{"id":12169,"date":"2007-06-21T08:00:21","date_gmt":"2007-06-21T08:00:21","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12169"},"modified":"2012-08-21T14:11:48","modified_gmt":"2012-08-21T12:11:48","slug":"12169","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/06\/12169\/","title":{"rendered":"Kommentar zum Telekom-Abschluss: ver.di akzeptiert Lohnraub"},"content":{"rendered":"<p>Defensiv und legalistisch<br \/>Die Zeiten der \u00bbSozialpartnerschaft\u00ab sind endg\u00fcltig vor\u00fcber. Wenn es hierf\u00fcr noch eines Belegs bedurfte \u2013 der Telekom-Konflikt hat ihn geliefert.<br \/><em>von Daniel Behruzi<\/em><\/p>\n<p><!--more--><br \/> \u00a0<\/p>\n<p>Der Versuch, bestehende Tarifregelungen in einem gewerkschaftlich hervorragend organisierten Betrieb per Ausgliederung zu zerschlagen ist \u2013 das mu\u00df man leider feststellen \u2013 gegl\u00fcckt. Es hat sich gezeigt, da\u00df die Gewerkschaft mit den alten Methoden der \u00bbKonfliktpartnerschaft\u00ab, die nur begrenzt auf Konflikt und vor allem auf Partnerschaft setzen, keinen Blumentopf mehr gewinnen kann.<\/p>\n<p>\u00bbWir haben den Zielkorridor unseres Sparprogramms ordentlich getroffen\u00ab, freute sich Telekom-Manager Thomas Sattelberger bei Verk\u00fcndung des Ergebnisses am Mittwoch in Bad Neuenahr. Soll hei\u00dfen: Die anvisierten 500 bis 900 Millionen Euro Lohnraub wurden weitgehend durchgesetzt. Tats\u00e4chlich ist die 6,5prozentige direkte Gehaltsk\u00fcrzung von den geforderten neun Prozent nicht allzu weit entfernt. Die unbezahlte Verl\u00e4ngerung der Wochenarbeitszeit um vier Stunden hat ver.di gar vollst\u00e4ndig akzeptiert.<\/p>\n<p>Zudem haben die Verhandlungsf\u00fchrer der Dienstleistungsgewerkschaft \u2013 wie schon in anderen F\u00e4llen \u2013 eine Spaltung der Belegschaft zugelassen: Die Servicebesch\u00e4ftigten der Telekom werden nicht nur auf drei eigenst\u00e4ndige Gesellschaften aufgeteilt, sondern auch zwischen Neueingestellten \u2013 deren Einkommen auf \u00bbMarktniveau\u00ab (Sattelberger) abgesenkt werden \u2013 und Altbesch\u00e4ftigten getrennt.<\/p>\n<p>Unter diesen Bedingungen d\u00fcrfte die n\u00e4chste K\u00fcrzungsrunde nicht allzu lange auf sich warten lassen. Vor dem diesem Hintergrund hilft es auch wenig, wenn kleinere, bereits ausgelagerte Bereiche wieder in den Konzern integriert werden.<\/p>\n<p>Die Telekom-Bosse haben diese Auseinandersetzung mit einer bisher nicht gekannten Sch\u00e4rfe und Entschlossenheit gef\u00fchrt. Streikende wurden bedroht und eingesch\u00fcchtert, zu angeblichen Notdiensten gezwungen, die keine waren, Leiharbeiter wurden gesetzeswidrig als Streikbrecher eingesetzt. Ganz im Gegensatz dazu hat die ver.di-Spitze defensiv und legalistisch agiert. Die M\u00f6glichkeit, die Tausenden Streikenden zu \u00f6ffentlichkeitswirksamen Aktionen und zur Aufkl\u00e4rung der Bev\u00f6lkerung zu mobilisieren wurde kaum genutzt. Die Einbeziehung der Beamten wurde nie ernsthaft thematisiert \u2013 dabei gibt es bei einem Privatunternehmen wie der Telekom \u00fcberhaupt keine Rechtfertigung daf\u00fcr, ihnen das Streikrecht zu verwehren.<\/p>\n<p>Obwohl auch anderen Teilen des Konzerns Ausgliederung und Verkauf drohen, hat ver.di keine Anstalten unternommen, den Streik auf diese Bereiche auszuweiten. Mit der K\u00fcndigung von Tarifvertr\u00e4gen oder dem Aufstellen von Forderungen f\u00fcr nicht-tarifierte Sachverhalte w\u00e4re das v\u00f6llig legal m\u00f6glich gewesen. Von einem ernsthaften Zusammengehen mit anderen in Auseinandersetzungen stehenden Branchen ganz zu schweigen.<\/p>\n<p>Dabei ist eins sicher: Die Niederlage bei der Telekom wird den Gewerkschaften auch anderswo noch schwer zu schaffen machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Defensiv und legalistisch<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17,19],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12169"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12169"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12169\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12169"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12169"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12169"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}