{"id":12152,"date":"2007-06-02T10:45:26","date_gmt":"2007-06-02T10:45:26","guid":{"rendered":".\/?p=12152"},"modified":"2007-06-02T10:45:26","modified_gmt":"2007-06-02T10:45:26","slug":"12152","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/06\/12152\/","title":{"rendered":"Irische Wahlen 2007 &#8211; Gro&#223;parteien setzen sich mit Logik vom &#8222;kleineren \r\n      &#220;bel&#8220; durch"},"content":{"rendered":"<p>  Ein wesentlicher Faktor f&#252;r das Ergebnis der Parlamentswahlen in Irland   war die wirtschaftliche Situation. Die Menschen stimmten f&#252;r die   regierende Partei Fianna Fail, gegen&#252;ber der offiziellen Opposition von   Fine Gael und Labour.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>Von Kevin McLoughlin, Socialist Party Irland <\/i><\/p>\n<p>  Trotz des fortgesetzten Wirtschaftswachstums kam hier allerdings kein   &#8222;Wohlf&#252;hlfaktor&#8220; zum Tragen, sondern war eher das Gegenteil der Fall.   Der R&#252;ckgang bei Immobilienmarkt und Bauwirtschaft sowie der Trend, dass   multinationale Konzerne in Niedriglohnl&#228;nder ausweichen, hat zu einer   Nervosit&#228;t der Menschen bez&#252;glich ihrer Zukunft gef&#252;hrt. Sie haben daher   f&#252;r den politischen Status Quo gestimmt, in der Hoffnung, das sei der   beste Weg, um das wirtschaftliche Wachstum aufrecht zu erhalten.<\/p>\n<p>  Das bestimmende Thema in der letzten Phase der Wahlen war die Frage, wer   die neue Regierung stellen w&#252;rde &#8211; Fianna Fail als bestehende   Regierungspartei oder Fine Gael als zweite traditionelle Partei des   Establishments. Das war mit einer der Hauptgr&#252;nde, warum die kleineren   Parteien, inklusive der Socialist Party (CWI in Irland), gegen&#252;ber   diesen beiden Bl&#246;cken verloren.<\/p>\n<p>  <b>R&#252;ckschlag f&#252;r Socialist Party <\/b><\/p>\n<p>  Obwohl es ein sehr knappes Ergebnis war und weniger als 250 Zweitstimmen   f&#252;r einen Sitz gen&#252;gt h&#228;tten (in Irland gibt es ein System in dem es   m&#246;glich ist, f&#252;r mehrere Parteien nach bevorzugter Reihung zu stimmen,   wobei die Stimmen f&#252;r die letztgereihten Kandidaten auf die   verbleibenden Parteien je nach Reihung aufgerechnet werden), musste der   Parlamentsabgeordneter der Socialist Party, Joe Higgins, eine Niederlage   hinnehmen &#8211; er verlor seinen Sitz trotz eines ausgezeichneten   Ergebnisses von 5066 Stimmen (entspricht 15 Prozent der Stimmen in   West-Dublin). Auch die Gemeinder&#228;tin der Socialist Party in Nord-Dublin,   Clare Daly, der gro&#223;e Chancen auf einen Erfolg einger&#228;umt worden waren,   verpasste nur knapp einen Sitz, trotz einer sehr intensiven und guten   Kampagne &#8211; sie bekam 4884 Stimmen (entspricht 9 Prozent der Stimmen in   Nord-Dublin). Unter diesen Umst&#228;nden, waren die Erststimmen f&#252;r die   SP-Gemeinder&#228;te Mick Murphy in S&#252;dwest-Dublin und Mick Barry in Cork ein   beachtliches Ergebnis &#8211; Mick Murphy erhielt 1580 Stimmen (3,8 Prozent)   und Mick Barry 1700 Stimmen (4 Prozent).<\/p>\n<p>  In allen Bezirken in denen KandidatInen der Socialist Party angetreten   sind war die Unterst&#252;tzung f&#252;r die SP und ihre Arbeit tats&#228;chlich gr&#246;&#223;er   als zuvor. Das dr&#252;ckte sich zwar nicht in h&#246;heren Erststimmen aus, da   die Frage der Regierungsbildung zum dominierenden Thema wurde.   Allerdings ist die gr&#246;&#223;ere Unterst&#252;tzung ein Vorgeschmack auf das   Potential f&#252;r eine sozialistische Kraft, wenn die wirtschaftliche   Situation Menschen in aktive Opposition zur neuen Regierung der   Unternehmen und Konzerne zwingt.<\/p>\n<p>  <b>Die Politik des kleineren &#220;bels <\/b><\/p>\n<p>  Das Wahlergebnis f&#252;r Fianna Fail war &#228;hnlich jenem von 2002 &#8211; 41,6   Prozent bzw. 78 Sitze &#8211; aber ihr Koalitionspartner Progressive Democrats   (PDs) verlor sechs ihrer acht Sitze. Das Endergebnis in Sitzen: Fianna   Fail 78 (-2), Fine Gael 51 (+20), Labour 20 (-1), die Gr&#252;nen 6, Sinn   Fein 4 (-1), PDs (Progressive Demokraten) 2 (-6), Andere 5 (-10).<\/p>\n<p>  W&#228;hrend es oberfl&#228;chlich gesehen &#196;hnlichkeiten gibt, hat sich die   Situation seit 2002 entscheidend ver&#228;ndert. Es gibt gro&#223;e Wut &#252;ber viele   Dinge, wie das Fehlen von Investitionen in den &#246;ffentlichen Sektor, zum   Beispiel in das Gesundheitssystem, und die Krise im Bauwesen, sowie &#252;ber   Privatisierungen. Das spiegelte sich in der Wahlniederlage von Fianna   Fail in den Kommunalwahlen 2004 wieder. Das Ergebnis dieser Wahlen   bedeutet aber nicht, dass die Wut auf Fianna Fail seitdem verschwunden   ist oder sie die verlorene politische Unterst&#252;tzung wiedergewonnen hat.   Es bedeutet schlicht, dass ohne wirkliche Alternative gegen&#252;ber der   bestehenden Regierung viele Menschen widerwillig f&#252;r Fianna Fail   gestimmt haben, aus Angst vor politischer Instabilit&#228;t. Es ist Ausdruck   des Wunsches, die wirtschaftliche Situation nicht durch einen   Regierungswechsel zu Fine Gael und Labour und m&#246;gliche damit verbundene   Instabilit&#228;t zu gef&#228;hrden.<\/p>\n<p>  Das Unverm&#246;gen der offiziellen Opposition, eine tats&#228;chliche Alternative   darzustellen sowie die R&#252;ckschl&#228;ge, die die Arbeiterbewegung in Irland   in den letzten Jahren hinnehmen musste, waren wichtige Einfl&#252;sse auf die   Haltung der Bev&#246;lkerung. Der Verrat der Gewerkschaften gegen&#252;ber den   Massenmobilisierungen gegen die Einf&#252;hrung von sklaven&#228;hnlichen   Arbeitsbedingungen bei Irish Ferries sowie die fortgesetzten   Privatisierungen und neoliberalen Attacken auf die Rechte von   ArbeitnehmerInnen haben die Stimmung in der Arbeiterklasse gepr&#228;gt. Seit   den Mobilisierungen im Dezember 2005, war der Level von Aktivit&#228;ten in   den Nachbarschaften und Betrieben auf einem historischen Tiefstand, da   das Selbstvertrauen der Arbeiterklasse bez&#252;glich der M&#246;glichkeit zu   k&#228;mpfen oder sich zu organisieren massiv beeintr&#228;chtigt war.<\/p>\n<p>  Eher aus Versehen hat die offizielle Opposition aus den Lokalwahlen 2004   Aufwind bekommen. Allerdings haben sie seitdem nicht grundlegend an   Unterst&#252;tzung gewonnen. Zum H&#246;hepunkt des Skandals &#252;ber korrupte   Zahlungen an den Premier (&#8222;Taoiseach&#8220;) Bertie Ahern letztes Jahr, waren   sie nicht f&#228;hig, Ahern zur Verantwortung zu ziehen und verloren daher in   den Umfragen. Zu Beginn des Jahres hat der Verlust an Unterst&#252;tzung f&#252;r   die Regierung sich nicht in positive Unterst&#252;tzung f&#252;r die Opposition   ausgedr&#252;ckt. Es sah so aus, als ob als Ergebnis der Wahlen Fianna Fail   zwar die gr&#246;&#223;te Partei bleiben k&#246;nnte, allerdings eine   Regierungskoalition eingehen m&#252;sste.<\/p>\n<p>  <b>Die beste Wahlkampagne seit langem <\/b><\/p>\n<p>  Schon im Vorfeld haben wir unsere Botschaft f&#252;r die Wahlen klar gemacht:   Die Socialist Party ist die einzige Kraft die f&#252;r WIRKLICHE VER&#196;NDERUNG   steht. Wir stehen f&#252;r Organisation, Kampf um die Fragen die das t&#228;gliche   Leben der Menschen betreffen. Und wir stehen daf&#252;r ein, dass die   Bed&#252;rfnisse der Menschen &#252;ber die Profite der Konzerne gestellt werden.   Eine von Fine Gael und Labour gef&#252;hrte Regierung w&#252;rde grundlegend   dieselbe Politik verfolgen wie eine von Fianna Fail und der PDs. Wir   riefen dazu auf, f&#252;r die SP zu stimmen, um das Parlament (&#8222;Dail&#8220;)   benutzen zu k&#246;nnen, um K&#228;mpfen und Anliegen von ArbeitnehmerInnen eine   B&#252;hne geben zu k&#246;nnen. Wir machten auch klar, dass wir unsere Position   n&#252;tzen w&#252;rden, um eine neue Partei oder Bewegung zu initiieren, die   tats&#228;chlich die Arbeiterklasse repr&#228;sentiert. In den vier Bezirken in   denen wir angetreten sind, haben wir 400.000 Flugbl&#228;tter und   Wahlmaterial verteilt, inklusive eines Wahlmanifests, das sich mit den   Schl&#252;sselfragen die die Menschen in der Nachbarschaft betreffen   besch&#228;ftigte und die Position von SozialistInnen dazu erkl&#228;rte. Wir   machten Wahlkampf bei 100.000 Haushalten. Wir wurden von den Menschen,   mit denen wir &#252;ber ihre Anliegen sprachen, freundlich empfangen. Die   Menschen kennen die SP als eine Partei, die f&#252;r ArbeitnehmerInnen k&#228;mpft   und lokale Kampagnen gemeinsam mit den Menschen f&#252;hrt. Viele haben nicht   gez&#246;gert uns zu versichern, dass sie uns ihre Erststimme geben.   Allerdings war es klar, dass, aufgrund der R&#252;ckschl&#228;ge in wichtigen   K&#228;mpfen und deren Auswirkungen auf die Stimmung, andere zwar unsere   Positionen gut fanden, aber nicht &#252;berzeugt waren, dass eine Stimme f&#252;r   die Socialist Party diesmal einen Unterschied machen w&#252;rde. Einige   dieser Menschen haben, trotz ihrer Anerkennung f&#252;r unsere Arbeit, f&#252;r   Fine Gael\/Labour als das kleinere &#220;bel gestimmt um die Regierung von   Fianna Fail und PDs loszuwerden. Labour hat sich komplett hinter Fine   Gael gestellt &#8211; und damit bewirkt, dass sie sich gegen&#252;ber ebendieser   kaum profilieren konnte und damit an Unterst&#252;tzung in ihren wichtigeren   Bezirken verloren hat. &#196;hnlich erging es den Gr&#252;nen, die ebenfalls mit   diesem Block assoziiert wurden. In Nord-Dublin und West-Dublin konnten   wir gegen diesen Trend hin zur &#8222;Alliance for Change&#8220; (Fine Gael und   Labour) halten, vor allem aufgrund unserer Bekanntheit als k&#228;mpferische   Kraft. In S&#252;dwest-Dublin und Cork North Central hatte dieser Wunsch nach   Ver&#228;nderung st&#228;rkere Auswirkungen auf unsere Kampagnen.<\/p>\n<p>  <b>Die beiden gro&#223;en Parteien holen auf<\/b><\/p>\n<p>  In der letzten Woche der Kampagne schien ein Regierungswechsel beinahe   m&#246;glich &#8211; Fine Gael hatten an Unterst&#252;tzung gewonnen angesichts der   desastr&#246;sen Kampagne von Fianna Fail. In West-Dublin und Nord-Dublin   hatten wir sehr starke Kampagnen und waren zuversichtlich, genug   Unterst&#252;tzung in beiden Wahlbezirken f&#252;r einen Gewinn der beiden Sitze   zu haben. Allerdings war es eben dieses Wachsen an Unterst&#252;tzung f&#252;r die   Opposition, denen sie letztlich zum Opfer fiel. Die Aussicht, dass Fine   Gael und Labour die n&#228;chste Regierung stellen k&#246;nnten, l&#246;ste eine   Ver&#228;nderung in der Stimmung in den letzten Tagen der Wahlen aus. Viele   ArbeiterInnen und ein gro&#223;er Teil der Mittelschichten waren bereit f&#252;r   Fine Gael und Labour zu stimmen, um die Regierung loszuwerden,   allerdings war eine gr&#246;&#223;ere Zahl bereit f&#252;r Fianna Fail zu stimmen um   eben diese &#8222;Opposition&#8220; zu stoppen. Das Ergebnis war eine relativ hohe   Wahlbeteiligung, um fast 5 Prozent &#252;ber jener von 2002. In den   st&#228;dtischen Gebieten war klar, dass Schichten der Arbeiterklasse   beschlossen hatten Fianna Fail zu w&#228;hlen, um Fine Gael zu verhindern.   Viele taten das ohne gro&#223;e Begeisterung, und nur mit &#8222;der Faust in der   Tasche&#8220;, in der Hoffnung, den Status Quo von Wachstum und Jobs aufrecht   erhalten zu k&#246;nnen. Sogar Menschen, die die Politik von Fianna Fail in   der Vergangenheit abgelehnt hatten, stimmten nun f&#252;r sie.<\/p>\n<p>  Der grundlegende Trend hin zu Fianna Fail in den letzten Tagen war es,   der der Socialist Party Erststimmen kostete. Dazu kam erschwerend die   Situation in der die Wahlen stattfanden, mit erlittenen R&#252;ckschl&#228;ge in   K&#228;mpfen und dem daher niedrigeren Selbstbewusstsein der Arbeiterklasse.   Denn wir stehen f&#252;r sozialistische L&#246;sungsans&#228;tze und k&#228;mpferische   Politik und haben unser Programm nicht verw&#228;ssert. Die k&#228;mpferischeren   unabh&#228;ngigen Parlamentsabgeordneten die st&#228;rker auf lokale   Kampagnenarbeit fokussiert waren, hatten ebenfalls Schwierigkeiten,   viele verloren ihre Sitze. Wenn die Wahl in einer selbstbewussteren   Stimmung von Seiten der Arbeiterklasse, im Umfeld einer Bewegung   stattgefunden h&#228;tte, h&#228;tten wir sicherlich zumindest die Sitze in   West-Dublin und Nord-Dublin gewonnen.<\/p>\n<p>  <b>Undemokratische Bezirkseinteilung <\/b><\/p>\n<p>  Sowohl Nord-Dublin wie auch West-Dublin h&#228;tten einen zus&#228;tzlichen   Parlamentssitz ben&#246;tigt. Aufgrund eines hohen Bev&#246;lkerungswachstums sind   diese beiden Wahlbezirke die am st&#228;rksten unterrepr&#228;sentierten Gebiete   im Land. Ein wichtiger Teil der beiden Wahlbezirke bestehen aus neu   gebauten Wohngebieten. Die meisten Bezirke in der Gr&#246;&#223;e von West-Dublin   haben vier Parlamentssitze anstatt nur drei zu vergeben. Die Justiz gab   dem Infrastrukturminister die M&#246;glichkeit einen zus&#228;tzlichen Sitz an   West- und Nord-Dublin zu vergeben, aber er entschied sich dazu, das   nicht zu tun, da das bedeutet h&#228;tte, dass die Opposition zur derzeitigen   Regierung gest&#228;rkt worden w&#228;re. Wenn die demokratischen Rechte der   Menschen von West-Dublin und Nord-Dublin gez&#228;hlt h&#228;tten, oder wenn es   eine faire Wahlauseinandersetzung gegeben h&#228;tte, w&#228;ren selbst mit dem   Trend hin zu Fianna Fail sowohl Joe Higgins als auch Clare Daly ins   Parlament gew&#228;hlt worden.<\/p>\n<p>  Alle Parteien waren vom Trend hin zu den Gro&#223;parteien betroffen. W&#228;hrend   die Socialist Party ihren Prinzipien treu blieb und politisch und   organisatorisch versuchte, der Umkehr in den Umfragen standzuhalten,   haben Labour, Sinn Fein und die Gr&#252;nen durch ihre Politik selbst zu   ihren eigenen Verlusten beigetragen. Da Labour in &#8222;Opposition&#8220; war,   erwarteten sie sich erhebliche Zugewinne &#8211; nun haben sie aber gegen&#252;ber   2002 einen Sitz verloren. Es ist klar, dass die Partei sich auf dem   absteigenden Ast befindet und mehr und mehr ihre Basis in der   Arbeiterklasse verliert. Das Ergebnis war noch schlimmer f&#252;r Sinn Fein.   W&#228;hrend ihr Stimmenergebnis von 6.9 Prozent gegen&#252;ber 2002 h&#246;her war,   hatten sie erwartet, ein zweistelliges Ergebnis einzufahren, sowohl in   Bezug auf den Stimmenanteil als auch in Bezug auf die Sitze.   Stattdessen, konnten sie nur vier Parlamentssitze halten, und haben   einen wichtigen Sitz in ihrer Hochburg Tallaght in Dublin verloren.   Einen weiteren Sitz konnten sie nur ganz knapp halten. Wie die Gr&#252;nen   hat Sinn Fein jegliche radikal klingende Politik vor und w&#228;hrend der   Wahl aufgegeben in der Hoffnung, als Koalitionspartner f&#252;r Fianna Fail   in Frage zu kommen. Allerdings w&#228;hlten die Leute wie im Fall von Labour   und Fine Gael lieber Fianna Fail, als den gr&#246;&#223;eren Koalitionspartner. <\/p>\n<p>  <b>Gibt es einen Rechtsruck? <\/b><\/p>\n<p>  Das Ergebnis dieser Wahl hat die beiden Hauptparteien des politischen   Establishments kurzfristig gest&#228;rkt. Allerdings w&#228;re es falsch die   Schlussfolgerung zu ziehen, dass es einen generellen Rechtsruck in der   irischen Gesellschaft gib, wie manche Medien das behaupten. Die h&#246;heren   Stimmenergebnisse f&#252;r Fine Gael und Fianna Fail im Vergleich zu den   Umfragen der letzten Monate bedeuten nicht, dass neue Schichten der   Bev&#246;lkerung den Kapitalismus oder die Politik der herrschenden Parteien   unterst&#252;tzen. Im Fall von Fine Gael war es der Wunsch nach Ver&#228;nderung   der den Ausschlag gab, im Fall von Fianna Fail der Wunsch nach   wirtschaftlichem Wachstum und daf&#252;r, Jobs zu sichern.<\/p>\n<p>  Viele Menschen im Land sind geschockt, dass Joe Higgins seinen Sitz   verloren hat. Joe war f&#252;r viele die wirkliche Opposition im Parlament,   war bekannt als K&#228;mpfer f&#252;r die Interessen der Arbeiterklasse und war   der Einzige, der im irischen Parlament f&#252;r sozialistische Ideen stand.   Der Verlust von Joes Sitz ist nicht nur ein R&#252;ckschlag f&#252;r die Socialist   Party, es ist ein R&#252;ckschlag f&#252;r die Arbeiterklasse und SozialistInnen   in Irland und international. Er war ein Vorbild, welche Methoden und   Politik sozialistische Abgeordnete oder Funktion&#228;rInnen verfolgen   sollten und hat als Parlamentsmitglied einen historischen Beitrag zur   Arbeiterbewegung in Irland geleistet.<\/p>\n<p>  Lange vor der Wahl war der SP bewusst, dass es einen heftigen Kampf um   den Sitz in West-Dublin geben w&#252;rde. Der Sitz war erstmals 1997 gewonnen   worden, wir konnten ihn 2002 halten. Bei beiden Gelegenheiten legten   Fine Gael und Labour eine sehr schwache Performance hin &#8211; die Erinnerung   an ihre Politik zwischen 1994 und 1997 war noch frisch in den K&#246;pfen der   Menschen. Es war klar, dass in dieser Wahl und mit einer   Regierungsabstinenz von zehn Jahren diese Parteien sich erholen w&#252;rden.   Das, wie auch die ungen&#252;gende Repr&#228;sentation von Dublin West und Nord in   der Zahl der zu vergebenden Sitze erschwerten uns die Sache.<\/p>\n<p>  Die Menschen in West-Dublin lehnten durch das Wahlergebnis weder Joe   Higgins noch seine Haltung zu K&#228;mpfen und Sozialismus ab. Wenn man   bedenkt, dass Palmertown (ein Wohngebiet in West-Dublin) diesmal nicht   zu Joes Wahlbezirk z&#228;hlte und er dadurch 900 Stimmen verlor, war sein   Stimmenergebnis nur marginal unter jenem von 2002, sogar angesichts des   Trends zu Fianna Fail. Joe wird weiterhin die Socialist Party   repr&#228;sentieren und eine essentielle Figur auf der Linken in Irland   bleiben.<\/p>\n<p>  <b>Wie kann eine neue Arbeiterbewegung aufgebaut werden <\/b><\/p>\n<p>  Die Wahl unterstrich die Ansicht der Socialist Party, dass wir uns in   Irland noch im fr&#252;hen Stadium der Erholung und Re-Organisierung der   Arbeiterklasse nach dem historischen Verrat der Labour Party in den   90ern und jenem der Gewerkschaftsf&#252;hrung durch die Sozialpartnerschaft   und das Akzeptieren der kapitalistischen Marktlogik befinden. Das   Argument, dass die Wahlen ein Schl&#252;sselereignis und eine lebenswichtige   Chance sei, eine breite linke Bewegung durch ein Wahlb&#252;ndnis der   Kandidaten zu starten, wurde durch das Wahlergebnis allerdings nicht   best&#228;tigt (Viele die diese Thesen vertraten hatten weder eine   k&#228;mpferische Geschichte noch wirkliche Treue gegen&#252;ber sozialistischen   Prinzipien). Das Fehlen von Bewegungen und K&#228;mpfen der Arbeiterklasse zu   diesem Zeitpunkt und das niedrige Selbstvertrauen der Klasse machten es   schwierig, die bestehenden Stimmenanteile zu halten, geschweige denn   eine Basis f&#252;r eine neue Arbeiterpartei zu etablieren.<\/p>\n<p>  Richard Boyd Barrett, Mitglied der Socialist Workers Party (SWP &#8211; in   Deutschland Linksruck, Anm.), der unter dem Banner der &#8222;People before   Profit Alliance&#8220; antrat, hat einen starkes Stimmenergebnis von 5.233 bzw   8,9 Prozent erhalten und hat den Einzug ins Parlament in Dun Laoghaire   nur knapp verpasst. Manche argumentieren bereits, dass dieses Ergebnis   zeigt, dass es ein Potential f&#252;r eine neue breite linke Bewegung gibt.   Das ist allerdings ein Kurzschluss &#8211; eine ebenso falsche   Schlussfolgerung wie jene, dass es in dieser Wahl einen Rechtsruck   gegeben h&#228;tte. Selbst im Vergleich zu den anderen vier KandidatInnen von   &#8222;People before Profit&#8220;, ist das Ergebnis in Dun Laoghaire   au&#223;ergew&#246;hnlich, die anderen KandidatInnen des B&#252;ndnisses kamen auf   2.080 Stimmen oder 4,38 Prozent; 1.058 Stimmen oder 2,8 Prozent; 591   Stimmen oder 1,75 Prozent; 365 oder 0,56 Prozent.<\/p>\n<p>  Ob Richard Boyd Barretts Stimmenergebnis wirklich ein Potential f&#252;r den   Aufbau einer neuen linken Bewegung f&#252;r ArbeiterInnen repr&#228;sentiert, ist   fraglich. Aufgrund der Tatsache, dass er mit dem Kampf gegen die Bin Tax   assoziiert wird, bekam er in den Gemeinderatswahlen 2004 1.400 Stimmen.   Aufgrund seiner aktiven Einbindung in lokale Kampagnen und seine hohe   Bekanntheit, war ein Stimmenergebnis &#252;ber 3.000 in Dun Laoghaire immer   ein wahrscheinliches.<\/p>\n<p>  Allerdings ist der Zugang, jegliche Zugeh&#246;rigkeit zur SWP zu   verschweigen, und jegliche sozialistischen Positionen oder Inhalte in   der Kampagne fallen zu lassen, ein klarer Versuch, liberale   Mittelschichten in seinem Bezirk anzusprechen, und damit war er   erfolgreich. Diese Menschen sind weniger besorgt &#252;ber ein m&#246;gliches   Abschw&#228;chen des wirtschaftlichen Wachstums und daher war er vom Trend zu   Fianna Fail in den letzten Tagen weniger betroffen. In gewisser Weise   baut er seine Unterst&#252;tzung auf ein &#228;hnliches Fundament wie die Gr&#252;nen,   und ist daher kaum ein Schritt hin zum Aufbau einer neuen Linken auf   prinzipienfesten Basis.<\/p>\n<p>  <b>K&#228;mpfe der Arbeiterklasse und eine sozialistische   Gesellschaftsver&#228;nderung <\/b><\/p>\n<p>  Eine wirkliche neue linke Bewegung wird aus neuen K&#228;mpfen der   Arbeiterklasse und Jugend entstehen. Die Hoffnungen auf Ver&#228;nderung und   auf Aufrechterhaltung des wirtschaftlichen Wachstums, die in dieser Wahl   entscheidend waren, werden sich in Nichts aufl&#246;sen, wenn die Immobilien-   und Baublase, die die irische Wirtschaft seit 2001 getrieben hat,   platzt. &#214;ffentliche Infrastruktur und Dienstleistungen, die jetzt   bereits in den neuen Gebieten fehlen, werden nicht kommen, die Krise im   Gesundheitswesen, im Wohnbau, und dem &#246;ffentlichen Verkehr werden sich   verschlimmern. Die Unternehmen werden versuchen, die L&#246;hne und den   Lebensstandard der Arbeiterklasse zu dr&#252;cken. Zum ersten Mal seit fast   einer Generation wird Arbeitslosigkeit und die Gefahr, arbeitslos zu   werden, wieder ein Problem werden.<\/p>\n<p>  Die neue Regierung wird in den n&#228;chsten Wochen aus prinzipienlosem   Man&#246;vrieren entstehen. Fianna Fail sitzen im Fahrersitz und sowohl die   PDs wie auch die &#8222;Unabh&#228;ngigen&#8220; KandidatInnen, wie auch die Gr&#252;nen oder   Labour, sind bereit, mit ihnen in eine Regierung einzutreten. Das wird   notwendigerweise eine rechte Pro-Business-Regierung sein. Ihre Politik   wird in einem ver&#228;nderten wirtschaftlichen Rahmen die Grundlage f&#252;r neue   K&#228;mpfe und Arbeit in den Nachbarschaften und die Wiederorganisierung der   Arbeiterklasse in den Gewerkschaften und politisch sein. Es wird ein   Potential geben f&#252;r eine drastische Abkehr von den etablierten Parteien,   da sie alle den kapitalistischen Markt verteidigen &#8211; der die Grundlage   f&#252;r die Angriffe auf die Arbeiterklasse ist und sein wird.<\/p>\n<p>  Der kurzfristige R&#252;ckschlag f&#252;r die Socialist Party und die   Arbeiterklasse in dieser Wahl kann und wird wettgemacht werden. Diese   Wahl war nur eine Momentaufnahme der Stimmung in der Arbeiterklasse zu   einem bestimmten Zeitpunkt. Die wirtschaftliche Situation wird sich   rasch &#228;ndern und Instabilit&#228;t mit sich bringen. Es ist wichtig, dass   SozialistInnen und AktivistInnen der Arbeiterbewegung sich auf kommende   K&#228;mpfe und die darin liegenden M&#246;glichkeiten f&#252;r den Aufbau einer neuen   sozialistischen Bewegung in den n&#228;chsten Jahren vorbereiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Ein wesentlicher Faktor f&#252;r das Ergebnis der Parlamentswahlen in Irland<br \/>\n      war die wirtschaftliche Situation. 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