{"id":12162,"date":"2007-06-18T09:00:35","date_gmt":"2007-06-18T09:00:35","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12162"},"modified":"2012-08-21T14:12:07","modified_gmt":"2012-08-21T12:12:07","slug":"12162","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/06\/12162\/","title":{"rendered":"Telekom-Streik vor dem Ende?"},"content":{"rendered":"<p>Der Tarifkonflikt bei der Deutschen Telekom steht offenbar kurz vor dem Abschluss. Es ist zu bef\u00fcrchten, dass die ver.di-Spitze bei den laufenden Verhandlungen im rheinland-pf\u00e4lzischen Bad Neuenahr einen Gro\u00dfteil der vom Konzernvorstand geforderten Verschlechterungen akzeptiert \u2013 und den Besch\u00e4ftigten damit mittelfristig empfindliche Einkommenseinbu\u00dfen und l\u00e4ngere Arbeitszeiten beschert.<br \/><em> von Daniel Behruzi, Berlin<\/em><\/p>\n<p><!--more--><br \/> \u00a0<\/p>\n<p>In vorauseilendem Gehorsam \u2013 \u201e<em>um dem Verhandlungsstand Rechnung zu tragen<\/em>\u201c \u2013 schickt die ver.di-Spitze t\u00e4glich mehr Streikende wieder zur Arbeit. \u201e<em>Falls erforderlich, kann auch wieder rasch hochgefahren werden<\/em>\u201c, wird in einem aktuellen Flugblatt der Gewerkschaft behauptet. Doch einen Streik kann man nicht einfach so an und aus und wieder anschalten. Nach fast f\u00fcnf Wochen im Arbeitskampf sind viele Kolleginnen und Kollegen ausgelaugt. Es fehlt die Perspektive, wie diese Auseinandersetzung zum Erfolg gef\u00fchrt werden kann.<\/p>\n<p>Leider hat es die ver.di-F\u00fchrung vers\u00e4umt, den Streik auszuweiten und den Druck auf das Unternehmen so zu steigern. Obwohl Teile von T-Systems ebenfalls konkret von Ausgliederung und Verkauf an Finanzinvestoren bedroht sind, h\u00e4lt ver.di sich hier an die Friedenspflicht. Dabei gibt es Mittel und Wege, zum Beispiel durch die K\u00fcndigung von Tarifvertr\u00e4gen oder das Aufstellen von Tarifforderungen f\u00fcr nicht-tarifierte Sachverhalte, die Friedenspflicht auch in diesen Bereichen zu beenden. Durch die Forderung nach einem Konzerntarifvertrag k\u00f6nnten alle Telekom-Belegschaften in die Auseinandersetzung einbezogen werden. Zudem gibt es in einem privaten Unternehmen keinen Grund, die verbeamteten KollegInnen nicht auch zu Arbeitsniederlegungen aufzurufen.<\/p>\n<h4>Positive Signale?<\/h4>\n<p>\u201e<em>Es gibt positive Signale aus den Verhandlungen, die den Schritt der Streikreduzierung rechtfertigen<\/em>\u201c, hei\u00dft es in dem genannten ver.di-Flugblatt. Das m\u00fcssen dann aber ganz sch\u00f6n geheime Signale sein, denn die \u00f6ffentlichen \u00c4u\u00dferungen der Telekom-Verantwortlichen deuten in eine andere Richtung. Personalvorstand Thomas Sattelberger sagt zwar, er sei \u201e<em> kompromissf\u00e4hig in allen Dimensionen<\/em>\u201c, beharrt zugleich aber auf einem Einsparvolumen von 500 bis 900 Millionen Euro. Von seinem \u201eAngebot\u201c sind neben \u201e<em>Qualifizierungsm\u00f6glichkeiten<\/em> \u201c bislang lediglich eine \u201e<em>Erfolgsbeteiligung f\u00fcr besonders gute Mitarbeiter<\/em>\u201c \u2013 die Besch\u00e4ftigten der Telekom wissen, wie unrealistisch die Leistungsvorgaben des Konzerns sind \u2013 bekannt geworden, mit der die Einkommensk\u00fcrzungen m\u00f6glicherweise irgendwann zum Teil kompensiert werden k\u00f6nnten. Damit w\u00fcrde der Lohnraub nicht verhindert, sondern lediglich ein wenig kaschiert.<\/p>\n<h4>Verzichtsvorbereitungen<\/h4>\n<p>Wer sich tats\u00e4chlich bewegt, sind offensichtlich nicht die Telekom-Manager, sondern die ver.di-Verhandler. F\u00fcr diese ist jetzt nur noch die \u201e<em>Sicherung der bisherigen Einkommen, gegebenenfalls unter teilweiser Anrechnungen von Ergebnissen k\u00fcnftiger Tarifrunden<\/em> \u201c das Ziel. Sprich: Die Lohnk\u00fcrzung soll nicht verhindert sondern lediglich ein wenig aufgeschoben werden.<\/p>\n<p>In der Aufz\u00e4hlung \u201e<em>wichtiger Verhandlungspunkte<\/em>\u201c auf dem ver.di-Flugblatt fehlt sicher nicht ganz zuf\u00e4llig die Frage der Wochenarbeitszeit \u2013 zur Erinnerung: die Besch\u00e4ftigten sollen unbezahlt vier Stunden l\u00e4nger arbeiten.<\/p>\n<p>Sollte die Gewerkschaftsspitze dies akzeptieren, wird das eine noch weitere Versch\u00e4rfung des Personalabbaus zur Folge haben (sonst w\u00fcrde die Telekom durch Arbeitszeitverl\u00e4ngerung schlie\u00dflich nichts sparen). Weitere nicht genannte Punkte \u2013 wie die Anfahrten und Vorbereitungsarbeiten als \u201eFreizeitvergn\u00fcgen\u201c und die Streichung der Bildschirmpausen \u2013 w\u00fcrden in die gleiche Richtung wirken.<\/p>\n<h4>Kontrolle ist besser<\/h4>\n<p>\u201e<em>Vertraut bitte in dieser schwierigen Phase der Verhandlungskommission<\/em>\u201c, hei\u00dft es in dem Flugblatt. \u201e<em> Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser<\/em>\u201c, k\u00f6nnte man dem entgegenhalten. Falls es in den Verhandlungen zu einem Kompromiss kommt, m\u00fcssen die Besch\u00e4ftigten fl\u00e4chendeckend auf Streikvollversammlungen informiert werden und die Gelegenheit f\u00fcr ausf\u00fchrliche Diskussionen erhalten. Erst nach einer Phase intensiver Diskussionen unter den Streikaktiven sollte \u00fcber den Vertrag und die Beendigung des Arbeitskampfs in einer Urabstimmung entschieden werden. Bei Ablehnung des Ergebnisses durch eine Mehrheit der ver.di-Mitglieder muss der Ausstand fortgesetzt und massiv ausgeweitet werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Tarifkonflikt bei der Deutschen Telekom steht offenbar kurz vor dem Abschluss.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17,19],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12162"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12162"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12162\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12162"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12162"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12162"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}