Denunziation des politischen Gegners und sterile Propaganda f\u00fcr die vermeintlich richtige Politik mag n\u00fctzlich sein, um das eigene Lager abzugrenzen beziehungsweise aufzubauen. Die lohnabh\u00e4ngige Klasse hat damit jedoch noch keinen realen Schritt nach vorne gemacht.<\/p>\n<p>Die Linke ist der einzige erfolgsversprechende Ansatz f\u00fcr einen neuen Anlauf einer emanzipatorischen und radikalen Perspektive. Die \u201erevolution\u00e4re\u201c Pflicht der Marxisten besteht darin, an diesem Ansatz konstruktiv teilzunehmen und nicht weiter Sekten zu gr\u00fcnden.<\/p>\n<h4>Die SAV ist n\u00f6tiger denn je!<\/h4>\n<h5>Sascha Stanicic, SAV-Bundessprecher<\/h5>\n<p>Die Gr\u00fcndung der Partei DIE LINKE. ist kein Grund zur Aufl\u00f6sung marxistischer Organisationen, sondern im Gegenteil ein weiteres Argument, eine starke marxistische Organisation aufzubauen, die Einfluss auf den Wiederaufbau der Arbeiterbewegung nehmen kann. Dazu drei Thesen:<\/p>\n<p>1. Die Fusion von WASG und Linkspartei.PDS markiert keinen Schritt nach links, sondern eine Anpassung der WASG nach rechts, die ihre grunds\u00e4tzliche Ablehnung von Regierungsbeteiligungen mit der neoliberalen SPD aufgegeben hat. Eine tiefere Ursache dieser Entwicklung ist die von Beginn an systemimmanente und marktwirtschaftsorientierte Programmatik der WASG, in der eine Mitverwaltung des krisenhaften Kapitalismus angelegt war. Deshalb war es n\u00f6tig, in der WASG f\u00fcr eine sozialistische Programmtik und Perspektive einzutreten. Ein solcher Kampf konnte besser gef\u00fchrt werden, je besser die marxistischen Kr\u00e4fte organisiert waren.<\/p>\n<p>Die neue Partei macht die Arbeit einer organisierten marxistischen Opposition noch dringender. Ausgerechnet jetzt die eigene \u201eAufl\u00f6sung\u201c zu verk\u00fcnden, zeugt von grenzenlosem Opportunismus und Unterordnung unter den Lafontaine-Fl\u00fcgel. Der Kampf f\u00fcr eine wirklich sozialistische Massenpartei geht weiter, innerhalb und au\u00dferhalb der LINKEN. Je st\u00e4rker eine marxistische Organisation, desto eher wird dieser erfolgreich sein.<\/p>\n<p>2. Eine Weiterentwicklung des Marxismus ist eine wichtige Voraussetzung, um ein Programm und eine Strategie f\u00fcr die Klassenk\u00e4mpfe der Gegenwart und der Zukunft zu entwickeln. Das ist nur in kollektiver und organisierter Form m\u00f6glich. Es sind nicht einzelne F\u00fchrungsfiguren oder Intellektuelle, die dies leisten k\u00f6nnen, sondern nur die gemeinsame Erfahrung und Diskussion marxistischer AktivistInnen. Dies in organisierter, demokratischer Form zu gew\u00e4hrleisten ist nur m\u00f6glich, wenn diese AktivistInnen sich in einer Organisation zusammen schlie\u00dfen, die Aktion, Diskussion und Theorieentwicklung verbindet.<\/p>\n<p>3.Die sozialistische Ver\u00e4nderung der Gesellschaft kann nur durch die Arbeiterklasse selber vollzogen werden. Aber alle historische Erfahrung zeigt, dass sie dies nicht spontan, unorganisiert und ohne politische F\u00fchrung erreichen kann, sondern dass eine marxistische Organisation n\u00f6tig ist, um ein Programm, eine Strategie und Taktik in der Arbeiterklasse zu verankern, die eine sozialistische Ver\u00e4nderung erfolgreich machen kann. Eine solche Organisation muss jetzt begonnen werden aufzubauen, das kann nicht auf eine unbestimmte Zukunft verschoben werden. Denn nur wenn sich jetzt marxistische AktivistInnen in Betrieben, Nachbarschaften, Hochschulen verankern und erste handlungsf\u00e4hige Gruppen aufbauen, k\u00f6nnen sie in Zukunft Massen f\u00fcr den Marxismus gewinnen und entscheidenden Einfluss auf Bewegungen und K\u00e4mpfe nehmen. Der Aufbau der SAV ist also dringender denn je!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hebt die Fusion von WASG und Linkspartei.PDS die Notwendigkeit des Aufbaus einer unabh\u00e4ngigen marxistischen Organisation auf?<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25,30],"tags":[263,193],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12170"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12170"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12170\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12170"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12170"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12170"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}